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Undercover 3

GeschichteKrimi, Parodie / P12 / Gen
Pearl
04.04.2014
15.04.2014
7
5.664
 
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04.04.2014 484
 
Wie durch ein Wunder bin ich noch immer hier. Ich sitze hier hinter der Bühne und bin dabei. Wochen des Trainings liegen hinter mir. Keine Fragen. Niemand zweifelt. Nur dass das nicht mehr ganz ohne lügen passiert ist. Der Preis ist hoch. An den Haaren herbeigezogene Geschichten von einem verloren gegangenen Castingbogen und so einiges mehr, sodass man förmlich hört, wie sich die Deckenbalken im Bühnenraum biegen. Was kann noch kommen? Das alles kann nur bedeuten, dass ich ein wirklich, wirklich guter und überzeugender Schauspieler bin. 4Jahre Schauspielschule haben sich also doch gelohnt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Jeden Tag: Morgens Training, Pause, aufwärmen, einsingen, danach Backstage. Ashley/ Buffy second Cast.

"Die Plätze Seitentribüne, rechts, ganz außen sind frei! Ihr werdet hier nicht für das Herumsitzen hinter der Bühne bezahlt. Es schadet nicht, wenn ihr euch die Show aus dem Zuschauerraum anseht. Am besten gleich ein halbes Dutzend mal, verstanden?"

Wir bekommen die klare Anweisung, uns einzelne Szenen noch einmal ganz genau bei den Anderen anzusehen.
"Eventuell muss jemand von Euch im zweiten Akt hinter die Bühne. Für alle Fälle."
"Ist klar!" Ich nehme im Zuschauerraum Platz und warte auf den Beginn der Vorstellung. Plötzlich schallendes Gelächter. Obwohl es den Zuschauern nicht gestattet ist, Getränke im Theater- Innenraum mit zuführen, ergießt sich eine Wasserlache von der Tribüne links oben auf die Köpfe der Zuschauer darunter, nur knapp an der Bahn vorbei. Eine füllige Frau sprang auf , nahm die Wasserflasche, die dort oben umgefallen war auf und hastete zur  Abgangstreppe hinter der Ausgangstüre.
"Unmöglich so was..."dachte ich. Wie konnte sie hier mit der Flasche hereinkommen? Der erste Akt läuft ohne weitere Zwischenfälle ab. Ich begebe mich in der Pause hinter die Bühne, setze mich auf einen der Stühle und schaue dem geschäftigen Treiben zu . Schön waren meine Gedanken nicht. Bis hierhin habe ich es geschafft. Man wünscht niemandem etwas Schlechtes, aber was muss passieren, um plötzlich auf der Bühne zum Einsatz zu kommen? Eine Panne? Ein Unfall? Irgendetwas. Nur wenige Meter trennen mich jetzt noch von der Bühne. Ich muss geduldig bleiben. Ein falscher Schritt und alles ist von heute auf morgen aus. Versunken in meine düsteren Gedanken, werde ich durch jemanden aufgeschreckt. Ein Handwerker stampft poltend durch die Türe , eine Leiter über dem Arm  und in Begleitung einer Handlangerin in Arbeitskleidung.

"Dachdecker sind da! Wo is getz der Wasserschaden? Wir klettern mal rauf und sehen nach. Nitt datt euch dat Dach beim nächste Platzrejen herunterkommt. Is ja vielleicht nur a Loch in dä Tearpapp!"
Im Ruhrpottdialekt fachsimpelnd gehen sie an uns vorbei. Erst im letzten Moment meine ich, die Frau mit der Flasche wiedererkannt zu haben. Vielleicht geirrt.
Der zweite Akt verläuft ohne Probleme. Tolle Show. Na ja, Karl. Carla. Hauptsache dabei. Man darf nichts erzwingen. Irgendwann kommt auch deine Chance. Kann irgendjemand mehr Chancen haben, als ich sie bis jetzt hatte?
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