Aqua - ein neues Leben

von Arzani92
GeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P16
Marco der Phoenix
02.04.2014
02.10.2015
8
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Der Schlaf wollte nicht kommen. Seit Stunden lag er nun wach und obwohl er schier im Stehen eingeschlafen wäre, bevor er zu Bett gegangen war, konnte er nun kein Auge zumachen.
Marco plagten die Gedanken und in der Stille seiner Kajüte wollten diese nicht verschwinden. Er hatte seit Tagen nicht mehr richtig geschlafen, eigentlich seit Marineford nicht mehr. Seitdem er Ace und Pops begraben hatte und wenn er an die Geschehnisse zurück dachte, dann bezweifelte er, dass er jemals wieder richtig schlafen würde.
Es waren nun fast zwei Wochen vergangen seit diesem Ereignis und immer noch lastete die Schuld auf Marcos Schultern genauso wie eine Verantwortung, der er sich nicht stellen wollte und konnte.
Er hatte gleich nach dem Begräbnis eine Sitzung der Kommandanten einberufen und ihnen klipp und klar erklärt, dass es Menschen in ihrer Crew geben würde, die gehen würden. Es war eine Tatsache, dass eine Piratencrew auseinanderbrach, wenn der Kapitän nicht mehr war und Marco hatte diese Tatsache nicht schön reden wollen, denn das wäre nicht in Pops Sinn gewesen.
Er hatte sich als Vize der Whitebeardpiraten dafür verantwortlich gefühlt ihnen das klar zu machen und alle Kommandanten hatten ihm zugestimmt. Er hatte den Vorschlag gebracht, die ziehen zu lassen, die gehen wollten und ohne Einwände wurde dieser Vorschlag angenommen. Er wusste nicht, ob aus Trauer oder Verständnis, aber es war ihm auch egal gewesen. Es war nicht so, dass er weniger trauerte als alle anderen. Wenn er ehrlich zu sich war zerriss ihn die Trauer schier, er hatte Probleme damit morgens aufzustehen und weiter zu leben. Doch diese Gedanken ließ er nicht zu – noch nicht – denn er hatte noch Aufgaben zu erledigen, die ihm sein Posten nun zuschrieben. Denn wenn er nichts tat, wer dann? Außerdem hatte Pops ihm den Auftrag gegeben dafür zu sorgen, dass sie lebten und wenn er etwas in seinem Leben erfüllen würde, dann den letzten Aufrag seines Käpt’ns und Ersatzvaters. Wenigstens diesen einen Auftrag wollte er zu Ende führen, wenn er doch in so vielem anderem gescheitert war.

Es war ihm wichtig gewesen, seine Noch-Mitglieder vor die Wahl zu stellen, ob sie gingen oder blieben. Er wollte niemanden in der Crew haben, der nicht ehrlich unter der Flagge von Whitebeard weitersegeln wollte, wenn es den Gründer dieser Flagge nicht mehr gab. So hatte er sie aufgefordert zu gehen, wenn sie den Drang dazu hegten oder nicht mehr in die Familie vertrauten, die ihre Crew davor gewesen war.
Als Marco die Menschentraube gesehen hatte, die gegangen war, war er froh darum gewesen diesen Schritt gegangen zu sein. Denn mehr als die Hälfte ging. Der Erste zögerlich, dann immer mehr und plötzlich standen nur noch vereinzelte Gruppen da, die sich ratlos anschauten.
Der Phönix hatte die Verbliebenen kurz mit den Augen gescannt und grob überschlagen, wie viele seiner Mitglieder noch vor ihm standen. Es waren höchstens zweihundert Mann, wenn nicht weniger. Der Rest war entweder schon in Marineford gefallen oder mit seiner Aufforderung gegangen. Es hatte ihm die Tränen in die Augen getrieben, wenn er daran dachte wie viel Pops diese Familie immer wert gewesen war. Nun war sie zerrüttet und in alle Winde verstreut. Niemals mehr würde es die Whitebeardpiraten geben, wie sie gelebt hatten, bevor sie in den Krieg gezogen waren. Nein eigentlich hatte sich schon alles geändert mit Thatchs Tod. Der erste große Verlust, der nicht hätte sein dürfen.

