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Tiefblaue Augen

von Amanveth
GeschichteÜbernatürlich, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
04.04.2014
04.04.2014
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Erschöpft liess sich Yato auf die Parkbank fallen und lehnte sich nach hinten. Für einen Moment schloss er die Augen und atmete ein paar Mal tief ein und aus. Er spürte dass sich Yukine neben ihn setzte. „Das hast du gut gemacht vorhin. Du wirst zu einer immer besseren Shinki.“ Der Jüngere sah seinen Meister überrascht an und lächelte dann kaum merklich. Er war froh. Seit dem Zwischenfall, der Yato beinahe das Leben gekostet hatte.. Nein. Bei dem er selber fast Yato‘s Tod herbeigeführt hätte.. bemühte er sich, eine gute Shinki zu sein. Er hatte gelernt, dass die Shinki eines Gottes zu sein bedeutete, stark zu sein. Stark zu sein, um seinen Meister zu beschützen und zu unterstützen. Besonders für einen Gott wie Yato war es wichtig, eine gute Waffe zu haben. Ein streunender Kriegsgott mit solch einer Vergangenheit benötigte Schutz. Und er hatte begriffen, dass der Blauäugige ein gutes Herz hatte. Er hätte ihn verstossen, töten, können. Aber er blieb bei ihm und brachte sich so selbst in Gefahr.  Alles in allem war er kein so schlechter Kerl, wie er am Anfang von ihm gedacht hatte. „Yukine, lass uns einen Platz zum Schlafen finden. Es ist schon spät.“ Der Junge sah auf und nickte. Sie waren lange auf der Jagd gewesen, hatten unzählige Ayakashi vernichtet. Die Müdigkeit begann ihren Tribut zu fordern. Ruhig folgte er seinem Meister durch die dunklen Strassen, hörte zwischendurch das leise Wispern schwacher Ayakashi, die sich in den Schatten verbargen. Der Geruch eines Gottes, der Yato anhaftete, schien sie anzulocken. Ein Geruch, von dem er zugeben musste, dass er ihn mochte. Yukine würde das niemals laut sagen. Doch er fand Yato‘s Geruch wundervoll. Er erinnerte ihn an Vanille, Kirschblüten, Sommerregen und Herbstlaub. Eine einzigartige Mischung, und doch oh so köstlich. Ob dieser Geruch intensiver wurde, je näher man ihm kam? Er erschauderte leicht bei dem Gedanken, Yato näher zu kommen. Nicht aus Ekel, wie er feststellen musste. Im Gegenteil. Yukine schluckte. Er hörte seinen Meister leise fluchen. Der ältere hatte eine Hand auf seinen Nacken gelegt und sah ihn wütend an. „Yukine! Du hast an was Perverses gedacht, nicht wahr?! Ich dachte, du hättest das endlich überwunden?!“ Leicht zuckte der Junge zusammen. Das hatte er nicht gewollt. Also hiess das, diese aufkeimenden Gefühle, die er für seinen Meister hegte, bereiteten ihm genauso Schmerzen, wie die Sachen vorher auch. „Entschuldige. Wird nicht mehr vorkommen.“  Immer noch leicht zitternd lief er weiter. Die kühle Brise erinnerte ihn daran, dass es langsam Winter wurde. Nur noch wenige Tage und der Spätherbst war vorbei. Und damit war er fast ein Jahr bei Yato. Ein Jahr, in dem sich seine Gefühle dem rebellischen Gott gegenüber so sehr verändert hatten. Er seufzte. Niemals durfte er sich verdächtig verhalten. Denn wenn Yato von seinen Gefühlen erfahren würde.. würde er ihn ganz bestimmt fortschicken.

