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Saving Hope

von Caelum
KurzgeschichteSci-Fi, Übernatürlich / P18 / Gen
Richard B. Riddick Siberius Vaako William J. Johns
15.04.2014
15.04.2014
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„Riddick! Verdammt nochmal! RIDDICK!!!!“


Ich schrie, bis meine Lunge versagte und ich husten musste. Er ließ mich einfach so hier. In diesem beschissenen Kasten aus Glas, mit 4 massiv eisernen Ketten an Armen und Beinen. Ich würde mich nicht so einfach befreien können, wenn es nicht sogar unmöglich war.


„RIDDICK!!“, brüllte ich erneut.

Wenn ich Glück hatte, hörte man meinen Hilferuf vielleicht an der Außenwand des Wohncontainers. Verzweifelt rüttelte ich an den Ketten, doch sie waren zu fest um überhaupt etwas zu bewegen.


Ich sah mich nach Hilfe um. Sobald die Mud-Demons hier drinnen waren, würde ich mit meinem Leben abrechnen können. Warum verdammt war Riddick abgehauen? Aus der Stirnwunde tropfte das Blut bis in meine Augen und verschleierte meinen Blick. In das Blut mischten sich Tränen der Verzweiflung, vollkommen erschöpft ließ ich mich sinken.


„Riddick..“, hauchte ich entkräftet und kippte mit dem Kopf gegen die Glasscheibe. Eine dunkle Blutspur blieb daran haften. Ich schloss die Augen und konzentrierte mich auf die Demons draußen, die immer weiter gegen die Blechwände sprangen. Bald würden sie nachgeben, lange würde es nicht mehr dauern.

Wieso hatte er mich hier gelassen? Seine Worte, seine Berührungen.. und die Vorstellung auf eine Nacht mit ihm.. Ich fing wieder an zu träumen. Doch das würde nicht passieren, denn ich würde in wenigen Momenten sterben.
Ich rüttelte an den Ketten, doch insgeheim hatte ich aufgegeben. Ein altes Lied kam mir in den Sinn, „I surrender.. oh I surrender..“


Das Kreischen draußen wurde höher, vielleicht hatten sie einen schnelleren Weg gefunden, ins Innere zu kommen. Meine Lunge brannte, alles an meinem Körper schmerzte.

„Richard, oh Richard.“, murmelte ich und beobachtete wie in einem Film, als sich die Mud-Demons durch die Tür bohrten und ins Innere der Station krochen. Das war es endgültig, für mich hörte das Leben in wenigen Momenten auf.


„Verdammter Riddick..“, säuselte ich wie im Rausch und lachte leise. Diese Viecher würden mich so schnell töten, dass ich kaum die Zeit haben würde, großartig nachzudenken. „Du verdammter Bastard…“



„Sagst du das dann auch, wenn ich dich flachleg?“



Ich zuckte zusammen, als ich seine Stimme hörte. Sanft fuhren seine Pranken über meine nackten Schultern, bis hin zu den Ketten, die um meine Handgelenke gewunden waren.


„Oder schreist du dann lieber?“


Ich schloss die Augen und wartete, bis er die Fesseln gelöst hatte, und konnte endlich meine Hände wieder spüren. Riddick ließ sich alle Zeit des Universums, um den Rest der Fesseln zu entfernen.


„Dachtest du wirklich, ich lasse dich hier?“, hauchte er in meinen Nacken. Ich keuchte leise auf, als er über meine Brust fuhr.

„Ehrlich gesagt.. ja. Warum, das wäre mir ein Rätsel geblieben.“, antwortete ich und vergaß vollkommen die Mud-Demons, die noch durch ein sperriges Metallteil vom Innenraum der Station abgehalten wurden.

Ich glaube, Riddick hätte mich am liebsten schon in dieser Zelle flachgelegt, doch erst mal mussten wir hier heraus.
Riddick lachte und nickte mit dem Kopf nach oben. „Wir müssen durchs Dach.“

Ich sah ihn fragend an, doch da war er schon in Bewegung. Beide Hände an den Wänden der Zelle, turnte er nach oben und kletterte bis an den Rand des Wellblechdachs hinauf. Ich hatte ein Auge auf ihn, das andere auf die zerberstende Tür, die unter den Demons bebte.


