Puzzle

KurzgeschichteFreundschaft / P12
Akashi Seijūro Mibuchi Reo
04.04.2014
04.04.2014
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Kuroko no Basuke und damit die in dieser Geschichte vorkommenden Charaktere sind geistiges Eigentum von Fujimaki Tadatoshi.

Ich schreib noch mehr Reo. Ich hab noch Ideen, aber ansonsten: Ich plane eine Sammlung von Kurzgeschichten und/oder Drabbles über ihn und Akashi, bzw über ihn und Rakuzan allgemein (sofern ich den Rest der Babies schreibtechnisch umgesetzt bekomme xD) und ihr alle seid herzlich eingeladen, mich mit Prompts zu bombardieren, die ich dann (eventuell) schreiben werde. (Bitte gebt mir keine Pairings. Es wird AkaMibu (bzw MibuAka) in dieser Sammlung geben, aber sonst shippe ich mit Reo nicht wirklich irgendwas.)

Diese Story ist seit drei Monaten die erste, die ich schreiben konnte, ohne nach drei Sätzen heulend aufzugeben (Das ist wahr. 'Prinzessin' von vorgestern ist eigentlich von Anfang Januar.) und ich dachte nur so: GO F*CK YOURSELF, SCHREIBBLOCKADE! BWAHAHAHA! :D
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Er hatte Akashi noch nie zuvor puzzeln sehen. Normalerweise spielte er Shōgi oder Go, meistens allein, manchmal am Computer gegen Gegner aus aller Welt. Nur einmal hat Reo selbst gegen ihn gespielt – aber Akashi im Shōgi zu besiegen stellte sich als ebenso unmöglich heraus, wie ihn im Basketball zu besiegen. Er spielte, ohne eine Miene zu verziehen, ohne Regung auf seinem Gesicht, aber mit einem unheimlichen Ausdruck in den Augen. Reo hatte eigentlich nicht verloren – er hatte irgendwann aufgegeben, und Akashi hatte das Spiel alleine beendet. Und gewonnen.
Heute spielte er weder Shōgi noch Go. Heute saß er auf dem Fußboden seines Wohnheimzimmers ihrer Schule und steckte langsam und geduldig ein Teil an das andere. Reo lag rücklings auf seinem Bett und blätterte in einer Zeitschrift – aber in Wahrheit beobachtete er Akashis Treiben aus dem Augenwinkel heraus.
Er wusste nicht einmal, was genau er hier eigentlich machte. Akashi hatte ihn nicht direkt eingeladen, er hatte ihn nicht einmal hierher gebeten – er hatte auf seine eigene, sehr höfliche Art und Weise vorgeschlagen, dass Reo ihn begleiten könnte, aber sein Unterton war befehlend gewesen und Reo widersetzte sich niemals einer von Akashis Anweisungen. Er mochte Akashi viel zu sehr, um ihn verärgern zu wollen.
Er blätterte alibimäßig auf die nächste Seite seiner Zeitschrift, ohne die vorherige gelesen zu haben.
2000 Teile stand auf dem Deckel von Akashis Puzzle. In der Packung herrschte ein heilloses Durcheinander, aber Akashi fand irgendwie immer ein Teil, das er irgendwo ansetzen konnte und auf diese Weise hatte er sicherlich bereits ein Drittel der 2000 Teile aneinander gepuzzelt. Sein Gesicht war dabei reglos wie immer und in seinen Augen lag dieser konzentrierte und seltsam unheimliche Blick, wie immer, wenn er dabei war, etwas zu gewinnen.
Konnte man ein Puzzle überhaupt gewinnen?
Akashi, der grundsätzlich alles gewann, konnte das sicherlich.
Reo blätterte die Zeitschrift um. Es war die Zunon Boy, wurde ihm plötzlich bewusst, weil er von einem seitengroß gedruckten Kise Ryōta angeschaut wurde. Er drehte die Zeitschrift so, dass Akashi sie sehen konnte.
„Sieh mal, Sei-chan. Ist das nicht Kise?“
Akashi sah kurz auf und nickte dann zustimmend, ehe er sich wieder seinem Puzzle widmete. Reo seufzte leise und drehte die Zeitschrift wieder zu sich. Kise Ryōta war ein schöner Mann, wirklich… Aber die Zunon Boy war voll von schönen Männern und meistens blätterte Reo nur lustlos durch die Seiten, ohne sie anzusehen. Deshalb überschlug er auch Kise Ryōta, auch wenn sein Anblick ihn auf einen Gedanken gebracht hatte.
„Ich würde sie gerne kennenlernen“, sagte er langsam.
„Wen?“, fragte Akashi, während er ohne aufzusehen das nächste Teil suchte.
