If I fall and crash and burn

SongficRomanze / P12 Slash
Kasamatsu Yukio Kise Ryōta
11.04.2014
11.04.2014
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Kuroko no Basuke und damit die in dieser Geschichte vorkommenden Charaktere sind geistiges Eigentum von Fujimaki Tadatoshi.

Inspiriert von diesem Video
Hört euch auch den ganzen Song an: Crash and Burn von Lifehouse.

KasaKise ist mein KnB OTP und wird es für immer bleiben. Egal wie viel AkaMibu (oder MibuAka) ich schreibe.
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And if I fall and crash and burn
At least we both know that I tried
And as I crawl there’s lessons learned
Yeah they remind me I survived


„Was ist, wenn du gegen dieses Ich spielst?“
Es fühlte sich an, als würde jegliche Anspannung aus seinem Körper weichen und noch im selben Moment tausendfach zurückkommen. Er konnte nicht einmal sagen, ob sein Herzschlag sich verlangsamte oder verdoppelte… Vielleicht verlangsamte sich auch einfach nur der Lauf der Zeit und für einen Moment fühlte Kise sich fast schwerelos.
Fühlte es sich so an, Aomine zu sein?
Sein Körper neigte sich fast automatisch nach rechts, zeitlupenartig langsam – zumindest kam es ihm so vor – um noch im gleichen Augenblick nach links zu schwenken und so pfeilschnell an Aomine vorbeizuziehen, dass Kise es selbst im ersten Moment nicht realisieren konnte.
Aomine war ihm dicht auf den Fersen, das spürte er, aber er holte ihn nicht ein. Wie auch? Kise flog. Als er an den Korb sprang, kam es ihm so vor, als hätten seine Füße seit einer Ewigkeit nicht mehr den Boden berührt. Der Korb kam näher, aber Aomine nicht, und für einen Moment fühlte Kise sich unaufhaltsam und unbesiegbar.
Aomine brüllte irgendwas. Egal. Kise hatte den Korb beinahe erreicht, nur noch ein kurzes Stück, nur noch…
Irgendetwas… Nein, irgendjemand krachte von hinten an seinen Körper und Kise spürte, dass die Luft aus seinen Lungen katapultiert wurde. Er verlor die Kontrolle über sich und den Ball und für einen Moment meinte er, als sähe er die enttäuschten Gesichter seiner Senpai vor sich. Weil sie sich alle auf ihn verließen, musste er es schaffen. Er war Kaijōs Kise. Er musste, musste, musste.
Anscheinend wurde sein Flehen erhört, denn plötzlich lief die Zeit wieder ganz langsam.
Er hatte Zeit. Er musste sie nur nutzen.
Er könnte den Ball nach hinten über seinen Rücken werfen, an Aomine vorbei und dann in den Korb. Für einen solchen Wurf war er in der perfekten Position, und wenn er sich nur ein kleines bisschen Mühe gab…
Dass er wirklich getroffen hatte, wurde ihm bewusst, als der Schiedsrichter „Korb zählt, ein Freiwurf“ über den Platz rief. Seine Stimme ging im tosenden Applaus der Zuschauer beinahe unter, aber Kise nahm beides nicht wirklich wahr. Alles schien hinter einem Schleier zu verschwinden, der ihn von der Außenwelt abschirmte.
Wenn es sich wirklich so anfühlte, Aomine zu sein, dann konnte er in Zukunft auch gerne darauf verzichten, aber für jetzt musste er durchhalten. Für seine Senpai, die sich auf ihn verließen.
Ein Freiwurf war für ihn ein Kinderspiel und brachte seinem Team einen Unterschied von nur noch neun Punkten. Er konnte das schaffen. Er musste.
Er stahl Aomine den Ball, ging rechts an Sakurai vorbei und flog. Der Korb näherte sich mit rasender Geschwindigkeit und diesmal, diesmal war Kise sich sicher, dass er treffen würde.
Er traf nicht. Aomine schlug ihm den Ball in letzter Sekunde aus der Hand, etwas, das Kise erst realisierte, als sie nebeneinander auf dem Boden landeten. Er hatte es nicht geschafft. Nicht geschafft.