Obwohl Marco das Gefühl hatte Pops Familie zerstört zu haben, glaubte er doch, dass es einer der wenigen Schritte gewesen war, die er richtig gemacht hatte. Denn wenn er wollte, dass die Mitglieder lebten, dann musste er ihnen die Möglichkeit lassen ein neues Leben anzufangen. Sicher würden viele ihre eigenen Banden gründen oder sich auf irgendwelchen Inseln niederlassen. Vielleicht würden sie auch wieder zu ihren Heimaten zurück kehren oder gradewegs in die Arme der Marine laufen. Aber das war alles besser, als sie zu zwingen unter einer Flagge zu segeln, unter der sie nicht mehr segeln wollten. Das wäre schlimmer gewesen, als jedes Schicksal das sie nun sonst ereilen konnte.
Doch alles andere, jeder Schritt der danach gefolgt war, riss an Marcos Nerven und umso weiter die Tage voranschritten, umso mehr hatte er das Gefühl, er verlor den Verstand. Die Kommandanten – sie waren alle geblieben – hatten über seinen Kopf hinweg beschlossen, dass er zum neuen Kapitän ernannt werden sollte. Sie hatten sich untereinander beraten, dies für das Beste erachtet und waren dann geschlossen vor ihn getreten und hatten ihn den Vorschlag unterbreitet. Natürlich hätte sich der Phönix wehren können, hatte er auch getan, aber ablehnen, dass konnte er bei so viel Willensstärke, mit seiner eigenen, die so zerbrochen war, doch nicht.
Es war für den Blondschopf vielleicht eine provisorische Lösung nun als Kapitän zu agieren, aber kein Dauerzustand. Er war kein Käpt’n. Er könnte niemals Pops Platz ausfüllen und hatte auch nie vorgehabt das zu probieren, weder zu dessen Lebzeiten noch in seinem Tode. Trotzdem hatten ihn alle dazu gedrängt und nach langen Diskusionen hatte er eingewilligt, diesen Posten solange zu belegen, bis sich jemand anderes finden würde, der dafür besser geeignet war. Nur wusste Marco nicht im Geringsten wer das sein könnte.

In solchen Momenten verfluchte er Ace dafür, dass er gestorben war. Er hätte einen passenden Kapitän abgegeben. Er war ein Hitzkopf gewesen, ein Sturschädel und ein Mensch, der handelte bevor er dachte. Aber er hätte die Willensstärke gehabt, eine Mannschaft zu lenken und insgeheim glaubte Marco, dass die Fähigkeit sich so in Rage zu bringen, in ihrer momentanen Position das Beste gewesen wäre, was ihnen hätte passieren können. Es hätte Leben in eine tote Mannschaft gebracht.
Doch statt hier mit der Flammenfaust zu sitzen und mit ihm zu diskutieren, ob er denn nun die nötigen Fähigkeiten mit sich brachte Kapitän zu werden oder nicht, war Marco allein und versuchte die Tränen zurück zu halten, die ihn wieder überkamen. Heiß rollten sie über seine Wange, wenn er daran zurück dachte, wie sich die Erde über Ace Sarg gelegt hatte. Er hatte den starken Geruch der tausend Blumen in der Nase, die an seinem Grab gelegen hatten und wohl immer noch lagen. Sicherlich welkten sie nun leise vor sich hin, viele inzwischen genauso verdorrt und tot, wie Ace. Noch immer hatte Marco es nicht verkraftet, dass er seinen Ersatzvater und einen seiner besten Freunde beerdigen musste. Er wusste, dass sie Tod waren, aber etwas realisieren und akzeptieren waren zwei total unterschiedliche Dinge, dass wusste der Blondschopf nun. Bitter waren die Gefühle die in ihm hochkamen, grausam die Bilder von Ace Tod und heiß die Tränen in seinen Augen. Hätte es einen Weg gegeben, Ace und Pops wieder zum Leben zu erwecken und sei es auch unter Qualen, er hätte es getan. Aber sie waren tot und das war unumstößlich.

