Skyscraper - A Long Way Down

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18 Slash
Raven (Gilbert Nightray) Xerxes Break
05.04.2014
10.03.2016
5
25342
2
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Hallo!

Das hier ist ein Experiment und ich bin gespannt, wie es endet.
Ich könnte jetzt lügen und sagen, dass ich sehr lange am Konzept dieser Story gearbeitet habe, Fakt ist aber, dass sie mir gestern morgen eingefallen ist, als ich eine Stunde zu früh aufgewacht bin und im Bett liegen geblieben bin. Es wird ein wenig verwirrend werden, aber ich hoffe, dass am Ende alles klar sein dürfte. Außer natürlich der Sachen, die ich bewusst im Unklaren lassen möchte ~
Angefangen hat diese Idee mit dem Trailer zu 'A Long Way Down', einem neuen Film, den ich noch nicht gesehen habe, und von dem ich nur Gilberts erste zwei Sätze und einen winzigen Teil der Handlung geklaut habe. Könnt ihr mir verzeihen? ;)
Warum das alles hier ein Experiment ist ... weil ich noch nie über Themen wie Selbstmord und Krebs geschrieben habe und weil ich Angst habe und weil das hier weh tun wird. Außerdem kommen schmutzige Worte und Szenen vor, deshalb auch das P18 Slash. You have been warned.
Falls das alles nicht zu 'abschreckend' klingt, wünsche ich viel Spaß beim lesen. Geplant sind bis jetzt um die 3 Kapitel + Epilog, aber ihr kennt mich, es wird bestimmt mehr. Hehe ^^°
Das Lied, das ich zitieren werde, ist 'Skyscraper' von Demi Lovato, hört es euch an, es ist genial.
Außerdem --- ist mein Schreibstil hier irgendwie anders als sonst (kommt mir zumindest so vor ...). Ich wäre deshalb sehr dankbar für jegliche Art von Kritik & eventuell ja auch Lob? Weil ich mir gerade hier wirklich unsicher bin und gerne gut wäre :'D

So. Nach dem langen Vorwort jetzt ein relativ kurzer Prolog wenn hier denn noch jemand liest. Ich wünsche ein angenehmes Lese-Erlebnis!

Alles Liebe,
                 Jolly.




















» I'm gonna stay right here, watch you disappear.
Yeah, it's a long way down

but I am closer to the clouds up here. «











Es war ein verschneiter Montag Abend als Xerxes Break spontan beschloss, seinen besten Anzug anzuziehen und sich vom Empire State Building zu stürzen.

Außerdem war es der Silvesterabend, und wenn das mal nicht ein schöner Tag zum Sterben war …

Er verzichtete darauf, die überfüllte U-Bahn zu nehmen und machte sich stattdessen zu Fuß auf den Weg. Selbstverständlich waren auch die Straßen voller Menschen, aber jetzt, wo Break sie alle zum letzten Mal sah, wo er zum letzten Mal über den verschneiten und glatten Bordstein stolperte und gegen andere Fußgänger rempelte, machte es ihm fast schon Spaß und ein breites Lächeln lag auf seinen Lippen. Er fing sogar ein paar vereinsamte Schneeflocken mit der Zunge auf, so gut fühlte es sich an, endlich loszulassen.

Der Weg von seiner Wohnung zum Empire State Building war lange genug, um seine nackten Finger steif zu frieren und den dunklen Stoff seines Anzugs mit einem Muster aus Eiskristallen zu überziehen. Als Break sich in einem Schaufenster im Vorbeigehen selbst musterte, fand er sich wunderschön. Wie passend.

Seine Lippen spitzten sich und er ging pfeifend weiter. Es war eine fröhliche Melodie, denn Xerxes Break war in diesem Moment ein sehr fröhlicher Mensch.

Als er das Empire State Building erreicht hatte, war es schon beinahe Mitternacht. Er legte den Kopf in den Nacken und sah an dem Gebäude nach oben. Es war sehr hoch. So hoch, dass er das Dach nur dann sehen konnte, wenn er das Auge zu einem schmalen Schlitz formte und sich ganz auf das Weiß und Schwarz über ihm konzentrierte, das die Schneewolken und der Nachthimmel bildeten.

Er schloss das Auge wieder und dann konnte er es sehen.