„Los.. Riddick, beeil dich!“, murmelte ich und wippte nervös auf und ab. Er hebelte ein Stück des Daches aus und trat mit dem Fuß dagegen. Ich schaute immer wieder nach oben und dann zur Tür, die Stachel der Mud-Demons blieben im Blech stecken.

Das Kreischen brachte mich fast um den Verstand, meine Atmung beschleunigte sich, als Riddick endlich eine Öffnung in das Dach gebrochen hatte.

„Kommst du, Babe?“, fragte er und hielt mir von oben seine Hand entgegen. Ich musste unwillkürlich grinsen und nickte. „Später vielleicht lieber als jetzt.“


Riddick zog mich hinauf, genau in diesem Moment barst unter uns die Wand mitsamt Tür. Die Mud-Demons krochen in die Station und zerstörten alles, was ihnen in den Weg kam.


„Oh Gott!“, stieß ich aus und wurde in atemberaubendem Tempo aufs Dach gezogen. Ich blieb auf dem Rücken liegen. Riddick war sofort über mir und meinte: „Also, aufm Dach fände ich es ja auch nicht schlecht..“ Ich spürte seine pulsierende Wärme und sehnte mich nach körperlichem Kontakt und seinen Berührungen.


Ich lachte leise. „Komm schon, nicht hier. Wenn wir im Raumschiff sind..“, vertröstete ich ihn auf später. Riddick schmollte, ich drückte ihm einen kurzen Kuss auf die Lippen.

„Mhm...“, knurrte er leise und erhob sich wieder. Ich betrachtete seinen gestählten Körper von unten. Ja, wir würden später definitiv noch viel Spaß haben. Aber jetzt mussten wir erst mal hier runter und irgendwohin, wo es halbwegs sicher war.

Riddick spähte von der Dachkante, ich stellte mich hinter ihn und sah hinunter auf die sich bewegende Masse. Es waren unzählige, bestimmt tausende Mud-Demons. „Oh verdammt..“, murmelte ich und suchte verzweifelt nach einem Weg, diesen Viechern zu entkommen.


„Ich glaube, wir haben ein Problem.“, sagte Riddick und kniete sich auf das Wellblechdach. Ich nickte in die Dunkelheit und schluckte. Warum zur Hölle musste immer ich mich in so einer scheinbar auswegslosen Lage befinden?


Die Dunkelheit umgab mich wie eine kalte Decke, ich fühlte mich hilflos und schwach. Doch dann war da Riddick, der mich auf eine irgendwie angsteinflößende Art und Weise stark machte. So, als ob er das fehlende Teil meines Ganzen währe.
Ich war vollkommen in Gedanken versunken und bemerkte nicht, wie Riddick sich umdrehte und zu mir hinaufsah.

„Weißt du, was ich noch glaube? Ich glaube, dieser Hurensohn von Vaako wird nicht allzu begeistert sein, wenn ich wieder in meinem Scheiß-Palast auftauche.“


Ich musste automatisch lachen, Riddicks Humor war schon immer ganz besonders feinfühlig gewesen. Seiner Meinung nach würden wir es hier raus schaffen, ich hatte bloß keine Ahnung wie.


„Okay, wenn ich sage Spring, dann springst du. Verstanden?“, knurrte er in die Nacht, ich stammelte verwirrt: „Was.. wohin soll ich denn springen?! Riddick! Was?!“ Er unterbrach mich und sagte ganz einfach: „Mitten rein. Ich fang dich auf.“


Mit diesen Worten ließ er mich allein auf dem Dach stehen und landete nach kurzem Flug unten, inmitten der Massen von Mud-Demons. Ich sah ihm einfach nur fassungslos hinterher. Ein lautes Platschen war zu hören, genau die Art von Geräusch, wenn man die Innereien eines Mud-Demons aufschnitt. Ich unterdrückte den Würgereiz und wartete auf sein Zeichen. Doch ich hörte nur Brüllen und das schrille Kreischen der Demons.


Langsam wurde ich nervös, meine Hände fingen an zu zittern. „Riddick?“, fragte ich ängstlich und lugte über den Rand des Daches. Überall nur diese Viecher, ich verzweifelte innerlich.


„Riddick!!“, schrie ich in die kalte Nacht dieses verdammten Planeten und suchte in der sich bewegenden Masse nach ihm. Nichts. Hatte er mich wieder verlassen..?
Ich schluckte schwer und sank auf die Knie. Es gab zwei Möglichkeiten: Entweder war er verschwunden und hatte sich einen Weg durch die Demons gebahnt. Vielleicht saß er in wenigen Minuten oder Sekunden in seinem Raumschiff, das ihn sicher hier weg bringen würde.


