Prinzessin

KurzgeschichteAllgemein / P6
Mibuchi Reo
02.04.2014
02.04.2014
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Kuroko no Basuke und damit die in dieser Geschichte vorkommenden Charaktere sind geistiges Eigentum von Fujimaki Tadatoshi.

Ich habe keine Ahnung, ob ich diese Story ernst meine, oder ob ich Reo parodieren will.
Wahrscheinlich beides.

Ich hab noch mehr AkaMibu Reo-Stuff. Kommt irgendwann die Tage.
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Wie viele andere Kinder auch hatte Reo seine Mutter im Alter von drei Jahren, als er grade einigermaßen den Unterschied zwischen den Geschlechtern begriffen hatte, gefragt, wann er endlich ein Mädchen werden würde. Nicht, dass er ungern ein Junge war, nein, im Gegenteil, er war sehr gern ein Junge – aber er wäre doch noch ein bisschen lieber ein Mädchen, denn schließlich hatte er das Jungesein schon drei Jahre lang ausprobiert und war ganz zufrieden damit, wollte aber auch seine anderen Optionen kennenlernen.
„Du kannst dir nicht aussuchen, ob du ein Junge oder ein Mädchen sein möchtest, Reo-chan“, hatte seine Mutter mit sanfter Stimme geantwortet und über sein damals noch kurz geschnittenes Haar gestreichelt. „Als eines davon wird man geboren; und du bist als Junge geboren worden, deshalb wirst du ein Junge bleiben, auch wenn es dir manchmal nicht gefällt.“
Jedes andere Kind in seinem Alter hätte diese Antwort vermutlich akzeptiert, aber Reo wurde von dem Gedanken, ein Mädchen zu werden, nicht mehr losgelassen und nach reichlicher Überlegung kam er zu dem Schluss, dass seine Mutter sich irren musste; sie konnte schließlich nicht alles wissen und überdies war sie von Anfang an immer ein Mädchen gewesen, deshalb hatte sie mit Mädchenwerden keine Erfahrung.
Er kam außerdem zu dem Schluss, dass es auf der ganzen Welt keine mädchenhafteren Mädchen gab als Prinzessinnen und eines morgens beim Frühstück, als sein Vater schon zur Arbeit gefahren war, eröffnete er seiner Mutter, dass er sich ein Buch über Prinzessinnen wünschte. Seine Mutter war eine sehr liebe und sehr verständnisvolle Frau und sie lächelte und versprach, dass ihm bei Gelegenheit ein solches Buch mitbringen würde – vermutlich in der Hoffnung, dass Reo es wieder vergessen würde, denn drei Wochen später musste er erneut danach fragen.
„Ich habe es vergessen“, sagte sie entschuldigend. „Ich bringe dir morgen eins mit, versprochen.“
Sie brachte ihm sogar zwei mit, und nach dem Kindergarten lag Reo auf seinem Bett und blätterte in Bilderbüchern über Prinzessinnen. Prinzessinnen waren wunderschön, stellte er sofort fest. Sie trugen traumhafte Kimonos und hatten lange, wunderschön frisierte Haare und sie hatten den schönsten Schmuck, den Reo jemals gesehen hatte – schöner noch als der Schmuck, den seine Mutter manchmal trug und den er sich zum Verkleiden schon heimlich ausgeliehen hatte.
Er ging hinüber ins Badezimmer und schob einen Hocker vor den Spiegel, damit er hinaufsteigen und sein Gesicht ansehen konnte. Das Buch mit den Prinzessinnen legte er auf die Ablage über dem Waschbecken und im direkten Vergleich wurde ihm bewusst, dass er einiges an Veränderungen benötigen würde. Er begann damit, sein Haar wachsen zu lassen.
Es dauerte eine Weile, aber mit sieben reichte es ihm bis knapp über die Schultern und dann musste er feststellen, dass es länger nicht werden würde – oder konnte. Er hatte keine Prinzessinnenhaare, die er kunstvoll frisieren konnte und er musste seine Haare auf kinnlänge abschneiden lassen, damit sie nicht schrecklich aussahen. Über diesen Verlust weinte er einige Nächte in sein Kissen.
Er brauchte einen neuen Plan. Und er fasste einen.
