Ahsoka - Leben einer Sklavin

von Bodiel
GeschichteAngst, Schmerz/Trost / P18
Ahsoka Tano Anakin Skywalker / Darth Vader
08.04.2014
19.05.2014
16
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Hallo; diese Geschichte hatte ich eigentlich noch nicht vor zu beginnen, aber aufgrund einer Schreibblockade bezüglich meiner alternativen Star Wars Episode, die einfach nicht verschwinden will, habe ich sie probehalber angefangen - und es läuft so gut, dass ich mich entschieden habe, sie fortzuführen. Mittlerweile ist sie beinahe fertig und eigentlich bereit, hochgeladen zu werden.

Ich habe dennoch nicht vor, eine ausschweifende, lange FF daraus zu machen wie jene Episode, sondern vielleicht einhundert Seiten, entsprechend etwa 15 Kapiteln. Ich betrachte sie eigentlich nur als Spielerei für zwischendurch, um mich abzulenken von der Blockade (mir helfen neue Geschichten oft dabei, eine solche aufzubrechen).

Die Titeländerung ist damit zu erklären, dass das Ganze "ahsokalastiger" geworden ist als ich vorhatte. Es wird also hauptsächlich aus Ahsokas Sicht erzählt.

Und nun wünsche ich viel Spaß ;)

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Wann immer Ahsoka den Kopf hob, sah sie das Gitter.
  Hin und wieder gab sie sich dem Tagtraum hin, dass nicht sie, sondern die gleißende Sonne am tiefblauen Himmel Zygerrias in einem Käfig steckte. Dessen Stäbe waren schartig und abgegriffen vom ständigen Gebrauch; was die unsachgemäße Handhabung und jahrelange Abnutzung nicht geschafft hatten, war dem allgegenwärtigen Sand auf dem Wüstenplaneten geschuldet, der in jede Ritze kroch und überall hingeweht wurde. Er hatte dem Material beträchtlich zugesetzt, aber noch längst nicht genug. Auf keinen Fall würde Ahsoka die Stäbe zerbrechen können. Selbst, wenn das möglich gewesen wäre, hätten sie anschließend entweder die zwei Dutzend Sklavenhändler aufgehalten, die überall Wache standen, oder aber die unbarmherzigen Temperaturen.
  Ahsokas Kehle fühlte sich ausgedörrt an, genau wie der Rest ihres abgemagerten Körpers. Sie war deutlich dehydriert, so wie alle anderen Sklaven, die ringsum der Sonne ausgesetzt waren.
  Man wollte sie schwächen, bis ihr Wille brach.
  Oder bis sie nicht mehr in der Lage waren, Gegenwehr zu leisten.

Links und rechts neben ihr, etwas mehr als eine Armlänge entfernt, befanden sich zwei weitere Käfige, deren Reihen sich zu den Seiten und in größerer Entfernung nach hinten fortsetzten. Dazwischen waren breite Trampelpfade angelegt, damit die Wächter und potentiellen Käufer bequem hindurch schreiten und die Waren begutachten konnten. Von Letzteren kamen nicht besonders viele; vielleicht sechzig, siebzig am Tag, was beinahe nichts war im Vergleich zu den Besucherzahlen der großen Arena. Die Sklaven, die hier verkauft wurden, waren Restposten; zu schwach oder aber zu wehrhaft, um gute Preise zu erzielen, nicht gut genug für die Auktionshalle des Königlichen Palastes auf dem riesigen, zerklüfteten Tafelberg, um den herum sich die gewaltige Hauptstadt des Planeten ausbreitete. Ahsoka hatte die imposanten Gebäude gesehen, als sie vor Jahren hergebracht wurde; die zugegebenermaßen eleganten, rechtwinkligen Häuser sahen im hellen Tageslicht aus, als wären sie vollständig aus poliertem, blauem Stein erbaut worden.

