Ich müsste mal für kleine Jungs …

von NamYensa
KurzgeschichteDrama, Humor / P12
Draco Malfoy OC (Own Character)
03.04.2014
09.04.2014
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Ich hoffe, ihr habt Sinn für Humor und ein mitfühlendes Herz, denn beides braucht ihr beim Lesen. Wem Menschliches peinlich ist: Finger weg. Alle anderen dürfen mit Draco mitschwitzen, ihm tröstend den Kopf tätscheln und bis zum Ende mitbangen.

Bitte bis zum Schluss lesen, das ist wichtig! Es könnte ja sein, dass das Ende des Dilemmas überraschend anders ist als erwartet ... ;)

Coverbild: Für kleine Jungs
Fotograf: mickffm, "Stones" (von mir bearbeitet)
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Quelle: www.piqs.de


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Wenn ich geahnt hätte, was mich heute erwartete, wäre ich wahrscheinlich im Bett geblieben. Nicht einmal meinem ärgsten Feind möchte ich wünschen, das zu erleben, was ich heute erlebt habe – naja, von Potter oder Weasley vielleicht mal abgesehen.  

Dabei fing der Tag völlig unspektakulär an. Unschuldig lag das kleine Stück Pergament mit unserer heutigen Aufgabe morgens auf dem Tisch: 'Legen Sie einen umfassenden magischen Schutz über Ihre Insel'. Das klang zwar nicht nach Abenteuer und Nervenkitzel, dafür nach netter kleiner Aufgabe mit anschließendem freien Nachmittag und Faulenzen am Strand. Passte also. Außerdem laufe ich ja gern, und der bevorstehende Inselrundgang kam dieser Neigung sehr entgegen. Dass letztlich auch der Nervenkitzel nicht zu kurz kam, konnte ich zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht wissen.

Um mit der Aufgabe früh fertig zu werden, machten Yuna und ich uns also gleich nach dem Morgenkaffee auf den Weg. Das Wort 'Frühstück' vermeide ich, denn von dem pappigen Weißbrot hatte ich inzwischen die Nase voll und verzichtete daher darauf, etwas zu mir zu nehmen.

Die Luft über dem Meer wirkte heute seltsam diesig, die Insel war wie in Nebel eingehüllt. Nach dem sonnigen Wetter der ersten Tage war das wirklich auffallend. Aber vermutlich hatte das mit unserer Aufgabe zu tun. Sicher hatte die Projektleitung da irgendwas dran gedreht, irgendwelche besonderen Grundlagen geschaffen oder so, um es uns nicht zu einfach zu machen.

Nach etwa zwei Stunden hatten wir die halbe Insel umrundet und auch die Hälfte der Schutzzauber erledigt. Bis hierhin also alles paletti. Aber dann … Keine Ahnung, ob es das ständige Plätschern der kleinen Wellen war, die an den Strand spülten, oder der viele Kaffee am Morgen oder beides – jedenfalls machte sich ein leichter Druck auf meiner Blase bemerkbar. Das war ausgesprochen unschön, und dafür gab es verschiedene Gründe. Zum einen hatte ich nämlich keinen Bock, mich in die Büsche zu schlagen; ich hätte viel zu weit ins Unterholz reingehen müssen, um ungestört und unbeobachtet zu sein. Ja, ich bin in dieser Hinsicht etwas eigen, aber ich kann nun mal nicht, wenn mir jemand zusieht. Und ein Mädel will ich natürlich erst recht nicht in der Nähe haben. Dazu kam, dass ich nicht wusste, was in diesem Dickicht alles lauerte. Zuallererst fielen mir da die Stechmücken ein; wer weiß, was die mir alles zerstochen hätten … nein danke. Und die Vorstellung, dass ein plötzlich auftauchender Epehju mich dabei überraschte, wie ich gerade … das wäre sogar der Super-GAU.

Der Hauptgrund aber, warum ich den unausweichlichen Gang so hinauszögerte, war einfach der, dass ich mir keine Blöße geben wollte. Yuna zeigte schließlich auch keinerlei Anzeichen. Und wenn sie das durchhalten konnte, dann ich erst recht. Schließlich bin ich ein Malfoy, und ein Malfoy zeigt keine Schwäche. Außerdem war ich ja nicht ganz untrainiert, denn während eines Quidditch-Matchs kann man auch nicht einfach mal so zwischendurch vom Besen hüpfen und aufs Klo verschwinden. Also sollte es doch kein Problem sein, mich bis zur Rückkehr in unsere Hütte zu beherrschen. So weit die Theorie.

