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The Previous Generation

von Capsuna
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Belle OC (Own Character) Papa
06.04.2014
02.06.2014
5
9.786
 
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06.04.2014 2.362
 
Belle wachte auf, als die ersten Sonnenstrahlen sie an der Nase kitzelten und war sofort hellwach. Sie sprang aus dem Bett und rannte hinunter in die Küche, wo sie fast mit Libraria zusammengestoßen wäre. „Starlight, mach langsam, sonst fällst du noch hin!“, rief der alte Bücherwagen. „Aber es geht gleich los!“, Belle hüpfte hibbelig von einem Rad aufs Andere, „wie lange dauert es noch, bis sie kommen?“ Libraria sah auf die Uhr, die über dem Türrahmen hing: „Noch ein bisschen mehr als eine Stunde.“ „Yuhuu, dann sind sie ja gleich da!“ „Eine Stunde, nicht eine Minute.“ „Hä, waren Stunden nicht kürzer als … och maaaaan! Ich will aber, dass sie jetzt kommen!“ „Dann wärt ihr doch viel zu früh da.“ „Dann muss das eben auch früher anfangen!“ Der Bücherwagen schüttelte lächelnd den Kopf: „Aber du musst doch auch noch etwas frühstücken. Komm, mach dir eben was fertig, dann kannst du dich zu mir ins Esszimmer setzen.“ „Aber was denn?“ „Wie wär's mit den Schoko-Cornflakes, die da hinten auf der Ablage stehen?“ Belle's Augen wurden ganz groß und fingen an zu leuchten: „Es gibt Schoko-Cornflakes?“ „Ja.“ „YAAAY, ICH LIEBE SCHOKO-CORNFLAKES!!“ „Shh! Du weckst unseren Chef noch auf.“ „Yay, ich liebe Schoko-Cornflakes“, flüsterte der kleine Schlafwagen und stellte sich auf einen Hocker, um an die Cornflakes zu kommen.
Etwas über eine Stunde später klingelte es. „Das sind sie!“ „Hast du alles?“ „Jahaa!“ „Gut, dann viel Spaß.“ Aber Belle hatte das Letzte gar nicht mehr gehört, sie hatte stolz ihre neue Schultasche genommen und war durch die Haustür verschwunden.

„Hallo Fuma!“, grüßte sie ihre Freundin, die sie mit ihren Eltern abholen gekommen war."Hallo Belle!", grinste der Rauchwaggon, "bist du auch schon so aufgeregt?" Belle nickte heftig, dann wandte sie sich Fuma's Eltern zu: „Hallo!“ „Hallo Belle“, ihre Mutter, natürlich auch ein Rauchwaggon, nahm sie kurz in den Arm. Belle wohnte zwar immer noch im Stationshaus, hatte sich aber in den drei Jahren, die sie Fuma inzwischen kannte, so oft mit ihr getroffen, dass sie eigentlich mehr Zeit bei ihnen verbrachte als dort, wo sie eigentlich wohnte und war so fast ein Teil der Familie geworden.
Zu viert machten sie sich auf den Weg zur Grundschule, in die die beiden Waggonmädchen heute eingeschult werden sollten. Als sie das Gebäude erreicht hatten, blieben sie kurz stehen. „So, dann wünsch ich euch viel Spaß und viel Erfolg an eurem ersten Schultag“, lächelte Fuma's Mutter und drückte die beiden zum Abschied. „Ihr kommt nicht mit?“, fragte Fuma erschrocken und sah dabei fast etwas ängstlich aus. Ihr Vater, ein Bremswagen, schüttelte den Kopf. Man sah dem kleinen Rauchwaggon an, dass langsam in ihr die Panik hochstieg, auch, wenn sie es nicht sagen wollte, da sie immer davon träumte, ein großes, starkes und vor allem mutiges Mädchen zu sein. Genau so wie das Mädchen in ihrem Lieblingsbuch, dass ihre Mutter ihr immer vor dem Schlafengehen vorlas. Im Moment erwies sich das allerdings als schwierig. Ihr Vater kniete sich zu ihr hin: „Aber hey, dafür hast du doch Belle. Ihr seid doch nicht alleine. Als ich so alt war wie du, musste ich da ganz alleine hinfahren. Also Kopf hoch.“ Fuma nickte tapfer, schluckte ihre Angst hinunter und strich sich ihre rotblonden Haare aus dem Gesicht: „Okay. Bis später, Papa!“ „Halt!“, die beiden Waggonmädchen drehten sich überrascht zu ihm um, „ich hab noch eine Überraschung.“ Er holte eine Schultüte hinter seinem Rücken hervor. Fuma begann zu strahlen. „Für mein kleines Mädchen. Ich will doch nicht, dass du verhungerst.“ Schnell packte der kleine Rauchwaggon die Schultüte mit beiden Händen und bedankte sich. Belle sah lächelnd auf die große, hellrote Schultüte in den Armen ihrer Freundin. Bestimmt konnte sie nachher von dem Inhalt etwas abhaben. „Und Belle“, begann Fuma's Vater und der Schlafwagen drehte ihren Kopf zu ihm um, „für dich hab ich auch eine.“ Belle riss erfreut die Augen auf: „Wirklich?“ „Natürlich“, lächelte er und drückte ihr eine große, fliederfarbene Schultüte in die Hand, „du sollst doch nicht leer ausgehen.“ „Danke!“ „Aber erst in der Pause aufmachen!“, ermahnte Fuma's Mutter die beiden lächelnd. Die zwei Waggonmädchen nickten, bedankten sich nochmal, verabschiedeten sich und traten dann allein den Weg zur Schultür an.