Er legte sich neben Yato auf den Boden des Schreines. Welcher Gottheit er gehörte, wusste er nicht. Es war ihm auch relativ egal, wichtig war ihm nur, dass sie von den Ayakashi geschützt waren. Die Unruhe in seinem Inneren liess ihn nicht schlafen. Er sah zu Yato, der sofort eingeschlafen war. Von ihm war nur noch leises, regelmässiges Atmen zu hören. Yukine errötete etwas. Die Jacke und das Oberteil seines Meisters waren hochgerutscht und entblössten nun eine Handbreit der  hellen Haut. Wie es sich wohl anfühlen würde..? Langsam streckte der blonde Junge eine Hand aus und legte seine Fingerspitzen vorsichtig auf die entblösste Seite. Ganz leicht streichelte er die warme, weiche Haut und spürte das feste Fleisch darunter. Gebannt hatte er seinen Atem angehalten, den er jetzt langsam und zittrig entliess. Er hatte sich schon gedacht dass Yato besonders war, anders als Menschen. Schliesslich war er ein Gott. Und doch erstaunte es Yukine. Er hätte nicht erwartet, dass ein Kriegsgott so weiche, geschmeidige Haut hatte. Vielleicht hatten das alle Götter? Seine Fingerspitzen tanzten noch immer federleicht über Yato‘s Seite, vorsichtig und voller Sorge, dass er aufwachen könnte. Unweigerlich schweiften Yukine‘s Gedanken etwas ab. Wie Yato wohl aussehen würde, wenn er kein Oberteil anhatte? Er wusste das seine Arme durch Jahrhundertelanges Training mit Schwertern trainiert und die kräftigen Muskeln wohldefiniert waren. Bestimmt war auch sein Oberkörper muskulös. Ein leichter Schauder ging durch Yukine. Was er nur dafür geben würde, diesen schönen Mann für sich zu haben. Aber sein Herz gehörte Hiyori, das war offensichtlich. Leise seufzte er und liess seine Hand auf Yato‘s Seite liegen. Die Wärme seines Körpers gefiel ihm und entspannte ihn. „Yato..“ Er sah gerade noch, wie der Himmel sich wunderschön verfärbte, ehe der Schlaf ihn übermannte.

Als Yato langsam aufwachte, spürte er eine angenehme Wärme. Er schmiegte sich näher an die angenehme Wärme, die noch dazu unwiderstehlich duftete. Ein süsser, unschuldiger Duft. Apfel, Karamell und Schnee. Yuki. Yukine. Er lächelte leicht. Er wusste, dass er sich auf seine Shinki verlassen konnte. Auch wenn er ihn gestern ein paar Mal gestochen hatte. Er meinte es nicht böse. Und er hatte ja von Anfang an gewusst, dass Yukine in einem schwierigen Alter war. Es würde nicht mehr so weit kommen wie beim letzten Mal. Und selbst wenn.. er würde Yukine nicht alleine lassen. Niemals. Er hatte sich schliesslich auf den ersten Blick in ihn verguckt. Auch wenn er ein Tsundere-Typ war. Innerlich lachte Yato und öffnete dann träge seine Augen. Überrascht sah er seine Shinki an, die sich an seinen Körper gekuschelt hatte, das Gesicht an seiner Brust vergraben. Sachte strich er durch das seidige Haar. „Wie niedlich.“ Er konnte nicht anders als zu lächeln. Es freute ihn, dass Yukine das machte. Es zeigte, dass er ihm vertraute. Entspannt schob er einen seiner Arme unter seinen Kopf und legte sich auf den Rücken, bewegte Yukine vorsichtig so, dass er seine Brust als Kissen benutzen konnte. Mit seiner anderen Hand streichelte er weiterhin durch die blonden Strähnen. Er würde ihn so lange schlafen lassen, wie er es brauchte. Schliesslich gefiel ihm diese Situation ganz gut. Yukines Lippen waren leicht geöffnet und wirkten unglaublich weich und voll. Bestimmt würde es sich gut anfühlen, ihn zu küssen. Yato lachte leise. Als ob Yukine ihn lassen würde. Der Kleine würde ihn vermutlich K.O schlagen. Und ihn dann bitten, seinen Namen von ihm zu nehmen. Den Namen, der ihm mehr bedeutete, als jeder den er zuvor vergeben hatte. Er hatte ein langes Leben hinter sich, rund zwölf Jahrhunderte. Wie alle Götter war er aus einem Wunsch geboren worden und zur damaligen Zeit, während der Heian-Periode, schnell zu einem berühmten Gott aufgestiegen. Die damaligen Bushi verehrten ihn als Helfer in der Schlacht und beteten zu ihm für ihr Überleben und ihren Sieg. Nicht dass es die Bushi gestört hatte, auf dem Schlachtfeld zu sterben – im Gegenteil, war es doch für sie der ehrenvollste Tod. Er hatte sich damals oft unter die Leute gemischt und hatte viel von ihnen gelernt. Auch den Umgang mit Schwertern hatte er von Menschen erlernt. Davor war ein Dai-Kyu, ein Langbogen, seine bevorzugte Waffe gewesen. Selbst ihren Tugenden, den Bushido, hatte er gelernt. Aufrichtigkeit, Mut, Güte, Höflichkeit, Wahrhaftigkeit, Ehre, Loyalität. Sanft strich er mit den Fingerspitzen über Yukine‘s Nacken. „Ich werde immer für dich da sein.. Versprochen..“ dachte er, während er sein schlafendes Gesicht betrachtete. Wenn er damals etwas gelernt hatte, war es, die Zeit die man mit geliebten Personen hatte gut zu nutzen.

