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Gefährliches Familientreffen

von -Malyn-
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P12 / Gen
08.04.2014
14.07.2019
20
29.127
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08.04.2014 1.246
 
In Nottingham Castle flog dem Sheriff ein roter Stoffbeutel entgegen und landete hart auf dem Tisch. Es klirrte. Gelangweilt, mit einer Hand das Kinn stützend, blickte er von seinem Stuhl aus vor sich auf den Tisch im großen Saal. „Hmm…Was ist das, Gisborne? Wenn es unwichtig ist, will ich es gar nicht hören“, knurrte Vaisey ohne Gisborne auch nur eines Blickes zu würdigen. „Eure Steuern“, knurrte dieser im gleichen Ton zurück. Diese Worte weckten nun doch die Aufmerksamkeit des Sheriffs, wie Gisborne es erwartet hatte. Ging es um Geld, wurde der alte Mann sofort hellhörig. „Aus Locksley?“ „Ja MyLord, aus Locksley“. Gierig griff er nach dem Beutel und schüttete ihn aus. „Die meisten behaupteten, dass kein Geld da wäre um Euch zu bezahlen. Ich habe daraufhin meinen Männern befohlen, jede einzelne Hütte gründlich zu durchsuchen, bis sie etwas finden, das wir mitnehmen können.“ Stolz klang mit seinen Worten und glänzte in seinen Augen. Purer Stolz.

In seinen Händen hielt der Sheriff einige wenige Schmuckstücke von geringem Wert, ein paar wertlose Ketten und eine kleine Anzahl an Geldmünzen. Doch besser als Nichts. „Und?“, fragte Vaisey und sah fragend zu ihm auf. Was…Und?!“, fauchte Gisborne, da er befürchtete, wieder nicht zur vollsten Zufriedenheit des Sheriffs gehandelt zu haben. Doch er wusste, das war dieses Mal nicht der Fall, als sich ein dreckiges Grinsen im Gesicht des alten Mannes abzeichnete. „Haben sie sich gewehrt? Hmm? Hat irgendein Bauer etwas angestellt, wofür man ihn bestrafen müsste? Hmm? Na los sagt schon, sagt schon!“ Wie ein kleines Kind erwartete er eine freudige Nachricht. Seine Augen leuchteten bei dem Gedanken, jemand könnte schon im Kerker sitzen und auf seine Bestrafung warten. Gisborne wollte ihn nicht länger auf …die Folter spannen, da ihm die plötzliche gute Laune des kleinen Mannes auf die Nerven ging. Wie ein Hund wartete er darauf, dass ihm sein Knochen vorgeworfen wird. „Ja es gibt einen. Er hat versucht erst einen meiner Männer und dann mich mit einem Messer anzugreifen. Es ist ihm nicht gelungen“, verkündete er, jetzt ebenfalls mit diesem Grinsen im Gesicht.

Der Sheriff sprang auf. „Oh das klingt nach einer wunderbaren Strafe, meint Ihr nicht? Gehen wir ihn besuchen.“ Die beiden verließen den großen Saal und pfeifend schritt Vaisey durch die steinernen  Gänge der Burg. „Gisborne, mir scheint als müsstet Ihr Euren Bauern in Locksley mehr Respekt und Gehorsam beibringen. Sie tanzen Euch auf der Nase herum.“ Da war er. Der Tadel, auf den Gisborne schon fast gewartet hatte. Immer und immer wieder hatte dieser kleine Möchte-gern-beste-Freund des Prinzen etwas auszusetzen. Bei der Formulierung dieser Gedanken musste er fast schmunzeln.  Doch er drängte sie schnell wieder in den Hintergrund. Hätte der Sheriff ihn damals, nach dem Hood ins heilige Land gezogen war, nicht angeboten Lord von Locksley zu werden, was wäre er dann. Ein Nichts. Vermutlich. Ohne ein Wort setzte er seinen Weg fort bis sie den Kerker erreichten. Die schwere Tür wurde von einer Wache geöffnet. In einer der Zellen saß ein Mann zusammengekauert in einer Ecke seiner dunklen Zelle. Man hatte ihm offensichtlich Schmerzen zugefügt. Was er fühlte stand ihm ins Gesicht geschrieben. Verzweiflung, Angst und Schmerz. Noch immer fröhlich vor sich hin pfeifend blieb Vaisey vor der Zelle stehen. Beim Anblick des Mannes vor ihm versuchte der Gefangene, sich noch weiter in die Ecke zu drängen und begann zu wimmern. Vor Angst vergaß er fast zu atmen. „Wir haben Besuch…Gisborne. Ist das nicht schön? Schaut in dieses…verzweifelte Gesicht! Diese Angst…Das ist gut.“