Jedes ihrer Gefängnisse war nur gute zwei Quadratmeter groß, ganz gleich, welche Spezies darin gehalten wurde, und so niedrig, dass ein normal gewachsener Humanoide nicht aufstehen konnte. Ahsoka brachte schon viele Tage in ihrer verkrümmten, kauernden Stellung zu; heftige Rückenschmerzen und der rapide Abbau von Muskeln waren die Folge. Hinzu kamen tage- und wochenlanger Hunger sowie Wassermangel; ihnen wurde gerade genug gereicht, dass sie am Leben blieben, gleichzeitig aber noch immer entsetzlich litten. Ahsoka hatte ihre letzte Mahlzeit – eine Handvoll Brot – vor drei Tagen gesehen. Seit dem hatte man sich auch nicht mehr um einen Hitze- oder Sonnenschutz gekümmert; obwohl sie eine Togruta war und von Natur aus eine schützende Haut hatte, begann die ständige Sonneneinstrahlung auch bei ihr Wirkung zu zeigen: Ihre Arme, Beine und ihr Gesicht juckten und brannten furchtbar.
  Einige Käufer hatten sich innerhalb der vergangenen Tage für sie interessiert. Jenes Interesse hatte sich allerdings nach einem Schnappen ihrer spitzen Reißzähne und anderer Demonstrationen ihres Temperaments schlagartig verflüchtigt. Niemand wollte Arbeit mit seinen Sklaven haben und möglichst kein Geld in sie investieren – aus diesem Grund kamen Sklavenhalter hier her, anstatt in die Hauptstadt zu gehen und dort nach Neuware Ausschau zu halten: Sie wollten Sklaven, die so billig wie möglich waren. Gleichzeitig aber sollten sie sein, wie man sie sich gemeinhin vorstellte: arbeitswillig, fügsam, kräftig und jung. Sie hatten zu funktionieren, zu gehorchen, zu leisten.
  Für gewöhnlich wurden Sklaven, die sich ähnlich wild wie Ahsoka gebärdeten, getötet, um sie nicht unnütz versorgen zu müssen, »wegrationalisiert«, wie es im Fachjargon hieß. Doch in ihrem Fall gaben die zygerrianischen Händler nicht auf: Togruta galten allein aufgrund ihrer Seltenheit als ausgesprochen wertvoll auf dem Sklavenmarkt. Zudem waren sie aufgrund ihrer Abstammung von den humanoiden Jägern Shilis von Natur aus kräftig gebaut, leistungsstark und eine Zierde mit ihrem exotischen Erscheinungsbild, das ihnen die gestreiften Montrals – jene langen, hohlen, hautüberzogenen Hörner auf ihren Schädeln – und die drei langen Tentakel an den Seiten ihres Kopfes, Lekku genannt, verliehen. Nachdem man mit dem großen Sklavenfeldzug auf Kiros zum ersten Mal Togruta nach Zygerria gebracht hatte, war ein wahrer Boom ausgebrochen. Sie galten als lebendes Paradebeispiel für den unumstrittenen Einfluss Zygerrias auf die Galaxis und für die Macht, die ein einzelner Planet auf mehrere Systeme ausüben konnte. Es würden neue Interessenten kommen, und irgendeiner von ihnen würde sie kaufen. Diese Gewissheit stimmte die Händler zuversichtlich – und rettete Ahsokas Leben.
  Die junge Togruta würde ihren erneuten Verkauf zu gegebener Zeit geschehen lassen, denn sie war nicht dumm: Ahsoka wusste genau, dass es schwer, wenn nicht gar unmöglich war, der Stadt oder gar diesem verfluchten Planeten, einem blühenden Hafen der Sklaverei, zu entkommen. Die größte Chance, jemals in Freiheit zu gelangen, hatte sie, wenn sie von jemandem gekauft wurde, der sie von hier fortbrachte. Weit weg, auf einen anderen Planeten, irgendwo in den Weiten des Alls. Dann, vielleicht, würde sie dieser Hölle endlich entrinnen.