„Ich habe gewusst, dass du das tun würdest.“ Er log Aomine mit einem Grinsen ins Gesicht, doch nichts könnte ihm in diesem Moment gleichgültiger sein als das. In Wahrheit… In Wahrheit log er nicht einmal. Irgendein kleiner Teil von ihm hatte gewusst, dass es nicht so leicht sein würde, Aomine den Ball abzunehmen und zwei Punkte für sein Team zu holen. Er hatte es nur nicht wahrhaben wollen. „Es wäre zu einfach gewesen, wenn das Spiel so geendet hätte.“

Die Pause zwischen dem dritten und dem vierten Viertel war keine wirkliche Erholung. Er fühlte sich müde und erschöpft, aber auch angespornt von seinen Senpai und davon, dass er es geschafft hatte, eine Herausforderung für Aomine zu sein. Er war ein kleines bisschen stolz auf sich – aber er war sich auch darüber im Klaren, dass er sich nicht auf dem ausruhen durfte, was er bisher geschafft hatte. Er hatte noch 10 Minuten zu spielen.
10 Minuten, die alles entscheiden konnten.
Er kämpfte auch im letzten Viertel hart. Die Freude an diesem Spiel überwog die Erschöpfung, die sich in seinen Gliedern ausbreitete so sehr, dass er sie für eine Weile vergaß. Er punktete mit Aomine um die Wette, immer das klare Ziel vor Augen, Tōōs Punktevorsprung nicht nur zu verringern, sondern zu übertrumpfen. Er hatte noch nie so dringend ein Spiel gewinnen wollen wie dieses.
Den Schmerz in seinen Beinen bemerkte er das erste Mal, als die Tafel nur noch etwas über eine Minute Spielzeit ankündigte, und einen Punktestand von 106 zu 98. Acht Punkte. Eine Minute Zeit und acht Punkte. Beine hin oder her, er musste sich noch mehr anstrengen; auch, wenn es zunehmen anstrengender wurde, denn zu den Schmerzen in seinen Beinen kam auch ein leichter, pulsierender Schmerz in seinem Kopf.
Trotzdem schaffte er es irgendwie, überall zu sein. Der Ball, den Sakurai nicht zu greifen bekam, dann das one on one gegen Aomine. Er hatte einen genauen Plan. Springen, fliegen, ein Pass zu Kasamatsu, aber… Aomine war auch überall. Und er verließ sich nicht auf sein Team; das war der Fehler gewesen, den Kise gemacht hatte. Wenn er Aomine hätte kopieren wollen, wenn er Aomine hätte sein wollen, dann hätte er sich nicht auf diesen Pass verlassen dürfen.
Er hatte versagt.
Kasamatsus Faust traf seinen Hinterkopf.
„Konzertier dich! Das Spiel ist noch nicht vorbei!“
Richtig. Seine Senpai verließen sich auf ihn… Immer noch.
Die Niederlage, die er eben noch so dringend hatte verhindern wollen und die jetzt unausweichlich schien, machte ihm plötzlich nichts mehr aus. Er konnte Aomine nicht mehr aufhalten, weil er nicht stark genug gewesen war, aber er konnte auch nicht der einzige sein, der so kurz vor dem Ende aufgab – und deshalb war der Abpfiff fast eine Erlösung.
110 zu 98. Was kümmerte ihn dieses Ergebnis überhaupt noch?
Er hatte verloren. Er hatte nicht aufgegeben, aber das Gefühl, seine Senpai enttäuscht zu haben, wurde er trotzdem nicht los. Verloren.
Er spürte die Niederlage in seinem ganzen Körper. Seine Beine gehorchten einfach nicht mehr. Er konnte nicht aufstehen, wie sehr er sich auch anstrengte; seine Beine zitterten einfach nur unkontrolliert, und im Endeffekt war es das, was ihn in die Verzweiflung trieb. Er hatte einfach keine Kraft mehr. Wenn er jetzt nicht einmal mehr aufstehen konnte, wie sollte er es dann jemals schaffen, Aomine zu schlagen? Was konnte er schon großartig tun?
