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Eine Geschichte vom Sieg

von Therondir
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P12 / Gen
Dilios Queen Gorgo
31.03.2014
01.04.2014
2
2.527
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31.03.2014 1.554
 
Inhalt: Die Schlacht bei den Thermophylen ist verloren. Diese Nachricht bringt ein einzig überlebender Krieger nach Sparta. Gorgo versucht über den Verlust ihres Königs hinwegzukommen, während Griechen und Spartiaten ihre Heere vereinigen.


Disclaimer: Ich verneine jegliches Recht und Besitzansprüche der vorkommenden Charaktere und Situationen. Auch erhebe ich keinen Anspruch auf die historische Korrektheit für von mir beschriebene Rahmenhandlungen und die Darstellung von historischen Personen.


Rating: ab 12

Genre: Allgemein, Romance

Charaktere: Königin Gorgo und Dilios


Eine Geschichte vom Sieg

„Vergesst uns nicht.
Einen einfacheren Befehl kann ein König nicht geben.
Vergesst nicht, wofür wir gestorben sind.

Das war seine Hoffnung: Sollte ein freier Mensch an jener Stelle stehen. In all den unzähligen Jahrhunderten, die noch kommen werden. So mögen es unser aller Stimmen von den zeitlosen Felsen flüstern:
Wanderer, kommst du nach Sparta, verkündige dorten, du habest uns hier liegen gesehn, wie das Gesetz es befahl‘.“

Dilios hatte Leonidas‘ Auftrag erfüllt und vor dem Ältestenrat gesprochen. Noch blutend und im zerrissenen Umfang hatte er vor jenen gestanden, die ihrem König die Gefolgschaft verweigert hatten und stattdessen den Worten des Orakels gefolgt waren. Und den Worten eines Blenders, der mit Gold belohnt, Xerxes Gift in ihre Herzen geträufelt hatte.

Befreit von Persiens gespaltenen Zungen, war jetzt die Zeit, dass sie die Treue zu ihrem Land und ihrem gefallenen König beweisen konnten; Indem sie Spartas Stärke entfesselten und endlich gegen jenen marschieren ließen, der mit Feuer und Tod in Griechenland einzog.

Um sich zu beraten, wurde der letzte Krieger der Dreihundert wieder hinausgeführt. Leises Gemurmel, gemischt mit vereinzelt scharfen Rufen begleitete seinen Weg hinaus. Dilios hörte noch, wie eine schwere Tür in ihr Schloss fiel und hinter ihr kein Geräusch mehr aus dem Rat zu ihm drang.

Er würde nicht eher wieder eingelassen, bis sich die Ältesten geeinigt hatten. In Friedenszeiten ließen ihre Entscheidungen ewig auf sich warten. Sie waren keine Krieger, die Schulter an Schulter miteinander kämpften und eine Einheit bildeten. Politiker waren zerstritten und jeder sprach für seinen eigenen Vorteil. Jetzt mussten sie endlich mit einer Stimme sprechen.

Eine Dienerin führte Dilios zu den Heilern Spartas, die sich seiner Wunden annahmen und seinen Verband wechselten. Das verlorene Auge würden sie ihm nicht wiedergeben können. Aber mit ihren Künsten würden sie es so vernähen, dass seine Körpersäfte zurück ins Gleichgewicht kehrten.

***

Wenige Tage später erreichte ein weiterer Gesandte Sparta, der um Hilfe ersuchte. Doch nicht beim Ältestenrat, sondern bei Spartas Königin. Dilios erkannte den großen Athener Feldherrn Thermistokles sofort, der die Schlachtschiffe der Philosophen und Knabenliebhaber befehligte. Mit einem warmen Empfang würde er nicht rechnen können.

Der Athener wechselte nur wenige Worte mit ihr, bevor er den Palast wieder verließ. Misstrauisch sah Dilios ihm nach und wandte sich dann der Königin zu.
Es war ihr anzusehen, wie Thermistokles‘ Erscheinen sie aufwühlt hatte und trotzdem kämpfte sie darum, ihre Fassung zu bewahren. Eine Königin Spartas zeigte ihre Trauer niemals durch Tränen. Tränen waren ein Zeichen der Schwäche und ihr Gemahl war furchtlos gestorben. Sie hatte sein Andenken zu ehren und nicht zu trauern.