Rechts neben ihr regte sich etwas; der Twi’lek-Junge mit der staubbraunen Hautfarbe war erwacht. Er war jünger als sie, vielleicht elf oder zwölf. Unter der erbarmungslosen Hitze war er in sich zusammengesunken und murmelte im Dämmerzustand völlig zusammenhanglose Dinge vor sich hin. Auf seiner linken Schulter hob sich deutlich in fahlem Narbenweiß ein Brandzeichen ab: Zwei doppelte, halbmondförmige Gebilde, die über zwei Brücken miteinander verbunden waren – das Zeichen seines ehemaligen Besitzers. Diese Form der Kennzeichnung war unter den Sklavenhaltern weit verbreitet; auch Ahsoka wäre gebrandmarkt worden, hätte sie nicht vorher die Flucht ergriffen. Dies war nur ein weiterer Grund für sie gewesen, es zu versuchen; Ahsoka hatte beim Brandmarken eines anderen Sklaven zugesehen, und diese Erinnerungen – das rotglühende Brenneisen, das Zischen des Fleisches, der laute, zitternde Schrei – verfolgten sie bis heute im Schlaf.
  Links neben ihr saß eine ältere, größere Rutian-Twi’lek, ein Überbleibsel früherer Versteigerungen. Ihr letzter Herr hatte ihr den untersten Teil des linken Lekku abgeschnitten, welcher nun von hässlichem weißem Gewebe überzogen war. Dadurch war, wie Ahsoka erfahren hatte, ihre Merkfähigkeit erheblich eingeschränkt. Aus welchem Grund ihr früherer Besitzer etwas derart Entsetzliches getan hatte, wusste Ahsoka nicht. Vielleicht war er betrunken gewesen, hatte sie bestrafen wollen oder auch töten. Sie dachte selten darüber nach, warum Sklavenhalter irgendetwas taten, denn diese dachten genauso wenig darüber nach. Für sie waren Sklaven Gegenstände, Besitztümer, mit denen nach eigenem Ermessen umgegangen wurde.
  Ahsoka versuchte, ihre Haltung zu verändern, doch sofort stießen ihre blauweißgestreiften Montrals gegen das Gitter. Sie waren nicht das einzige, was sie schmerzte: Ihr linker Unterarm war bei ihrer Flucht auf voller Länge aufgerissen worden. Es war niemand gekommen, um die Wunde zu versorgen, und es stand zu befürchten, dass sie sich infizieren würde – zum Beispiel mit einer der gefürchteten Krankheiten, die ausschließlich Sklaven befielen und tödlich endeten. Es hieß, sämtliche Leiden könnten behandelt werden, doch diese Behandlung war kostspielig. Einem Sklaven würde man sie nicht angedeihen lassen, sondern ihn stattdessen mit den ersten Zeichen der Infektion auf den Müll werfen, noch bevor er ganz tot war.

Einer der Sklavenhändler ging durch die Reihen und schob ihnen eine irdene Schale mit Wasser in den Käfig. Er tat dies so unvorsichtig, dass ein Großteil des Inhalts überschwappte und mit grauenvoller Gleichgültigkeit im Sand versickerte. Ahsoka griff mit zitternden Händen nach dem Gefäß und trank hastig; es war gerade genug Wasser für einen einzigen Schluck darin, und sie versuchte, jeden übrig gebliebenen Tropfen herauszulecken. Doch irgendwann war die Schale leer, und alles Wunschdenken und Schreien einer trockenen Kehle halfen nicht, sie erneut zu füllen. Seufzend ließ sich Ahsoka wieder gegen die Stäbe sinken.
  Neben ihr bettelte der Junge: »Bitte… ich brauche… essen…« Er sah aus, als hätte er bereits seit Wochen keine Mahlzeit mehr erhalten; seine Haut lag dünn über den hervorstehenden Rippenbögen und war an einigen Stellen bereits blutig.
  Der Händler reagierte nicht auf die Bitte, sondern setzte seine Runde bis zum Ende der Reihe fort. Dann kehrte er noch einmal zu ihm zurück und kniete sich vor den Käfig. Hoffnungsvoll hob der Junge die Lider.
  »Du hast also Hunger, ja?«, fragte der Händler mit den leuchtend gelben Augen. Bis auf die langen, spitzen Ohren, die von Natur aus knochigen Wangen sowie den starken Haarwuchs, der bis zum mit Stacheln besetzten Kinn hinunterreichte, sahen die Zygerrianer aus wie Menschen. »Dann kannst du nur hoffen, dass dich endlich jemand kauft, denn von mir kriegst du ganz sicher nichts«, schnauzte er ihn an und stieß so heftig gegen den Käfig, dass die Schale umfiel und die wertvolle Flüssigkeit vom Erdboden aufgesaugt wurde.
  Ahsoka kniff die Augen zu zwei azurblauen Schlitzen zusammen, als der Händler an ihr vorbeiging, dann blickte sie mitleidig zu dem Jungen hinüber.
  »Essen…«, keuchte er, und seine Augen flackerten unter den Lidern. Ahsoka war sich sicher, dass er in diesem Zustand den nächsten Morgen nicht mehr erleben würde, und plötzlich bereute sie, ihr Wasser selbst getrunken zu haben.