Um seiner eigenen Verzweiflung zu entgehen flüchtet sich Marco nach draußen und der kühle Wind schaffte es sogar seine heißen Tränen zu trocknen. Erst dann, als er sich ganz sicher war, dass man keine Spur mehr seiner Trauer sehen konnte, blickte er sich um und trat endgültig auf das Deck hinaus.
Sie hatten sich inzwischen auf zwei Schiffe aufgeteilt. Die Moby Dick war in der Schlacht gesunken, doch selbst wenn das Schiff es überlebt hätte, wäre der Vierzehnmaster viel zu groß für ihre kleine Mitgliederanzahl gewesen. Nun war es eine der schwarzen Mobys, die sie befuhren und das alte Schiff von Marcos Division. Das reichte für die komplette verbliebene Crew.
Er hielt sich zwar lieber auf seinem alten Schiff auf, aber das Deck, das er nun überblicken konnte, war das der schwarzen Moby. Erstaunt bemerkte er, dass er nicht der Einzige war, der nicht schlafen konnte.
Ein paar Meter von ihm entfernt stand, mit dem Rücken zu ihm gewandt, eine schlanke Gestalt. Die Frau hatte dunkle Haare, die blau im Mondlicht schimmerten und ihr offen bis kurz unterhalb der Schulter fielen. Die Kleidung, ein weites Leinenhemd und eine schlichte dunkle Hose, waren in der Dunkelheit nur Umrisse und trotzdem wusste Marco, dass sie schlank war und schlicht gekleidet.
Unter normalen Umständen hätte er nun sein bestes Lächeln aufgesetzt, hätte sich neben sie gestellt und sie gefragt, warum sie nicht schlief. Aber die Umstände waren nicht normal, sie würden niemals mehr normal sein.
Außerdem wollte dem Phönix partout nicht einfallen wie die Dame hieß und das machte ihm Sorgen. Er sollte Käpt’n dieser Crew sein und ihm fielen noch nicht mal alle Namen der Mitglieder ein, obwohl ihre Zahl so geschrumpft war. Das wäre Pops niemals passiert und ließ Marco wieder an seiner Tauglichkeit als Kapitän zweifeln.
Immer noch starrte er die blauen Haare an, die leicht im Wind wehten und überlegte. Die schimmernde Haarfarbe erinnerte ihn zunehmen an das sich kräuselnde Wasser und da kam ihm mit einem Schlag der Name der vor ihm Stehenden in den Sinn. Aqua.
Sie war unter Thatchs Kommando gesegelt und danach in Izous Division gekommen. Sie war eine der Mitglieder Whitebeards, die nicht wirklich auf dem Hauptschiff agierten und so hatte Marco auch länger gebraucht sie zu erkennen. Nun gab es natürlich kein Hauptschiff oder Divisionsflotten mehr, so dass Aqua vor ihm stand, unantastbar wie die Ferne.

Leisen Schrittes ging er auf die Frau zu und stellte sich lautlos neben sie. Ihrem Blick folgend merkte er, dass sie die Silhouette des Mondes musterte, die sich auf dem dunklen Wasser spiegelte. Natürlich hatte sie ihn bemerkt, wahrscheinlich schon lange bevor er neben sie getreten war und trotzdem sagte sie nichts, sondern ließ die Stille zwischen ihnen wabern.
Grade als er zu einem Satz ansetzten wollte drehte sie ihren Kopf zu ihm um und sah ihn aus hellen Augen fragend an.
„Was treibt dich dazu, an so einem ruhigen Abend wach an der Reling zu stehen, Käpt’n?“
Marco schluckte ob der Worte und flüchtete vor ihrem durchdringenden, wissenden Blick. Die Augen der Blauhaarigen waren so klar wie der Mond und schienen genauso alt zu sein. Er hatte eine Gänsehaut und irgendetwas Uraltes in ihm schlug auf ihre wundersamen Augen an.
„Ich bin nur vorrübergehend Kapitän.“
Er wusste nicht warum er das gesagt hatte, doch er hatte den Drang sich zu verteidigen. Immer noch hatte er das Gefühl, dass ihm dieser Posten aufgezwungen worden war und er nicht die Verantwortung für so viele Menschen tragen konnte. Nicht so wie er sollte und schon gar nicht so wie Pops. Er war Pirat, Mitglied, Kommandant, Vize– aber kein Kapitän. Er wollte es nicht sein und ihn störte die Bezeichnung Käpt’n, die aus dem Mund eines Whitebeardpiraten nur Pops gehören sollte.