Er konnte nur hier sitzen und darauf warten, dass irgendjemand ihm auf die Beine helfen würde.
Und dann war da die Hand seines Senpai, die sich in sein Blickfeld schob. Und Kasamatsus ernster Blick und seine Worte, die Kise in gewisser Weise schon fast als tröstend empfand.
„Senpai, ich…“ Er wollte etwas sagen, irgendwas, von dem er selbst nicht wusste, was es war, aber seine Worte endeten in einem erstickten Schluchzen. Er wollte nicht weinen, aber als Kasamatsu ihn auf die Füße stellte und ihn stützte, wusste er sich nicht mehr anders zu helfen.
„Du hast gut gespielt.“ Kasamatsus Hand strich in einer kurzen Geste über seine Haare. „Außerdem ist noch nicht alles verloren. Du kannst es ihm im Winter heimzahlen.“
Kises Tränen wollten nicht aufhören zu fließen.

All of the things I tried to say
All of the words just got in the way
I’m waiting here, I need your help
Don’t leave me down here all by myself


Am Morgen nach dem Spiel spürte Kise auf eine sehr, sehr schmerzhafte Weise jeden einzelnen Muskel in seinem Körper. Das war ihm schon sehr lange nicht mehr passiert. Es gab Tage, an denen die zusätzlichen Runden, die Kasamatsu ihn manchmal laufen ließ, nicht spurlos an ihm vorüber gingen, aber dieser Schmerz war nie wirklich unangenehm.
Unangenehm war auch heute vermutlich das falsche Wort, um zu beschreiben, wie er sich fühlte. Es war eher die Hölle. Es ließ sich nur einigermaßen aushalten, wenn er ganz still lag und sich nicht rührte – etwas, das er nur so lange tun konnte, bis seine Schwester in sein Zimmer kam, um zu fragen, warum er immer noch im Bett lag. Immerhin hatte Kise eine gute Begründung, warum er nicht in die Schule gehen konnte: Muskelkater in allen erdenklichen Muskeln und furchtbare Kopfschmerzen, die durch das Licht in seinem Zimmer nur noch viel schlimmer wurden.
Schade, eigentlich. Er wäre gern in die Schule gegangen, und sei es nur, um allen zu beweisen, dass er sich von so einer Niederlage nicht unterkriegen ließ. Die Niederlage als solches machte ihm wirklich nicht viel aus. Natürlich war er nicht unbedingt glücklich darüber und natürlich hätte er viel lieber gewonnen, aber zu verlieren ließ die Welt nicht enden und er konnte damit umgehen.
Womit er nicht umgehen konnte, war das Gefühl, sein Team enttäuscht zu haben. Für einige seiner Senpai war es die letzte Interhigh gewesen und nichts hätte Kise lieber für sie getan, als zu gewinnen. Er war einfach noch nicht stark genug gewesen und deshalb hatte es dieses Jahr nicht gereicht.
Doch während er selbst das Glück hatte, es im nächsten Jahr und in der nächsten Interhigh einfach wieder zu versuchen, konnten Kasamatsu, Moriyama und Kobori das nicht. Und deswegen fühlte Kise sich sehr, sehr schlecht. Auch wenn Kasamatsu ihm gesagt hatte, dass er gut gespielt hatte. Auch wenn sie unter den acht besten Teams gewesen waren. Auch wenn sie mit Recht stolz auf sich sein konnten.
Kise fühlte sich nicht wirklich stolz, obwohl sie es in dieser Interhigh weit geschafft hatten – aber er hatte auch keine Gelegenheit, diesen deprimierenden Gedanken weiter nachzugehen, weil sein Handy mehrmals vibrierte und Kise glaubte, dass es irgendwie von Mal zu Mal nachdrücklicher klang. Leider konnte er unmöglich aufstehen und es holen…
Aber wenn die Nachrichten von Kasamatsu waren?