Seinen zerschlagenen Körper auf dem harten, mit Frost überzogenen Asphalt, die weißen Haare um seinen Kopf wie ein Heiligenschein ausgebreitet, das rote Blut um ihn herum und sein aufgerissenes rote Auge und die rote Krawatte seines Anzugs in morbider Einheit. Und der schwarze, zerfetzte Anzug. Der Kontrast, den es brauchte, um ein perfektes Bild darzustellen.

Break war Fotograf … gewesen. Es war seine Aufgabe, sein Talent, Farben und Formen zu erkennen, bevor irgendjemand anders sie sehen konnte, und sie dann auf Polaroid festzuhalten, nicht für die Ewigkeit, aber für eine lange, lange Zeit.

Er biss sich selbst auf die Backe, weil er seine Kamera in seiner Wohnung hat liegen lassen anstatt sie mit zu nehmen zu seinem letzten Gang. Er hätte ein Foto von ganz oben schießen können, das letzte Foto eines Künstlers, es wäre sicher sehr wertvoll gewesen. Aber jetzt war es zu spät, weil die Uhr unerbittlich weiter tickte und die Sekunden vor Mitternacht dahin flossen.

Break wollte Theatralik. Wenn er gehen würde, dann mit einem lauten Knall. Und kein Knall der Welt war lauter als der der ersten Rakete an Silvester mitten in New York, der Stadt, die niemals schlief. Hier würde Xerxes Break für immer einschlafen, und der Gedanke brachte ihn erneut zum Lächeln.

Mit leichten Schritten betrat er das Gebäude und machte sich daran, die vielen Stufen nach oben zu steigen. Es war passender, die Treppen zu nehmen anstatt des Aufzuges, es war das letzte Mal, dass er seine Beine für etwas derartiges tun würden. Seine Lungen würden das letzte Mal vor Anstrengung fast zerbersten und seine Wangen würden ein letztes Mal sanft erröten. Sein Herz würde das letzte Mal so schnell schlagen.

All diese 'letzten Male' fühlten sich großartig an.

An der letzten Stufe blieb er stehen und legte sacht seine Finger auf den Griff der Dachtür. Dahinter lag die Erlösung …

Er hatte keine Angst. Schon als kleiner Junge hatte er immer vom Fliegen geträumt.

Als er das Dach betrat, stockte ihm der Atem im Hals vor Schönheit. Die strahlenden Lichter New Yorks, die unter ihm lagen, die weißen Schneeflocken, die vom Himmel stoben Blütenblätter im Frühling aber zu früh schon schmolzen und nie als Eiskristalle am Boden ankamen. Der graue Himmel über ihm. Es raubte ihm den Atem und er war so berührt von diesem Anblick und dankbar dafür, dass er dieses Wunder noch sehen durfte, bevor alles schwarz werden würde.

Unter ihm auf der Hauptstraße tummelten sich die Menschen. Die Masse. Einen Moment hatte Break das Bedürfnis, sich mitten in sie hinein zu werfen. Wie ein berühmter Rockstar, der von der Bühne sprang um sich von seinen Fans umjubeln zu lassen. Es musste wie Schweben sein, auf Händen getragen zu werden.

Aber Xerxes Break wollte nicht schweben. Er wollte fliegen.

Mit einer schwungvollen Drehung zeigte er den Menschen unter ihm die kalte Schulter und ging zu der Seite des Empire State Building, die nicht zur Hauptstraße und den versammelten, erwartungsvollen, angespannten Menschen zeigte, die aufgeregt die Sekunden zum neuen Jahr zählten und, ohne es zu wissen, gleichzeitig auch den Countdown für Breaks Leben im Chor sangen.

Vollkommen entspannt stellte er sich auf die schmale Kante des Daches, richtete den Blick ein letztes Mal für immer gen Himmel, atmete mit einem tiefen Zug die kalte Noch-Dezemberluft ein, und sah dann nach unten. Ohne das geringste Zittern schob er seine Hand in die Tasche seines Jacketts und zog die Zigarette heraus, die er mitgebracht hatte. Sachte steckte er sie sich zwischen die mittlerweile kalten Lippen bevor er auch das Feuerzeug hervor holte und sich die erste und letzte Zigarette seines Lebens anzündete.

Nichts von alledem hatte eine Bedeutung.

Langsam und genüsslich atmete er den kernigen Rauch ein, ließ ihn durch eine Mundhöhle fließen wie Seide und seine Kehle hinunter gleiten, hinein in seine geschundenen Lungen und wieder hinaus, in die kalte Nachtluft, die ihn zu silbrigem Nebel machte, der zwischen dem endlosen Nichts aus Schneeflocken und Sauerstoff-Kohlenstoff verdunstete.

