Ostern war gestern

von Miaumiau
GeschichteMystery, Angst / P16
Edna Konrad Harvey
13.04.2014
05.10.2014
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Die Geschichte ist an: Edna bricht aus, angelehnt. Alte Bekannte und neue Charaktere werden die Wege kreuzen.  Die Handlungen sind Großteils ungebunden und orientieren sich nur grob an dem Spiel.
Nun dann: wohl bekommts´




Die Neonröhre flackerte knacksend vor sich hin und warf ihr grelles, unnatürliches Licht in jeden Winkel, des kleinen Raumes. Gierig streckten sich die künstlichen Finger, nach allen Wänden hin aus, und strichen fast liebkosend über den dunklen Haarschopf, der Person, die sich zusammengerollt wie ein Kätzchen, in eine Ecke drängte.
Bleiche Haut stach unter dem weißen Kittel hervor, mit dem sie angetan war und ihre Arme hatte sie eng um ihre Knie geschlungen, die sie fest gegen ihre Brust drückte. Bei genauerem betrachten, war ein deutliches Heben und Senken ihres Brustkorbes zu erkennen.
Plötzlich begann ihre Nase zu zucken, und mit fahrigen Bewegungen wischte sie mit ihrem Handrücken über ihr Gesicht, welches von den dichten Haaren fast vollständig verdeckt wurde. Ein leises Stöhnen entrang sich ihren trockenen Lippen und mit der Zungenspitze, versuchte sie diese vergebens zu befeuchten.
Ihre Augenlider flatterten, als würde sich ihr Unterbewusstsein, dagegen zur Wehr setzen, langsam zurückgedrängt zu werden um dem Bewusstsein die Kontrolle zu übergeben.

„Aufwachen Schlafmütze“, meldetet sich eine muntere Stimme und das Mädchen entknotete vorsichtig ihre Glieder und drehte sich auf den Rücken, wobei die gegen die gepolsterte Wand, neben sich stieß. Ihr Kopf rollte kraftlos hin und her und die Helligkeit stach ihr schmerzhaft in die grünen Augen, sodass sie ihre Stirn mit der Hand abschottete.
Die Schleier über ihren Augen klärten sich und behutsam richtete sich das Mädchen auf und starrte verständnislos im Zimmer umher.
Alle Wände waren mit weißen Polstern überzogen, die an manchen Stellen, nachlässig gereinigte Schmutzflecken aufwiesen.
Ihr gegenüber, zeichneten sich die Umrisse einer Türe ab, die im oberen Drittel ein kleines rechteckiges Fenster aufwies, welches mit dickem Glas gefüllt war. Ansonsten gab es nichts, kein Fenster, kein Tageslicht, einfach nichts.

Nun, das stimmte nicht ganz, denn neben ihr an der Wand lehnte, in lässiger Pose, ein zerknautschter Stoffhase, dessen schwarze Knopfaugen sie besorgt anblickten. „Na endlich“, meinte er erleichtert und seine Ohren wackelten zustimmend. „Diesmal hast du mir ganz schön Angst eingejagt“, gab er zu.
„Wer bist du? Und wo bin ich hier?“, fragte das Mädchen und streckte zögernd ihre Hand nach dem Plüschtier aus. Das der Stoffhase sprechen konnte, erschien ihr im Moment weniger abwegig als ihre Präsenz in diesem merkwürdigen Zimmer.
Der Hase fuchtelte mit seinen Armen kurz vor ihrem Gesicht herum, „Huhu, ich bin´s“. Er ließ seine Pfoten wieder fallen. „Erkennst du mich nicht mehr?. Ich bin dein alter Kumpel Harvey“.
„Tut mir leid“, antwortete das Mädchen und biss sich auf die Lippen, „mein Kopf.., alles ist so verschwommen“. Sie befühlte vorsichtig ihre Stirn.
„Das wird schon wieder“, besänftigte sie der Stoffhase. „Wir sind hier zu Gast bei Dr. Marcel, der alten Spaßbremse. Nachdem er wiedermal gegen uns verloren hat, hat er uns hier eingesperrt. Er ist wirklich ein mieser Verlierer“, murrte der Hase.

