Geschichte: Fanfiction / Musicals / Cats / Black Cat

Black Cat

von Durah
GeschichteAllgemein / P12
Macavity Victoria
13.04.2014
29.12.2014
6
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Kapitel 1

Gähnend erwachte ich von meinem Nickerchen und sah mich um. Anders als erhofft befand ich mich noch immer auf der Rückbank eines alten Toyota, der sich langsam durch Londons Straßen plagte und gelegentlich ein Sonnenstrahl durchs Fenster blitzte, etwas dass in London keine Selbstverständlichkeit ist.
Vorne im Wagen saßen Mr. und Mrs. Dickens, hinten, also rechts und links von mir deren Kinder Lucy und Oscar und in der Mitte saß ich. Die gesamte Familie war sehr massig geraten, die rothaarige Mrs. Dickens im geblümten Kleid, der zur Glatze neigende Mr. Dickens der es für angebracht hielt in Golfkleidung Auto zu fahren. Die Brünette Lucy, die scheinbar ein verkehrtes Weltbild von sich selber hatte und ihre Massen in zu enge Kleidung stopfte und der ebenfalls rothaarige Oscar, ein kurz geratener Junge ohne Hals in Streifenshirt, was ihn etwas wie den Jungen der Addams Family aussehen ließ.
Alle vier waren sie in meinen Augen nicht grade die cleversten ihrer Rasse.
In Berufswelt und Schulen herumgeschubst und drangsaliert ertränkten sie ihre Sorgen in Kalorienbomben und gezuckerten Getränken und wunderten sich, dass ihre Kleidung enger und enger wurde. Ich weiß, ich klinge verachtend und ein bisschen ist das auch wahr aber die vier um mich herum sind gutherzige Menschen, aber leider auch fast schon etwas zu naiv. Lucy griff nach mir und ich machte dass ich in den Kofferraum kam, der mit Kisten und Koffern voll gestellt war.
Wir waren nämlich mitten im Umzug und auf dem Weg zu unserer neuen Bleibe.
Ich machte es mir auf einer Box bequem und sorgte dafür außer Reichweite der Kinder zu sein. Vielleicht ahnt man schon was ich bin? Ich bin eine Katze, viel mehr ein Kater, ein Bombay Kater.
Obgleich es meiner Rasse nachgesagt wird, dass wir die Nähe von Menschen bevorzugen sollten und auch die von Kindern so war ich doch das absolute Gegenteil. Ich mochte selten bis nie angefasst werden. Das führte oft zu Irritationen, da ich fauchte wenn mich jemand anfassen will oder ich, wie jetzt auch, einfach die Flucht ergreife. Ich bin kein Schmusekater. Was meine Familie hier dennoch dazu veranlasste grade mich ausgesucht zu haben lag wohl weniger an meinem Verhalten sondern an etwas optischerem an mir.
In meinem Wurf war ich der Kleinste gewesen. Das kleinste und jüngste Kätzchen, damals schon nicht sehr angetan von Schmuserei wie meine Schwestern, doch ich hatte einen Mackel an mir. Während der Züchter damit geprallt hatte Reinrassige Bombay Katzen zu haben waren meine Gene einfach mal so frech gewesen und hatten die Farbe meines rechten Auges kackendreist von Bernstein auf blau gewechselt.
Nun jeder der etwas Ahnung hat weiß das reine schwarze Bombay Katzen niemals blaue Augen haben und so war das Argument des Züchters es seien alles reinrassige Tiere fürn Arsch, wie man so schön sagt. Viele Leute die Ahnung hatten und mich sahen waren sich sicher, da musste noch eine andere Katzenrasse mit drin stecken, eine die auch blaue Augen hatte und so musste unser Züchter den Preis für uns Katzenkinder runtersetzten, da wir ja anscheinend Promenadenmischungen waren.
Und dann eines Tages waren die Dickens vorbeigekommen, hatten mich gesehen und sofort mitgenommen, aber ich will mich da nicht zu sehr beschweren. Sie sorgen für mich, ich habe immer alles was ich brauche, ich darf auch auf den Möbeln schlafen wenn ich es will, ich werde nicht runtergescheucht. Sie lieben mich halt und das verschafft mir viele Vorteile.