Im Klassenraum angekommen blieben sie erst einmal stehen und sahen sich um. „Die Tafel ist ja viel größer, als ich mir sie vorgestellt hab!“, meinte Fuma staunend. „Ja und sooo viele Tische! Aber was soll das Waschbecken da?“ „Keine Ahnung“, der Rauchwaggon ließ ihren Blick über die wenigen Züge streifen, die schon hier waren, „meinst du, wir sollten uns vielleicht hinsetzen?“ „Hmm...ja, lass mal machen. Da hinten am Fenster?“ Fuma nickte und die beiden fuhren zielstrebig auf zwei Plätze eines Gruppentisches zu, der am nächsten am Fenster stand.
Ein Bremswagen saß alleine an einem Gruppentisch in der Nähe von ihnen und sah schüchtern zu ihnen herüber. „Hallo!“, sagte Belle zu ihm, „wie heißt du?“ „Jarru“, antwortete er, „und ihr?“ „Ich bin Belle. Und das ist Fuma.“ Fuma nickte: „Warum sitzt du da ganz alleine? Komm doch zu uns, hier ist noch Platz!“ Jarru lächelte und stand auf, um sich den beiden gegenüber zu setzen. „Jarru sitzt jetzt bei den Mädchen, iiiih!“, rief eine Diesellok. Der Bremswagen zuckte überrascht zusammen. Fuma und Belle sahen sich an. „Besser als bei dir!“, riefen sie darauf gleichzeitig im selben Ton zurück. Die Diesellok, die damit nicht gerechnet hatte, war zunächst still. Die drei fingen an zu lachen. „Wer ist das?“, wollte Fuma von Jarru wissen. „Das … das ist Oilslick, er …“ „Was für'n bescheuerter Name!“, rief Belle dazwischen. „Was hast du gerade gesagt?!“, die Diesellok mit dem bescheuertern Namen war aufgestanden und rollte bedrohlich auf sie zu, „ich zeig dir gleich, wer hier bescheuert ist!“, er stand jetzt direkt vor ihr, „du kannst gleich …“ Er hielt verwirrt inne, als er bemerkt hatte, dass Belle die Augen fest zusammengekniffen hatte, sich die Ohren zuhielt und in einem schadenfrohen Ton fortwährend „Du kannst mich gar nicht kriegen, denn du bist gar nicht da! Ich seh dich nicht, ich hör dich nicht, also existierst du nicht!“, sang und dabei im Takt den Kopf schüttelte. „Hä?!“, Oilslick war das etwas zu hoch, so hatte noch niemand reagiert. Schließlich beschloss er: „Du bist so dumm!“, und fuhr wieder zurück zu seinem Platz. Belle öffnete vorsichtig ihr linkes Auge. Als sie sah, dass Oilslick wieder gefahren war, hörte sie auf. „Jetzt hab ich wieder den ganzen Tag 'nen Ohrwurm davon!“, beschwerte sich Fuma. Jarru sah den Schlafwagen etwas verwirrt an: „Was war das denn?“ „Libraria sagt immer, wenn du sie nicht besiegen kannst, verwirr sie. Und bei unserem Chef klappt das auch total gut!“ „Chef?“ „Ja, der Chef vom Stationshaus.“ „Du wohnst im Stationshaus?“ „Ja. Du nicht?“ „Nein.“ „Oh, sie auch nicht!“, der kleine Schlafwagen zeigte auf ihre beste Freundin, „wo wohnst du denn? Vielleicht wohnt ihr ja ganz nah nebeneinander!“ „Das wär voll lustig!“, meinte Fuma, „kennst du den Spielplatz?“ „Welchen Spielplatz?“ „Der mit der riesigen Rutsche und dem gelben Klettergerüst!“ „Da sind diese großen Schaukeln!“, pflichtete Belle bei. „Ja, da bin ich manchmal mit meinem Bruder. Die Schaukeln sind echt toll!“ „Echt? Ich wohn in dem Haus genau daneben!“, sagte Fuma. „Dann können wir uns da ja jetzt immer treffen!“, schlug Jarru vor.