Mühsam schlug er seine Decke zurück und hievte sich irgendwie aus dem Bett. Jetzt, da er einmal stand, nutzte er die Gelegenheit, um zumindest noch kurz ins Bad und in die Küche zu gehen. Als er zurückkam und sich mit seinem Handy wieder ins Bett verkroch, hatte er drei Nachrichten erhalten. Die erste war von Kasamatsu, eine simple Frage, warum er nicht zum Training gekommen war. Die zweite war auch von Kasamatsu: diesmal jedoch die Drohung, dass er einen Tritt kassieren würde, wenn er nicht antwortete. Die dritte war von Moriyama und beinhaltete die knappe Info, dass Kasamatsu ziemlich wütend war und Kise tatsächlich besser dran wäre, wenn er in naher Zukunft antworten würde.
Ich kann meine Beine nicht bewegen, schrieb er daher zurück. Dann, in einer zweiten Nachricht Und meine Arme auch nicht mehr und in einer dritten Und auch sonst nichts, mir tut alles weh mit einem super traurigen und einem super gequält wirkenden Smiley dazu.
Kasamatsu brauchte nicht mal eine Minute, um zu antworten, dass alles nur halb so wild sein konnte, wenn Kise noch in der Lage war, so viele weinerliche Nachrichten zu verschicken. Kise stellte sich vor, dass er dabei wütend das Gesicht verzog und eine seiner Hände sich schon zu einer drohenden Faust ballte und aus irgendeinem Grund musste er lächeln – einfach, weil es schön war, dass Kasamatsu ihn immer noch genau so behandelte wie vor dem Spiel. Vielleicht war doch alles in Ordnung.
Nach diesem kurzen Nachrichtenwechsel verbrachte er den Tag damit, in seinem Bett zu liegen und fernzusehen. Am Vormittag zappte er durch diverse Animes, die er nicht kannte, weil er sonst nie Zeit hatte, das Vormittagsprogramm zu schauen und blieb dann an einer Sendung hängen, die erklärte, wie man mit etwas Kreativität aus langweiligen Handyschutzhüllen wahre Blickfänge machen konnte. Er amüsierte sich prächtig.
Mittags kam ein amerikanischer Film über einen Zauberer, der ihm nicht wirklich gefiel. Tatsächlich fand Kise ihn so uninteressant, dass er dabei einschlief und erst am Nachmittags wieder aufwachte, weil seine Schwester mit zwei randvoll mit Süßigkeiten gefüllten Tüten aus dem Konbini kam und es sich auf dem Fußboden neben seinem Bett gemütlich machte. Den Rest des Tages verbrachten sie damit, gegeneinander Mario Kart auf der Wii zu spielen, auch wenn Kises Muskelkater davon nicht unbedingt besser wurde.
Insgesamt konnte er später nicht behaupten, dass der Tag besonders schlecht gewesen war, und trotzdem schlief er in der Nacht sehr unruhig. In seinem Traum warfen die Schatten seiner jetzigen und seiner ehemaligen Teammitglieder einen Korb nach dem anderen, doch jedes Mal, wenn Kise versuchte mit ihnen zu spielen, wurde der Ball so schwer, dass er ihn nicht mehr halten konnte. Schließlich wurde er auf die Bank geschickt und musste zusehen, wie das Spielfeld sich immer weiter von ihm entfernte. Weil seine Beine immer schwerer wurden, konnte er auch nicht wieder näher heran kommen und als das Feld samt seiner Spieler schließlich als winziger Punkt in der Ferne verschwand, wurde Kise von seinem Wecker aus dem Schlaf gerissen.
Er fühlte sich noch elender als am Tag davor, weil er Kopfschmerzen hatte und überdies durch seinen Traum vollkommen verwirrt war, aber er weigerte sich, schon wieder zuhause zu bleiben. In den ersten zwei Pausen wünschte er sich jedoch, er wäre nicht so stur gewesen.
