Terranigma - Das vergessene Schicksal

GeschichteDrama, Fantasy / P12
Ark (Unterwelt) Fluffy (Unterwelt) Mei-Lin
03.04.2014
03.12.2015
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Die in dieser Geschichte verwendeten Figuren gehören der Firma Enix (heute SquareEnix)
Ich nutze die Figuren nur, weil ich Fan des Fandoms "Terranigma" bin und mit ihnen eine Geschichte erzählen möchte. Geld mache ich damit nicht, ich will nur Spaß haben ^^

Kapitel 1
Eine kleine Seele

Als die Welt geboren wurde, waren Wachstum und Verfall Eins.
Doch mit der Zeit entwickelten sich die Gesichter von Licht und Schatten in unterschiedliche Richtungen. Somit geriet das Gleichgewicht zwischen Leben und Tod völlig aus den Fugen und zerriss die junge Welt die sich beide Seiten einst ersonnen hatten.
Die Hoffnung fand in den Trümmern der Welt nur eine Seele, welche sie behutsam in einem Turm verwahrte.
Nur diese kleine Seele könnte der Welt neues Leben schenken. Doch zuvor müssten Licht und Schatten im Einklang ihr neues Leben geben…

Viele Äonen waren seit dem Untergang der Welt verstrichen und der Herr der Unterwelt, Ragnarök, hatte sich in all der Zeit Pläne für eine neue Welt gemacht.
Das Einzige was ihn daran hindert diese Pläne in die Tat umzusetzen war jene kleine Seele, die die Hoffnung in einem Turm versiegelt hat. Wie nur vermochte er sie dort heraus zu holen?
„Fluffy erscheine!“ dröhnt Ragnaröks Stimme ungeduldig durch die Stille der Zeit.
Stumm materialisiert sich in der Leere des Raums ein rosanes rundes Etwas. Sein Körper ist nur eine runde Kugel mit zwei großen dunklen Augen. Ein paar Flügel, die Ähnlichkeit mit Fischflossen haben, mühen sich, so schnell wie bei einem Kolibri, ab, den Körper in der Schwebe zu halten. Über seinen Augen ragen noch zwei buschige dunkelrosane Fühler aus der Stirn.
„Ihr habt mich gerufen, Meister!“ säuselt es und verneigt sich.
„Mir steht der Sinn danach eine neue Welt zu gestalten. Doch bevor ich dies tun kann, muss ich die versiegelte Seele aus dem Turm der Hoffnung befreien“ erklärt Ragnarök die Dinge, die ihnen Beiden schon längst klar sind, mit einem Tonfall der vernehmen lässt, das der Herr der Unterwelt nach so langer Zeit endlich eine Idee hat, wie er sich jenes lästige Problem vom Hals schaffen kann.
„Gewiss Herr! Und ist es mir vergönnt euch dabei helfen zu können?“ erfragt Fluffy die weiteren Worte seines Herren, als dieser nicht weiter spricht.
„Gewiss!“ läutet Ragnarök seine nächsten Worte, unterstrichen mit einer entsprechenden Geste, ein.
„Ich möchte, dass du zum Ragnarastein gehst und dort eine Seele holst, welche beim Verfall der Welt nicht beschädigt wurde. Dieser Seele gibst Du dann eine Form. Mit dieser prüfungsfähigen Form gehst Du dann zum Turm der Hoffnung, wo Ihr beide die Seele das Lebens befreit!“
Fluffy lief ein eisiger Schauer über seinen Rücken.
Ragnaröks Worte sprach er zwar in einem bittenden Tonfall, aber sie waren ein Befehl! Und wehe dem armen Thor, der es wagte auch nur eine dieser Anweisungen fehlerhaft umzusetzen.
„Sehr wohl Herr! Ich werde mich sofort an die Arbeit begeben!“ sprach es und verschwand, so wie es gekommen war.

Wenige Augenblicke später befand sich Fluffy an jenem Ort den man den Ragnarastein, oder auch „Die Sonne der Unterwelt“, nannte.
