Dean/Neds Pie

KurzgeschichteFreundschaft / P12 Slash
08.04.2014
08.04.2014
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„Keine Bewegung, Ned. Die Party ist vorbei!“
Deans Waffe ist entsichert und bereit zu töten, genauso wie Dean. Er steht ganz ruhig da, er weiß, dass er den Vorteil der Überraschung auf seiner Seite hat.
Der Mann, Ned, scheint kurz wie erstarrt, dann hebt er die Arme.
„Umdrehen!“
An Neds Wange zieht sich eine pudrige Mehlspur bis zu seinem Haar, wo sie staubig weiß endet. An der Schürze finden sich rote Spuren, die nicht nach Blut aussehen.
„Hände öffnen, Handflächen zu mir!“
Dean hat keine Ahnung wie gefährlich der Mann ist, er muss vorsichtig sein. Wer weiß schon was für eine neue Art Monster das ist.
Eine Erdbeere kommt mit einem platschenden Geräusch auf dem Boden auf und spritzt trüben, rosa Saft gegen Neds Turnschuhe.
„Bitte, ich-“
„Was bist du, hm? Welcher teuflischen Ausgeburt darf ich heute eine Kugel in den Schädel jagen?!“
„Hören Sie, wenn Sie von den Millers kommen…ich versichere Ihnen, dass ich keine Ahnung habe, wie-“
„‘Miller‘?“, Dean ist sogar eine Sekunde lang verblüfft. Von unschuldigen Hundewelpenaugen, Händen, an denen kein Blut klebt sondern süße Zutaten, und natürlich von diesem Ablenkungsmanöver.
„Ich schwöre, es war ein Versehen, dass sie plötzlich wieder gelebt hat! Ich wollte die Katze nicht töten! Ich-“


„Ich glaube wir haben etwas falsch verstanden.“
„Danke, Cass! Für deinen scharfsinnigen Verstand!“
Castiel sieht Dean eine Spur verblüfft an. Sarkasmus.
Sie sitzen in der leergefegten „Pie Hole“, draußen flimmert ein verregneter Sternenhimmel über nasse Straßen. Ihnen gegenüber sitzt Ned der Kuchenbäcker mit gesenktem Kopf, hochroten Ohren und seine Hände im Schoß knetend. Sein Hund Digby scheint Castiel wirklich sehr zu mögen.
In Neds Gesicht ist noch immer Mehl.
„Also tötest du nicht? Du wiederbelebst?“
Skeptisch zieht Dean eine Augenbraue in die Höhe. Irgendwas muss doch faul sein an der Sache.
Ned räuspert sich verlegen.
„Naja, ich…also irgendwie schon…“
„‘Irgendwie schon‘?! Kannst du mal deutlicher werden?!“
„Dean…“, ermahnt Castiel, der besorgt ist um das Wohlergehen von seinem Gegenüber, dem das Ganze unheimlich unangenehm zu sein scheint.
„Emerson und ich…wir lösen Mordfälle. Ich helfe ihm, indem-“
„Indem du die Opfer wiederbelebst?“
„Nur kurz!“, widerspricht Ned ungewohnt energisch, „nur höchstens eine Minute.“
„Bist du ein Dämon? Ein Engel? Irgendwas?“
„Ich glaube, dass ich ein Mensch bin. Obwohl ich manchmal diesen Traum haben, in dem ich-“
„Okay, das reicht!“
Dean hebt die Hände und lässt sie unzeremoniell auf die Tischplatte fallen.
Es herrscht eine Weile vollkommene Stille. Ned betrachtet Castiel eine Spur schüchtern, aber auch neugierig. Und der Engel starrt ungerührt zurück. Irgendwas in Ned ist aber anders. Irgendwas riecht nach süßer Verwesung gemischt mit Honig und Aprikosen, aber auch nach Leben und Meersalz. Neds Seele strahlt mehr Energie ab, als Castiel es von menschlichen Seelen gewohnt ist. Das irritiert ihn.
„Also, du kannst jeden widerbeleben? Für eine Minute? Und dann?“
Ned löst seinen Blick von Castiel und fixiert Dean, der ihm wie ein grober, ungehobelter Mann vorkommt.
„Nach einer Minute stirbt im Austausch jemand anderes…aber ich weiß das zu vermeiden!“
„Ach wirklich? Ist doch langweilig…immer nur der Gute sein, wenn man solche Fähigkeiten hat, oder? Hm?“
Ned schluckt. Er ist sich Deans Waffe (wenn auch entsichert) durchaus bewusst und will nichts Falsches sagen. Hilfesuchend sieht er Castiel an, warum weiß er nicht genau. Aber dieser Mann erscheint ihm irgendwie nachgiebiger und höflicher.
„Ich backe nur Kuchen! Wirklich, ich bin kein Mörder!“
Dean zuckt mit den Schultern und erhebt sich. Er hat einen Entschluss gefasst und keine Hundewelpenaugen und kein Kirschmund könnten ihn davon abhalten.
„Wie auch immer. Monster bleibt Monster. Wo möchtest du sterben? Gleich hier? Oder in der Küche?“
„Was?!“, erschrocken stolpert Ned von seinem Stuhl, welcher umkippt, und hebt abwehrend die Hände. Als würde das eine Kugel aufhalten.
Dean entsichert seine Waffe. Er zielt auf Ned, der wie ein verschrecktes Reh einfach dasteht und schwitzt wie im Fieber.
Da liegt eine Hand auf seiner Schulter.
„Dean. Er ist nicht gefährlich.“
Genervt wirft Dean dem Engel einen Blick zu.
„Jetzt vielleicht noch nicht, Cass. Du weißt doch wie das läuft!“
„Ich bin wirklich völlig harmlos!“
„Ruhe!“
„Dean…“
Was Hundewelpenaugen nicht vermöchten, schafften blaue Engelsaugen. Dean lässt die Waffe sinken.