Währenddessen ging die Tür zum Klassenzimmer auf. Zwei erwachsene Züge standen im Türrahmen, ein Kinderwaggon, der sich nachher als Klassenlehrerin entpuppte und ein Schlafwagen, der ein kleines Waggonmädchen, auch einen Schlafwagen, an der Hand hatte. Die Kleine war ziemlich vollgepackt mit Schultasche und -tüte und sah etwas ängstlich aus. „Ich verspreche Ihnen, wir werden uns gut um sie kümmern“, redete der Kinderwaggon beruhigend auf die Mutter ein, „Ihrer kleinen Blanche wird es an nichts fehlen.“ „Das rate ich Ihnen auch!“, erwiderte diese zischend, „wir hätten sie ja am liebsten privat unterrichten lassen, wenn das Angebot an Privatlehrern nicht so gut wie nicht vorhanden wäre.“ Sie warf einen Blick in den Klassenraum. Belle, Fuma und Jarru unterhielten sich laut und lachend, während Oilslick mit einem Frachtwaggon zusammen die Tafel vollschmierte. Im hinteren Bereich spielten einige kleine Loks mit Yu-Gi-Oh-Karten und beschimpften sich dabei laut, wenn irgendjemand unfair spielte. Währenddessen waren ein paar Personenzüge weiter vorne relativ ruhig, da sie sich gegenseitig die Haare miteinander verflechteten. „Aber wie ich mir diesen … Ort hier so ansehe, glaube ich nicht, dass das die richtige Umgebung für meine Tochter ist! Hier ist ja alles voll mit ungezogenen Kindern! Starlight, der da hinten … wohnt der nicht im Frachthof?! Und mit so einem Gesindel soll meine Tochter in eine Klasse gehen?! Das ist doch lebensmüde! Was haben Sie sich dabei gedacht??“ „In diesem Schuljahr gab es relativ wenig Anmeldungen, sodass wir nur eine Klasse voll bekommen haben, anstatt zwei, wie es bei uns normaler Weise der Fall ist. Aber Frau Bacaron, ich versichere Ihnen, dass Ihre Tochter hier vollkommen sicher ist. Sie wird hier vielleicht sogar neue Freunde finden, Sie müssen das positiv sehen. Ein soziales Umfeld außerhalb der Familie ist wichtig für einen heranwachsenden Zug.“ „Freunde?! Aber hoffentlich nicht mit diesen Frachthof- oder Stationshausgestalten! Passen Sie darauf auf! Wenn nicht, werden Sie das bereuen!“ Sie kniete sich zu ihrer Tochter herunter. Warm lächelnd sagte sie sanft: „So, meine kleine Prinzessin, Mama muss jetzt leider wegfahren. Aber die Frau hier passt solange auf dich auf, ja? Viel Spaß“, sie drückte ihr einen dicken Schmatzer auf die Wange, umarmte sie noch einmal fest und fuhr dann weg. „Ich heiße Andane!“, rief ihr der Kinderwaggon leicht angesäuert hinterher, „Sie haben anderthalb Stunden über die Sinnlosigkeit meines Jobs diskutiert und merken sich noch nicht einmal meinen Namen?!“ „Mama kann sich eben nicht alles merken!“, verteidigte das kleine Mädchen neben ihr ihre Mutter. Andane sah zu ihr herunter und zwang sich, zu lächeln: „Aber natürlich doch. Lassen wir das gut sein. Komm jetzt erstmal mit rein.“ Sie fuhr mit ihr ins Klassenzimmer und zeigte dann auf den freien Platz neben Jarru: „Guck mal, da ist noch ein Platz frei. Warum setzt du dich nicht dort hin?“ „Okay“, meinte der kleine Schlafwagen und gehorchte.
Etwas überrascht, dass das so einfach gewesen war, sah Andane ihr nach. Dann stellte sie sich vor die Klasse und begann ihren Unterricht: „Hallo, schön, dass ihr alle gekommen seid. Ich bin Andane, eure Klassenlehrerin. Wir werden die nächsten Jahre miteinander verbringen, also wenn irgendwas vorfallen sollte, kommt damit bitte immer zu mir, nur so kann euch geholfen werden. Aber lasst uns jetzt nicht davon reden. Wir werden gleich einige Kennenlernspiele zusammen spielen, aber vorher bitte ich euch, eure Namensschilder, die ich euch gleich geben werde, auszumalen, damit ich auch weiß, wer wer ist.“