Der Ragnarastein sah aus wie eine gigantische endlose Wirbelsäule, welche sich in einer endlosen Leere, umringt von zahllosen Seelen, befindet. Ein lebendes Wesen würde an diesem Ort nur ein grauenhaftes Dröhnen wahr nehmen, welches dessen Verstand innerhalb von Sekunden zerstören würde. Für Fluffy klang das Wehklagen der Seelen wie ein unheimlicher Singsang.
Seine Aufgabe war es nun eine Seele zu finden, die nicht klagte.
Bei allem Respekt seinem Herrn gegenüber, aber wie sollte er das anstellen?
Unaufhörlich bewegten sich die ruhelosen Seelen und befehlen konnte er den vergangenen Leben sicher auch nichts.
Er seufzte, schloss die Augen und lauschte dem Singsang, in der unwahrscheinlichen Hoffnung irgendwo eine Unterbrechung zu hören.
Es klagte und klagte und klagte und… summte?
Fluffy war so überrascht, dass er blinzelnd die Augen öffnete und sich verwirrt umsah.
Wo summte hier bitte etwas eine Melodie vor sich hin? Zwar eine traurige Melodie, aber alleine die Tatsache, dass es die Kraft hatte die Trauer in ein Lied zu kleiden zeugte von Hoffnung.
Nach einigen Augenblicken wurde Fluffy klar, dass sich die gesuchte Seele nicht bewegte, da sich die Richtung nicht änderte, aus der die Melodie kam.
Sein Blick mustert sorgfältig die steinerne Wirbelsäule vor sich.
Und tatsächlich!
Ein gutes Stück vor Fluffy befand sich eine reglose Seele auf einem der Wirbelglieder.
Eilig flog er zu ihr, wobei er aber acht gab in keine der anderen Seelen hinein zu rasen, nicht auszudenken welches Unheil über ihn kommen würde, wenn er eine Seele berühren würde.
Wenige Augenblicke später hatte er die summende Seele erreicht. Nun stand er vor dem Problem, dass er sie irgendwie mit sich nehmen musste.
Auf keinen Fall konnte er sie mit seinen Flügeln berühren, sie würde an der festen Materie zerbrechen. Am sichersten könnte er sie transportieren, wenn er sie in den Mund nimmt. Da sich eine lebende Seele in einem Körper befindet, würde sie seine innere Wärme wie ein sanfter Schutzschild umschließen und sie vor äußeren Einflüssen schützen. Allerdings wäre  es mehr als fatal, wenn ihn jemand während des Transportes erschrecken würde und er dadurch die Seele verschlucken würde. In diesem Fall hätte sein Körper dann zwei Seelen. Um das Malör wieder rückgängig machen zu können, müsste man seinen Körper zerstören und seiner Seele eine neue Form geben. Abgesehen davon würde das brutale Ableben die gefundene Seele unbrauchbar machen.
Fluffy starrt die Seele eine scheinbare Ewigkeit nachdenklich an, bevor er vorsichtig näher kommt und sie mit einem leichten Sog an seinen Lippen befestigt. Ein Teil ihrer gasartigen Materie wabert dabei in seinen Mund.
Vorsichtig, ohne das er oder die Seele eine der anderen klagenden Seelen berühren entfernt er sich vom Ragnarastein.
Schweiß sammelt sich auf seiner Stirn.
Zum einen möchte er diese Unheil bergende Last so schnell wie möglich los werden, zum anderen darf er sich nicht zu schnell bewegen, sonst könnte sie gegen ihn prallen und zerbersten. Ganz davon abgesehen, dass er womöglich den Teil in seinem Mund verschlucken würde und wenn es etwas schlimmeres gab als eine fremde Seele zu schlucken, so war es einen unvollkommenen Teil einer Seele zu schlucken.
Während man bei zwei Seelen zwei deutliche Stimmen und überschneidende Bilder im Kopf hat, so ist es beim Verschlucken einer zerbrochenen Seele eine Art „Geist“ im Kopf. Das was man sieht ist ständig zum Teil verschwommen, man hört zum Teil nur bruchstückhafte Sätze. Es kann passieren, dass man „Filmrisse“ bekommt oder das Seelenstück zeitweise den Körper kontrolliert.
Fluffy wischt sich hastig den Schweiß weg. Würde auch nur ein Tropfen sie berühren würde sie vergehen.
