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Gefährliches Familientreffen

von -Malyn-
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P12 / Gen
08.04.2014
14.07.2019
20
29.127
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08.04.2014 1.217
 
Die Kutsche steuerte auf den Wald zu, als Allan bemerkte, dass etwas nicht stimmt. „Wartet, haltet die Kutsche an!“, rief er John zu, der sich wunderte. „Djaq, was machst du hier? Wo ist der Junge?!“
Keiner vor ihm hatte darüber nachgedacht. Alle waren damit beschäftigt, Robin zu helfen und der Situation in Nottingham zu entkommen. „Djaq?“ Robin sah die Sarazenin fragend an. Er bekam ein flaues Gefühl. Stimmte etwas nicht? Sie sollte den Jungen doch in Sicherheit bringen…
Djaq sah in die Runde, denn alle warteten auf ihre Antwort. „Keine Sorge, ich habe ihn am Waldrand versteckt so schnell ich konnte und kam zurück zu euch. Der Kampf dauerte ja etwas“, bemerkte sie mit einem frechen Grinsen. Alle verstanden ihren Spaß, bis auf Allan, dessen Stolz verletzt zu sein schien. „Wir hätten das hier schon geschafft“, antwortete er darauf mit einer beleidigten Miene. Doch die Fahrt ging weiter, ohne das jemand etwas auf seine Worte erwiderte.

Am Waldrand angekommen entdeckten sie Richard, der sich hinter einem dicken Baum versteckte. Offensichtlich fürchtete er sich noch etwas. „Spring auf, Kleiner“, rief John ihm entgegen. Er setzte das Pferd wieder in Bewegung, sobald Richard sich gesetzt hatte.  „Da ist Marian“, sagte Will zu Robin, da er sie zuerst erblickt hatte. Er versuchte, seine Schmerzen, welche sich in seinem Gesicht abzeichneten, zu verstecken. Marian sollte sich nicht um ihn sorgen müssen. Doch schon als sie sah, dass John und nicht Robin, wie es eigentlich üblich war, die Kutsche fuhr wusste sie, dass etwas nicht in Ordnung war. Eilig kam sie herangeritten. „Was ist passiert…Wo ist Robin?“ Zu ihrer Erleichterung fand sie ihn bei den anderen, jedoch verletzt. Sein Blut hatte das Stroh unter ihm rot gefärbt. Wut und Angst flammten in ihr auf. Schon einmal wurde Robin an genau diesem Arm verletzt. Ein Pfeil traf ihn, als er zusammen mit Roy Brot in Clun verteilte. Der Sheriff hatte die Quarantäne aufrecht erhalten, obwohl die Krankheit, die das Dorf befallen hatte, schon ausgestanden war und es keine neuen Krankheitsfälle mehr gab. Keiner durfte es betreten oder verlassen. Er wollte das Dorf „reinigen“.

Nicht von der Krankheit, sondern von seinen Bewohnern, um seine Garnison dort unterbringen zu können. Ein teuflisches Vorhaben… Marian schauderte es während der Erinnerung daran. Sie war es, die seine Wunde anschließend gesäubert und genäht hatte. Djaq holte sie wieder zurück aus den Erinnerungen. „Eine Wache hat ihn mit dem Schwert  verletzt. Doch er gehörte nicht zu den Männern des Sheriffs. Er war viel besser ausgebildet. Und davon gibt es noch viele mehr in Nottingham. Hier stimmt etwas nicht.“  „Marian“, begann Robin, „du musst versuchen, etwas herauszufinden. Der Sheriff hat Besuch…von seinem Bruder.“ Sie erschrak. Was sagte Robin da eben? „Und da ist noch etwas.“ Marian bereitete sich auf eine weitere schlechte Nachricht vor, denn etwas Gutes konnte es beim besten Wille nicht sein. „Er ist nicht allein hier. Seine Begleiterin ist die Tochter des Sheriffs!“ Marian war sprachlos. Damit hatte sie nicht gerechnet. Sie fragte sich, ob er sein böses Herz, wenn er überhaupt eines besaß, an seine Tochter vererbt hatte. Wenn es so sein sollte, würde ihnen eine schlimme Zeit bevor stehen. Diese Gedanken ließen sie erschaudern. „Ich versuche etwas herauszufinden. Und…nein, du musst dir keine Sorgen machen. Ich kann auf mich aufpassen“, neckte sie Robin und lächelte. Sie wusste, dass er sich Sorgen machen würde. Immerzu tat er das.