Er hatte sich nie daran gestört, dass die Mädchen aus seiner Schule sich in den Pausen um seinen Tisch sammelten, um sich mit ihm zu unterhalten. Heute jedoch schien jede von ihnen nur über seine Niederlage sprechen zu wollen und obwohl Kise schon nach den ersten fünf Minuten genug von dem Thema hatte, gab er sich alle Mühe, immer wieder lächelnd zu beteuern, dass es ihm wirklich gut ging und er sehr zufrieden mit der Leistung war, die er für Kaijō erbracht hatte.
Kasamatsu rettete ihn in der Mittagspause, indem er ihn aus einer Traube von Mädchen fischte und irgendwas von einem „außerordentlichen Teammeeting“ murmelte. Kise war ganz froh darüber, aus dem Raum gezerrt zu werden, auch wenn ein „außerordentliches Teammeeting“ ihm etwas merkwürdig vorkam, vor allem, da Kasamatsu wirklich keine Anstalten machte, in Richtung Sporthalle zu gehen. Als Kise sich schließlich auf dem Dach wiederfand, war das Ganze dann schon sehr merkwürdig.
„Natürlich gibt es kein Meeting, du Idiot“, beantwortete Kasamatsu seine Frage ziemlich mürrisch und schüttelte den Kopf, als würde er Kise für vollkommen dämlich halten. „Und jetzt sei still.“
Also schwieg Kise, auch wenn ihm der Sinn dieser Aktion nach wie vor vollkommen verborgen blieb. Er suchte sich einen Platz, an dem er relativ gemütlich in der Sonne sitzen konnte und wartete; Kasamatsu stand ein paar Meter von ihm entfernt an der Brüstung und schaute hinunter auf den Haupteingang ihrer Schule. Er schien über irgendwas nachzudenken, denn irgendwann drehte er sich zu Kise um und fixierte ihn mit einem undefinierbaren Blick.
„Was ist dein Problem?“, fragte er.
„Mir geht’s gut“, antwortete Kise ausweichend, weil er seinem Senpai unmöglich die Wahrheit sagen konnte. Aber Kasamatsu kannte ihn inzwischen viel zu gut und durchschaute ihn viel zu leicht und als er seine Frage ein zweites Mal stellte, klang er schon leicht genervt.
„Ich hab Muskelkater“, antwortete Kise diesmal zögernd. „So schlimm wie noch nie.“ Aber als Kasamatsu nachdrücklich die Augenbrauen hochzog und ihn einfach nur abwartend ansah, fügte er hinzu: „Und ich hab schlecht geschlafen.“
„Und?“, fragte Kasamatsu fordernd. Kise seufzte. War er wirklich so leicht zu durchschauen oder war Kasamatsu einfach nur super aufmerksam? Er kam zu dem Schluss, dass da wohl eines zum anderen führte.
Und es war deine letzte Interhigh. Und ich habe versagt. Das war es, was er sagen wollte. Stattdessen sagte er: „Nichts“ und obwohl Kasamatsu genervt die Stirn runzelte und nicht zufrieden aussah, fragte er nicht weiter.
„Ich bin dein Captain und dein Senpai“, erwiderte er nur. „Wenn du über irgendwas reden möchtest, kannst du immer zu mir kommen.“
„Ich weiß, ich weiß.“ Kise bemühte sich um ein ehrliches Lächeln; es fiel ihm nicht sonderlich schwer, weil Kasamatsus Worte ihn wirklich glücklich machten. „Danke, das bedeutet mir sehr viel. Aber es ist wirklich nichts. Natürlich hätte ich lieber gewonnen, aber wir alle haben unser Bestes gegeben und ich bin froh, dass wir zusammen spielen konnten.“
„Also ist es das Spiel“, stellte Kasamatsu viel zu treffsicher fest. Eigentlich hatte Kise nicht mit ihm darüber sprechen wollen; schon allein deshalb nicht, weil er nicht mehr daran denken wollte, dass er versagt hatte. „Du musst lernen, dir eine Niederlage nicht so zu Herzen zu nehmen. Es geht weiter – ich habe dir gesagt, dass du es ihm im Winter heimzahlen kannst.“
„Das werde ich.“ Trotz des unangenehmen Themas war es diesmal noch leichter, Kasamatsu ein Lächeln zu schenken. „Danke, Senpai.“
Kasamatsu murmelte ein paar fluchende Worte darüber, dass Kise sich nicht ständig bedanken sollte und dass er vor allem mit diesem „blöden Grinsen“ aufhören sollte, aber Kise wusste sich nicht anders zu helfen, weil Kasamatsu Fürsorge ihm wirklich viel bedeutete.

