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CATFISH

von Catbus
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / Gen
09.04.2014
31.05.2015
44
45.510
6
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Dieses Kapitel
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09.04.2014 1.824
 
[ catfish_2Diffcult ]


Du schmunzeltest leicht, als du den Nicknamen auf dem Zettel sahst.
2Difficult.
Das kam dir sogar… bekannt vor. Aber wo solltest du das früher schon gesehen haben? Vielleicht war das irgendein Laden? Es sei denn, du hättest sogar außerhalb der Schule mit dieser Person geredet.

Nun warst du ein wenig aufgeregt, weil du deinen Partner kennenlernen würdest. Du loggtest dich mit deinem Usernamen 2013Iss ein und öffnetest das Chatfenster.

2013Iss:     Hey

2Difficult:     Hallo

2Difficult:     Ich schätze, du bist mein Partner?

2013Iss:     Yep!


Du runzeltest ein wenig die Stirn. Wie solltest du nun ein Gespräch anfangen? Nachdenklich blicktest du den Bildschirm an, bevor du erneut tipptest.

2013Iss:     Ich weiß, das hört sich seltsam an, aber haben wir früher schon mal gechattet? Dein Nickname kommt mir bekannt vor.

Du wartetest gespannt auf eine Antwort, als du unten in der Chatbox 2Difficult schreibt gerade… aufleuchten sahst.

Keine Antwort.

Was?

Es wurde wieder eingeblendet, dann verschwand es.

2013Iss:     Alles okay?

2Difficult:     Ich habe noch nie mit dir geredet, du musst mich mit jemand anderem verwechseln.


Der Typ schien ein bisschen... lapidar. Du fügtest am Ende deiner Antwort noch ein kleines Smiley hinzu und drücktest auf die Entertaste, darauf hoffend, dass du die Atmosphäre ein wenig aufhellen konntest.

2013Iss:     Oh, sorry! Mein Fehler! >.<"

2Difficult:     Macht nichts.

Du schnaubtest ein wenig und sacktest auf deinem Stuhl zusammen. Worüber redet ihr eigentlich gerade? Plötzlich leuchtete die Chatbox auf und zeigte an, dass du eine Nachricht erhalten hattest.

2Difficult:     Ich frage mich, wer du bist…

Du legtest die Stirn in Falten. Die wichtigste Regel für diese Aufgabe war, dass ihr beide anonym bleiben musstet. Hatte er das denn nicht gehört?

2013Iss:     Wir dürfen uns doch nicht erzählen, wer wir sind...

Du seufztest, Regeln waren nun einmal Regeln, aber du musstest zugeben, dass du schon neugierig warst und wissen wolltest, wer der Typ war…

2Difficult:     Richtig, aber was ist, wenn wir raten?

Das Ziel war, anonym zu bleiben… aber, wenn jemand richtig riet, dann konnte man nichts machen. Leicht lächelnd tipptest du eine Antwort.

2013Iss:     ...okay, jetzt hast du mich...

Kurz darauf verkündete die Lehrerin, dass es Zeit wäre, sich auszuloggen. Nur widerwillig verabschiedest du dich von deinem Partner.

2Difficult:     Dann bis morgen.

~

Während der Woche habt ihr beide euch Hinweise über den jeweils anderen gegeben. Es war fast wie das Spiel Wer ist es?* im echten Leben.

Bisher hast du herausgefunden, dass er blonde Haare und blaue Augen hatte, was es auf ein paar einzelne Jungs in deiner Klasse beschränkte. Im Gegensatz dazu hast du ihm erzählt, dass du [Haarfarbe] Haare und [Augenfarbe] Augen hattest, was sich als genauso hilfreich erwiesen hat wie seine Hinweise bei dir.

Ihr beide habt auch über gemeinsame Interessen geredet, und 2Difficult hat sich sich als ein richtig interessanter Kerl entpuppt, nicht so kalt, wie du gedacht hattest, als ihr das erste Mal gechattet hattet. Er hatte ein Talent für magische Tricks und nordische Volkskunde, genauso wie Lesen und Kaffee. Du hast herausgefunden, dass er neuen Menschen gegenüber schüchtern war.
Du hast ihm von deiner Vorliebe gegenüber Animes erzählt und beherrschtest, während du sicherlich kein Houdini warst, selbst ein paar Kartentricks. Ihr beide habt eine Liste mit Büchern ausgetauscht, die ihr euch gegenseitig empfohlen habt, und er hat dich wegen deiner Vorliebe für süße Dinge geneckt.

In weniger als einer Woche hast du dich ertappt, wie du dich, sehr zu deinem Schrecken, in deinen Catfish verliebt hast. Als das Ende des Projekts in Sicht war, hast du dich ins Zeug gelegt, seine wahre Identität herauszufinden, indem du eine Liste mit möglichen Jungs erstellt und sie mithilfe des Ausschlussverfahrens eingrenzt hast.