„Was treibt dich dazu, an so einem ruhigen Abend wach an der Reling zu stehen, vorrübergehender Käpt’n?“
Ihre Augen funkelten im Mondlicht als sie Marco grinsend musterte. Leicht zuckten auch seine Mundwinkel auch wenn sich ein komplettes Lächeln nicht formen wollte. Er hatte ihre Geste verstanden, sie hatte ja Recht. Ihre Frage war rein informativ gestellt gewesen und nichts anderes hatte sie damit implizieren wollen. Sie wollte Antwort darauf, warum er wach war und sie mit seiner Anwesenheit beehrte. Wenn man in diesem Fall überhaupt von Ehre reden konnte.
„Ich konnte nicht schlafen.“
Seine Antwort war einfach, wahr und ehrlich. Was sollte er sonst sagen? Seine Probleme waren die seinen und nichts womit er seine übriggebliebene Familie belasten wollte. Ihm war bewusst, dass noch immer viele Wunden offen waren und er musste nicht noch zusätzliche hinzufügen, in dem er Probleme ausbreitete. Auch wenn seine Antwort nicht die informativste war, so war es doch die Einzige die er gewillt war zu geben. Sie schien es nicht zu kümmern und schaute weiter gebannt auf das Meer.
„Warum ist eine junge Dame wie du wach?“
Er wollte nicht das Thema wechseln, das tat er ja auch nicht. Trotzdem kam es ihm so vor und das fühlte sich sofort falsch an. Als wolle er von sich ablenken. Dabei fragte er aus dem gleichen Grund aus dem Aqua ihn gefragt hatte. Er wollte wissen, warum sie wach war.
Sie drehte sich, so dass sie nun mit dem Rücken an der Reling lehnte und stützte sich mit den schlanken Armen, die von vielen feinen Armreifen geziert waren, am Holz ab.
„Ich konnte nicht schlafen.“
Ein leises Seufzen entwich dem Phönix auf ihre Antwort. Was hatte er erwartet? Sie hatte genauso ehrlich geantwortet wie er, in ihren Worten war keine Lüge enthalten, aber schlauer war er auch nicht. Wieder kehrte Stille zwischen ihnen ein und nur das leise Rauschen des Meeres war zu hören. Die Sekunden verstrichen und die Zeit schien ihren eigenen Lauf zu haben, unabhängig von der Welt, die sich unaufhörlich weiterdrehte.