Leise schnurrte Yukine. Etwas strich durch seine Haare und über seinen Nacken. Und es fühlte sich soo gut an. Wärme umgab ihn, obwohl es doch gestern so kalt gewesen war. Und sein Lieblingsgeruch kitzelte seine Nase. Der Junge fühlte sich wie im Paradies. Als er seine bernsteinfarbenen Augen öffnete sah er als erstes eine wohlbekannte Jacke. Yato‘s Jacke. Er bewegte seinen Kopf ein wenig und sah direkt in diese leuchtend blauen Augen, die ihm immer wieder fast den Atem raubten. „Guten Morgen, Yukine.“ Yato sah ihn freundlich an, brachte Yukines Herz zum Rasen. „G-Guten Morgen.“ Schnell setzte er sich auf. Die Wärme in seinen Wangen verriet ihm, dass er rot geworden war. Yato grinste. So gefiel ihm der Blonde gleich noch besser. Er konnte nicht anders als ihm leise lachend durch die Haare zu wuscheln. Gleich darauf fühlte er einen Stich im Nacken. „Yukine! Was hast du jetzt wieder perverses gedacht!“ Trotz der Schmerzen lachte er. Seine Shinki sah ihn besorgt und betroffen an. Die Reue stand ihm ins Gesicht geschrieben. Er sah einfach furchtbar süss aus. Ein Seufzen verliess Yato‘s Lippen. Er schaffte es nicht mehr. Er konnte sich nicht noch länger zurückhalten. Vorsichtig zog er Yukine in seine Arme, legte eine Hand an seine Wangen und führte ihre Lippen zusammen. Zärtlich küsste er den Jungen, strich ihm dabei sanft über den Rücken. Oh wie Yukine ihn umbringen würde. Überrascht bemerkte er, dass sich der Kleinere an ihn schmiegte und den Kuss schüchtern erwiderte. Ihre Lippen bewegten sich gegeneinander, die junge Shinki suchte die Nähe dieses warmen Körpers. Sanft strich er über Yatos Brust, spürte den schnellen Herzschlag unter den Stoffschichten. Atemlos trennten sich die Beiden voneinander. „Yukine..“ Die Stimme des jungen Gottes war dunkel und leicht heiser, brachte ihn zum Erschaudern. „Yato..“ Er spürte die kräftigen Hände seines Meisters an seinen Hüften. Mit einem Ruck wurde er auf Yato‘s Schoss gezogen und wieder geküsst. Leise keuchte er und vergrub seine Hände in Yato’s Haaren. Nach einigen Augenblicken lösten sie sich wieder voneinander. Noch immer grinste Yato. Das lief ja bedeutend besser als gedacht. Und das knallrote Gesicht seiner Shinki sprach für sich. Er hatte es eindeutig genauso genossen, wie er selbst auch. „Yu-ki-ne~ Kann es sein, dass du in mich verknallt bist und mich darum die ganze Zeit stichst~?“ Neckend schaute er den Blonden an, dessen Augen gross  und Wangen noch röter wurden. „Ich will dich nicht stechen..“ nuschelte er und schaute weg. Sanft streichelte er seine Wange. „Das ist schon in Ordnung. So schlimm ist es nicht. Es tut nicht so weh wie damals. Im Gegenteil, es ist wie ein kleiner Blitzschlag. So, wie es sich anfühlt, wenn ich dich küsse~“ Schüchtern sah ihn der Kleinere an. Diese Worte beruhigten ihn. „Dann wird.. sowas.. nicht nochmal passieren?“ Yato schüttelte den Kopf. „Nie wieder. Da bin ich mir sicher.“ Vertrauensvoll kuschelte sich der Blonde an seinen Meister. So wie sich der andere verhielt, musste er auch mehr für ihn empfinden. Zufrieden lächelte er. Das war so unglaublich. „Ich mag dich, Yato. Sehr.“ Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, spürte er weiche, volle Lippen auf seinen eigenen. „Ich dich auch, Yukine.“ Glücklich drängte er sich näher an den Älteren. Liebe fühlte sich unglaublich an.