Andane fuhr einmal durch die Klasse und gab den kleinen Zügen ihre Namensschilder, die daraufhin fleißig anfingen zu malen. „Wie heißt ihr eigentlich?“, fragte Blanche die drei anderen Züge an ihrem Tisch, während sie das B mit einem grellen, pinken Stift anmalte. „Ich bin Jarru“, antwortete der Bremswagen neben ihr. „Und weiter?“ „Wie weiter?“ „Na, dein Nachname. Ihr werdet doch wohl auch Wert auf Familiennamen legen. Ohne den ist ein Zug immerhin so gut wie wertlos, sagt meine Mutter, man muss ja wissen, von wem man abstammt.“ „Ach so. Jarru Anaseka.“ „Ich bin Fuma“, grinste sie der Rauchwaggon von dem Tisch gegenüber an, der es etwas lustig fand, dass ihr die Namen so wichtig waren, „Fuma Odilessia.“ „Und ich bin Belle“, meinte der Schlafwagen neben ihr. „Und weiter?“, fragte Blanche leicht genervt. „Äh … Sieben-Drei-Acht-Eins.“ „Was?“ „Na, Sieben-Drei-Acht-Eins eben. Meine Kennnummer.“ „Ich will aber deinen Nachnamen wissen und nicht deine blöde Kennnummer.“ „Ich hab aber keinen.“ „Warum nicht?“ „Weil ich im Stationshaus wohne. Das ist da eben so. Wenn man als Baby im Stationshaus abgegeben wird, bekommt man den Nachnamen seiner Eltern nicht. Die kümmern sich ja sowieso nicht um einen.“ Blanche klappte die Kinnlade herunter. „Du kommst aus dem Stationshaus?“, rief sie leicht angeekelt. „Ja.“ „Tja, Pech gehabt, würde ich sagen. Ich hab Eltern“, sie reckte ihr Kinn etwas höher, „ich bin Blanche Bacaron. Der Name sagt der sicherlich was.“ „Äh, nein?!“, sagte Jarru, der inzwischen etwas genervt von der Arroganz seiner Tischnachbarin war. Aber Belle schien der Name doch etwas zu sagen. Sie starrte Blanche an: „Bacaron?!“ „Ja. Problem damit?“ „Meine Eltern heißen Bacaron. Also die, die mich abgegeben haben.“ Blanche starrte sie an:„Starlight, das heißt, du bist die Missgeburt?!“ „Was?!“ „Ja, meine Eltern haben mir erzählt, dass sie vor mir schonmal ein Kind hatten. Das war aber nicht so toll wie ich und hat nur blöd rumgeschrien, also haben sie's weggegeben.“ „Warte!“, rief Fuma, „heißt das, ihr seid Schwestern?!“ Belle und Blanche starrten sich entsetzt an. „Ja, glaube ich“, sagte Belle. „Starlight, wie peinlich!“, rief Blanche, „Andanee!! Ich will sofort woanders sitzen!“ Andane kam zu den Vieren: „Warum das denn?“ „Ich will nicht, dass man mich mit meiner behinderten Schwester sieht!“, sie zeigte auf Belle, „nachher denken noch alle, ich wäre genau so!“ „Schwester?!“, fragte Andane verwirrt, „naja, wie auch immer. Blanche, wie wär's, wenn ihr erst einmal …“ „Ich will sofort woanders sitzen!“, Blanche verschränkte die Arme, „sonst petz ich das meiner Mama!“ Andane riss die Augen auf und ergab sich dann: „Okay, wie du siehst, ist da hinten auch noch etwas frei. Setz dich einfach um, wenn du willst.“ Wie der Blitz war Blanche weg.
„Hey, gib mir das Radiergummi wieder!“, schrie irgendjemand von hinten. Andane seufzte und rollte zu ihrem nächsten Problem.
„Belle, was ist los?“, fragte Jarru, als er sah, wie dem Schlafwagen leise ein paar Tränen über die Wangen rollten. „Belle!“, rief Fuma besorgt, „was hast du?“ „Ich dachte immer … sie w-wären tot“, sie schniefte, „aber sie ha-haben mich … abgegeben, weil … weil … ich ihnen nicht gut genug w-war!“ Sie fing an zu weinen. Fuma nahm sie in den Arm: „Ist doch egal. Uns bist du gut genug. Wir sind jetzt deine neue Familie.“ „Genau“, Jarru nickte aufmunternd. Belle lächelte tränenblind.
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So, das war eigentlich der zweite Teil vom Prolog (der übrigens viieel länger geworden ist, als ich das geplant hatte), die eigentliche Story geht erst danach los... ich hoffe, es hat euch trotzdem gefallen :)
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