Gretchens Traum

von Ice Blue
GeschichteAngst, Tragödie / P12
Dr. Heinrich Faust Margarete
10.04.2014
10.04.2014
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Gretchen ging durch die Straßen. Sie wusste nicht, wo genau sie sich befand, doch je weiter sie ging, desto mehr erkannte sie von ihrer Stadt. Wenn sie dort um  die nächste Ecke gehen würde, wäre sie auf dem Marktplatz. Als sie dort ankam, war sie überrascht. Auf dem Platz tummelte sich eine riesige Menschenmenge. Sie standen um etwas herum. Oder besser, um jemanden. Gretchen versuchte sich einen Weg durch die Massen zu bahnen, die Neugier war viel zu groß. Sie wurde von einigen Leuten geschubst, fand aber doch noch einen Weg durch die Menge, sodass sie fast alles sehen konnte. Was sie sah, schockierte sie, ließ sie erstarren.
In der Mitte stand Bärbelchen! Nun verstand Gretchen auch, was die Menschen um sie herum riefen: „Du dumme Dirne!“, „Hure!“ oder „Sünderin!“. Bärbelchen weinte wie ein kleines Kind, doch keiner zeigte Mitleid oder versuchte ihr zu helfen. Man warf ihr nur schlimmste Beleidigungen und Schimpfworte an den Kopf und in ihren Gesichtern spiegelte sich Hohn und Verachtung wider. Die Einzige, die nichts sagte, war Gretchen. Sie musste an das Treffen mit Lieschen denken, wie sie ihr erzählt hatte, was dem Bärbelchen widerfahren war.
O weh!, dachte sich Gretchen, wird es mir auch so ergehen? Sie schloss für einen Moment ihre Augen, um sich ein wenig zu beruhigen. Sie hatte das Gefühl, als würde sie fallen, doch als sie die Augen wieder öffnete, war sie es, die dem Spott der Leute ausgesetzt war. Gretchen drehte sich einmal um sich selbst, versuchte irgendwo einen Ausweg zu finden, doch überall um sie herum standen Menschen, deren Beschimpfungen immer wüster und lauter wurden. Es gab kein Entkommen! Gretchen zitterte am ganzen Leib vor Angst.
„Gott, bewahre!“, betete sie.
„Der wird dir auch nichts mehr helfen, Sünderin!“, kam es aus der Menge. Gretchen suchte nach dem Ursprung der Stimme, die ihr doch so bekannt vorkam. Da erblickte sie Marthe, die einen Schritt aus der Menge herausgetreten war.
Ich bin doch nicht allein, dachte Gretchen und ein leichtes hoffnungsvolles Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus.
„Das gläubige und ach-so-bescheidene Gretchen! So dumm und naiv!“, verspottete Marthe sie. „Sieh nur, was aus dir geworden ist. Wo ist dein Liebhaber denn jetzt, wo du ihn doch gebrauchen könntest?“ Gretchens Lächeln verschwand, genau wie ihre Hoffnung. Marthe fing an zu lachen und ein paar Andere stimmten mit ein. Es war ein gehässiges Lachen. Doch sie hatte Recht. Wo war Faust? Sie schaute sich um und suchte in der Menge nach ihm.
Ihr Herz setzte einen Schlag aus, als sie ihn sah.
„Heinrich! Heinrich!“ , rief sie nach ihm. Doch er kam nicht zu ihr, stattdessen wand er sich einfach von ihr ab und ging.
Er lässt mich im Stich! Er lässt mich hier vollkommen allein!, dachte sich Gretchen nun vollkommen verzweifelt. Sie fing an zu weinen, es war zu viel für diese junge, zarte Gestalt. Sie war ganz auf sich allein gestellt, niemand war mehr da, der ihr hätte helfen können.
Das ist alles meine Schuld!, dachte Gretchen, Hätte ich doch nie… weiter kommt sie nicht, denn die Beleidigungen und Beschimpfungen sind nun so laut das sie kaum noch einen klaren Gedanken fassen konnte. Sie legte ihre Hände schützend auf ihre Ohren, doch das half nichts, die Rufe wurden immer lauter und eindringlicher. Sie verlor den Boden unter den Füßen und fiel…

Sie wachte schweißgebadet auf. Sie schluchzte. Sie konnte nichtmehr aufhören zu weinen und der Gedanke an den Traum wollte ihr nichtmehr aus dem Kopf. Nach Stunden, die sie sich in ihrem Bett herumwälzte, noch verzweifelter und verwirrter als zuvor, weinte sie sich wieder in den Schlaf.
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