Das düstere Ursprungswesen hatte schon seit Äonen von Jahren mit Seelen zu tun, aber dennoch konnte er nicht sagen, dass es zur Routine geworden war, denn so wie jedes Wesen einzigartig ist, so einzigartig ist die Behandlung einer jeden Seele.
Natürlich gab es Regeln an denen man sich orientieren konnte, aber dennoch würden sie nie für alle Seelen zutreffen…

Es waren gefühlte und wohl auch tatsächliche Stunden vergangen, als Fluffy endlich sein Ziel, den „Kesselraum“ erreicht hat. Eine andere Bezeichnung für den Kesselraum war „Die Werkstatt des Lebens“.  
Seine Namen gründeten daraus, dass zum einen ein riesiger brodelnder Kessel etwa zwei Drittel des Raumes einnahm und zum anderen, dass die „Suppe“ in dem Kessel sowie im Raum verteilter Ton dazu dienten Lebewesen eine Form und somit neues Leben zu geben.
Erschöpft „legt“ Fluffy die leicht schwebende Seele in eine porzellan Schüssel, dann „setzt“ er sich erst einmal für einen Moment hin.
Den ersten Teil seiner Aufgabe hat er mit Erreichen des Kesselraums erfolgreich abgeschlossen. Sofern er die Seele hier nicht mit Gewalt auf den Boden werfen würde, würde ihr hier nichts geschehen.
Seinen „seelenreinen“ Mund genießend leckt sich Fluffy über die Lippen. Er war sich sicher, wenn er sie nur ein paar Sekunden länger hätte tragen müssen würde er jetzt auf Ewig das Maul eines Karpfens haben.
Wie auch immer, was war nun als nächstes zu tun?
Die Seele brauchte eine feste Form!
Während sich Fluffy noch einmal die Worte seines Herrn durch den Kopf gehen ließ, ließ er seinen Blick gedankenverloren durch den Raum schweifen. Seine Gedanken begannen sich zu klären und er ließ den Blick noch einmal durch den Raum schweifen.
Irgendetwas stimmte hier nicht, irgendetwas fehlte.
„Oh nein! Scheiße!“ bemerkt Fluffy entsetzt, als er feststellt was fehlt.
Als die Welt einst geboren wurde hatte Gaia aus Ton Diener geformt deren Aufgabe es war das Wachstum und den Verfall der Körper, sowie den Erhalt der Form einer Seele zu verwalten.
An jenem Tag, als die Welt zerfallen war und die Aufgabe der Diener ein jähes Ende fand, zerschmetterte Ragnarök die Tonfiguren voll Wut.
Das bedeutete, dass sein Herr nicht gelogen hatte, als er meinte dass Er,  Fluffy selber, der Seele eine Form geben solle.
Entsetzt starrt Fluffy mit weit aufgerissenen Augen und offenem Mund einen Haufen Ton an.
Wie bitteschön sollte er einen Körper formen? Ganz davon ab, dass er keine Finger hat.
Andererseits hatte er einen Befehl zu befolgen.
Mit grimmiger Miene nimmt sich Fluffy eine Schüssel und füllt sie mühsam mit Ton. Während er mit seinem linken Flügel in der Schwebe bleibt, schaufelt er mit dem rechten Flügel den herumliegenden Ton Stück für Stück in die Schüssel und trägt ihn nach und nach zu einer Stelle am Boden neben dem Tisch auf dem die Porzellanschüssel mit der Seele steht.
Nachdem Fluffy diese Prozedur einige Dutzend Male wiederholt hat, versucht er aus dem angesammelten Tonhaufen etwas zu formen.
Wie von ihm erwartet kann er mit seinen „Flossen“ keine guten Formen zaubern. Alles sieht ziemlich grob und globig aus.
Als er nach einer Ewigkeit fast fertig und von Oben bis Unten mit Ton bekleistert ist, fällt der Tonfigur der Kopf mit dem unförmig breitem Gesicht herunter.
Fluffy starrt, seine Wut unterdrückend, auf die zermatschte Kugel hinab.
Dann mustert er den restlichen plumpen Körper. Er begriff nicht viel von dem, was auf der Lichtseite richtig und wichtig war, aber er wusste, dass so ein kleiner fetter grimmiger Zwerg ganz sicher nicht der Schlüssel zum Inneren das Turms der Hoffnung war.