Marcos Gedanken machten sich selbstständig und wieder fragte sich der blonde Mann, warum alle wollten, dass er Käpt’n war. Er war weit entfernt davon, diesen Posten gut zu vertreten. Die Frau neben ihm und die fehlende Kommunikation zwischen ihnen war Beweis genug dafür. Sollte er nicht nachfragen was los war und darauf eingehen? War es nicht das, was ein Kapitän tat? Kümmerte ein Kapitän sich nicht um seine Mitglieder? Warum wollten ihm keine passenden Worte einfallen?
Doch wieder war es Aqua die die Stille durchbrach.
„Heute vor fünf Jahren bin ich Whitebeards Bande beigetreten. Damals war ich 16, Mutterseelenalleine und eine Vollwaise, die schmerzhaft in die Welt der Piraterie geworfen wurde. Heute weiß ich, wie oft dieses Schicksal Menschen wiederfährt. In Whitebeards Bande waren Hunderte, denen es ebenso erging, aber damals hatte ich das Gefühl die Einzige auf dieser gottverlassenen Welt zu sein, der dieses Schicksal wiederfuhr. Heute bin ich schlauer, aber es ist Pops zu verdanken, dass ich mich nicht aufgegeben habe.“
Gebannt lauschte Marco den leisen Worten, die in der stillen Nacht wiederhallten. Ihre Stimme war warm und weich. Es war eine Stimme, der man gerne zuhörte und überrascht stellte Marco fest, wie er an seinen eigenen Beitritt bei Whitebeard zurück dachte. An seine Situation, die ähnlich gewesen war, nur das sie viel weiter in der Vergangenheit zurück lag und längst vergessen schien. Doch Aqua erzählte schon weiter.
„Ich bin damals in Thatchs Division gekommen und dieser hat mich aufgemuntert und mir gezeigt, wie schön es auf dem Meer sein kann. Er hatte eine wahnsinnig lustige Art, die Dinge sofort zu erkennen und dagegen vorzugehen. Ich hatte Angst, wollte keine Piratin sein und doch kann ich mir heute nichts anderes vorstellen. Es ist zu meinem Leben geworden, fünf Jahre, die für mich die Glücklichsten überhaupt waren. Ich hab natürlich auch Ace kennen gelernt, immerhin kam er auch in unsere Division. Ich hatte nicht so viel mit ihm zu tun, aber immer wenn wir miteinander geredet haben, hatte ich das Gefühl in ihm lastet eine Traurigkeit, die ich nur allzu gut nachvollziehen kann. Einsamkeit schien ihn  zu begleiten, wie ein Schatten, der sich nicht löste. Ich habe ihn nie darauf angesprochen, so lange hat es ja auch nicht gedauert, bis er ein eigener Kommandant wurde und nicht mehr auf unserem Schiff war. Aber ich wusste immer, dass Thatch auch ihm eine neue Lebensperspektive aufgezeigt hat. Gegen Ende schien ein Licht in ihm zu sein, dass den Schatten doch zumindest ein wenig verdrängte.“
Wieder herrschte kurz Stille, die Marco unglaublich lang vorkam, waren es doch nur ein paar Sekunden. Diese Frau erzählte ihm Dinge, die er so noch nie gehört hatte, auch wenn er sie natürlich wusste. Sie berührten ihn trotz allem, warum konnte er nicht einordnen.
„Es ist der Grund, warum ich Aces Reaktion auf Thatchs Tod vollkommen verstanden habe. Viele haben ihn dafür gescholten, dass er sich gegen Pops Willen durchgesetzt hat, aber ich konnte es nachvollziehen. Ich hätte ähnlich gehandelt, wäre auch gerne gegangen, hätte ich die Stärke hierfür gehabt. Aber ich bin keine Teufelsfruchtnutzerin und Haki – naja sagen wir, ich kann es so gut wie nicht einsetzten.“
Marco schluckte den Kloß in seiner Kehle runter. Hier stand eine Frau, die ebenso viel verloren hatte wie er. Wie alle, die in Whitebeards Bande waren und trotzdem war ihre Stimme klar und Trauer so gut wie nicht vorhanden. Woher nahm sie die Kraft, die er nicht hatte?
„Weißt du, ich stand immer hinter Pops Taten und als er verkündet hat, dass er gegen die Marine ziehen will, um Ace zu befreien und uns vor die Wahl gestellt hat, sich diesem Vorhaben anzuschließen und in den Tod zu rennen, oder zu gehen und aus der Bande auszutreten, war mir sofort klar, dass ich lieber den Tod wählen würde, als meine Familie im Stich zu lassen.
Ace hat für mich und alle anderen aus unserer Division einen Kampf angetreten, den jeder von uns gerne übernommen hätte und doch hat er es mit seinem Leben bezahlt. Umso stärker verspüre ich nun den Wunsch in mir, Pops letzten Willen auszutragen und zu leben. Ich will leben – für Pops und für Ace und natürlich auch für Thatch. Vor allem für Thatch, dem ich mein Leben, wie ich es heute führe, überhaupt verdanke.“

Leise schlichen sich zwei kleine Tränen über Marcos Wange, der seiner Trauer diese Nacht nicht Einhalt gebieten konnte. Die Stimme, die ihn so sanft umschmeichelte brach all seine Schutzwälle, die er schon lange vor all den Geschehnissen aufgebaut hatte. Fragend und schmerzerfüllt sah er die blauhaarige, filigrane Frau an, die so geschickt seine Mauern umging. Wie sie es machte war ihm unbegreiflich.
Der Gedanke beschlich ihn, dass diese einfache Frau einen besserer Käpt’n abgeben würde als er. Doch wieder kam aus seinem Mund kein Wort. Stattdessen blickten ihre hellen Augen in seine und für einen kurzen Moment schien Marco, als schaue er in die Seele des Mondes. Wie kam es, dass ihm diese Person noch nie aufgefallen war? Er hatte das Gefühl, dass sich in ihr mehr Weisheit bündelte als in allem, was er sonst bisher in Menschen gesehen hatte. Dann traf ihn ihr Lächeln und sein Herz fing an zu klopfen. Kurz schien ihm sicher, dass er auf dieser Erde keine andere Person Ihresgleichen erneut finden würde. Ohne dass er es wollte tanzten kurz blaue Flammen über seine Haut – der Phönix in ihm reagierte auf sie, dann hatte er sich wieder unter Kontrolle.
Doch Aqua schien es nicht für nötig zu befinden, auf seinen kurzen Ausbruch einzugehen. Sie musterte ihn einfach nur still und leise. Ihre Haare schimmerten im Mondlicht. Sie kam ihm vor wie ein mystisches Wesen und das obwohl er den Phönix beherbergte.