Das Mädchen verstand nur Bahnhof, aber da der Hase ihre einzige Quelle für Informationen war, schenkte sie ihm Glauben.
Zaghaft rappelte sie sich auf, und lehnte sich mit dem Rücken gegen die weiße gepolsterte Wand. Sie strich beiläufig über das weiße Nachthemd, das ihr bis über die Knie reichte und betrachtete dann verwirrt, dass hellblaue Band, welches sich fest um ihr Handgelenk schloss. Es war in Plastik eingeschweißt und zaghaft fuhr sie mit den Fingern darauf entlang. Nirgends konnte sie einen Verschluss entdecken.

„Wer bin ich?“, wandte sie sich erneut an den Hasen, der sie noch immer intensiv betrachtete.
„Na du stellst Fragen“, staunte das Tier. „Edna natürlich, wer denn sonst?“, gab Harvey Auskunft, so als wäre es das Normalste von der ganzen Welt.
„Edna“, wiederholte das Mädchen, doch der klang auf ihrer Zunge, rührte keinerlei Erinnerungen in ihr. Keine Bilder oder Erlebnisse ließen sich damit verknüpfen. Ihr Kopf war leer.
„Komm“, forderte sie der Hase auf und stieß sich von der Wand ab, „lass uns spielen“.
Demonstrativ schaute sie sich um. „Und was?“.
„Du hast recht, hier ist es langweilig“, der Hase nickte ihr zu, „lass uns gehen“.
Edna war ganz seiner Meinung, denn schon die kurze Zeit nach ihrem Erwachen waren mehr als genug gewesen. Der Raum war ihr unheimlich und das klinische Weiß wirkte abschreckend und kalt. Sie wollte hier heraus. Zielsicher erhob sie sich und ging auf die Türe zu. Ein kurzes dagegen drücken, bestätigte ihren Verdacht. „verschlossen“, sagte sie mehr zu sich selbst.
„Was hast du denn gedacht?“, kommentierte Harvey. „Sonst wäre es auch nicht so lustig“.

Edna stellte sich auf die Zehenspitzen und versuchte durch das dicke Glas zu linsen, doch auf der anderen Seite, war das Fenster mit einer Abdeckung versehen, die sich nur von der anderen Seite öffnen ließ.
„Hallo?, ist da jemand?“, rief sie laut.
„Halt die Klappe, Kleine, oder soll der Doktor dich wieder ruhig stellen?“, grunzte eine dunkle Stimme unfreundlich zu ihr hinein.
Edna zuckte bei den Worten kurz zusammen und blickte unschlüssig zu Harvey hinüber. „Vergiss ihn“, er zuckte mit den Schultern, „fremde Hilfsmittel sind verboten“.
„Aber wie soll ich sonst hier heraus kommen?“, fragte das Mädchen und legte den Kopf schief.

„Wirst du endlich still sein. Nicht auszuhalten, mit dieser Göre“, beschwerte sich die Stimme jenseits der Türe und trat zweimal lautstark dagegen, sodass sich Edna vor Schreck die Ohren zuhielt.
„Der wird Augen machen, wenn wir nicht mehr da sind“, gluckste Harvey vor sich hin und bedachte mich mit einem erwartungsvollen Blick. „na, worauf wartest du?. Lass uns ausbrechen spielen“.
„Gerne“, stimmte ihm das Mädchen mit gedämpfter Stimme zu und tastete den Raum mit neugierigen Blicken ab.
„Mach die Augen zu“, forderte sie der Stoffhase auf und grinste schelmisch, „fühlst du es?“.