Fluffy sah sich im Raum um, um sicher zu gehen, dass er wirklich ganz alleine war.
Seine Aufgabe lautete zwar der Seele selber eine Form zu geben, aber was der Herr nicht wusste würde ihn auch nicht stören.
Als sich Fluffy lange und gründlich genug davon überzeugt hat, dass niemand kommt, fliegt er zurück zu der in der Schüssel ruhenden Seele.
Vorsichtshalber wirft er noch einmal einen prüfenden Blick in die Runde um sicher zu gehen, dass auch wirklich niemand kommt. Nicht auszudenken was ihm blüht, wenn heraus kommt, dass er einen Befehl des Herrn der Unterwelt missachtet hat.
Dann nimmt er die Seele noch einmal in den Mund und fliegt mit ihr über den Kessel in dem die Ursuppe brodelt.
Ein lebendes Wesen würde sich bei ihrem Geruch, ebenso wenn er einen Blick in den Kessel werfen würde, unweigerlich übergeben. Und die Hoffnung zu haben, dass dieser Brechreiz irgendwann endet, würde sein Leben lang enttäuscht werden.
Fluffy zögerte einen Moment, schließlich hatte er noch nie seinem Meister widersprochen, allerdings war er sich sicher, dass er niemals in der Lage sein würde mit seinen Flügeln eine Form zu schaffen, welche ihm die Tore des Turm der Hoffnung öffnen würde.
Aber dann ließ er die summende Seele in die – für ihn – säuerlich riechende Ursuppe fallen.
Beim Hineinfallen der Seele in die Ursuppe sprudelt diese kurz auf,  so als hätte man Nudeln ins heiße Wasser geworfen.
Wie das Sprudeln nachlässt ist die Seele in der Suppe versunken und Fluffy sieht zu, wie einige kleine hautfarbene Fetzen in die Richtung schwimmen in der die Seele grade versunken ist.
Eine scheinbare Unendlichkeit später taucht ein hautfarbener Kegel aus den Tiefen der Suppe auf. Zu diesem Kegelfließen unaufhörlich kleine hautfarbene Fetzen hin, welche sich an ihn heften und ihm immer mehr Form geben.
Langsam aber sicher erkennt man Körper und Kopf. Es bilden sich Arme und Beine, sowie Hände und Füße. Nach einer Ewigkeit – in der Fluffy beinahe in die Ursuppe gefallen wäre, da er durch die leise sanfte Bewegung der Teilchen, die er beobachtet, langsam in den Schlaf gelullt wird und sich nur im letzten Moment halten kann – zeichnet sich nicht nur ein fertig geformter Körper ab, nein – auch das Gesicht und die Haare nehmen Form an.
Ein breites triumphierendes Grinsen macht sich in Fluffys Gesicht breit, als man letzten Endes die lieblichen Züge eines kleinen Mädchens erkennt.
Wenn das jetzt nicht ein eindeutiger „Schlüssel“ zum Turm der Hoffnung ist, so würde Fluffy die Welt nicht mehr verstehen, denn seiner Meinung nach müsste ein Kind ein Symbol des Lichts sein. Und wer würde schon ein kleines Mädchen abweisen?
Es war einfach perfekt!
Jetzt musste er nur noch…
Fluffy starrte das in der Ursuppe treibende Mädchen schweißgebadet und fassungslos an.
Als er die Seele in die Ursuppe geworfen hatte, hatte er nicht bedacht, dass er den fertigen Körper da herausholen musste, nur wie? Verzweifelt sah er sich um.
Womit hatte man einst die Körper aus der Suppe gefischt?
Nirgendwo im Raum war etwas zu sehen, was ihm helfen könnte. Und hineinspringen und sie herausholen war auch keine Option, da fertige lebende Wesen nicht ohne Gefahr mit der Ursuppe in Berührung kommen durften, sonst würde die Form des Lebewesens auf unbekannte Art verändert werden und Fluffy hatte sicher keine Lust heraus zu finden wie diese „unbekannte Art“ aussah.
Was sollte er jetzt tun?
Würde seine Aufgabe jetzt doch an der „Formgebung“ der Seele scheitern?