Träge lag er auf Yato. Ihm so nahe zu sein gefiel ihm zu gut, als dass er sich von ihm herunterbewegen wollte. Er hatte die Augen entspannt geschlossen, während Yato ihm sanft durch die Haare streichelte. „Das magst du, hm?“ Er nickte nur leicht. Und wie er es mochte. Er könnte den ganzen Tag so hierliegen, nur er und Yato. Langsam hob er den Kopf und küsste ihn kurz, ehe er sich aufsetzte. „Hiyori sollte doch bald mit der Schule fertig sein. Bestimmt wartet sie schon auf uns.“ Yato nickte. „Du hast Recht,“ sanft küsste er den Kleineren nochmals und stand dann auf, half seiner Shinki auf die Beine. Zusammen liefen sie zu Hiyoris Schule. Yukine war sichtlich nervös, wusste nicht so Recht damit umzugehen, dass zwischen ihm und Yato nun mehr war. Würde Hiyori das überhaupt akzeptieren? Sie war ihm und Yato sehr wichtig, sie beide wollten, dass sie auch glücklich war. Er seufzte leise. „Yato! Yukine!“ Hiyori eilte auf sie zu, glücklich darüber, ihre besonderen Freunde zu sehen. „Ich hab mir schon Sorgen gemacht, ich hab euch den ganzen Tag noch nicht gesehen.“ „Alles in Ordnung, wir waren nur.. beschäftigt.“ Yato lachte verlegen. Hiyori grinste und sah Yukines Hals an. „Das seh ich. Ich hoffe doch, du warst brav, Yato?“ Der Blauäugige wurde rot. Verdammt, den Knutschfleck den er an seinem Hals hinterlassen hatte, hatte er vollkommen vergessen. „Ich hab nichts gemacht! Nicht mehr als n bisschen Küssen..!“ Hiyori begann schallend zu lachen. Ihre beiden Freunde so verlegen zu sehen, besonders den sonst so frechen Gott, war einfach zu lustig. „Gut für euch beide. Ich hab mich schon gefragt, wie lang ihr noch blind durch die Gegend laufen wollt.“ „D-Du wusstest davon?!“ Yukine sah das Mädchen schockiert an. „Als Yato sagte, dass er dir auf den ersten Blick verfallen sei, fand ich das schon n bisschen auffällig. Vor allem die Art, wie er das gesagt hat. Und du hast ihn in letzter Zeit ganz oft richtig Sehnsüchtig angeguckt.“ Sowohl der Gott als auch seine Waffe wurden wieder rot. Da hatte sie Hiyori ja ganz schön durchschaut. „Ihr zwei seht richtig süss zusammen aus.“ Yukine lächelte. „Danke, Hiyori. Ich bin froh, dass du kein Problem damit hast.“ Auch das junge Mädchen lächelte. „Lass Yato nur nicht von Anfang an all seine perversen Fantasien wahr machen!“ Sie lachte als ihre beiden Freunde wieder rot wurden. Das würde noch lustig werden.
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