Evergreen Confusions

von - Leela -
KurzgeschichteAllgemein / P12
16.04.2014
18.06.2014
7
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Diese Kurzgeschichten gehören zu dem Projekt »Meme 8« von Ghostbuster. Bei den Meme-Projekten geht es darum, bestimmte Situationen anhand einer vorher festgelegten Liste von Charakteren zu schreiben, ohne vorher zu wissen, was auf welche Charaktere zukommt und welche Konstellationen sich daraus ergeben. In dieser speziellen Variante sind die Charaktere dazu gehalten, gemeinsam kleine Fälle zu aufzuklären, in denen immer einer von ihnen der »Täter« ist. Und einer der Charaktere soll hierfür eine »Strafe« erhalten.

Die Liste der Charaktere zu diesem Projekt lautet wie folgt:

1. – Ralph Raccoon
2. – Sophia Tutu
3. – Bert Raccoon
4. – Melissa Raccoon
5. – Cedric Sneer

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Situation 1:

Die Aufgabe:
● 5 hat den Autoschlüssel / Führerschein von 3 geklaut und findet ihn nun nicht wieder. Allerdings möchte 3 bald wegfahren.
● Cedric hat den Autoschlüssel von Bert geklaut und findet ihn nun nicht wieder. Allerdings möchte Bert bald wegfahren.