Ganz davon abgesehen, dass sein Herr bei einem Fehlschlag erfahren würde, dass Fluffy nicht bis ins letzte Detail seinen Befehlen gefolgt war.
Dem Ursprungswesen lief ein eisiger Schauer über den Rücken bei dem Gedanken, was sein Herr ihm wohl in wenigen Stunden antun würde, als ihm plötzlich die Lösung ins Auge fiel…

Seitdem sie sich zurück erinnern kann war in der Ferne immer ein dröhnendes Geräusch gewesen, welches aus irgendwelchen Gründen nun nicht mehr da war.
Langsam aber sicher baut sich in der Ferne ein neues Geräusch auf, welches ihr genau so unbekannt ist, wie es ihr auch das alte war. Allerdings ist das neue Geräusch wesentlich beruhigender. Es ist sanft und gleichmäßig und wird durch eine leichte Bewegung noch unterstrichen.
… Eine Bewegung?
Sie wusste nicht viel, aber ihre Instinkte sagten ihr, dass sie normalerweise keine Bewegung spüren und schon gar nicht ausführen konnte. Und doch, würde sie in wenigen Augenblicken beides und noch viel mehr können, dass spürte sie.
Was war hier los?
Warum riss man sie auf ihrem endlosen friedlichen Traum?
Verwirrung, Unsicherheit und Angst erwachten in ihr. Sie wusste, dass es nicht in ihrer Macht lag, ob sie erwachen würde oder nicht. Es lag in der Macht anderer und die hatten wohl entschieden, dass es an der Zeit war zu erwachen.
Etwas widerwillig „folgte“ sie dem plätschernden und blubbernden Geräusch zu ihrem Bewusstsein und hin zum Leben.
Das erste was sie spürte war ein sehr starkes Kribbeln, welches über ihren ganzen Körper ging, so als würden Tausende von Ameisen über ihre Haut laufen.
Ihr lief ein Schauer über den Rücken und zu dem Plätschern und Blubbern, was wohl durch die Bewegung der Flüssigkeit, in der sie lag, verursacht wurde, kam jetzt noch ein fernes gleichmäßiges Ticken hinzu.
Ohne das sie wirklich begriff, dass die Bewegung von ihr kam, öffnete sie die Augen.
Sie sah etwas rundes verschwommenes über sich. Mahr als diese Information konnte ihr Verstand noch nicht erfassen.
Da sie sich sicher war ihren ganzen Körper spüren zu können, versuchte sie sich zu bewegen.
Ihr Körper gehorchte ihr nicht.
Sie versuchte es noch einmal und noch einmal. Wieder nichts!
Langsam geriet sie in Panik.
Warum gehorchte ihr Körper ihr einfach nicht?
Sie konzentrierte sich mit aller Kraft auf ihren rechten Arm.
Bitte! Es musste doch funktionieren!
Wozu hatte man sie sonst bis hierher geholt?
Das Mädchen war völlig verzweifelt.
Und plötzlich begann der Arm sich zu bewegen, zwar ganz langsam aber stetig. Er bewegte sich nach oben, hinaus aus der Flüssigkeit, hin zu der rosanen verschwommenen Kugel über ihr.

Fluffy vergeudet keine Zeit und schnellt wie ein Pfeil nach unten um das, aus der Ursuppe ragende, Handgelenk zu packen.
Eilig zieht er das Mädchen zum Rand des Kessels, wobei er ihr Handgelenk im Mund hat.
Am Kesselrand angekommen hievt er das zarte zerbrechliche Geschöpf vorsichtig über den Rand und setzt sie auf der anderen Seite behutsam auf den Boden. Dann prüft Fluffy, dass er ihr bei seiner hastigen Aktion nicht das Handgelenk gebrochen hat.
Alles in Ordnung!
Das Ursprungswesen atmet erleichtert auf. Jetzt braucht er das Mädchen nur noch zu nehmen und mit ihr zum Turm der Hoffnung zu gehen.
Zufrieden mustert er noch einmal das kleine zitternde Mädchen.
Fluffy fällt das Grinsen aus dem Gesicht.
Warum zittert es?
