Scharade

GeschichteHumor, Familie / P12 Slash
08.04.2014
29.11.2014
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08.04.2014 1.184
 
Ich habe leider erst vor Kurzem bemerkt, dass ich die Geschichte nie bis zum Ende hoch geladen hatte. War eine turbulente Zeit damals, tut mir Leid, dass das unter gegangen ist. Meine damaligen Login-Daten hab ich vergessen, deswegen fang ich hier auf dieser Seite nochmal von vorn an und bügel nebenbei auch gleich die zahlreichen Rechtschreibfehler aus.
Ich werde das nicht alles auf einmal schaffen aber das nach und nach machen.


Scharade
Kapitel 1


„Schatz, wir müssen reden!“

- Die vier bösen Worte, die niemand auch nur im entferntesten jemals hören will. Aus dem Mund meines Freundes höchstpersönlich!

Ohoh!

Widerwillig kam ich näher. Als ich Ollis gequältes Gesicht sah, runzelte ich die Stirn.
„Es geht um-“
„Warte mal“, unterbrach ich ihn rasch und setzte mich. „Nur so zur Sicherheit: Du hast mich weder betrogen, noch willst du mich verlassen, oder?“ - Ich brauchte diese Gewissheit, damit ich mich besser fühlte. Und damit ich überhaupt im Stande war, ihm genau zuzuhören, was immer er mir gleich offenbaren würde.
„Naja, nein“, unruhig rutschte er auf seinem Stuhl herum.
„Naja?“ Mein Mund wurde staubtrocken. Das 'Nein' ging im Strudel meiner konfusen Gedanken bezüglich seines Zögerns vollkommen unter.
„Ich hab dich nicht betrogen“, begann er und sah mich an.
„Aber verlassen willst du mich trotzdem?“, quiekte ich elend und einige Oktaven zu hoch.
Als er nichts darauf erwiderte, ging mein Hirn unbarmherzig und in rasender Geschwindigkeit sämtliche Gründe durch, die ihn zu dieser Entscheidung bewogen haben mochten:


Ich ließ immer und überall meine Klamotten herumliegen.
- Ein Ärgernis, sicher, aber kein Trennungsgrund!

Wenn ich nach Hause kam, stank ich nicht selten nach Pferdemist.
- Hatte er mir nicht erst neulich gesagt, dass ihn das hin und wieder auf recht unanständige Gedanken brachte? Gedanken, in denen eine verlassene Box und ein großer Heuhaufen eine entscheidene Rolle spielten...

Ok, lassen wir das besser, definitiv der falsche Moment für schmutzige Fantasien!

Der neue Kellner im Schneiders.
- Nein, betrogen hatte er mich ja nicht. Oder besser gesagt noch nicht.

Vielleicht hatte ich auch angefangen zu schnarchen?
- Auch unwahrscheinlich, immerhin hatte ich das noch nie getan. Außer natürlich, wenn ich was zuviel getrunken hatte. Aber wozu brauchte ich Drogen, wenn ich doch Olli hatte?

- Abwarten, vielleicht war es nach diesem Gespräch an der Zeit, eine kleine, unrühmliche Drogenkarriere zu starten?

„Haben wir Wodka im Haus?“, erkundigte ich mich vorsorglich. Meine Stimme war brüchig.
„Bitte was?“, Olli sah mich irritiert an.
„Zur Not tut es auch Whisky. Oder Rum, was immer als erstes weg muss“, setzte ich nach, nur um meiner Absicht, mir umgehend eine Ersatzbefriedigung anzueignen, Nachdruck zu verleihen.
„Das ist wohl nicht die schlechteste Idee in Anbetracht der Tatsachen“, murmelte er düster.
„Was habe ich getan?“, wollte ich nun doch wissen.
„Nichts“, gab er umgehend Auskunft, „die Frage ist, was ich getan habe!“

Also doch! Es war ja nicht so, als wäre ich nicht bereits alarmiert...

„Weißt du, die ganze Sache hat nichts mit dir zu tun, aber ich weiß einfach nicht, wie ich es anders handhaben soll“, begann er aufs Neue.

Sicher, so etwas hatte ja nieeee etwas mit dem Partner zu tun. Schon klar!

Ich erhob mich, um die Schnapsvorräte selbst zu checken.
Was ich fand, waren zwei lausige Flaschen Bier und einen angebrochenen Sekt, der wohl noch aus Judiths Zeiten stammte. Mit meinen Schätzen beladen kehrte ich an den Tisch zurück, fest entschlossen, sie vollkommen für mich allein zu beanspruchen.

„Ich denke, ich werde ab morgen vorerst in mein altes Zimmer ziehen.“

Mist, ich hatte den Flaschenöffner auf der Anrichte liegen lassen!