„Es erscheint mir ziemlich unkonventionell, dass ein Bäcker Obst wiederbelebt.“
Es ist nicht das erste Mal, dass Castiel den Kuchenbäcker besucht, aber es ist das erste Mal, dass er ihn beim Backen trifft.
Ned schenkt dem Engel ein herzliches Lächeln.
„Naja es ist ökologischer als alles wegzuschmeißen, findest du nicht?“
„Meinem Vater würde es gefallen, wie sorgsam du mit seinen Früchten umgehst.“
Ned lacht leise und schiebt die Kirschen, die saftig und blutrot glänzen, in den feuchten, weichen Teig.
Dann zieht er seinen Zeigefinger durch die leergekratzte Teigschale und hält sie Castiel hin.
„Zitronensahne mit einem Hauch Minze.“
Castiel ist es gewohnt und nimmt den süßen Finger daher auch sehr achtsam zwischen seinen Lippen auf und saugt kurz daran.
„Hungriger Engel, hm?“
„Machst du auch einen für Dean?“
„Natürlich! Meinst du, du wirst ihm irgendwann erzählen, dass es mein Kuchen ist, den er da isst?“
„Es wird ihn verstören.“
„Weil ich ein Monster bin?“
„In seinen Augen, ja.“
Ned kratzt sich am Kopf und schmiert sich Teig ins Haar, „schade.“
„Die einzige Grauzone sind sein Bruder und er selbst für ihn. Sonst gibt es nur schwarz und weiß.“
„Hm.“
Ned macht weiter damit seine Kuchen mit Kirschen zu bestücken.
„Ich habe hier Orangen für dich.“, womit Castiel einen der vielen Gründe anspricht warum er jetzt schon über Wochen heimlichen Kontakt zu dem Kuchenbäcker pflegt. Er kramt die Orangen aus seinen Manteltaschen.
„Von einem kleinen Bauern in einem andalusischen Dorf.“
„Danke! Das ist wirklich sehr zuvorkommend von dir, Cassy!“
Wie sich herausgestellt hatte, ist Ned ein Schützling Gabriels gewesen. Und als Castiel ihn auf seinen Bruder ansprach, beschrieb Ned Gabriel als freundlichen, regelmäßigen Gast in der „Pie Hole“, der süßen Sahnekuchen liebt. Nach Gabriels Tod (den Ned dadurch erahnte, dass Gabriel nicht mehr kam) vergaß man im Himmel Ned vollkommen. Es herrschte viel zu viel Unruhe und Chaos um sich auch noch um Gabriels teils ziemlich spezielle Schützlinge zu kümmern.
Castiel ist stolz, dass Ned nun in seiner Obhut ist.


Dean verschlingt den Kuchen wie jemand, der Wochen keine Nahrung mehr bekommen hat.
Sam misst ihn mit einem belustigten Blick.
„Woher ist dieses Meisterwerk diesmal?“, will Dean mit vollem Mund wissen.
„Wien.“, lügt Castiel und weiß nichts mit Sams Blick anzufangen, der jetzt auf ihm ruht.