Nach einer weiteren Viertelstunde war ich allerdings so weit, dass ich schon an nichts anderes mehr denken konnte und mir eingestehen musste, dass aus dem Aufschub nichts wurde. Selbst wenn wir uns beeilten und einen Zahn zulegten, hatten wir bis zur Hütte noch mindestens anderthalb Stunden Fußweg vor uns, und das würde ich nicht durchhalten. Inzwischen konnte ich nicht einmal mehr mit locker ausgreifenden Schritten laufen, sondern bewegte mich ein wenig steifbeinig voran. Yuna war das wohl aufgefallen, aber ich sagte ihr, ich würde nur ihr zuliebe etwas langsamer machen, damit sie mir nicht so hinterherhecheln müsse. Absolut plausibel, oder? Als wir nun also das nördliche Ende der Insel erreichten und die dort am Ufer stehende Felsengruppe in Sicht kam, beschloss ich, meinen Stolz über Bord zu werfen und mich den Zwängen der Natur zu unterwerfen.

"Ähm …", druckste ich, und Yuna sah mich an, mit so einem angedeuteten Grinsen … Vielleicht ahnte sie schon den Grund für meine leichte Nervosität. Und da ich sowieso nicht darum herumkam, war die Wahrheit wohl am unkompliziertesten.

"Ich müsste mal eben für kleine Jungs", quälte ich mir also notgedrungen heraus.

"Na, dann geh doch", sagte sie locker und machte eine so ausladende Armbewegung, als stünde mir die ganze Welt offen. "Du hast die freie Wahl – Sträucher, Kakteen, Palmen …"

Ja, das war schon richtig. Aber aus bereits genannten Gründen – die ich Yuna allerdings verschwieg – entschied ich mich natürlich gegen die Vegetation und stattdessen für die Felsengruppe, die auf einer Seite ins Meer hineinragte. Wasser zu Wasser, das passte doch …

"Aber nicht gucken!", ermahnte ich sie im Weggehen noch, ehe ich aus ihrem Blickfeld verschwand. Und sie lachte mir hinterher.

"Ich werde mich zurückhalten – auch wenn es schwerfällt!", war ihr trockener Kommentar. Sinn für Humor hatte sie ja, und ich musste  ebenfalls lachen – zu diesem Zeitpunkt konnte ich das ja noch.

Wie ich bei Erreichen der anderen Seite der Felsengruppe feststellen durfte, hatte ich instinktsicher ein nettes und lauschiges Plätzchen erwischt. Durch die übermannshohen Felsen war es für meine Zwecke wie geschaffen und vor allem windgeschützt – was ja nicht ganz unwichtig ist. Im Felsgestein vor mir entdeckte ich zudem ein interessantes spiralförmiges Muster aus kleinen, weißen Kalkeinlagerungen, und sofort beschloss ich, es gleich nachzuzeichnen. Schließlich soll auch bei notdürftigen Verrichtungen der Spaß nicht zu kurz kommen. Außerdem trainieren solche Übungen die Treffsicherheit. Ein deutlicher Vorteil, den wir Männer gegenüber Frauen haben. Jedenfalls ist mir noch keine Frau begegnet, die ein Muster an die Wand pinkeln konnte. Allerdings habe ich auch noch nie eine nach dieser Fähigkeit gefragt. Nicht, weil ich mich nicht getraut hätte, nein, es ergab sich einfach nie.

Ich stellte mich also lässig in Positur, und in froher Erwartung der gleich folgenden Erleichterung entspannte ich mich und ließ schon ein wenig locker. Bei einem Vorlauf von 25 Zentimetern – so lang etwa ist die männliche Harnröhre – ist das normalerweise kein Problem. Bis die ersten Tropfen diese Distanz zurückgelegt und ihren Weg von der Blase nach außen gefunden haben, ist die Hose längst offen und alles in Position gebracht. Wie gesagt – normalerweise.

Nun ergab sich bei mir aber ein kleines Problem. Der Zipper am Reißverschluss war etwas schwergängig und wollte nicht so recht rutschen, er ließ sich nur ein paar Millimeter bewegen und blieb dann stecken. Auf diese unerwartete Verzögerung waren weder ich noch mein bester Freund eingestellt, und noch ehe ich es verhindern konnte, hatten die ersten Tropfen besagte Distanz überwunden und landeten nicht wie geplant an der Felswand, sondern in meiner Büx. Mist. Entspannen und Lockerlassen war jetzt natürlich nicht mehr ratsam, im Gegenteil, ich kniff alles zusammen, was zusammenkneifbar war, um zumindest weitere Tropfen daran zu hindern, ihren vorausgeeilten Kollegen zu folgen.

Na gut, Draco, jetzt nur nicht nervös werden. Tief durchatmen und neuer Versuch.

Doch der scheiterte ebenso wie der erste. Ich ruckelte und zuckelte an dem blöden Zipper, aber er blieb hartnäckig an Ort und Stelle. Daran änderte auch meine unflätigste Flucherei nichts.