Krampfhaft bemüht, den Sinn dieser Aussage nicht im Detail zu erfassen sah ich mich sogleich nach möglicher Abhilfe um.

Dann ließ mich etwas inne halten: „Ab morgen?“
Olli nickte geschlagen.
„Und... und was machst du heute Nacht?“
Er sah mich verständnislos an. „Na da bleibe ich selbstverständlich bei dir!“

Ach so lief das also. Er wollte uns beide nicht um den obligatorischen Abschlussfick bringen, nur um sich danach ausgiebig an meinem Elend zu weiden. Aber da war er schief gewickelt! Unter diesen Umständen war ich ganz und garnicht in der Stimmung für ein rührseliges kleines Abschiedsszenario. Ganz ausgeschlossen, dass an so etwas wie Sex überhaupt zu denken war! Wenn nötig würde ich die Nacht auch hinter der Theke des NoLimits verbringen, aber ganz sicher nicht in meinem – in unserem Bett!

„Du Arsch!“, gab ich weinerlich von mir.

Himmel, diese Stimmlage war normalerweise nicht so meins!
„Christian, wenn ich eine bessere Idee hätte, glaub mir, ich würde sie umgehend in Angriff nehmen!“

Das wurde ja immer besser!

„Wer ist es?“, verlangte ich zu wissen und wollte probehalber einen Schluck aus der offenen Sektflasche nehmen. Dabei hätte ich mir um ein Haar den Teelöffel ins Auge gestochen, der, von der plötzlichen Temperaturänderung beschlagen, immernoch in deren Hals steckte.
„Hast du ihn beim Kellnern kennen gelernt?“, fragte ich hastig weiter, um meine Schmach zu verbergen. Nebenbei entfernte ich linkisch den Löffel aus der Flasche. Es roch ein wenig komisch.
„Ihn?“


Oh, mein Gott, er wollte mir jetzt nicht wirklich erzählen, dass er vorhatte, mich durch eine Frau zu ersetzen? Das durfte doch alles nicht wahr sein!

Ich hielt die Luft an und trank. Besser keine Zeit verlieren!
Hustend und würgend stürzte ich kurz darauf zum Spülbecken. Was immer er mir gleich auftischen würde war es nicht wert, dass ich mich so entwürdigend vergiftete!

„Du benimmst dich seltsam“, hörte ich ihn sagen.

- Der Situation angemessen, würde ich es eher bezeichnen.

Hey, immerhin war ich noch nicht in Tränen ausgebrochen! Wenn ich momentan auch nicht sehr weit davon entfernt war!

Ich röchelte noch einen kurzen Moment, dann kehrte ich, meinen neuen besten Freund den Flaschenöffner fest umklammernd, zu ihm an den Tisch zurück.

„Geht es wieder?“, erkundigte er sich besorgt.
„Sicher“, erwiderte ich und brach in hysterisches Gelächter aus.

Stumm sah er mir beim Lachen zu. „Es ist ja nicht für immer“, lenkte er ein, als ich mich beruhigt hatte.

Ach nein?, dachte ich und schnappte nach Luft.

„Die eine Woche werden wir schon irgendwie hinter uns bringen.“
Ich starrte ihn an. Wovon zur Hölle redete er?
„Du machst nicht mit mir Schluss? Ich meine, doch, aber nur für eine Woche?“, schaffte ich schließlich umständlich zu fragen. Die Angst vor der Antwort schnürte mir im Anschluss daran die Kehle zu. Kraftlos ließ ich mich auf meinen Stuhl fallen und röchelte erneut ein wenig.

Was bewog ihn zu der Annahme, dass er nach einer Woche mit irgendeiner dahergelaufenen Schlampe so mir nichts, dir nichts wieder angekrochen kommen konnte?

Mein Leben war innerhalb von fünf Minuten zu einem einzigen Rätsel geworden. Und zur Krönung starrte er mich an, als hätte ich den Verstand verloren!

„Ähm. Ich verlasse nicht dich, sondern nur unser gemeinsames Zimmer. Reine Vorsichtsmaßnahme sozusagen“, erwiderte er, aber er hätte mir auch genauso gut erklären können, dass er beschlossen hatte, wieder an den Weihnachtsmann zu glauben, ich hätte es nicht sehr viel absurder gefunden.
„Also gut, irgendwann muss ich es dir ja sagen“, er holte tief Luft.
Ich ließ beklommen Freund Flaschenöffner los, der seinem Unmut über diese grobe Behandlung mit lautem Scheppern Ausdruck verlieh.

Der Moment der Offenbarung war also gekommen...
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