Der Wind hier oben war stärker als er erwartet hatte, er fuhr ihm durch die Jacke und die Hose und kitzelte seine durchgefrorenen Zehen in den teuren Designerschuhen, trieb ihm Tränen in die Augen, die er gar nicht weinen wollte und dennoch vergoss. Aber das war schon in Ordnung. Niemand würde wirklich um seinen Tod weinen, also war es okay, wenn der Wind es tat.

Der leichte Stoff seines Hemdes flatterte ihm um die Hüften, als er einen weiteren Zug von der Zigarette nahm. Er konnte die Menschen trotz der Entfernung immer noch hören, ein leises, konstantes Flüstern in der Ferne. Er schloss die Augen und hatte ein Bild vor sich.

Sein toter Körper auf der Straße und Menschen um ihn herum. Gaffende, bestürzte Menschen, die nach hause gehen würden und ihren Partnern oder Eltern davon erzählen würden, dass sie einen Mann gesehen hatten, der Selbstmord begangen hatte. Sie würden davon erzählen, wie berührt sie davon wären und wie sehr sie diese Erfahrung gelehrt hatte, das Leben wertzuschätzen. Sie würden in dieses neue Jahr gehen und an ihrer Zukunft festhalten wegen eines Mannes, der keine gehabt hatte.

Selbst sein Tod würde eine Inspiration sein. Es war ihm egal.

Er nahmen einen dritten Zug von der Zigarette und der Rauch umschlang ihn gemeinsam mit dem Wind, hüllte ihn in graue Asche und er schauderte vor Ergriffenheit, vor Respekt vor dem Moment, der einer seiner letzten sein würde.

Wie aus einer anderen Welt hörte Xerxes Break die Uhren Mitternacht schlagen und er schmunzelte, als die ersten Raketen knallten. Er sah nach unten und es war ein langer Weg.

„Entschuldigung.“

Die Stimme war nicht laut, aber sie war zu nah, und sie überraschte Break. Die Zigarette fiel ihm aus der Hand noch bevor er seinen letzten Zug nehmen konnte, was blieb war nur ein kurzer Glimmer in der Dunkelheit unter ihm, orange und so unpassend in dem Farbschema dieser Szenerie, dass es schon beinahe wieder passend war.

Break sah dem Zigarettenstummel nach wie er davon flog, er wäre gerne mit ihm weg geflogen, aber da stand jemand, der ein 'Entschuldigung' gegen den Wind gewispert hatte, und Break drehte sich um, weil es von ihm erwartet wurde.

Da stand ein Junge. Keine dreißig Jahre alt, vielleicht fünfundzwanzig, vielleicht jünger. Und er war eine Augenweide.

Haut so weiß, dass selbst Break vor Neid erblasste, schwarze, unordentliche Haare, die ein kantiges Gesicht umrahmten und vor sanfte, tieftraurige goldene Augen fielen. Die Lippen waren schmal und von so einem eleganten Bogen, dass Break Stunden damit verbringen hätte können, sie aus jedmöglichem Winkel zu fotografieren. Die Nase war genauso kantig wie die Kieferknochen, lang und gerade, perfekt symmetrisch, als wäre sie von Michelangelo persönlich in Marmor gemeißelt worden. Er war groß, größer als Break, und schlicht aber elegant gekleidet. Das Feuerwerk malte farbige Schatten auf sein Gesicht und ergoss sich wie Lichterregen in seinen Augen.

Und Break wartete auf die Worte, die ihn davon abhalten würden, zu springen. Er wartete auf all die Beschwichtigungen und Zusprüche, die alle dieselbe Botschaft hatten und alle von einer Zukunft erzählten und Gründen, am Leben fest zu halten und weiter zu kämpfen, obwohl sie beide instinktiv spürten, dass sie nur geheuchelt waren und voller Verzweiflung.

Er würde ihm trotzdem gehorchen.

Diesem Jungen, der ihn aus diesen unglücklichen Augen ansah als hätte er etwas verloren und nur Break konnte es ihm zurück bringen.

Der perfekte Mund bewegte sich und eine kleine, rosafarbene Zunge formte Buchstaben zu Lauten zu Worten zu einem einzigen Satz, mit dem Break so gar nicht gerechnet hatte.

„Brauchen Sie noch lange?“




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