Oder, die zweite Möglichkeit brachte mich fast zum Weinen, Riddick war tot. Selbst die erste Möglichkeit machte mich nicht so fertig wie die zweite. Ich wollte und konnte nicht daran denken, wie diese Viecher ihn.. nein. Eine Träne kullerte mein Wange entlang, ich wischte sie entschloss weg.

„Riddick!“


Ich schrie ein letztes Mal, doch es erzielte keine Wirkung. Er war spurlos verschwunden und ich stand allein auf dem Dach. Die Mud-Demons schienen mich auszulachen, schon wieder verlassen worden.


Ich setzte mich auf das kalte, von Schlägen bebende Dach. Diese Viecher würden noch etwa 3 Minuten brauchen, bis sie mich auf dem Dach erreicht hatten, was danach passierte war dann auch egal. Riddick war weg, verdammt nochmal. Ich durfte nicht daran denken, dass er womöglich zurückkehren würde, ich durfte mir keine Hoffnungen machen.

Am Ende wurde man umso mehr enttäuscht.


Ich krümmte mich zusammen und bemerkte gar nicht, wie die Tränen meine Wangen herunterliefen. Ich wollte nicht so enden, das war noch nicht das Ende meiner Geschichte. Ich legte das Gesicht in meine Hände und atmete durch.

Warum war er nicht zurückgekommen? Hatte er mich nur benutzt? Mein Herz schien zu zerbrechen, als würde ich innerlich ausbluten. Schluchzend kniete ich auf dem Dach, während die Mud-Demons um mich herum brüllten.
Das Dach unter mir beulte aus, meine Knie wurde hart vom Blech getroffen und ich kippte auf die Seite.

Doch plötzlich mischte sich ein anderes Geräusch unter das schrille Kreischen. Ein Motorengeräusch, doch ich bemerkte es einfach nicht. Ich war zu sehr mit mir beschäftigt, um überhaupt etwas mitzubekommen.



„Spring.“


Ich schrak zusammen und sah mich verwirrt nach allen Seiten um. Was zur..?


Vor mir, wenige Zentimeter neben der Kante des Daches, baumelte ein dickes Seil mit Leitersprossen. Ich blickte verwirrt hoch und sah das Raumschiff der Kopfgeldjäger über der Station. Was.. waren sie zurückgekommen, um mich doch noch zu erschießen? War ja auch nicht weiter verwunderlich, nachdem ich dem fetten Kerl fast die Eier abgehackt hatte.


Aber zu wem gehörte diese Stimme? Das konnte doch nicht..


„Ich habe gesagt: Spring!“, tönte Riddick von etwas weiter unten. Ich raffte mich auf und tappte langsam auf die Kante zu.

„Ach verdammt, Babe, ich hab gesagt, du sollst springen wenn ich dir es sage!“, sagte er leise und zog zweimal am Seil. Ich stand vollkommen fassungslos vor ihm auf dem Dach, er hielt sich an dem Seil fest und grinste mich an. „Komm jetzt.“, knurrte er und zog mich an seine Brust. Ich, noch vollkommen verweint und absolut verwirrt, klammerte mich an ihm fest, endlich hatte ich ihn wieder.


„Sag mal.. hast du geweint?“, fragte er, während das Seil einen Ruck gab und wir langsam nach oben gezogen wurden. Ich hatte die Arme hinter seinem Nacken verschränkt, mit einem Arm hielt er mich an der Hüfte fest. Mit dem anderen Arm hing er am Seil, ich hätte mich wahrscheinlich nicht einmal selbst mit einer Hand daran festhalten können.


„Ein bisschen vielleicht..“, antwortete ich und schniefte leise. Riddicks Hand wanderte tiefer, bis zu meinem Hintern und hielt mich dort fest.
„Hast du mich etwa so vermisst, Babe?“, fragte er, doch er erwartete keine Antwort, weil er sie eh schon wusste. „Bin doch jetzt da, keine Angst.“


Ich glaube, er konnte sich gar nicht vorstellen, wie froh ich darüber war, dass er wieder da war. Meter unter uns krachte das Dach unter den Massen der Mud-Demons zusammen, die sich inzwischen dort versammelt hatten. Vor wenigen Sekunden hatte ich dort gestanden, inzwischen wäre ich tot.