Er war sich nicht sicher ob sie seine Sprache bereits verstand, dennoch nähert er sich ihr und fragt: „Warum zitterst du denn?“
„Mir ist kalt!“ kam die Antwort klar und deutlich zurück, ohne das das Mädchen wirklich wahr nahm was sie gerade getan hat.
Gut, ihr war also kalt, und wie sollte er diesen Umstand ändern?
Einige Augenblicke dachte das Ursprungswesen darüber nach, was man früher nach der Fertigstellung eines Körpers mit selbigen noch gemacht hatte.
Ja klar! Man hatte sie „eingekleidet“!
Zum zweiten Male wandte sich Fluffy an das Mädchen: „Kannst du aufstehen?“
„Ich weis nicht“ entgegnet das braunhaarige Mädchen mit großen runden blauen Augen.
Fluffy seufzt.
Erst jetzt wo der schwierige Teil seiner Aufgabe erledigt wurde ihm klar wieviel Kraft er bisher verbraucht hatte. Er wollte mit dieser „Schöpfung“ einfach fertig werden.
Wieder „griff“ er sie behutsam am Handgelenk und zog sie in die Höhe. So hoch, bis sie in der Gänze stand. Als er sich sicher war, dass ihre Beine sie auch ohne seine Hilfe halten würden ließ er sie vorsichtig los.
„Siehst du es geht!“ meint Fluffy erleichtert. Wobei ihn das Befinden des Mädchens nur kümmert, weil es Teil seiner Aufgabe ist.
„Komm! Folge mir!“ fordert Fluffy das Mädchen auf mitzukommen und unterstreicht seine Worte damit, dass er ohne noch einmal zurück zu schauen um den Kessel, in dem die Ursuppe unbeirrt weiter brodelt, herumfliegt. Etwas unsicher schaut sie ihm hinterher. Sie hat den Wunsch dem Ursprungswesen zu folgen, woraufhin sich ihre Beine ohne ihr gefühltes Zutun in Bewegung setzten. Ungewöhnlich sicher, wenn man bedenkt, dass sie gerade ihre ersten Schritte macht, folgt sie Fluffy um den Kessel, hinaus aus dem Raum.
Der Gang, in dem Fluffy bereits auf sie wartet, ist aus pechrabenschwarzen Steinen gebaut und wird hier und da von einer kleinen Fackel „beleuchtet“. Da die schwarzen Steine das Licht in keinster Weise vermehrt, wirken sie eher wie verlorene Glühwürmchen in der Tiefe der Dunkelheit.
Als das Mädchen ihren Schöpfer erreicht, wendet dieser sich nach links und fliegt langsam den Gang herunter. Etwas niedergeschlagen und immer noch frierend folgt sie ihm.
Nach einer kleinen Weile hält Fluffy an. Er schaut sich um, ob ihm das Mädchen noch folgt. Sie läuft weiterhin wortlos auf ihn zu. Als Fluffy das sieht nickt er zufrieden und öffnet die Tür, vor der er zu Halt gekommen war. Kurz darauf erreicht auch das Mädchen die Tür. Fluffy fliegt hindurch und sie folgt ihm zitternd vor Kälte.
Der Raum in dem sie sich jetzt befanden, war im Prinzip nichts anderes als ein gigantisch großer Kleiderschrank. Hunderte von Regalen und Schränken voll gestopft bis obenhin mit Kleidungstücken in jeder erdenklichen Art und Farbe, in jeder Größe.
Das war das erste Mal in aller Zeit, dass Fluffy diesen Raum betrat. Er schluckte, musterte kurz das kleine Mädchen, welches unsicher blickend hinter ihm stand, und flog dann auf eines der Regale zu, in der Hoffnung, dass die Kleidungsstücke nach Größen sortiert waren.
Sie waren es!
Hörbar erleichtert atmete das Ursprungswesen auf.
„Warte hier! Ich bin gleich wieder da!“ erklärt das rosane fliegende Wesen und verschwindet ohne eine Antwort abzuwarten zwischen den Regalen. Das kleine nackte Mädchen schaut ihm verständnislos hinterher. Ihr war nicht wohl zumute, sie fror und verstand nicht, was sie hier sollte. Tief in ihrem Inneren spürte sie, dass es irgendwo in weiter Ferne etwas geben würde, was sie alles Elend vergessen lassen würde. Doch bevor sie das finden könnte, stand eine lange und beschwerliche Reise vor ihr.