Durch die wenigen Tropfen, die mir entwischt waren, muss meine Blase allerdings Morgenluft gewittert haben. Sie hielt wohl den Zeitpunkt für gekommen, nun endlich alles loszuwerden. Das jedenfalls machte sie mir mit zunehmender Vehemenz und steigendem Druck deutlich. Um sie daran zu hindern, ihren Willen durchzusetzen, blieb mir letztlich nichts anderes übrig, als mir in den Schritt zu greifen, um das Hauptrohr abzuklemmen, während ich mit der freien Hand weiter versuchte, den Zipper zur Kooperation zu überreden.

Als der sich weiterhin weigerte, entschied ich mich für den Einsatz meines Zauberstabes. Für derartig Profanes hatte ich ihn noch nie gebraucht, aber irgendwann ist immer das erste Mal, und schließlich muss ja niemand davon erfahren. Meine Hand tastete also achtern nach der rechten Gesäßtasche, denn dort steckt mein Zauberstab immer. Immer. Nur diesmal nicht. Also gut, vielleicht hatte ich ihn vorhin falsch weggesteckt. Dann eben links. Aber da war auch nichts. Ich tastete noch einmal, zweimal, rechts, links – nichts. Wo zum Teufel war das Ding? Ich hatte es doch nicht etwa verloren?

Yuna musste sich inzwischen wohl gefragt haben, wieso ich so lange brauchte. Vielleicht machte sie sich sogar ernsthafte Sorgen, weil ich nicht wieder auftauchte. Am wahrscheinlichsten war wohl, dass sie mich fluchen gehört hatte.

"Alles okay da drüben?", hörte ich sie rufen. "Oder gibt es ein Problem?"

Ein Problem? Was für ein Problem denn? Nein, Miss Bennett, hier ist alles in Butter.

Aber auch meine Ironie brachte den Zipper nicht zur Kapitulation, und letztlich musste ich mir eingestehen, dass ich ohne eine helfende Hand nicht weiterkam. Ich weiß nicht, ob sich irgendjemand vorstellen kann, wie viel Überwindung mich das kostete.

"Also, mir ist das wirklich fatal", rief ich schließlich zu ihr hinüber, "aber ich glaube, ich brauche deine Hilfe."

Auch wenn ich es nicht sehen konnte – ich war sicher, dass Yuna sich drüben zunächst auf dem Boden kugelte. Ich nahm ihr das nicht übel, es wäre mir ja genauso gegangen. Ebenso sicher war ich aber auch, dass aus meinen Worten die Dringlichkeit meines Anliegens herauszuhören war, und deshalb hatte ich eigentlich erwartet, dass Miss Hilfsbereite Gryffindor nach Abklingen ihres Lachflashs in Nullkommanichts bei mir sein würde. Aber nein …

"Soll ich denn rüberkommen?", hörte ich sie rufen.

Nö, wozu? Vielleicht klappt's ja auch von da drüben. Herrje, war das denn zu fassen? So konnte auch bloß eine Gryffindor fragen. Was soll denn die blöde Frage?, hatte ich schon auf der Zunge, aber diese Worte verließen meinen Mund nicht, schließlich brauchte ich Yuna.

"Ja, bitte", rief ich stattdessen zurück. "Und wenn du vielleicht heute noch kommen könntest, wäre das wirklich schön."

Das hatte sicher nicht sehr freundlich, sondern eher genervt geklungen, aber zu meiner Entlastung muss ich sagen, dass ich zu diesem Zeitpunkt schon ein wenig unentspannt war. Wer schon einmal in dieser Situation war, wird mir nachsehen, dass es mit meiner Freundlichkeit und Geduld nicht mehr allzu weit her war.

Gefühlte sechs bis acht Stunden später stand sie dann endlich vor mir. Sicher war meine Hand, die zwischen meinen Beinen klemmte, ein unmissverständliches Indiz für mein Problem. Aber nach ihrer dämlichen Frage wenige Minuten zuvor hielt ich es für angeraten, ihr die Schwierigkeiten, in denen ich steckte, noch einmal deutlich und auch für eine Gryffindor verständlich aufzuzeigen.

"Dieses verdammte Ding klemmt", erklärte ich ihr also und hoffte, dass sie wenigstens nicht missverstand, welches Ding ich meinte, "und mit einer Hand kriege ich es nicht auf. Aber inzwischen … pressiert es ein bisschen."

Ein bisschen – haha. Selten so gelacht. Dabei war mir überhaupt  nicht zum Lachen, und dass 'ein bisschen' reichlich untertrieben war, behielt ich lieber für mich. Gleichzeitig hoffte ich, dass ich auch alles andere noch eine Weile für mich – oder, besser gesagt, in mir – behalten konnte.

Aber Yuna stand zunächst einfach nur herum. Einfach so. Ganz lässig, mit hängenden Armen, stand sie da. Wie ich sie beneidete! Sie stand also da herum und war offenbar völlig ohne Plan, was zu tun sei. Bei allen Magiern, da war ja sogar Pansy mehr auf Zack!