„Marco.“
Wie sie seinen Namen aussprach ließ ihn schaudern. Warm lief ihm eine Gänsehaut den Rücken hinunter, dann fühlte er Wärme in seinem Herzen. Hatte sie wirklich keine Teufelsfrucht gegessen? Das konnte doch kein normaler Mensch mit einem anderen anstellen. Es war kein Begehren das er fühlte, auch keine Liebe. Er wusste nicht was es war, aber sie schien ihm wie eine Hoffnungsträgerin, etwa wie ein Lichtschein in der dunklen Nacht.
„Du wirst einen guten Käpt’n abgeben. Du hast bis jetzt alles richtig gemacht und jeder der jetzt noch unter Whitebeards Flagge segelt, tut dies weil er felsenfest an dich und an die Familie glaubt, die Pops so innig geliebt hat. Ich kann in deinen Augen sehen, dass du Zweifel hast und ich bin mir sicher, diese Zweifel sind, wenn auch schwierig, fördernd. Sie bringen dich dazu nachzudenken und sie zeigen, wie viel dir daran liegt die richtige Entscheidung zu treffen. Glaub an dich. Denn Pops, Ace und Thatch haben auch immer an dich geglaubt. Also mach ich das auch, genauso wie jeder andere  auf diesem Schiff.“
Mit diesen Worten stieß sich die junge Frau, die Marco in diesem Moment wie eine Elfe vorkam, von der Reling ab und ging an ihm vorbei. Ein letztes Mal streifte ihn ihr Lächeln und der Phönix schöpfte Kraft aus der Hoffnung, die ihre Worte mit sich gebracht hatten. Dann war sie an ihm vorbei geschritten, doch im letzten Moment tönte seine Stimme noch über das Deck und hielt sie davon ab, komplett in der Dunkelheit zu verschwinden.
„Aqua?“
Mit ihrem Namen angesprochen drehte sie sich nochmal zu ihm um und schaute ihn fragend an, als wäre sie erstaunt darüber, dass er doch eine Stimme hatte. Doch Marco lächelte nur, versank seine Hände in seinen Hosentaschen und fühlte sich zum ersten Mal seit seiner provisorischen Ernennung als Käpt’n würdig diesen Titel zu tragen.
„Ja?“
„Danke.“
Erst war ihr Blick irritiert, dann wurde er weich und sie drehte sich wieder um und verschwand in die Dunkelheit. Nur leise hörte er noch ihr Kichern, bevor wieder nur das leise Klatschen der Wellen gegen den Bug in der Stille zu vernehmen war. Doch es kam Marco hoffnungsvoll vor. Denn wenn seine restliche Familie wirklich so an ihn glaubte, wie Aqua es behauptet hatte, dann konnte er auch für sie sorgen. Immerhin hatte er Pops versprochen dafür Sorge zu tragen, dass sie lebten und wer wäre er, wenn er sich diesem Befehl wiedersetzen würde? Er war ihr Vize und er hatte sich noch nie einem Befehl von seinem Kapitän wiedersetzt.

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Da steht in Arbeit, allerdings war diese Idee als OneShot gedacht und kann auch als diesen betrachtet werden. Ich habe in meinem Kopf allerdings noch nicht vollkommen beschlossen, ob es ein OneShot bleiben soll ...
Ich hätte eine grobe Idee wohin das ganze gehen könnte, weiß es allerdings nicht genau. Ich hab noch ziemlich viel nebenher laufen und kann deswegen noch nicht mal wirklich sagen, ob ich dazu komme, hier was zu schreiben.
Deswegen meine Frage an euch: Wollt ihr mehr von Aqua und Marco und dem Verbleib der Whitebeardpiraten lesen oder soll ich es bei diesem OneShot lassen?
Über eure Meinungen wäre ich dankbar.
lg Arzani
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