Edna tat wie ihr geheißen und tatsächlich strich ein sachter kühler Luftstrom über ihre Haut. „Eine Lüftung“, flüsterte sie bedächtig und strich mit den Fingern über die Polsterung.
In der Ecke, ungefähr in Kopf Höhe, konnte sie die Luftbewegung deutlich spüren.
„Benutzte die Fingernägel“, riet ihr Harvey und Enda zerrte an den Nähten, bis diese mit einem leisen Ritsch, nachgaben und die Polsterfüllung herausquoll. Gelber Schaumstoff ergoss sich in den Raum und Harvey sprang fröhlich darin umher und warf die Arme in die Luft. „Polsterschlacht“, rief er übermütig, doch Edna maßregelte ihn mit einem strengen Blick. „Später Harvey, jetzt müssen wir erst mal hier raus“.
„Feigling“, konterte der Hase amüsiert, „du hast sowieso keine Chance gegen mich“.
„Ach ja?“, machte das Mädchen, schnappte sich eine Handvoll Füllung und warf sie dem Hasen ins Gesicht. Dieser duckte sich geschickt und antwortete seinerseits mit einer Ladung, die Edna ebenso knapp verfehlte.
„Was ist hier los“, bellte die Stimme laut und öffnete quietschend den Sichtschutz.
Edna erstarrte vor dem halb geöffneten Polster und hoffte ihr Körper mochte das Ausmaß der Verwüstung, vor den grimmigen Blicken des Wärters verbergen.  „Nichts“, brachte sie schließlich mühsam heraus und reckte ihr Kinn vor.
Die kalten Augen strichen über das Zimmer und sie selbst hinweg, sodass sich Ednas Magen unter seiner Begutachtung zusammenzog.
„An deiner Stelle, wäre ich ganz leise“, warnte sie der Mann kalt, „hier drinnen kann dir niemand helfen“. Noch eine weitere Sekunde musste sie dem bohrenden Blick standhalten, bevor die Klappe geräuschvoll einrastete und sie vor der Außenwelt abschottete.
„Puhh“, machte Edna und ihre Knie zitterten immer noch.
„Ein Glück für ihn, dass er aufgegeben hat, sonst hätten wir ihm den ganzen Schaumstoff in den Mund gesteckt“, grinste der Hase herausfordernd.

Mit flinken Fingern machte sich das Mädchen an der Abdeckung zu schaffen und hatte schließlich einen Lüftungsschacht freigelegt.
Mit Erleichterung stellte sie fest, dass sie sich, dank ihres schmalen Körperbaues, mühelos hinein quetschen würde können. Ihre Stimmung sank jedoch, als sich das Gitter nicht lösen lies, welches den Schacht bedeckte. „Was nun?“, fragte sie Harvey, der einen prüfenden Blick, auf das Geschehen warf.
„Improvisieren Edna“, schlug er vor und nahm eine militärische Ausdrucksweise an. „Rekrutin Edna, schaffen sie uns dieses Hindernis aus dem Weg“. Das Mädchen salutierte zackig, „Mit Vergnügen, Sir“, und überlegte fieberhaft.
Plötzlich zog sie die Augenbrauen hoch und tastete suchend ihren Oberkörper ab. Triumphierend fingerte sie unter ihrem Nachthemd umher und beförderte dann einen Metallbügel  aus ihrem Bh, zu Tage, den sie stolz in die Luft streckte. „Weitermachen“, schaltete sich Harvey ein und klatschte aufgeregt mit den Pfoten.

Geschickt steckte sie das Ende des Bügels in die Vertiefungen der Schrauben und drehte sie dann einzeln nacheinander vorsichtig aus ihrer Verankerung heraus. Behutsam legte sie das Gitter auf den Boden und spähte in den Schacht hinein, der in die Dunkelheit führte.
„Lust, auf eine super Rutsch-partie?“, fragte der Hase und Edna nickte schwungvoll, sodass ihre Haare durch die Luft wirbelten. „Aber immer doch“.
Vorsichtig kletterte sie in den Schacht hinein, steckte den Bügel wieder an seinen Platz, und presste das Gitter von innen wieder in die Halterung. Die Schrauben nahm sie ebenfalls an sich und steckte sie unter ihr Plastikarmband, wobei diese nun fest gegen ihre Haut gepresst wurden und nicht herausfallen konnten.
Einzig und allein die demolierte Polsterfüllung verriet ihre Vorgehensweise, doch dieser Umstand ließ sich nicht mehr vertuschen.
Edna schluckte schwer bevor sie mit Harvey tiefer in die Dunkelheit hinein kroch.
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