      Francis  – Der Catfish ist schüchtern.
      Ludwig  – Möglicherweise… Ich kann mir aber nicht vorstellen, wie er magische Tricks macht…
      Alfred  – Nochmal, der Catfish ist SCHÜCHTERN.
      Matthew  – Warte… wer?
     Lukas   – Also, er ist Norweger… und auch nicht besonders gesprächig.
      Mathias  – Nein. Njet. No.


Nachdem du deine Liste immer und immer wieder überflogen hast, war der logischste Vorschlag, der dir eingefallen ist…
Lukas Bondevick.
Gelassener, teuflisch gutaussehender Norweger und neu hinzugekommener Schüler.

Auf die Innenseite deiner Wange beißend hast du versucht, die leuchtende Röte, die sich auf deinem Gesicht abgezeichnet hat, zu unterdrücken. Du hasstest, es zugeben zu müssen, sogar dir gegenüber, doch du hattest nichts dagegen, wenn es Lukas wäre. Er war… charmant, auf die liebenswerte Bücherwurm-Art.
Das einzige Problem war… Was sollte so ein gutaussehender, intelligenter, zärtlicher Mann wie er von jemandem halten, der so… gewöhnlich war wie du?

Du warst nicht quirlig und gesellig, du warst eher auf der schüchternen Seite des Spektrums. Du versagtest nicht, aber du warst auch kein Genie. Obwohl du kein unsympathisches Biest warst, warst du sicherlich keine Heidi Klum, und obwohl das genug war, warum solltest du etwas Akzeptables anstreben, wenn du sogar unglaublich werden könntest?

Deswegen ein bisschen entmutigt, hast du bloß geseufzt. Du sammeltest Ängste, genau wie ein unheimlicher Onkel Briefmarken sammelte. Das Schlimmste war, dass du das Gefühl hattest, es niemandem erzählen zu können.
In deinem Freundeskreis warst du die Starke. Du warst diejenige, die deine Freunde aufmunterte, du warst der zuversichtliche und bescheidene Kleber, der euch alle zusammenhielt.

Die einzige Person, der du jemals von deinen Ängsten erzählt hattest, war ein Freund, den du auf deiner Lieblingsseite deviantART kennengelernt hattest.

Alles hatte vor zwei Jahren begonnen, als du etwas auf deviantART hochgeladen hattest, und er der Erste gewesen war, der es kommentiert hatte. Seitdem wart ihr Freunde und hattet eure Werke gegenseitig kommentiert und favorisiert.
Was als freundschaftliche Bewunderung begonnen hatte, wurde bald zu etwas Persönlicherem. Bald hattet ihr euch dabei ertappt, wie ihr miteinander geredet hattet, nicht über Kunst, sondern über Alltagssorgen und Streitigkeiten.
Und auch wenn du ein wandelndes Nervenbündel warst, er würde immer derjenige sein, der dich beruhigte und dafür sorgte, dass du vernünftig bliebst.
Es war so, als ob er dir in den letzten Jahren Stärke geliehen hätte. Du kamst wegen allem Möglichen zu ihm, und er zu dir, weshalb du dich entschlossest, ihn wegen Lukas um Rat zu fragen.

Nachdem du dich in deinen Account eingeloggt hattest, klicktest du auf deine Freundesliste und scrolltest nach unten, um nach dem bekannten Profilbild, ein Troll, zu suchen. Wenig später erstarrtest du.
Direkt neben dem vertrauten Profilbild stand ein Name, der dir so bekannt vorkam, dass dein Herz kurz aussetzte.

2Difficult.

Die Person, mit der du in den letzten Jahren am engsten befreundet warst, war dein Catfish, Lukas Bondevick.

~

Am nächsten Tag in Gemeinschaftskunde loggtest du dich auf deinem Computer ein. Das würde das letzte Mal sein. Heute war der letzte Tag des Projekts „Catfish“.
Die Erkennungsmelodie deines Computers erklang, als du dich in deinen Chataccount einloggtest, um festzustellen, dass Lukas dir schon eine Nachricht gesendet hatte.

2Difficult:     Guten Morgen, ‚Catfish‘, weißt du jetzt, wer ich bin?

Schon, als du nur auf seinen Nicknamen sahst, konntest du fühlen, wie das Blut in deinen Kopf stieg. Du schlucktest nervös.

2013Iss:     Du bist 2Difficult, genau wie auf deviantART, und in Wirklichkeit heißt du Lukas Bondevick.

Du drücktest die Entertaste und fixiertest mit deinen Augen den Bildschirm vor dir, um dich dazu zu zwingen, keinen Blick auf den Norweger zu riskieren, der auf der anderen Seite des Klassenzimmers saß.