„Deine Freunde aus der Mittelschule“, antwortete Reo und blätterte doch zurück zu Kise Ryōta. „Sie müssen wirklich interessante Menschen sein.“
„Das sind sie. Ich schätze sie sehr.“
Reo war klug genug, nicht zu sagen, was er dachte. Nämlich, dass Teikōs Wunderkinder wichtige Menschen in Akashis Leben sein mussten; was sicherlich der Wahrheit entsprach. Akashi würde es vermutlich nicht mal abstreiten, aber Reo hatte ein Gespür dafür entwickelt, welche Dinge er einfach nicht sagen durfte. Akashi war ein komplizierter Gesprächspartner – eigentlich war er ganz allgemein eine komplizierte Person – aber seit Reo wusste, wann er sich zurückhalten musste, schätzte er ihre Gespräche auch sehr.
Er schätzte auch seinen Sei-chan als Person sehr. Deshalb wollte er ihn nicht verärgern.
Eine Freundschaft zu Akashi zu knüpfen – eine wirkliche Freundschaft, die diese oberflächliche Höflichkeit, die Akashi grundsätzlich im Umgang zeigte, überstieg – war schwierig. Reo war sich bei Weitem nicht sicher, ob er es auch nur ansatzweise geschafft hatte, aber er war sicher auf einem guten Weg dorthin.
Er hatte selten eine Freundschaft so sehr begehrt wie diese; und er hatte selten eine Freundschaft aus so selbstlosen Gründen begehrt. Er selbst brauchte Akashi eigentlich nicht – was nicht bedeutete, dass er ihn nicht mochte, denn er hatte ihn wirklich sehr gern und bewunderte ihn zutiefst – aber er wurde das Gefühl nicht los, dass Akashi ihn brauchte. Nein, nicht ihn direkt. Auch sonst keine bestimmte Person, sondern einfach… irgendeinen Freund.
In Wahrheit war Reo hin und wieder zutiefst besorgt um Akashi.
Akashi war immer sehr kontrolliert und beherrscht und er hatte seinen klaren Ideale und Ziele, die er krampfhaft verfolgte. Er hatte das Talent, es so aussehen zu lassen, als würde ihm alles leicht fallen, aber eigentlich konnte es das nicht. Gewinnen, immer den Sieg davon tragen zu müssen, musste wie ein Zwang für ihn sein. Manchmal glaubte Reo deshalb, dass sein Leben irgendwann und irgendwie in diesen Zwang abgerutscht sein musste.
Vielleicht war er aber auch einfach nur so erzogen worden.
Reo konnte den Hintergrund für dieses Verhalten natürlich nicht einmal erahnen und Akashi danach fragen konnte er noch viel weniger, wenn er ihre kostbare Freundschaft nicht ruinieren wollte und in diesem Sinne beschloss er für sich selbst, dass es ihn einfach nichts anging.
Er stellte es sich jedoch auch schrecklich einsam vor, immer der Beste in allem zu sein und aus diesem Grund hatte er sich vorgenommen, Akashi zumindest während ihrer gemeinsamen Schulzeit nicht allein zu lassen.
Er musste natürlich sehr vorsichtig sein, denn Akashi war vor allem ein sehr unnahbarer Mensch. Er war erhaben über allen anderen Personen, die Reo kannte, weil er einfach alles beherrschte und mit spielend aussehender Leichtigkeit immer und zu jeder Zeit alles mit Bravour meisterte. Reo hatte schon erkannt, dass er ihn nicht erreichen konnte; aber er konnte versuchen, in seine Nähe zu gelangen und dort zu bleiben.
Er konnte sich durchaus leichtere Dinge vorstellen. Schwierigere dafür nicht.
Der leichteste Weg zu Akashis Freundschaft führte vermutlich über Gehorsam und Höflichkeit, doch das bedeutete auch, dass Reo auf Gelegenheiten warten musste, um diese Eigenschaften auch zeigen zu können. So viel Zeit hatte er nicht wirklich und bei aller Liebe konnte er in dieser Hinsicht auch keine Rücksicht auf Akashi nehmen.
„Wie war es, mit ihnen Basketball zu spielen?“
Für einen Moment fürchtete er, sich zu weit aus dem Fenster gelehnt zu haben; und er wartete darauf, dass Akashi ihm deutlich machte, nicht so viele Fragen zu stellen. Zu seinem Erstaunen tat Akashi das aber nicht, sondern antwortete mit einem schlichten: „Angenehm. Sie sind gute Spieler.“
Angenehm.
Nun, das war immerhin besser, als gar keine Antwort zu bekommen.