Doch manchmal übertrieb er es etwas. Selbst mit Verletzung und Schmerzen würde Robin Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um sie zu beschützen. Genau das war es, was sie so sehr an ihm liebte und schätzte. Sie schenkte ihrem Liebsten noch ein süßes Lächeln und galoppierte davon. In Nottingham angekommen sah sie nun, was die Outlaws schon vor ihr gesehen hatten. Einen ganzen Burghof voller Wachen. Fremde Wachen. Vorsichtig ritt sie zwischen den kämpfenden Männern hinüber zum Stall und musste den einen oder anderen Kommentar über sich ergehen lassen, wie schön sie doch sei und das sie auch einmal abends zu später Stunde zur Burg kommen und ihnen bei ihrer ach so anstrengenden Schicht, die Burg zu bewachen etwas Wärme schenken könne. Angewidert versuchte sie diese Worte zu ignorieren, stieg von ihrem Pferd und übergab die Zügel einer Wache des Sheriffs.

Guy hatte ihre Ankunft bemerkt und trat ihr aus der Menge entgegen. Marian musste sich eingestehen, dass sie halbwegs glücklich darüber war. Er würde auf sie achten und diesen Männern auf seine Weise klar machen, dass man so nicht mit einer Lady sprach. Vor allem nicht mit ihr, seiner Lady, wie er vergebens hoffte. „Guy was ist hier los?“, begann sie das Gespräch, während sich einen Weg über den Hof bahnten. „Der Sheriff hat Besuch“, lautete seine knappe Antwort. Marian merkte, dass er ihr nicht mehr verraten konnte oder wollte. Oder beides? „Marian, was willst du überhaupt hier?“, raunte er ihr entgegen, kaum hörbar wegen des Lärms, den die Männer um sie herum verursachten. „Mein Vater fühlt sich nicht wohl. Ich wollte an seiner Stelle am Rat der Adligen teilnehmen.“ „Der Rat wurde verschoben. Ich denke es ist besser, wenn du wieder zurück reitest.“
Er trug einer Wache auf, Marian wieder zurück zu bringen, damit sie Nottingham sicher verlassen konnte. Doch ehe der Befehl ausgeführt werden konnte, tauchten der Sheriff und ein weiterer Mann in dunkler Kleidung auf. „Ah, Marian. Nicht so eilig meine liebe. Schenkt uns doch einen Moment Eure Aufmerksamkeit.“ Sein falsches Lächeln und sein Blick verboten Marian ohne weitere Worte, jetzt zu gehen. „Darf ich Euch meinen“, er zögerte einen kaum merklichen Moment, „alten Bekannten Lord Edmure vorstellen? Er wird eine Zeit lang unser… Gast…sein.“  Lord Edmure nahm Marians Hand und küsste ihren Handrücken. „Ihr müsst Lady Marian sein. Ich habe schon viel von Euch gehört. Es ist mir eine Ehre.“

Ihr fiel auf, dass er jünger war als der Sheriff und etwas älter als sie selbst. Doch auch er besaß dieses falsche, fiese Lächeln, das Marian nur zu gut kannte. Robin hatte also Recht. Sie erlaubte sich eine Frage. „Gehören alle diese Männer Euch?“ „Ich fühle mich gerne sicher und beschützt. Ich hörte, dass die Wege und Wälder um Nottingham gefährlich sein sollen. Ihr wisst, was ich meine. Outlaws. Von den Reichen nehmen und den Armen geben.“ Er lachte abwertend. „Habt Ihr denn etwas zu verbergen?“ Marian spürte, mit dieser Frage ging sie zu weit. Sie sah es am Blick des Sheriffs, der sie traf. Lord Edmure setzte wieder sein Lächeln auf. „Keines Wegs, meine liebe. Ich spiele immer mit offenen Karten.“ Marian war klar: Diesem Mann konnte man nicht trauen! „Bitte entschuldigt mich, ich muss jetzt gehen. Mein Vater fühlt sich nicht wohl und ich muss mich um ihn kümmern.“

„Wir werden uns bald wieder sehen, MyLady“, sagte Lord Edmure noch, als sie sich zum Gehen umwandte. Angewidert zog sie ihre Hand weg, welche er noch immer festhielt. „Pass auf, dass sie nichts erfährt, mein lieber Bruder. Du willst doch nicht, dass unser kleines … Vorhaben zunichte gemacht wird, hm?“, warnte Vaisey als sie außer Hörweite war. Er wusste, Marian hatte ihre Ohren überall. „Das wird sie nicht. Vertrau mir“, versicherte er, sein Blick immer noch auf Marian gerichtet. Am Stall angekommen nahm Marian der Wache das Pferd wieder ab und verließ eilig Nottingham. Ihr Ziel würde das Camp der Outlaws sein, denn sie hatte einiges zu berichten…
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