Verwirrt schüttelt das Mädchen den Kopf. Was war denn das gewesen? Sollte das die Antwort auf die Frage sein, warum sie hier ist?
Irgendetwas verbarg dieser Gedanke ihr noch, aber sie wusste, dass sie seinen Sinn erst verstehen würde, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen war. Ihr war klar, dass dieser Zeitpunkt nicht heute und auch nicht morgen sein würde, sondern erst in ferner Zukunft.
Sie seufzte verzweifelt. Was wollte ihr Kopf nur von ihr? Und wo war ihr Schöpfer nur hin verschwunden?
Gerade als in ihr das Bedürfnis aufkam laut zu schreien, erblickte sie Fluffy, welcher mit unzähligen Stoffen auf sie zugeflogen kam. Bei ihr angekommen lies er das Gewirr aus weichem Material, welches er je Stück mit einem kleinen Zipfel in seinem Mund festhielt, vor ihren Füßen fallen.
„Hier! Das kannst du anziehen! Dann frierst du nicht mehr!“ erklärt Fluffy in feierlichem Tonfall.
Das kann man anziehen?
Auf den ersten Blick war das Mädchen nicht so ganz von dieser Aussage überzeugt.
Misstrauisch griff sie willkürlich in den Stoffhaufen hinein und zog einen orangen kuscheligen Pullover hervor. Überrascht wuselte sie die einzelnen Kleidungsstücke auseinander und hatte nach wenigen Augenblicken ein mit Rüschen besetztes Unterhemd mit dazu passenden Slip, ein Paar weißer Strümpfe, eine blaue Hose, der orange kuschelige Pullover, dazu eine rote Weste, weiße Turnschuhe und ein blaues Haarband, welches Fluffy nur versehentlich mit hinein geraten ist. Gerade als Fluffy etwas sagen will, beginnt das Mädchen sich anzukleiden. Als sie fertig ist und sich sogar das Haarband in die Haare gemacht hat, stellt sie zufrieden fest, dass sie jetzt nicht mehr friert.
Fluffy seinerseits fällt auf, dass sie ungewöhnlich schnell lernt. Das sie schnell lernen muss, ist eine Sache, aber das sie es von alleine ohne große Hilfestellung lernt ist ungewöhnlich.
„Darf ich dich mal etwas fragen?“ reißt das Mädchen Fluffy mit ihren Worten aus seinen Gedanken.
Fluffy ist so überrascht, dass er einfach nickt.
„Wie heißt du?“ fragt das Mädchen neugierig.
„Ähm… mein Name ist Fluffy“ antwortet das immer noch  überraschte Ursprungswesen.
„Und wie ist mein Name?“ erkundigt sich das Mädchen weiter.
Ihr Name? Fluffy starrt das Mädchen entsetzt an. Woher sollte er jetzt einen Namen für das Mädchen nehmen?
„Nun also… ähm… dein Name ist…“ stammelt das Ursprungswesen nachdenklich vor sich hin.
Das Mädchen mustert ihn erwartungsvoll.
„Nun dein Name ist…“ versucht es Fluffy noch einmal: „Er lautet … … … Mei-Lin!“
„Danke! Der Name gefällt mir!“ bedankt sich Mei-Lin überglücklich.
Fluffy atmet hörbar erleichtert auf, bevor er das Mädchen noch einmal mustert. Ihre Form ist „niedlich“, ihre Kleider wärmen sie und ihr Name stimmt sie fröhlich. So wie Fluffy das sah, hatte er jetzt einen fertigen prüfungsfähigen Körper geformt.
„Komm Mei-Lin! Ich denke es ist an der Zeit dir zu verraten, warum du hier bist!“ bemer5kt Fluffy mit einem zufriedenen Grinsen und verlässt den Raum.
Das Mädchen folgt ihm.
Während sie ihren Weg durch den langen schwarzen Gang hin zum Tor zur Unterwelt gehen, erzählt Fluffy Mei-Lin warum sie hier ist, oder besser: Er erzählt ihr etwas, was seiner Meinung nach für sie gut klingt…

© SilverLunic im RL StKH
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