Ralphs neue Herausforderung

von - Leela -
GeschichteAllgemein / P12
05.04.2014
05.10.2014
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Diese Geschichte gehört zu dem Wettbewerb »5-mal« von Raiu, Runde 1.

Die Vorgaben:
- Ein OneShot in der Länge von 1000 Worten
- Weitere Vorgabe, die in dem OneShot verarbeitet sein muß: Jugendsprache

Allgemeine Hinweise:
- Das Fandom: Wie in der KB beschrieben, »Die Raccoons«.
- Ich benutze die alte Rechtschreibung! ^^

Kurz zur Erklärung für alle, die das Fandom (noch) nicht kennen:
- Der Cartoon spielt im immergrünen Wald, wo die Charaktere der Serie zu Hause sind.
- Die Hauptcharaktere des Cartoons sind, wie der Titel der Serie schon vermuten läßt, Waschbären. (Des weiteren gibt es noch viele andere Tiere, wie zum Beispiel Erdferkel, Hunde, Schweine,… und eben die klassichen Waldbewohner. In dieser Geschichte kommen aber nur Waschbären aktiv vor.) Also, laßt euch nicht davon irritieren, daß ihr es hier mit »tierischen Protagonisten« zu tun habt. ^.~

Und nun wünsche ich allen viel Spaß beim Lesen! ^^

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Hey, yo, was geht ab?