Das Erdnußbutter-Komplott

„Das wird ein ganz toller Abend heute!“ prophezeite Melissa, als sie den Wohnzimmertisch freiräumte. „Ich freue mich schon darauf, das neue Monopoly auszuprobieren.“
      „Ja, wie gut, daß wir das nicht mit Paps spielen!“ lachte Cedric. „Es ist sein Lieblingsspiel, und er gewinnt immer!“
      Ralph lächelte den Milliardärssohn an. „Das kann ich mir vorstellen!“
      „Du darfst nicht vergessen zu erwähnen, daß am Ende des Spiels alle anderen Mitspieler selbst ihre Unterwäsche verpfänden und unter der Brücke schlafen mußten!“ warf Sophia ein, die einmal das Vergnügen gehabt hatte, bei einem Spiel mit seinem Vater dabeisein zu dürfen.
      „Ja, und das im wahrsten Sinne des Wortes!“ lachte Cedric.
      „Ich hoffe, du spielst anders!“ grinste Ralph.
      „Keine Sorge, ich möchte einfach nur Spaß haben!“ beruhigte Cedric ihn.
      „Das will dein Vater sicher auch!“ meinte Ralph bedeutungsvoll, aber mit einem humorvollen Schmunzeln.
      „Ach, es wird schon ein ganz toller Abend!“ war Melissa sich sicher und stellte schon mal die Gläser für die Getränke auf den Tisch.
      „Ja, das wird ein richtig klasse Abend! Ein legendärer Abend, an dem ich, Bert Raccoon, die Straßen erobern werde, eine nach der anderen!“ rief der fünfte im Bunde der Freunde euphorisch.
      „Das werden wir ja noch sehen.“ kommentierte Ralph leise.
      „Von mir kann selbst dein Dad noch etwas lernen, Cedric!“ behauptete Bert und wandte sich zur Küche. „Ich gehe mal und mache Erdnußbuttersandwiches für uns alle!“
      „Ach, das wollte ich dir noch sagen, Bert: Erdnußbutter ist aus!“ meinte Ralph im vorbeigehen.
      Bert entglitten die Gesichtszüge. „Was??“
      „Erdnußbutter ist…“
      Bert machte eine theatralische Geste, bevor Ralph fortfahren konnte. „Sag’ es nicht noch einmal! Bitte! Das ist eine Katastrophe!“ Entschlossen wandte er sich um und ging zum Sideboard. „Ich fahre eben zu Willows und besorge welche!“
      Ralph verdrehte die Augen. „Wir werden doch wohl mal einen Abend ohne Erdnußbutter auskommen.“
      „Wir schon, Bert nicht!“ lachte Melissa. „Laß ihn doch. Bis er zurück ist, haben wir hier alles fertig vorbereitet.“
      „Außer die Sandwiches, ja!“ meinte Ralph mißmutig.
      Hinter ihnen wurde Bert derweilen hektisch.
      „Was ist denn los, Bert?“ erkundigte sich Sophia, die ihren Kameraden dabei beobachtete, wie er aufgeregt durch den Raum lief.
      „Der Schlüssel… Ich finde meinen Autoschlüssel nicht!“
      „Na, was für ein Segen!“ stieß Ralph aus. „Dann laßt uns spielen! – Hast du die Erdbeersoda, Melissa?“
      „Gleich hier!“ schmunzelte die Racconfrau und stellte die Karaffe auf das Sideboard neben dem Wohnzimmertisch.
      Bert hatte nicht einmal zugehört. „Er kann nicht weit sein! Ich lege ihn doch immer genau hier hin!“
      „Bei dem Chaos, das bei dir immer herrscht, wundert es mich nicht, daß du ihn nicht wiederfindest.“ meinte Melissa.
      „Auf meinen Autoschlüssel gebe ich immer sehr gut acht!“ Berts Stimme wurde immer angespannter. „Der kann nicht einfach weg sein!“
      Mittlerweile begann Cedric leicht zu schwitzen.
      „Du findest ihn schon wieder, Bert!“ meinte Ralph ruhig. „Wollen wir jetzt spielen?“
      „Nicht, bevor ich meinen Schlüssel nicht gefunden habe!“ Bert schrie fast.
      „Wir können meinen Wagen nehmen!“ Cedric lachte nervös und lockerte unbehaglich seine Fliege.
      „Nein, ich will erst meinen Autoschlüssel wiederfinden!“ beharrte Bert verbissen und ließ sich auf dem Boden nieder, um unter dem Sofa nachzusehen.
      „Wenn du »erst« deinen Schüssel wiedergefunden hast, müßt ihr gar nicht mehr Cedrics Wagen nehmen!“ grinste Ralph.
      „Sehr witzig!“ Bert wurde immer fuchsiger. „Ich muß diesen verdammten Schlüssel wiederfinden, sonst finde ich zusätzlich keine ruhige Minute mehr!“
      Ralph und Melissa seufzten und wechselten mit einem Schulterzucken einen ratlosen Blick.
      „Bert wird den Schlüssel nie finden…“ raunte Cedric Sophia zu.
      „Meinst du?“ fragte seine Freundin.
      Cedric nickte. „Weil ich ihn auch nicht wiederfinde.“
      „Aber was hat denn das eine mit dem anderen zu tun?“ Sophia schnappte nach Luft, kaum das sie ausgesprochen hatte. „Oh, Cedric! Sag’ nicht, du hast den Schlüssel genommen!“
      Er räusperte sich nervös.
      „Oh, warum hast du das getan?“ wollte Sophia wissen.
      Cedric zog sie ein Stück beiseite. „Erinnerst du dich noch, an meinem Geburtstag, als wir die Pyjamaparty hatten? Da hat Bert mein Lieblingskissen versteckt! Ich habe es die ganze Nacht gesucht und konnte nicht schlafen. Ich habe ihm Rache geschworen, und die hat er jetzt!“