And I’ve been hurt and I’ve been scarred
At least I know that I’m alive
And if I fall and crash and burn
At least we both know that I tried


Das Dach wurde zu ihrem besonderen Treffpunkt. Manchmal sprachen sie über Basketball, manchmal über ganz alltägliche Dinge und manchmal saßen sie auch einfach nur nebeneinander und sagten gar nichts. Letzteres genoss Kise am meisten, weil er dann Kasamatsus Hand halten konnte – nicht mehr und nicht weniger, etwas, das sie einfach irgendwann angefangen hatten und das Kasamatsu ihm nur auf dem Dach erlaubte. Er machte keine Ausnahmen. Nie.
Drei Tage vor dem offiziellen Beginn des Winter Cups war es zu kalt, um auf dem Dach zu sitzen. Kise stand in dickem Wintermantel und mit bis zur Nasenspitze im Schal vergrabenen Gesicht neben Kasamatsu und hatte seine tauben Finger so tief in die Taschen geschoben, wie nur irgendwie möglich war. Obwohl er ganz bitterlich fror, wollte er diesen Augenblick um nichts in der Welt missen.  Und weil Kasamatsu auch so aussah, als wäre ihm schrecklich kalt, erlaubte Kise sich den Schluss, dass es ihm ähnlich gehen musste.
„Tōō“, sagte Kasamatsu grade, nachdem er eine Weile über Kises Frage, gegen wen er im Winter Cup gerne spielen würde, nachgedacht hatte.
„Warum?“, fragte Kise neugierig, obwohl er sich die Antwort eigentlich schon denken konnte. Kasamatsu hatte es ihm nach der Interhigh schon einmal gesagt: im Winter konnten sie Tōō die Niederlage heimzahlen. Kise freute sich darauf, Aomine zeigen zu können, zu welchen Leistungen er fähig war – und er freute sich darauf, Tōō zeigen zu können, dass man sich niemand einfach so mit Kaijō anlegte.
Kasamatsu sagte genau das.
Basketball war etwas, worin sie immer übereinstimmten. Kasamatsus Kampfgeist war genauso entfacht wie Kises und sie waren beide heiß auf die kommenden Spiele. Kise wusste inzwischen nicht mehr, wo er seine Energie lassen sollte; er wollte spielen, und das so unbedingt, dass der Winter Cup gar nicht schnell genug beginnen konnte.
Er fragte sich jedoch, ob Kasamatsu auch im Hinterkopf hatte, dass der Winter Cup seine letzte Chance war. Kise selbst wurde von diesem Gedanken nicht mehr losgelassen und einerseits steigerte das seine Vorfreude nur noch. Er wollte Kasamatsu, Moriyama und Kobori, seinen Senpai, die immer für ihn da gewesen waren, einen würdigen Abschluss bieten und er wollte dafür kämpfen, dass sie als Sieger aus diesem Turnier gehen konnten.
Andererseits fragte er sich jedoch, ob er diesmal gut genug dafür war.
Er hatte über die Niederlage gegen Tōō und über das Gefühl, sein Team enttäuscht zu haben, seit längerer Zeit nicht mehr nachgedacht und eigentlich geglaubt, schon längst darüber hinweg zu sein. Es hatte ihn nicht ein einziges Mal während des Trainings oder während kleinerer Spiele zwischendurch belastet und ganz ohne trübselige Gedanken hatte er sein Leben einfach ganz normal gelebt. Aber jetzt, da der Winter Cup näher kam und damit auch die Chance, wieder gegen Aomine zu spielen, kamen auch die Gedanken zurück, und die Frage, die er sich direkt nach der Interhigh gestellt hatte. Sie verunsicherte und bestärkte ihn gleichermaßen. Kise war sonst keine Person, die sich leicht unterkriegen ließ, aber seine Senpai bedeuteten ihm viel – Kasamatsu bedeutete ihm viel – und allein der Gedanke, ihren Hoffnungen nicht gerecht werden zu können, fühlte sich bitter an. Es durfte ihm nicht noch einmal passieren.
