Gefährliches Familientreffen

von -Malyn-
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P12
08.04.2014
14.07.2019
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08.04.2014 904
 
Doch ihnen bot sich nicht der gewohnte Anblick einer noch schlafenden Burg und eines leeren Burghofes. Überall standen Wachen oder übten sich im Schwertkampf. Sie trugen nicht die Rüstungen von Nottingham. Diese glänzten und wiesen kaum einen Kratzer auf. Die Männer  kämpften auch um einiges besser.
„Was hat der Sheriff denn jetzt schon wieder vor?!“, flüsterte Will. Dicht zusammengepresst beobachteten sie das Geschehen aus der Ferne.
Diese Frage beschäftigte alle nur zu sehr. Das Klirren von Stahl auf Stahl hallte kalt über den Burghof.

„Woher hat der Sheriff diese Soldaten! Seht euch an wie sie kämpfen. Die sind nicht von hier, Leute!“
Robin war ernsthaft besorgt. Niemand hatte bemerkt, dass sie nach Nottingham gekommen waren. Ebenso wenig wie und warum. Welchen Sinn machte all das?! „Wir müssen in die Burg“. Diese Aussage löste keine allgemeine Begeisterung aus. Zumindest nicht bei Much. „Master, also ehrlich! Ist das dein Ernst? Wir können doch nicht...ich meine…“. Robin achtete nicht auf seine Einwände, er hatte jetzt anderes im Kopf. „Ich habe einen Plan.

Will du kommst mit mir. Wir holen uns die Rüstungen der Wachen am Tor. Much, John, Allan und Djaq ihr bleibt hier und beobachtet, was geschieht. Also los! “  Robin und Will liefen zum Tor zurück und  legten sich die Rüstungen an. Durch einen Seiteneingang gelangten sie ungesehen in die Burg. Jedoch wären sie ohnehin nicht aufgefallen, was ja eigentlich ein Teil des Plans war... Trotzdem schlichen sie aus Gewohnheit leise durch die kalten Gänge, immer bereit zum Angriff. Die Tür zum großen Saal stand etwas offen und Stimmen drangen nach draußen, welche das Interesse der Outlaws in Rüstung weckte. Will und Robin stellten sich an die Seite und lauschten.

„Mein lieber Bruder. Es ist lange her, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben“. Diese Stimme war Robin unbekannt. Die Antwort des Sheriffs ließ nicht lange auf sich warten, doch sie alamierte Robin sofort. „Das letzte Mal als wir uns sahen, hast du drei Männer umgebracht“. Beide lachten. „Der Sheriff hat einen Bruder?“, flüsterte Will. Robin sah besorgt aus. Das konnte nichts Gutes bedeuten. "Und du bist sicher, das niemand von unserem Vorhaben weiß?" "So sicher, wie man nur sein kann, Edmure", sprach der Sheriff und grinste. "Wie du weißt, habe ich noch jemanden mitgebracht. Willst du sie sehen?“, fragte der Unbekannte. Er wartete nicht auf eine Antwort, da er sie wahrscheinlich schon kannte. „Wachen!“, brüllte er durch den ganzen Saal, dass man es wahrscheinlich sogar im Burghof gehört hatte. Will und Robin tauschten einen Blick und traten ein. Das war ihre Chance! „Bringt die Tochter des Sheriffs hier her. Ihre Gemächer befinden sich am Ende des Ganges. Und zwar sofort!“. Die beiden gingen los. Ihnen blieb fast das Herz stehen. Seine Tochter?

Das musste ein Missverständnis sein. Am Ende des Ganges angekommen öffnete Will nach einem Blickwechsel mit Robin die Tür. „MyLady, Euer Vater erwartet Euch im großen Saal." Robin sprach mit tieferer Stimme als gewöhnlich. Sie kannte die Outlaws nicht, dennoch wollten sie ihre Tarnung erhalten, um mehr erfahren zu können. Aus der Tür trat eine Frau von  etwa dreißig Jahren, wie Will schätzte. Sie war schön, trug ihr strahlendes braunes Haar offen, an den Seiten geflochten. Kaum zu fassen, dass diese Frau die Tochter des Sheriffs sein sollte! „Bringt mich zu ihm“. Sie sprach wie eine Lady. Die beiden vermeintlichen Wachen geleiteten sie zum Saal und stellten sich innen an die Tür. „Zara, meine Liebe.“ Anscheinend war der Sheriff ernsthaft gerührt. Doch er war auch ein guter Schauspieler…

Man konnte nie wirklich sicher sein, ob er etwas so meinte, wie er es sagte oder ob sich nicht etwas ganz anderes hinter seinen Worten verbarg. Sie erwiderte nichts und schritt die Treppe hinunter. Ihr blaues Kleid hob sie bei jeder Stufe etwas an, um nicht zu stolpern. „Oh, du bist so…erwachsen geworden, meine Kleine.“ Zara warf ihm einen bösen Blick zu. „Wenn du mich und Mutter nicht verlassen hättest, wüsstest du, dass ich schon lange nicht mehr deine Kleine bin! Wie es uns erging, war dir egal! Du hättest alles für Macht und Geld getan, nicht wahr? Wo warst du als Mutter krank war?! Du hättest bei ihr sein und ihr die Hand halten sollen. Ebenso als sie den Kampf gegen das Fieber verloren hatte!“ Diese schlimmen Erlebnisse hatten ihre Seele und das Verhältniss zu ihrem Vater verletzt. Enttäuschung, Wut, vielleicht sogar Hass spürte sie nun. Nach ihrem plötzlichen Ausbruch herrschte Stille. Eine lange Zeit…

Edmure unterbrach diese nun, sichtlich ungerührt. „Nun, ich denke ihr werdet noch genug Zeit haben, in Erinnerungen zu schwelgen. Doch jetzt ist es nicht der passende Augenblick dafür. Wir haben noch einiges zu besprechen, falls du das vergessen hast.“ Er drehte sich zu Will und Robin. „Ihr zwei, geht raus! Sofort.“ „Edmure“, begann der Sheriff leicht gereizt. „Ich kann mich nicht daran erinnern, dir die Erlaubnis erteilt zu haben, MEINEN Wachen etwas zu befehlen!“ Sein Ton ließ keine Widerworte zu, doch störte Edmure das herzlich wenig.

„Geliebter Bruder, es geht niemanden etwas an, was wir zu besprechen haben!“ Der Sheriff starrte ihn lange an, bis er den beiden Wachen mit einer Handbewegung befahl, den Saal zu verlassen. Robin war enttäuscht. Sie waren so kurz davor, etwas zu erfahren. Doch ihnen blieb nichts anderes übrig als zu gehen. Da sie hier wohl vorerst nichts erreichen konnten, würden sie sich ihrer anderen Aufgabe widmen. Der Junge aus Nettlestone musste befreit werden…
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