      „Ja, aber was ist, wenn du den Schlüssel jetzt auch nicht wiederfindest…?“ gab seine Freundin zu bedenken.
      Der Sneerjunge schluckte hart. „Und das ist der Schwachpunkt im System, Sophia…“
      „Du mußt es Bert sagen!“ beschwor sie ihn.
      „Den Teufel werde ich tun! Und du wirst es auch nicht! Ich werde ihn finden und heimlich zurücklegen!“
      Sophia schüttelte den Kopf. „Das ist nicht richtig, Cedric…“ wandte das Aardvark-Mädchen ein.
      „Aber das ist sicher!“ setzte Cedric dagegen.
      „Du wirst deinen Schlüssel schon wiederfinden!“ behauptete Ralph indessen an Bert gewandt, der mittlerweile zum wiederholten Male in die Schubladen des Sideboards sah. „Lenke dich erst mal davon ab, dann taucht er wahrscheinlich schon von ganz alleine wieder auf.“
      „Und genau das kann ich nicht! Mich ablenken! Dieser Autoschlüssel ist elementar!“
      Ralph stöhnte auf. „Ist es dir so wichtig, heute Abend Erdnußbuttersandwiches zu haben? Man könnte meinen, dein Leben hängt davon ab!“
      „Kapierst du es nicht, Ralph? Es geht schon lange nicht mehr um die Erdnußbutter!“ schrie Bert. Dann stutzte er. „Moment mal! Du magst keine Erdnußbutter! Aha! Du hast den Schlüssel genommen, damit ich keine neue besorgen kann. Damit du keine Erdnußbuttersandwiches am Tisch erdulden mußt!“
      „Was?“ fragte Ralph überrascht. „Das ist doch ausgemachter Blödsinn!“
      „Ach ja?“ Bert hatte Mühe, seinen Tonfall unter Kontrolle zu halten. „Warst du es nicht, der mir erzählt hat, die Ernußbutter wäre alle? Wahrscheinlich hast du sie extra alle gemacht, und dann hast du den Autoschlüssel versteckt. Warum sonst soll ich mich deiner Meinung nach wohl jetzt »ablenken«, und der Schlüssel würde »von alleine« wieder auftauchen, wenn du das nicht alles von langer Pfote geplant hast, hä? Die Indizien sind eindeutig!“
      „Richtig. Du hast es erfaßt Bert!“ meinte Ralph trocken. „Die Indizien! Ich habe nichts mit deinem Autoschlüssel zu kriegen. Also reg’ dich wieder ab!“
      „Jungs, nun beruhigt euch wieder! Keinen Streit!“ ging Melissa dazwischen. „Also zunächst einmal; ich kann Bert verstehen. So etwas kann einen echt kirre machen. Aber mit wilden Anschuldigungen und in planloser Hektik kommen wir nicht weiter. Also, Bert, du hast schon überall gesucht, wo der Schlüssel deiner Meinung nach sein könnte, richtig?“
      „Richtig!“ schnappte Bert.
      „Dann muß er also dort sein, wo er sonst nicht ist!“ brachte Melissa es auf den Punkt.
      „Im Kühlschrank!“ warf Ralph lapidar ein.
      „So ein Blödsinn! Für wie verpeilt hältst du mich eigentlich?“ fuhr Bert auf; in die angrenzende Stille hinein machte er sich dann aber doch auf den Weg in die Küche, um einen Blick in den Kühlschrank zu werfen.
      „Und?“ fragte Ralph, als sein Freund zurückkam.
      „Fehlanzeige!“ grummelte Bert.
      „Also, halten wir mal fest:“ sagte Melissa. „Keiner von uns hat den Schlüssel genommen. Und Bert hatte ihn angenommenerweise zuletzt dort aufs Sideboard gelegt.“ Schon bei ihrer ersten Feststellung fing Cedric immer mehr an zu schwitzen. „Dann kann er ja eigentlich nur irgendwo zwischengerutscht sein.“ kombinierte Melissa weiter. „Lag noch etwas anderes auf dem Sideboard, so daß jemand vielleicht versehentlich den Schlüssel mitgenommen hat?“
      „Sag’ mal, Cedric, ist dir nicht gut?“ warf Ralph besorgt ein, als er den Aardvark beobachtete.
      „Ich war’s nicht!“ rief Cedric fast automatisch dazwischen.
      „Das hat ja auch niemand behauptet!“ lenkte Ralph gleich ein. „Du wirkst nur etwas verstört.“
      Cedric stolperte einen halben Schritt nach vorne, als Sophia ihm den Ellbogen in die Seite rammte.
      Die Blicke der anderen legten sich kollektiv auf ihn.
      „Cedric? Hast du uns vielleicht etwas zu sagen?“ fragte Melissa.
      „Ja, du benimmst dich äußerst merkwürdig!“ nahm Bert den Faden auf.
      Cedric seufzte tief. „Na gut. Ich habe den Schlüssel genommen. Ich wollte mich für die Sache an meinem Geburtstag rächen.“
      Bert ging wütend auf Cedric zu und blieb im gegenüber stehen. „Okay. Du hattest deinen Spaß! Und jetzt gib mir den Schlüssel!“
      „Ich wünschte, ich könnte!“ gestand der Aardvark kleinlaut. „Aber ich weiß selber nicht mehr, wo ich ihn hingelegt habe…“
      Bert fixierte seinen besten Freund entsetzt; im nächsten Moment sprangen Ralph, Melissa und Sophia gleichzeitig an seine Seite, um ihn daran zu hindern, dem Großunternehmersohn an die Gurgel zu gehen.