„Nur angenehm?“, fragte er trotzdem. „Ihr habt durchgängig gewonnen, das muss doch auch irgendwas wert gewesen sein – oder nicht?“
„Gewinnen ist seine Selbstverständlichkeit, Reo.“
Hin und wieder konnte Reo das Gefühl nicht abschütteln, dass Akashi einfach nur ein sturer Bock war, der grundsätzlich nur das tat, was ihm selbst Spaß machte, oder Dinge, aus denen er einen persönlichen Vorteil ziehen konnte. Aus diesem Gespräch konnte er keinen Vorteil ziehen, aber davon kommen lassen wollte Reo ihn trotzdem nicht. Dass er immer sehr rücksichtsvoll im Umgang mit seinen Teamkollegen war, bedeutete nicht, dass er seinen eigenen Willen nicht durchsetzen konnte.
Eigentlich war er derjenige von ihnen, der ein sturer Bock war.
„Wenn man immer nur gewinnt, wird es natürlich irgendwann zu einer Selbstverständlichkeit.“ Eine unumstößliche Tatsache, natürlich, daran konnte auch er nicht rütteln. Sich stetig wiederholende Dinge wurden irgendwann selbstverständlich, auch wenn es im Zusammenhang mit Siegen vermutlich furchtbar arrogant klang, so etwas zu sagen. „Aber auch Selbstverständlichkeiten müssen doch eine gewisse Bedeutung haben.“
„Du verstehst mich falsch“, korrigierte Akashi viel zu ruhig. „Zu gewinnen ist nicht zu einer Selbstverständlichkeit geworden, es war schon immer eine. Ein Sieg ist nichts, wonach es mich wirklich verlangen würde oder wonach ich suche; er ist etwas, das ich bekomme.  So, wie du nicht darüber nachdenkst, ob du atmest, denke ich nicht darüber nach, ob ich gewinne – ich tue es einfach. So, wie du einfach atmest.“
„Also macht es dir überhaupt keine Freunde?“, fragte Reo stirnrunzelnd.
„Macht das Atmen dir Freude? Es ist verschwendete Zeit, sich über etwas zu freuen, das keine Besonderheiten darstellt. Solange ich lebe ist es ausgeschlossen, etwas nicht zu gewinnen.“
„Genauso, wie du atmen wirst, solange du lebst.“
Akashi nickte lediglich einmal und fokussierte seine gesamte Aufmerksamkeit wieder auf sein inzwischen fast fertiges Puzzle; und Reo zog es vor, schweigend darüber nachzudenken, was er soeben gehört hatte.
Es war ja keineswegs so, dass er etwas in diese Richtung nicht bereits geahnt hatte, als er Akashi und sein Team aus Wunderkindern während der Mittelschule zum ersten Mal in einem Match gesehen hatte. Akashi hatte etwas an sich, das ihn zu einem Gewinner machte; ein Gefühl der Minderwertigkeit, das jene ergriff, die sich mit ihm in einem Raum aufhielten.
Aber dass ein Sieg für Akashi eine solche Belanglosigkeit, eine solche Normalität darstellte, überraschte ihn dennoch.
Er schlug die Zeitschrift wieder auf. Der seitengroße Kise Ryōta, modisch und stilvoll gekleidet, lächelte ihn unheimlich selbstbewusst an. Was für Menschen mochten diese Wunderkinder sein? Sie interessierten Reo.
Er meinte damit keine Oberflächlichkeit. Ihn interessierten nicht die hohen Töne, in denen die Basketball Monthly sie gelobt hatte und auch nicht die endlose Siegessträhne, die sie während der Mittelschule gehabt hatten – ihn interessierten die Menschen dahinter. Ihn interessierte vor allem, wie Menschen sich veränderten, wenn sie das Gefühl einer Niederlage nicht mehr kannten.
Nicht, dass Reo besonders viele Niederlagen hätte einstecken müssen – der große Unterschied zwischen ihm und Teikōs Wunderkindern war aber, dass er nicht grundsätzlich gewonnen hatte.
Doch jetzt spielten Teikōs Wunderkinder auf fünf verschiedenen Schulen und am Ende konnten sie nicht alle gewinnen.
Reo machte sich um die kommende Inter High trotzdem keine Sorgen. Nicht, solange Akashi Teil seines Teams war.
Die Sorge darüber, wie einsam das Podest des ewigen Siegers sein musste, konnte er trotzdem nicht abschütteln.
„Sei-chan.“ Akashi setzte stoisch die letzten drei Teile in sein Puzzle, ohne zu reagieren. „Ich sollte mich auf den Heimweg machen.“
Ein zustimmendes Geräusch. Akashis Blick glitt prüfend über das vollständige Puzzle, ehe er sich von Fußboden erhob und die Hose seiner Schuluniform glatt strich.
„Ich werde dich begleiten.“
Reo konnte ein Lächeln nicht unterdrücken.