Ein dreckiges Lachen hallte durch den Kerker. „Was stellen wir nur mit Dir an, hmm? Nun. Du hast versucht zwei meiner Männer zu töten. Einer davon war Gisborne. Dein Lord. Bereust du deine Tat, mein lieber?“ Wieder wimmerte der Gefangene. „J-j-jaa…MyLord…ich-ich bereue es!“ Vaisey ließ die Tür öffnen und ging mit kleinen langsamen Schritten auf ihn zu. „Gut sehr gut.“ Er hielt kurz inne und warf dem schwarz gekleideten Lord, der mit auf der Brust verschränkten Armen vor der Zelle stehen blieb, einen Blick zu. „Glauben wir ihm, Gisborne? Ich glaube, er … er macht uns etwas vor“, sagte er mit gespielter Unsicherheit. Gisborne war klar, dass dieses  “Gespräch“ kein gutes Ende für den Gefangenen nehmen würde. Ohne darüber nachzudenken, was dieser Mann fühlte, was er dessen Familie damit antat, spielte Vaisey sein grausames Spiel mit ihm. Ein Spiel, bei dem es nur einen Gewinner geben würde. Einen lebenden Gewinner…

„Gisborne, wir sollten sichergehen, dass es stimmt, was diese arme Kreatur sagt. Und ich weiß auch schon, wer das übernehmen wird.“ Mit einem grausamen und gleichzeitig belustigtem Blick trat er noch einmal näher an den Mann heran und beugte sich zu ihm hinunter. „Du wirst Dir wünschen, ich hätte Dich noch einmal gefragt, ob Du deine Tat bereust“, flüsterte er ihm entgegen und starrte in aus eiskalten Augen an. Er richtete sich langsam auf und verließ ohne weitere Worte die Zelle. Gisborne schloss die Tür wieder ab und folgte ihm. Beim Verlassen des dunklen Kerkers war noch immer das leise wimmern zu hören…

Völlig außer Atem, da sie den ganzen Weg gerannt war, erreichte Djaq das Camp der Outlaws. Sie blickte in erwartungsvolle Gesichter. Um sie herum stellten sich die Freunde auf und waren gespannt,  was vorgefallen war. Nach kurzem Durchatmen begann die Sarazenin , die jetzige höchst verzwickte Situation zu beschreiben. Ihr war gar nicht wohl dabei. „Die Wachen, sie haben…“, doch ihr Blick viel auf Richard, bevor sie weitersprach. Unter keinen Umständen sollte er  erfahren was passiert war. Ihr Blick wanderte hinüber zu Will, der neben Allan auf einer alten Truhe Platz genommen hatte. Ohne Worte verstand er seine Liebste und verließ, unter Richards Protest, mit ihm gemeinsam das Camp. Ein kurzer stiller Augenblick verging und alle mussten ein wenig lächeln, da man den Jungen noch immer schimpfen hörte. Doch verging ihnen das Lachen gleich wieder. „Also Djaq, was ist da passiert in Nettlestone?“, begann Robin das Gespräch erneut.

„Also, als ich in Nettlestone  ankam, dachte ich es wäre nur eine der Wachen die wir im Wald gesehen hatten, dort. Aber das war nicht so. Alle fünf….Robin. Sie haben sie mitgenommen. Vater und Mutter. Sie sind auf dem Weg nach Nottingham. Ich konnte nur zusehen.“ Traurig blickte sie in die kleine Runde. Johns Gesichtsausdruck verfinsterte sich. „Das gefällt mir gar nicht.“ Und damit sprach er aus, was alle dachten. „Robin Du weißt, was ihnen widerfahren wird. Wir müssen die beiden da raus holen, sonst hat der Junge bald keine Eltern mehr.“ Robin wusste genau, dass er wahre Worte sprach. Wie konnte diese Situation nur dermaßen außer Kontrolle geraten?! Ursprünglich sollte der Junge aus den Fängen des Sheriffs befreit werden. Nun sind seine Eltern in größter Gefahr… „Du hast Recht, John. Ich werde mir etwas ausdenken. Wir werden die beiden befreien.“ Kaum hatte der Anführer diesen Satz beendet, da sprang er auch schon auf. Ein brennender Schmerz fuhr durch seinen Arm. Den Schnitt hatte er fast vergessen. „Ich werde Marian einen kleinen Besuch abstatten. Sie muss mir noch etwas über die Zustände in Nottingham erzählen. „Aber…Robin!“, rief Much seinem davonlaufenden Freund hinterher. „Du bist noch nicht richtig fit. Denk daran, was … Ach er hört ja doch nicht auf mich. Warum eigentlich?! Ich sage doch nichts Falsches oder?“ Bei diesen Worten konnte sich die restliche Bande das Lachen nicht mehr zurückhalten Und Much wandte sich leicht beleidigt ab. „Much“, riefen alle einstimmig. Nun war es Much der in das Gelächter einstimmte…
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