      Cedric wich langsam zurück und hob die Hände schützend vor sich. „Es war ja keine Absicht! Ich hatte dich nur ein bißchen suchen lassen wollen. Aber als ich noch mal nachgeschaut habe… Habe ich den Schlüssel selbst nicht wiedergefunden.“
      „Wo hast du ihn denn hingelegt?“ erkundigte sich Melissa. „Hier, irgendwo im Haus?“
      „Ich war mir sicher, ich hätte ihn in die Kiste mit dem Spiel und den Knabberein getan. Aber da ist er nicht mehr!“ erklärte Cedric hilflos.
      „Aber… Wenn du ihn da reingetan hast, dann muß er doch noch da sein!“ sinnierte Sophia.
      „Das habe ich auch gedacht. Mittlerweile bin ich mir aber gar nicht mehr so sicher, daß ich ihn wirklich da reingetan habe…“
      Melissa schaute argwöhnisch und ging zu der Kiste herüber, die Cedric auf dem Sofa abgestellt hatte, während Ralph nun alleine dafür versuchte zu sorgen, daß Bert sich wieder beruhigte. Sie wühlte durch Salzgebäck, Chips und Konfekt und räumte alles inklusive des Spiels aus der Kiste. Nachdem sie alles auf dem Sofa verteilt hatte, stand sie ratlos da. „Hier ist er wirklich nicht.“
      „Das sage ich doch!“ meinte Cedric verzweifelt. „Ich weiß, daß ich es wollte, aber noch dachte, daß es vielleicht ein besseres Versteck gibt. Naja, und dann habe ich ihn wohl doch woanders hingelegt. Nur weiß ich nicht mehr, wohin…“
      „Na, super!“ regte Bert sich auf. „Und wie stellst du dir jetzt vor, daß ich mein Auto benutzen kann?“
      „Kann man nicht einen Zweitschlüssel anfertigen lassen?“ überlegte Ralph.
      „Wenn der Erstschlüssel hier irgendwo in der Weltgeschichte herumgeistert? Nie im Leben! Vergeßt es, Leute! Entweder, ich bekomme meinen Schlüssel wieder, oder ich bekomme ein neues Auto!“ erklärte Bert kategorisch.
      Cedric ließ den Kopf hängen. Darauf hatte er nur gewartet. „Ich kann ja mal versuchen, Paps um einen Kredit anzuhauen. Sicher werde ich das in den nächsten fünfzig Jahren bei ihm abarbeiten müssen, so daß wir uns dann nicht mehr sehen können, aber was soll’s?“
      „Oh, versuch es nicht auf die Mitleidstour, Cedric!“ warf Bert kompromißlos ein. „Wenn es um mein Auto geht, verstehe ich keinen Spaß!“
      Sophia hatte während dessen Melissa beobachtet, wie sie verzagt alles wieder in die Kiste gepackt hatte und ging nachdenklich zu ihrer Freundin herüber. „Es gibt einen Ort, wo wir noch nicht nachgesehen haben!“
      Die vier anderen sahen sie erstaunt an. „Wie meinst du das?“
      Sophia nahm das Monopolyspiel und schüttelte es leicht. Dann öffnete sie den Deckel, und ein Schmunzeln huschte über ihre Züge. „Und Cedric hatte Recht! Seht mal, hier in dem Fach mit den kleinen Autos!“ Sie griff hinein, zog den Schlüssel hervor und präsentierte ihn den anderen.
      Bert japste nach Luft. „Mein Autoschlüssel…“ Erleichtert sprang er auf Sophia zu, um das geliebte Kleinod an sich zu nehmen.
      „Sicher dachte Cedric, lose in der Kiste wäre es zu auffällig!“ mutmaßte Melissa schmunzelnd.
      „Das stimmt!” bestätigte Cedric, der mindestens ebenso erleichtert war wie Bert. „Jetzt erinnere ich mich. Ich habe ihn in das Fach mit den Autos gelegt, damit es einen direkten Bezug zueinander hat, so daß ich es nicht vergessen kann. Naja, das hat wohl nicht ganz geklappt…“
      „Na, wie gut, daß du so eine clevere Freundin hast!“ lachte Ralph. „So, Bert, und nun fahr meinetwegen los, um deine Erdnußbutter zu besorgen, damit wir endlich mit Spielen anfangen können.“
      „Nein!“ erwiderte Bert strikt.
      Ralph sah ihn entgeistert, und auch ein wenig hoffnungsvoll an. „Nein?“
      „Nein!“ wiederholte Bert. „Ich werde nirgendwo hinfahren. Cedric wird fahren! Und zwar um eine Palette Erdnußbutter als Entschädigung zu besorgen!“
      „Eine ganze Palette…?“ Dem Aardvark wich die Farbe aus dem Gesicht, doch ein Lächeln suchte er in der Miene seines Freundes vergebens.
      „Ich würde sagen, das ist nicht mehr wie recht und billig!“ kommentierte Ralph.
      „Ja, das stimmt!“ sagte auch Sophia. „Für das, was du getan hast, mußt du auch geradestehen!“
      „Und günstiger als ein neues Auto ist es allemal!“ lachte Melissa.
      Cedric rang sich zu einem Lächeln durch. „Da hast du wohl Recht. Also gut, dann fahre ich eben los.“
      „Tu das!“ sagte Ralph. „Und wir bauen hier jetzt endlich alles fertig auf.“ ergänzte er für die anderen, als Cedric das Baumhaus verließ.
      Und während sie sich um den Rest der Vorbereitungen kümmerten, verflog der Ärger von ganz allein, auch wenn Ralph mit einem Seufzen einem Abend mit Erdnußbuttersandwiches entgegensah…
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