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The Previous Generation

von Capsuna
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Belle OC (Own Character) Papa
06.04.2014
02.06.2014
5
9.786
 
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Dieses Kapitel
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06.04.2014 874
 
„AAAAH!“, schrie Cerveca durch den gesamten Kreißsaal, als sie ihre Schwangerschaft beendete. Erschöpft ließ der Schlafwagen ihre Beine fallen, während sich die Hebamme vorsichtig mit einem kleinen, ebenfalls schreienden Zugbaby aufrichtete. Sie blickte es verwundert an. Cerveca sah gar nicht hin, die Augen halb geschlossen schien sie im Moment energiemäßig gar nicht in der Lage zu sein, jetzt ihr Kind zu stillen: „Ist sie gesund?“ „Ja, schon, aber...“ „Was?“ Ihr Mann, der sie bis zu diesem Zeitpunkt beruhigend gestreichelt hatte, sah auf und hielt augenblicklich inne. „Cerveca“, sagte er mit Nachdruck, „welche Hautfarbe hast du?“ „Was? Weiß, siehst du doch.“ „Und welche Hautfarbe habe ich?“ „Auch weiß, warum fragst du?“ „Wie kommt es dann, dass wir eine hellbraune Tochter haben?!“ Cerveca riss die Augen auf: „WAS?! Das … das kann nicht sein!“ „Cerveca, hast du mich betrogen?!“ „Ich …“ „Mit unserem Gärtner, hab ich Recht?? Dieser schwarzen Diesellok?! Der hat ja vor kurzem noch gekündigt! Hat wahrscheinlich mitbekommen, dass du sein Kind austrägst! Aber alles lass ich mit mir auch nicht machen! Das war's! Ich lass mich scheiden!“ „Nein! Was soll denn der ganze Aufstand?! Ich hab dir deinen Seitensprung mit dieser russischen Putzfrau schließlich auch verziehen!“ „Aber im Gegensatz zu dir ist die auch nicht schwanger geworden!“ „Ja, aber … bitte, jetzt beruhig dich doch. Wir können das da“, sie wies mit dem Kopf auf das Kind in den Armen der Hebamme, „doch einfach weggeben und einen Neuanfang machen. Mit einem Kind von uns beiden. Einem viel Besseren als dieses schreiende Ding da.“ Er zögerte zuerst, nickte jedoch schließlich. „Hey, Sie!“, rief er der Hebamme zu, „bringen Sie sie ins Stationshaus! Wir wollen sie nicht!“ „Das gehört aber nicht in meinen Aufgabenbe...“ Er stand auf und holte einen 200€-Schein heraus: „Würde das Ihre Meinung vielleicht ändern? Das dachte ich mir.“ Er schob ihr das Geld unter und fuhr zurück zu seiner Frau.

Wütend fuhr die Hebamme mit dem kleinen Schlafwagen in den Armen, der sich inzwischen etwas beruhigt hatte, aus dem Krankenhaus. Das war bei Weitem nicht das erste Mal gewesen, dass sie von den beiden so erpresst worden war. Seit die beiden im Krankenhaus angekommen waren, wurde sie behandelt wie eine Dienerin. Wenn sie doch nur das Geld nicht so dringend bräuchte. Wenn die Bacarons doch nur nicht so verdammt reich wären. Und reich waren sie, das stand außer Frage. Sie wohnten in einer riesigen Villa am Rand der Station, mit großem Garten und einer Menge Hauspersonal, manche sagen sogar, die Bacarons hätten Kontakt mit Starlight persönlich.
Die Hebamme klingelte am Stationshaus der Personenzüge an. Ein streng aussehender, männlicher Personenzug öffnete ihr: „Was wollen Sie?“ „Ich hab hier ein kleines Mädchen. Es wäre gut, wenn sie hier unterkommen könnte.“ Der Personenzug, ein Buffetwagen übrigens, stöhnte genervt auf: „Was?! Ein nerviger Windelscheißer?? Na toll! Es ist gerade so schön ruhig geworden, als wir den Letzten losgeworden sind!“ „Das tut mir Leid, aber …“ „Ja ja, jetzt geben Sie schon her!“ Er riss ihr das Kind aus den Armen und beförderte es unsanft auf eine Ablage neben sich, sodass es wieder anfing zu weinen. Der Buffetwagen knurrte die Kleine an, dann griff er nach dem Telefon neben ihr und wählte die Kurzwahl zum Kontrollhaus: „Ja? Stationshaus Personenzüge hier, ich brauche die nächste freie Kennnummer, hier ist ein Schlafwagenbaby abgegeben worden, die Papiere schick ich morgen zu. … Ja, danke, gute Nacht.“ Er legte auf, öffnete eine der Schubladen von der Kommode gegenüber, holte ein Formular heraus und trug hinter dem Wort 'Kennnummer' die Zahl 7-3-8-1 ein. „Wollen Sie ihr keinen Namen geben?“, fragte die Hebamme, als sie wenig später die Geburtsdaten und die Namen der Eltern eintrug – sie konnte sich zwar vorstellen, dass diese das nicht wollten, aber es tat gut, sich endlich rächen zu können. Außerdem tat ihr die Kleine Leid. Sie sollte später wenigstens wissen, wer an ihrem Schicksal Schuld war. Ihr Gegenüber schnaubte darauf: „Das können die Weiber machen. Ich bin hier nur für Recht und Ordnung zuständig. Und jetzt verschwinden Sie!“ Damit schlug er die Tür zu und fuhr weg, ohne das Baby weiter zu beachten.

An seine Stelle trat ein alter, italienischer Bücherwagen, der von dem ganzen Lärm aufgewacht war: „Ach, du meine Güte, noch ein Baby! Wie schön!“, sie nahm es auf den Arm, um es zu beruhigen, „shh! Du bist aber ein hübsches Baby, ja, das bist du! Wie konnte dich nur jemand einfach so abgeben? Shhh, ist ja gut, hör auf zu weinen, du bist viel schöner, wenn du es nicht tust. Na, siehst du. Du bist wirklich schön. Eine richtige Bella. Ja, genau so nenn ich dich. Belle. Die Schöne.“
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"cerveca" heißt auf spanisch "Bier" - der Name war eigentlich für Buffy's Tochter vorgesehen, aber bis jetzt konnte ich die noch nirgendwo unterbringen. Und da ich sehr faul im Namen erfinden bin, teilt sie sich jetzt einen mit dieser Cerveca hier, obwohl der Name weniger zu einem Schlafwagen passt. Aber das Wort klingt so toll :)
Ich hatte übrigens eigentlich vor, diese FF erst hochzuladen, wenn ich sie mindestens bis zur Hälfte fertig hab, aber wie das so ist, man schreibt ein Kapitel, ist wahnsinnig stolz darauf, es fertig zu haben und kann nicht mehr warten xD
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