Mädchen spielten niemals mit Autos oder Robotern, und Prinzessinnen schon gar nicht, weshalb Reo irgendwann auf die Idee kam, all seine Autos und Roboter in eine Kise zu stopfen und sich stattdessen eine Puppe zu wünschen. Eine Puppe mit langen, blonden Haaren und wallenden Kleidern, wie die westlichen Prinzessinnen, die er in einem Buch in der Bibliothek gesehen hatte. Seine Mutter, noch immer gütig und nachsichtig, kaufte ihm eine Puppe, aber das allein machte ihn noch immer nicht zu einem Mädchen; es desillusionierte ihn nur.
„Bist du ein Mädchen oder ein Junge?“, fragte eines der Kinder aus seiner Grundschule gehässig und Reo antwortete, so selbstbewusst er konnte: „Ein Mädchen.“ Es machte ihn zum Gespött. Die anderen Kinder lachten ihn aus und weigerten sich, mit ihm zu spielen, und seine Eltern wurden in die Schule zitiert, für ein Gespräch mit der Lehrerin.
„Dieses Mädchensein hat ein Ende“, beschloss sein Vater danach. „Du bist ein Junge, und du wirst ein Junge bleiben – du kannst daran nichts ändern.“
Es erfüllte Reo mit Wut und er schmiss die Puppe mit den blonden Haaren gegen die Wand, aber auch das änderte nichts daran. Danach sprach er nie wieder darüber.
Mit den Jahren der Geheimhaltung geriet sein Wunsch in Vergessenheit und statt einer Prinzessin wurde Reo in der Mittelschule ein Basketballer. Zu seinem eigenen Erstaunen war er wirklich gut darin und der Wunsch, Kimonos zu tragen wurde ersetzt durch den Wunsch eines Jerseys, und statt eine Prinzessin zu werden wünschte er sich in die Startaufstellung seiner Mannschaft. Diese Ziele waren so erstaunlich viel leichter zu erreichen und in gewisser Weise erfüllte ihn das mit Stolz. Man nannte ihn einen Uncrowned King und der Titel eines Königs, wenn auch eines Königs ohne Krone, schien zumindest für die drei Jahre an der Mittelschule viel besser als der Titel einer Prinzessin.
Und dann wechselte er auf die Rakuzan High.
In seinem neuen Team spielten Hayama und Nebuya, die er während der Mittelschule zu seinen größten Rivalen gezählt hatte und die auch zu den Königen gehört hatten, und in seinem zweiten Jahr wurde auch Akashi Teil der Mannschaft. Akashi, der ehemalige Kapitän der Teikō Mittelschule, ein Spieler der Generation der Wunder. Reo hegte eine stille, tiefe Bewunderung für ihn und Akashi verhielt sich höflich und zuvorkommend, akzeptierte sogar, dass Reo ihm den Spitznamen Sei-chan verpasste, obwohl sie sich für eine so vertraute Anrede eigentlich noch nicht gut genug kannten.
In diesem neuen Team fühlte Reo sich wohl. Er fühlte sich wohl als König, als Teamkollege von Akashi, als Starter der Rakuzan High.
Aber in den Sommerferien nach der Interhigh kramte er auf dem Dachboden seines Elternhauses, und dabei fielen ihm seine inzwischen verstaubten und abgenutzten Prinzessinnenbücher in die Hände. Er fühlte sich ein wenig melancholisch, als er darin blätterte, weil er sich frage, warum er sich so sehr verändert hatte – doch als er die Schönheit der Prinzessinnen in seinen Büchern bewunderte, wurde ihm bewusst, dass er sich gar nicht so sehr verändert hatte. Inzwischen hatte er begriffen, dass er in diesem Leben zu keinem Mädchen mehr werden würde, aber er dachte an Hayama, der ihn Reo-nee nannte und an Akashi, dessen Ausstrahlung Reo hin und wieder als königlich bezeichnen würde und der ihn immer so zuvorkommend und höflich behandelte und irgendwie kam er zu dem Ergebnis, dass er es vielleicht geschafft hatte, eine Prinzessin zu werden – eine Prinzessin ohne Kimonos und aufwändig frisierte Haare, aber eine Prinzessin in einem Jersey und mit Sportschuhen und mit einem Prinzen, dem er einen liebevollen Spitznamen hatte geben dürfen.