Susan ist wirklich unglaublich ambitioniert. Sie stürzt sich mit mörderischen Reißzähnen auf Dean, dem das Reinigungsmittel aus den Fingern gleitet.
Sam versucht sie zu enthaupten, doch er trifft nur ihre Schulter, die knackend nachgibt, sich dann gegen den Eindringling auflehnt und ihn abwehrt. Die Axt gleitet aus der Haut, eine schmierige schwarze Spur mit sich ziehend.
Wenigstens lässt Susan Dean los und wendet sich Sam zu.
„Ich werde eure Köpfe auf einem Silbertablett für Dick servieren! Und deine Zunge-“, sie deutete auf Dean, „wird in seinen Mund gestopft und andersrum. Huch! Wie unanständig!“
Sie lacht höhnisch, reißt ihr teuflisches Maul auf und versucht Sams Arm abzubeißen.
Dean kann sie ablenken und schlägt ihr in einer flüssigen Bewegung den Kopf ab.
„Ha!“, ruft er triumphal, „verdammtes Miststück!“
„Die Axt fallen lassen!“
Verwundert dreht sich Dean zu dem Wachdienst um, der völlig überfordert mit dem Blutbad scheint.
„Fallenlassen sagte ich!“
Die Stimme des Wachmanns zitterte. Seine Aufgabe ist es Einbrecher aufzuhalten, mit Mördern oder gar Monstern hat er nichts zu schaffen.
Dean lässt die Axt sinken. Doch Susan bewegt sich unter ihm. Ihre bleiche Hand rutschte durch den schwarzen Schleim auf ihren abgetreten Kopf zu.
Sam sieht es auch.
„Fallenlassen!“, schreit der Wachmann, als Sam die Axt hebt.
„Ich muss nur kurz-“, will er erklären, da ertönen schon zwei Schüsse. Die Axt fällt schwer und laut zu Boden.
Blut tränkt Sams Hemd, sickerte unter seinen Fingern hindurch. Alle Farbe weicht in Sekundenbruchteilen aus seinem Gesicht und er verdreht die Augen und schlägt auf den Boden auf.


„Ich kann das nicht machen, Cassy, das weißt du ganz genau…ich-“
Ned rauft sich das dichte Haar und wirft Castiel einen verzweifelten Blick zu.
Sie stehen in einer wahllosen Pathologie und Emerson ist sichtlich erstaunt über das plötzliche Auftauchen eines Mannes in Trenchcoat.
„Sam ist ein netter Mensch. Er isst deinen Kuchen nicht, aber das liegt nicht an dir oder deinem Kuchen. Trotzdem würdest du ihn mögen.“
„Warum machst du es nicht? Du kannst doch sowas ohne dabei jemanden anderen umzubringen, Cassy!“
Castiel reißt sich zusammen, damit die Lüge glatt über seine Lippen kommt: „Nein, ich kann es nicht. Du musst es machen.“
Ned schluckt nervös. Er vertraut dem Engel und in einer komischen kuchenbezogenen Art und Weise vertraut er auch Dean. Aber Sam? Er kennt Sam nicht. Vielleicht würde Sam es ihm übelnehmen, dass er sein Leben gegen das eines anderen getauscht hat? Und wenn Sam nur halb so mörderisch ist wie Dean, dann will sich Ned ganz bestimmt nicht mit ihm anlegen.
„Mach dir keine Sorgen. Ich habe jemanden, der für Sam eingetauscht werden kann.“


Sicherheitshalber wurde die Umgebung rund um Sams Leichnam und die mürrisch dreinblickende Frau geräumt, damit nicht ausversehen jemand anderes eingetauscht werden kann.
Ned hat Kuchen für Dean dabei, als Entschuldigung, dass er so etwas wie eine Affäre mit dem Hausengel führt, die nun zwangsläufig ans Licht kommt.
Doch zuerst wird Ned zielstrebig an Sams Totenbett geführt.
Sam ist ein schöner Mann, jedenfalls soweit Ned das einschätzen kann. Der Tod steht ihm nicht, er sieht nur gespenstig und kalt aus.
Ned streckt die Hand aus und tippt Sam sanft gegen die Wange.
Im gleichen Moment wie der die Augen aufschlägt, fällt die Frau vom Stuhl.
Sam ist panisch bis er Castiel sieht. Er war fast einen Tag tot und hatte merkwürdige Träume von Engeln mit Monsterschlünden.
„Hallo.“, sagt Ned unbeholfen und zeigt Sam ein schüchternes Lächeln, „willkommen zurück.“
Sam hustet seine Lungen zurück in ihren Dienst und setzt sich mühsam auf.
„Wer bist du?“
„Ich bin-“
„Er ist Ned der Kuchenbäcker.“, mischt sich Castiel ein.
„‘Kuchenbäcker‘?“, verwirrt misst Sam Ned, „und das ist ein Synonym für-?“
„Für nichts. Ich bin nur Bäcker.“
Und damit deutet Ned auf die vielen Kuchenschachteln, die am anderen Ende des Zimmers gestapelt sind.
„Du bist der, von dem Cass seinen Kuchen für Dean holt.“, schlussfolgert Sam verdutzt. Er hat sich Castiels Kuchenlieferanten irgendwie geheimnisvoller vorgestellt.
Und überhaupt, was hat dieser Bäcker hier zu suchen, wenn Castiel ihn zurück ins Leben holt?!
Da ist Digby, Neds Hund, da und leckt Sams Hand.
„Du hattest Recht, Cassy, es war gut, dass wir Digby mitgenommen haben.“, sagt Ned lächelnd.