Ein harmonischer Frühlingstag war im immergrünen Wald, dort, wo die Raccoons und ihre Freunde zu Hause waren, angebrochen. Eine friedliche, besinnliche Stille lag in der Luft. Überall im Wald? Nicht so ganz. Der geneigte Spaziergänger, der an einem Holzbau nahe des Sees vorbeikam, konnte Zeuge einer Geräuschkulisse werden, die auf beharrliche Geschäftigkeit schließen ließ.
      In der Redaktion der »immergrünen Zeitung« herrschte rege Betriebsamkeit. Ralph, der Chefredakteur, ölte gerade die Druckmaschine nach, als die Tür aufflog, und Bert euphorisch wie immer hereinkam. „Hey, yo, was geht ab, Mann?“
      Ralph verdrehte unverhohlen die Augen. Der etwas konservative Waschbär konnte nicht vermeiden, hin und wieder angenervt zu sein von der überdrehten Art seines Jugendfreundes. „Was hier abgeht? Die Druckmaschine arbeitet nicht sauber!“
      „Wozu die Aufregung? Das kriegst du doch locker wieder hin! Du bist voll der Checker, gar kein Problem!“ Bert untermalte seine Rede mit einer lässigen Geste und ignorierte den perplexen Gesichtsausdruck, mit dem sein Kumpel ihn ansah, gekonnt.
      Ralph biß die Zähne zusammen und atmete durch, um die Ruhe zu bewahren. „Also, bitte, ja? Ich habe hier ein ernstes Problem! Da nützt es mir auch nichts, der »große Checker« zu sein!“ Er konnte die Ironie nicht ganz aus der Stimme verbannen, als er sich der neumodischen Sprache bediente und drehte sich zu seiner Frau um, die gerade am Schreibtisch die Post durchsah. „Melissa, wir werden doch eine neue Druckwalze bestellen müssen.“
      „Das habe ich schon geahnt!“ gab sie nebenbei zurück.
      Ralph sah nicht sehr glücklich mit der Situation aus. „Hoffentlich übersteigt das unser Budget nicht.“
      „Ach, komm’ schon, Ralph!“ warf Bert lässig ein. „Nimm mal Dampf raus! Du solltest mal ein bißchen chillen! Dann sieht gleich alles viel blumiger aus!“
      „Ich soll was?“ fragte Ralph nach.
      Melissa konnte sich ein Kichern nicht verkneifen. „Entspannen, faulenzen, Kraft schöpfen, dich abregen,… – ganz nach Kontext.“ übersetzte sie.
      „Aha. Und was davon ist jetzt der Kontext?“ meinte Ralph genervt, während er sich wieder der Druckmaschine zuwandte.
      „Nur die Ruhe, Ralphie, alter Junge.“ lieferte Bert unbewußt die Erklärung. „Du solltest dein Leben mal etwas entschleunigen, statt immer auf der Überholspur zu leben.“
      „Sehr witzig, Bert! Die Druckerpresse repariert sich aber nicht von allein!“ Ralph konnte eine Spur von Ärger nicht mehr unterdrücken, wobei er sich nicht ganz sicher war, ob eher Bert oder die Druckerpresse daran Schuld war. „Melissa, holst du bitte schon mal eines von den Bestellformularen? Ich werde versuchen, die Maschine soweit zu reparieren, daß sie zumindest die nächste Ausgabe noch einigermaßen vernünftig druckt. Wahrscheinlich werde ich mir damit mal wieder die Nacht um die Ohren schlagen.“
      „Was? Aber das geht nicht, Ralph!“ rief Bert entsetzt.
      „Wieso geht das nicht?“ erkundigte sich Ralph desinteressiert, während er sich einen Schraubenzieher schnappte und weiterarbeitete.
      „Aber hast du es denn vergessen?“ rief Bert. „Heute abend ist Fete auf dem Sneer-Anwesen angesagt! Da werden wir richtig einen draufmachen, mal so richtig abhotten und durchsumpfen!“
      „Ich werde weder einen draufmachen, noch »abhotten«, und schon gar nicht »durchsumpfen!“ erklärte Ralph nüchtern, während er sich darauf konzentrierte, eine Schraube zu lösen.
      „Aber das kannst du dir doch nicht entgehen lassen! Was bist du denn für eine Partybremse?“ entrüstete sich Bert.
      Ralph sah aus seiner liegenden Position zu ihm hoch. „Eben hast du mir noch was von »Entschleunigung« erzählt, und jetzt fängst du mit Partybremse an? Entscheide dich mal!“
      „Du weißt ja gar nicht, was dir entgeht!“ beharrte Bert. „Laß doch die Druckerpresse Druckerpresse sein, das kann doch auch noch warten!“ Er malte mit den Händen dramatisch in die Luft, während er proklamierte: „Mach es so wie ich: Mach »yolo« zu deinem Motto!“
      Ralph stieß sich den Kopf an einem Hebel der Druckerpresse, als er sich ruckartig aufsetzte und rieb sich fluchend den Hinterkopf.
      „Ernsthaft, Ralph, das wird voll kraß! Wir zählen auf dich!“ entschied Bert.
      „Ach, und wenn ich mich einfach dagegen entscheide?“ gab Ralph gereizt zurück.
      Bert sah gerade zur Uhr und winkte ab. „Bitte jetzt keinen Talkathon, ich bin noch mit Cedric zum fischen verabredet!“ Er zeigte bereits im Gehen lässig in Ralphs Richtung. „Wir sehen uns dann heute Abend!“
      Ralph stand kurz davor, seinem Freund etwas hinterherzuwerfen, als dieser die Redaktion wieder verließ.
      Melissa mußte sich schwer zurückhalten, um nicht zu lachen. „Ein Talkathon ist eine schier endlose Debatte…“
      „Ich weiß… was ein Talkathon ist!“ gab Ralph scharf zurück und bekam knapp die Kurve, seinen Tonfall zu bändigen, um sie nicht anzuschreien. „Ganz blöd bin ich ja auch nicht!“ grummelte er. Mißmutig sah er zur Tür. „’Mach yolo zu deinem Motto’! Ich weiß nicht mal, was das heißt!“
      Melissa lachte. „Das ist das neue Jugendwort des Jahres und heißt so viel wie »You only live once«; was Bert dir also sagen will ist: Du lebst nur einmal.“
      „Na toll! Kann er mir das dann nicht einfach normal sagen, anstatt mit so neumodischem Gebrabbel die Leute zu verwirren?“
      „Ach, laß ihn doch!“ winkte Melissa ab. „Er will eben mit der Jugend mithalten!“
      „Himmel, so viel älter als er bin ich ja nun auch wieder nicht!“ Ralph ging zum Schreibtisch und sah die Post durch. „Ah, hier ist endlich der Brief vom Komitee für den Redakteure-Wettbewerb. Sicher werden sie das Thema für die erste Runde bekanntgeben!“
      Melissa beobachtete ihren Ehemann schmunzelnd. Ralph war schon seit geraumer Zeit ganz aufgeregt wegen diesem Wettbewerb.
      In freudiger Erwartung nahm er den Brief aus dem Umschlag und las, nur um kurze Zeit später nach Luft zu schnappen. „Was??”
      „Was ist denn, Ralph?“ erkundigte sich Melissa vorsichtig.
      Ralph ließ entmutigt das Papier sinken. „Ich soll einen Artikel schreiben zum Thema »Jugendsprache«… Ich hab’ davon doch gar keine Ahnung!“
      Melissa hielt verblüfft inne und konnte sich dann ein Grinsen nicht verkneifen. „Frag’ doch einfach Bert! Der kennt sich bestens damit aus!“
      „Ja!“ erwiderte Ralph spontan mit einem Leuchten in den Augen, doch dann hielt er inne. „Na, toll. Wenn ich jetzt auch noch Interesse zeige, dann kann ich mir das Jugendstil-Gebrabbel die nächsten Wochen durchgängig anhören. Der kommt von seinem Trip doch gar nicht mehr runter!“
      „Aaaber…“ wandte Melissa verheißungsvoll ein. „Du kannst dann mitreden!“
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