2Difficult schreibt gerade… Dein Herz hörte auf, zu schlagen.

2Difficult:     Glückwunsch, [Name].

Die Luft blieb dir im Hals stecken. Er kannte deine Identität auch?

2013Iss:     Wie kannst du sicher sein, dass ich [Name] bin?

"Okay, Klasse, Bildschirme aus!"

Du zucktest auf deinem Stuhl. Was? Nein! Ich muss doch noch- Du drücktest deinen Daumen auf den Power-Knopf, sodass der Bildschirm dunkel wurde.

"Also, ich hoffe, das Projekt ‚Catfish‘ hat euch allen Spaß gemacht, mir hat es auf jeden Fall gefallen!" Omi kicherte, als ob sie etwas wusste, was ihr nicht wusstet.

"Ihr habt alle großartige Arbeit geleistet, indem ihr anonym geblieben seid, also gut gemacht!"

Ein paar Motzer hallten durch den Raum.

"Allerdings muss ich etwas gestehen…"

Totenstille.

"Mädels, während ihr nicht gewusst habt, mit wem ihr überhaupt redet, haben die Jungs es die ganze Zeit gewusst!"

Wie bitte? Aggressives Nörgeln und erschrockene Aufschreie ertönten von der Raumhälfte der Mädchen, während die Jungs leise lachten.

"Das stimmt! Genau genommen waren es die Jungs, die sich ihre Partner ausgesucht haben!"

Dein Herz setzte zum bestimmt tausendsten Mal heute aus. L-Lukas hat dich ausgesucht?

"Das ist nicht alles! Ladies, ich möchte euch dazu einladen, euch zurückzulehnen und zu entspannen, sodass die Jungs aufstehen und sich als euer Catfish outen können!"

Etliche Mädchen quietschten vor Freude, während du zusammengesackt auf deinem plüschigen Stuhl sitzenbliebst, ein errötendes Durcheinander.

Roderich, der hochnäsige, reiche Junge der Klasse stand auf und verbeugte sich leicht, mit einer Rose in seiner Hand. "Elizabeta"

Das angesprochene Mädchen erstarrte, die Augen und den Mund weit offen.

"Ich habe dich ausgesucht" Er streckte ihr seine Hand, in der er die Rose hielt, entgegen.

Die ungarische Schönheit errötete sehr, bevor sie ein geflüstertes "Danke" nuschelte und die Blume annahm.

Du wendetest deinen Blick auf Lukas, der auch errötete, bevor er aufstand. "[Name]"

Du konntest hören, wie alle nach Luft schnappten, und du fühltest, dass dein Gesicht noch röter wurde, falls das möglich war.

"Ich habe dich ausgesucht. Ich-", er schluckte, seine sonst so gelassene Stimme schien leicht zu beben, "ich bewundere dich schon eine ganze Weile. D-du bist witzig, schlau, süß, ein großartiger Künstler und w-wunderschön, u-und lass dir von niemandem etwas anderes erzählen."
Er sah aus, als würde er gleich ohnmächtig werden, als er wieder Platz nahm, während Mathias, der neben ihm saß, schallend loslachte und ihm fest auf den Rücken schlug.

Währenddessen entschlüpfte fast jedem auf der Mädchenseite Gequietsche, das dich dazu zu drängen sollte, ihm eine Antwort zu geben. Du hofftest, dass der nächste Junge aufstehen würde.

Keiner stand auf.

Es schien, als ob jeder auf deine Antwort warten würde. Schwer seufzend standest du auf und zwangst deine hektischen [Augenfarbe] Augen, Lukas‘ verlegenen Blick zu treffen. "I-Ich mag dich auch. Tue ich schon eine Weile."

Du ließest dich zurück auf deinen Stuhl plumpsen und vergrubst dein Gesicht in deinen Händen. Du spürtest, wie dir jemand sanft den Rücken tätschelte, und hörtest eine laute Stimme, die laut "Woo! Endlich bekommt Norge seine Freundin!" rief.

Mit einem Mal fühlest du, wie eine starke Hand zögerlich über deinen Rücken streichelte.

"[N-Name], b-bedeutet das, dass du mir die Freude bereiten w-würdest, meine F-Freundin zu sein?"

Du ließest seine Hand an deinem Gesicht entlang streifen, als du ein schnelles "Ja" hauchtest, bevor du dich in seinen Armen wiederfandest, die dich fest an ihn drückten. Das Schlagen eurer rasenden Herzen übertönte die schrillen Pfiffe um euch herum.





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Wer ist es?: Kinderspiel, bei dem das Ziel ist, mithilfe des Ausschlussverfahrens die Identität des anderen Spielers herauszufinden
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