„Ich wünschte du könntest sehen wie gut sich unsere Schützlinge verstehen.“
Castiel steht irgendwo im Himalaya und betet zu seinem toten Bruder Gabriel.
Er weiß, Gabriel kann ihn nicht hören, aber ein Gefühl lässt ihn nicht los, nämlich dass da noch eine Verbindung ist. Eine feine Linie, die zu Gabriel führt.
„Ned und Dean haben Frieden geschlossen. Ich wusste noch nicht, dass Kuchen Frieden verursachen kann. Es könnte die menschliche Politik vielleicht einfacher gestalten. Gabriel, ich kann nicht loslassen. Seit ich Ned kenne, wandern meine Gedanken wieder zu dir. Es ist als wäre dort eine Verbindung.“
Da steht plötzlich Neds Hund Digby vor ihm.

„Ich war mir nicht sicher wann du es erkennst.“
Verblüfft sieht Castiel auf das sprechende Tier hinab. Das rotblonde, lange Fell wird von dem Wind gewiegt und nimmt ein paar verlorene Schneeflocken auf.
„Ich hatte meine Freude mit euch allen!“
„Gabriel?“
„Castiel! Ja, du Idiot!“, Digby setzt sich und kratzt sich hinter seinem Ohr. Nur, dass es nicht Digby ist, sondern Gabriel.
„Wieso ist dieser Körper kompatibel?“
„Er wurde kompatibel seit Ned ihn zurück zum Leben erweckt hat. Ich hab ihn mir immer aufgehoben bis ich ihn brauchen könnte. Nach dem Kampf mit Luci brauchte ich ihn dann.“
Castiel fragt sich warum er nicht schon früher darauf gekommen ist. Er war so sehr auf Ned fixiert, auf seine Ausstrahlung, dass er den Hund gar nicht beachtet hat.
Und auch jetzt scheint Gabriels Schimmern tief unter dichtem Fell vergraben zu sein.
„Wirst du es Sam erzählen? Sam, der dich so sehr vermisst hat. Der mehr getrauert hat als wir anderen?“
„Reicht es nicht, wenn ich meine Schnauze in seinen Schoß lege oder ihm meine Nase in die Kniekehlen drücke?“
„Es ersetzt dich nicht.“
„Sam liebt Hunde! Ich spende ihm Trost und Ned braucht mich noch mehr. Ist doch witzig, weder mich noch Sam darf Ned je wieder anfassen, es sei denn er will, dass wir sterben. Und sieh doch nur wie oft Dean Ned besucht, des Kuchens wegen. So kann Sam mich auch besuchen, mich streicheln und kraulen…hmm“, Gabriel leckt sich die Schnauze, „wurdest du je von einem Menschen gekrault und gestreichelt?“
Castiel zieht es vor, nicht zu antworten.


Sam sitzt auf dem Teppich und sieht fern während Dean und Ned unterwegs sind. Tatsächlich ist Ned auch für sie nützlich und da er noch dazu begnadet im Backen ist, lässt Dean sich gerne mal von ihm begleiten.
Sam ist froh, dass er mit seiner Erkältung nicht mit muss.
Er fühlt sich angenehm träge und schläfrig, sein Kopf ist zu und seine Nase verstopft. Trotzdem ist er zufrieden.
Er sinkt langsam auf die Seite, seine Augen sind zu müde um sich auf die neue Perspektive zum Fernseher einzustellen, weshalb er sie schließt.
Digby schmiegt sich dicht an ihn, die feuchte, warme Hundenase tief in Sams Kleidung vergraben. Sam streichelt Digby bis er einschläft und er fühlt sich geliebt und behütet und er hält dieses Gefühl für einen Traum.
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