Ich zitterte wie im Fieber, Riddick verstärkte seinen Griff und hielt mich noch fester. „Pssscht.. alles wird gut.“, murmelte er. Ich war vollkommen am Ende, die letzten Minuten hatten extrem von meinen Kräften gezehrt.

Endlich waren wir in der Aufstiegsluke des Raumfrachters angekommen, das Innere war so, wie ich es in Erinnerung hatte. Klein, dreckig, finster. Doch nirgends waren die Kopfgeldjäger zu sehen, ich bezweifelte, dass überhaupt noch einer von ihnen lebte.

Die Luke unter uns schloss sich, endlich waren wir in Sicherheit. Riddick ließ das Seil los und ich knickte ein. Meine Knie schlugen hart auf den Boden auf, gefolgt von meiner Schulter und einem Ellbogen. „Hey, hey, hey.. was ist denn los mit dir? Eigentlich hatte ich heute noch was mit dir vor..“, lachte Riddick und sammelte mich wieder auf. Ich genoss die von ihm ausgehende Wärme und schmiegte mich schutzsuchend an ihn.


„Johns! Sie sind wieder da!“, rief Luna, der Kerl, der die ganze Zeit zu Gott sprach und sich sonst um die Verpflegung kümmerte. Ich sah über Riddicks Schulter zu ihm, er wirkte blass und erschöpft. Doch dann überlegte ich, wie ich wohl aussehen würde und verdrängte diese Gedanken. Sofort kam Boss Johns um die Ecke gesprungen und atmete erleichtert aus.

„Puuh, ich hatte schon gedacht, du schaffst es nicht mehr..“, meinte er und nickte Riddick anerkennend zu. „Ich glaube, wir sollten euch etwas Privatsphäre lassen. Essen und Wasser stehen im Lagerraum.“ Damit verschwand er wieder ins Cockpit und zog Luna mit sich. Und Riddick und ich waren allein.


„Ach Babe.. dachtest du, ich lasse dich allein hier?“, fragte Riddick und trug mich auf seinen Armen hinter ins Lager, wo die Betten der Crew standen. Ich sah ihn müde von unten an und legte eine zitternde Hand an seine Schläfe.


„Nein, aber zwischendurch war ich mir nicht ganz sicher.“, antwortete ich wahrheitsgemäß und versuchte zu lächeln. Riddick trat die Tür auf und meinte:  „Würd ich niemals tun.“ Nach meinem misstrauischen Blick von unten fügte er noch ein „Wirklich.“ dazu.

Der Lagerraum lag in vollkommener Dunkelheit, hier waren nur wenige große Kisten und einige kleinere verstaut. In der hinteren, linken Ecke standen die Regale mit den Lebensmitteln, die für einige Monate reichen sollten.

Wenige Zentimeter vor den Regalen standen die fünf Betten. Naja, Betten war übertrieben, eher waren es gut ausgestattete Pritschen mit Decke und Kissen.
„Johns steuert zurück auf Helion Prime.“, erzählte er und lief weiter in Richtung hintere linke Ecke. Ich sah zu ihm hinauf und nickte. Würde er mich mitnehmen oder musste ich dann hier auf dem Schiff bleiben?


Riddick legte mich vorsichtig auf eine der Pritschen ab und griff nach einer Wasserflasche aus dem Regal darüber. Alle Dosen und Flaschen waren doppelt gesichert, im Falle eines unruhigen Flugs konnte nichts herumfliegen. Über dem kleinen Lager hing eine Lampe, die im angeschalteten Falle natürliches, warmes Licht aussendete, nicht so wie die grellen Neonlichter, die sonst überall in den Raumschiffen hingen.



Riddick stellte die Flasche neben das Bett und ließ sich neben mir nieder. Er roch nach Benzin und nach Leder, einer wahnsinnig anziehenden Kombination.


„Eigentlich wollte ich..“, setzte er an, doch ich riss mich zusammen und verschloss seine Lippen mit meinen. Ich wollte nicht mehr reden. Seine Haut schien zu kochen, wie sehr sehnte ich mich nach menschlicher Wärme..

Ich war immer noch erschöpft und zitterte, doch um nichts in der Welt ließ ich diese Chance gehen. Auch wenn ich wusste, dass ich ihn nicht für immer an mich binden konnte, eine Weile war besser als  eine Nacht.
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