Ob Kasamatsu jetzt, so kurz vor dem Winter Cup, auch wieder so sehr an dieses Spiel dachte?
„Senpai, darf ich dir eine Frage stellen?“, fragte Kise deshalb sehr leise und nachdem er eine Weile gezögert hatte; dabei war er sonst nicht schüchtern und nie um Worte verlegen. Die Frage zu stellen, die ihm seit der Interhigh auf der Seele lastete, war trotzdem nicht einfach, nachdem Kasamatsu eine halbherzige Zustimmung gemurmelt hatte: „Habe ich euch enttäuscht?“
Seit sie zwei Tage nach dem Spiel das erste Mal gemeinsam auf dem Dach gewesen waren, hatten sie nicht mehr über das Spiel gesprochen. Deshalb verwunderte es Kise kaum, als Kasamatsu nicht sofort verstand, worauf er anspielte.
„Als wir gegen Aominecchi… Gegen Tōō gespielt haben“, erklärte er deshalb. „Der Acht-Punkte-Unterschied, den ich nicht mehr aufholen konnte…“
Kasamatsu wollte ihn schlagen. Kise wusste, dass er das wollte, weil seine Hand zuckte, eine fast automatische Reaktion auf das, was Kasamatsu dummes Zeug nennen und mit Sei still, Kise kommentieren würde. Aber er schien es sich anders zu überlegen, denn seine Hand entspannte sich wieder und er seufzte leise.
„Du hast uns nicht enttäuscht.“
Ein Gefühl der Erleichterung breitete sich in Kise aus, weil diese Worte so direkt waren und sehr, sehr ehrlich klangen. Kasamatsu drehte sich ein Stück von ihm weg, weil er mit Themen wie diesem einfach nicht umgehen konnte. Seine Stimme war leiser als zuvor, als er fortfuhr: „Wir sind alle sehr stolz auf dich. Ich bin sehr stolz auf dich.“
Die Erleichterung, die Kise verspürt hatte, verwandelte sich in Wärme und deshalb war es gar nicht mehr wichtig, dass seine Finger noch ein bisschen tauber wurden, als er seine Hand aus seiner Manteltasche zog, um damit nach Kasamatsus zu greifen.  
Überraschenderweise war Kasamatsus Hand wirklich warm, trotz eisigen Minusgraden. Und anscheinend war Kise nicht der einzige, der diesen Unterschied bemerkte.
„Ist dir kalt?“
Kasamatsu klang fast ein bisschen besorgt, auch wenn er es ganz geschickt zu verbergen wusste. Kise nickte eifrig und rechnete eigentlich damit, dass Kasamatsu ihn ins Gebäude prügeln würde – weil Kise ganz bestimmt nicht freiwillig gehen würde, bevor die Mittagspause nicht zu Ende war. Womit er ganz sicher nicht gerechnet hatte war, dass Kasamatsu ihn mit mürrischem Gesichtsausdruck in eine fast schon erschreckend warme Umarmung ziehen würde. Beschweren würde er sich darüber ganz sicher nicht.
„Machst du dir etwa Sorgen um mich?“
„Idiot“, knurrte Kasamatsu. „Wenn du dich erkältest, bist du im Winter Cup vollkommen nutzlos.“
„Danke, Senpai.“ Kise lächelte und lehnte seinen Kopf an Kasamatsus und Kasamatsu murmelte einen Fluch darüber, dass Kise damit aufhören sollte, sich ständig zu bedanken. Kises Lächeln wurde ein bisschen glücklicher. „Ich werd‘s Aominecchi schon zeigen.“
„Ich verlass mich auf dich“, erwiderte Kasamatsu ernst.
Kise würde ihn nicht enttäuschen.