Als die Nacht anbrach und die glühende Sonne hinter den Drukarg-Highlands verschwand, wurde es kühler. Die Temperaturen sanken tief, selbst inmitten der Wüste, und die Käfige wurden wie jeden Abend abgedeckt, um sie vor Frost zu schützen. Bald bildete Ahsokas Atem Wolken in der Luft, und sie zog die zerlumpte Decke zu sich, die jeder Sklave bekam, um nicht zu erfrieren.
  Die junge Togruta wusste bis heute nicht, was geschehen war, wie es geschehen war oder warum. Man hatte sie aus ihren Häusern entführt, gefesselt und in große Frachtschiffe verladen. Das alles war innerhalb einer einzigen Nacht geschehen, ohne dass die Kolonie von Kiros, einem dicht bewaldeten Planeten der Expansionsregion, Gegenwehr leisten konnte. Achtzig Millionen Togruta waren vom einen Moment auf den anderen verschwunden, als hätte es sie nie gegeben.
  Ahsoka war in den Wirren bewusstlos geschlagen worden, und sie erinnerte sich nur noch dunkel an die nächtlichen Schreie, das Feuer und das entsetzte Gesicht ihrer Mutter, die sie zu schützen versucht hatte. Schließlich hatte man sie auf diesen unwirtlichen Planeten im weit entfernten Äußeren Rand und zu jener Auktionshalle gebracht, wo sie nur einen Tag später versteigert wurden.
  Sie für ihren Teil war als eine der ersten an einen Zygerrianer mittleren Alters verkauft worden, der sie nur wenige Jahre später, als sie in die Pubertät kam und wehrhafter wurde, weiterverschacherte. Nur zwei Wochen war Ahsoka im Besitz ihres neuen Herrn, eines jüngeren Zygerrianers, geblieben und dann geflüchtet; eine Flucht, die nach drei Tagen in den staubigen Gassen der Stadt und verzweifelten Kämpfen mit den zygerrianischen Sklavenjägern in jenem Käfig geendet hatte, in dem sie nun saß. Hier wartete sie darauf, erneut verkauft zu werden; ihr letzter Herr war nicht gekommen, um sie zurückzuverlangen. Vermutlich war sie ihm den Ärger nicht wert, wenn er eine besser abgerichtete Sklavin haben konnte.
  In dieser Nacht fragte sich Ahsoka zum wiederholten Mal, was in aller Welt mit ihren Eltern geschehen sein mochte, und Tränen traten in ihre geschlossenen Augen. Sie hatte sie seit ihrer Entführung nicht mehr gesehen, noch nicht einmal in der Auktionshalle. Aber ganz egal, wo sie jetzt waren, Ahsoka würde von hier fliehen und sie eines Tages ebenfalls befreien. Dieser Plan allein hielt sie am Leben, spornte sie an, durchzuhalten. Sie würde ihre Freiheit zurückerlangen, egal um welchen Preis. Kein Sklavenhalter dieser Galaxis würde ihren Willen jemals brechen können, ganz egal, was er auch tat – denn sie war gewillt, alles zu ertragen.
  Auch wenn dies mit einem völlig leeren Magen, unerträglichem Durst und bitterer Kälte nicht eben einfach war.
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