Plötzlich hielt der Wagen an. Ich sah auf. Der Wagen stand in einer Allee. Die schön gepflegten Vorgärten der Umgebung wirkten einladend und machten die meist weißen bis Cremefarbenen Häuser einladend und heimlich.
Das Haus vor dem der Wagen geparkt hatte war ein langsam mit Schlingpflanzen zuwachsender Altbau dessen Cremefarbene Fassade langsam zu bröckeln begann.
Das Haus schien uns mit seinen dunklen Fenstern, wie mit schwarzen Augen anzustarren. Aber es schien alles intakt zu sein und schien noch nicht lange leer zu stehen. Die Kinder stiegen aus dem Wagen und auch ich sprang raus um meine neue Umgebung genauer in Augenschein zu nehmen.
Die Luft war erfüllt mit dem Duft der wilden Frühlingsblumen die sich im verwilderten Vorgarten ausbreiteten, aber da war noch etwas mehr. Ich trat näher ans Haus und befeuchtete meine Nase etwas um zu erkennen was es denn nun genau sei.
Es roch nach Farben, Kleintiervernichtern und anderen Katzen. Irgendein Artgenosse hatte am Türrahmen seine Marke hinterlassen, was ich natürlich nicht durchgehen ließ. Da wir nun hier wohnten gehörte dies hier wohl nun eindeutig zu meinem Revier, also machte ich es allen deutlich indem ich die Markierung meines Artgenossen mit meiner eigenen überdeckte.
Nachdem die Reviergeschichte abgeschlossen war sah ich hoch zu meiner Familie, die mit Kisten geladen zur Haustür watschelte. Mr. Dickens hielt einen Schlüssel in seinen dicken Fingern, schloss die Haustüre auf und trat die Türe vorsichtig auf.
Die Luft im Haus roch alt und nach Staub. Etwas das völlig normal war für ein Haus das seit einigen Monaten leer stand. Ich huschte hinein und nahm alles unter die Lupe. Der Eingangsbereich war ein kleiner Gang der in einem großen Wohnzimmer mündete, von diesem führten ein paar Türen richtung Küche, Gäste-WC, einem kleinen Raum, vielleicht ein kleines Büro oder eine Abstellkammer und in den Keller. Eckig und an die Wand gelehnt führte eine dunkle Holztreppe in die Oberen Stockwerke wo sich wohl Badezimmer und Schlafzimmer befanden. Ich schlenderte durch die Räume. Das Klofenster stand offen und so konnte ich nach draußen in den Garten springen um meine Umgebung und mein neues Revier in Augenschein zu nehmen.
Unser Garten war von einer kleinen weißen Mauer umgeben, an der der Efeu empor kletterte. Über diese schlenderte ich und betrachtete beide Seiten, die Gartenseite aber auch die Straßenseite.  
Unser Garten bedurfte einiger pflege bis er wieder schön war aber alles wuchs sehr gesund vor sich hin und in der Mitte stand ein großer alter Baum den wohl Napoleon Bonaparte noch da pflanzen ließ und den ich jetzt schon zu meinem Platz für heiße Sommernachmittage erklärte um im Geäst zu dösen und der Hitze zu entkommen.
Während ich so darüber nachdachte merkte ich dass unten an der Straße Stress war. Mehrere strubbelige wild bunte Artgenossen bedrängten wie es schien ein Weibchen. Eine Foreign-White wie es schien. Mir war es gleich, aus Prinzip schon mischte ich mich nie in Streitigkeiten ein. Das letzte Mal als ich mich drauf einließ hatte es mich fast mein blaues Auge gekostet, welches nun eine lange Narbe aufwies.
Also schlenderte ich einfach weiter als sich plötzlich etwas an mich schmiegte oder eher hinter mir Schutz suchte. Ich blickte auf. Die Foreign-White hatte sich gegen mich gedrückt und machte sich ganz klein als sich auch schon die Straßenkater hintereinander auf der Mauer aufbauten und mich musterten. Der Vordere von ihnen war ein sehr großer Kater mit Rot orange und gelben Fell, alles wild durchgemischt wie eine schlecht vermengte Malerpalette mit frischen Farben.
Sein Fell stand wild in alle Richtungen ab, so als habe er die Schwanzspitze einmal in einer Steckdose gehabt. Gegen ihn wirkten seine Handlanger weniger bunt, auch wenn auch ihre Felle alle wild durchmischt waren mit allen möglichen Fellfarben.
Meine Aufmerksamkeit galt wieder dem großen Kater genau vor mir, der zwar versuchte mich einzuschüchtern, es aber nicht schaffte. Warum auch?
Er musterte mich und schnupperte an meinem Fell.
„Du bist neu hier.“ Bemerkte er. Was ein Blitzmerker. Ich sagte nichts, bewegte mich aber auch nicht und merkte wie die Weiße hinter mir kleiner und kleiner wurde.
Der Große vor mir wandte sich ab, scheinbar hatte er keine Lust auf irgendwelchen Stress und den hatte ich auch nicht. Ich sah ihm noch kurz hinterher als er mit seinen Gefolgsleuten in einem Gebüsch verschwunden war.
Ohne mich um die Weiße zu kümmern sprang ich von der Mauer in unseren Garten und kletterte den Baum hoch. Die Weiße folgte mir.
„Warte mal.“ Rief sie und kletterte zu mir auf den Ast.
„Danke für deine Hilfe. Ich hatte nicht gewusst dass sich Macavity hier in unserer Gegend herumtreibt.“  
Wieso erzählte sie mir das? Es interessierte mich nicht.
„Ich bin übrigens Victoria, ich wohne gleich neben an.“ Sie blickte auf das Haus neben dem meinen. Merkte sie nicht dass sie mich nicht interessierte oder sah ich noch nicht desinteressiert genug aus?
Sie sah mich wieder an und ich putzte meine Hinterbeine.
„Es ist lange her seit ein neuer Kater in die Gegend kommt. Normalerweise zogen in dieses Haus meist Hundebesitzer ein, aber einen neuen Artgenossen in der Nachbarschaft zu haben ist wesentlich besser. Wie heißt du eigentlich?“ Das alles schoss mit einer ordentlichen Geschwindigkeit aus ihr heraus und sie starrte mich mit ihren großen naiven Augen an. Ich drehte mich einfach weg von ihr, sie nervte mich und ich hoffte sie würde endlich verschwunden.
Nach einer Weile des Schweigens seufzte Victoria und machte Anstalten den Baum und mich zu verlassen.
„Ich merk schon, du willst nicht reden, bist wohl müde von der langen Reise, man kann ja später vielleicht noch mal reden.“ Sie sprang vom Baum und auf den Zaun der den Garten meines Grundstücks von dem ihren trennt.
„Garrett.“ Sagte ich laut genug. Sie wandte ihren Schneeweißen Kopf.
„Bitte?“
„Mein Name ist Garrett.“
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