„Was wollte er?“, fragte der Spartiat ergeben.
„Er bat um Spartas Flotte. Um die persischen Schiffe zurückzuschlagen.“
„Aber wenn er glaubte, Sparta würde für ihn weitere Söhne opfern, dann hat er sich getäuscht“, fuhr Gorgo mit harschen Worten fort.
„Wir werden nichts mehr beisteuern. Sparta hat schon genug gegeben.“

Dilios hatte schon davon gehört, dass nach ihrer Niederlage bei den Heißen Quellen die verbündete Athener Flotte sich von ihrer Stellung am Kap Artemision zurückziehen musste. Somit war der Land- und Seeweg für die Perser frei. Der große Xerxes konnte ungehindert in die stolze Stadt eindringen und die Akropolis schänden.

Angesichts dieser Gräueltaten konnte es Dilios nicht glauben, dass es die Königin ernst meinte und Sparta nicht gegen die einfallenden Perser marschieren sollte. Das war nicht, was sich Leonidas erhofft hatte.
„Dass Xerxes Athen verwüstet hat, reißt eine ebenso große Wunde in das Herz der Athener wie Leonidas Tod für Sparta“, entgegnete er ruhig.

„Ganz und gar nicht! Tempel und Häuser bestehen aus Stein. Felder aus Erde. Alles kann wieder aufgebaut und neu bestellt werden. Aber Spartas Wunde ist ungleich größer.“

„Ihr meint Eure Wunde, meine Königin“, sagte Dilios und Gorgo verstummte. Sie wusste, dass dieser redegewandte Spartiat Recht hatte.

„Auch mich erfüllt sein Tod mit Trauer“, fuhr er fort.
„Ich habe einen Freund und König verloren. Einen Mann, zu dem ich immer aufgesehen und voller Bewunderung für ihn war.
Und meine Wut ist groß, dass ich nicht an seiner Seite bleiben konnte. An der Seite der Dreihundert; Mit ihnen hätte ich für Ruhm und Ehre Spartas sterben müssen. Aber er schickte mich zurück.
Nie ist es mir schwerer gefallen, meinem König zu gehorchen.
Das ist meine Wunde. Es sind die Schmerzen eines Bruders. Aber ich kenne auch den Schmerz in Eurem Herzen.“

„Wie willst du das wissen? Wie wollt du auch nur annähernd ermessen, was in meinem Herzen vorgeht?“
Gorgos Stimme war kühl. Trotzdem bebte sie am ganzen Körper, weil dieser Spartiat sich die Frechheit herausnahm, sie zu belehren.

Jede Antwort wäre töricht, trotzdem sprach Dilios bedachtsam.
„Weil ich ihn erfahren habe, als meine Gemahlin ebenfalls für Sparta starb.
Als sie mit meinem Jüngsten niederkam, entschieden die Götter sie zu sich zu nehmen.“

***

Die Debatten der Ratsmitglieder waren schleppend und zäh. Nie zuvor hatte es eine große Allianz zwischen Sparta und den restlichen griechischen Stadtstaaten geben. Wie sollten sich alte Männer darauf einigen füreinander einzustehen, wenn sie Jahrzehntelang gegenseitige Überfälle und Konflikte ausgetragen hatten?

Dilios wurde des Wartens überdrüssig und ging in die Arena, wo die Krieger Spartas ihre Leibesübungen tätigten und gegeneinander antraten. Viele hatten es als Kränkung empfunden, dass Leonidas mit nur Dreihundert Mann zu den Thermophylen zog, während er das restliche Heer in Sparta zurück ließ. Das Gerede der Ratsmitglieder interessierte sie nicht. Einzig der größte Ruhm, der ihnen verwehrt wurde.

Es dauerte nicht lange, da war Dilios nicht nur Zuschauer, sondern stand selbst inmitten der Arena und erteilte aufmüpfigen Spartiaten eine Lektion. Sie glaubten wohl, jetzt da einer der besten Krieger Spartas nur noch Einäugig war, hätten sie eine Chance gegen ihn und würden ihn aus den Reihen der besten verdrängen. Das war die Philosophie der Spartiaten. Nur die besten, die geschicktesten, die stärksten wurden gefeiert. Die anderen geschunden.
Aber Dilios wollte nicht geschunden und vergessen werden. Wenn sein Ruf auf die Probe gestellt wurde, dann musste er ihn verteidigen. Oder er würde in Sparta untergehen.

Erbarmungslos und hart stellte er sich gegen jeden, der ihn herausforderte. Ein Hieb gegen die Schläfe hatte seine Wunde wieder aufgerissen. Jetzt sah es so aus, als würde Dilios blutige Tränen weinen.
Aber behaupten tat er sich gegen alle.

„Das reicht jetzt“, ertönte plötzlich eine Stimme.

„Tyche meinte es gut mit dir“, raunte Dilios dem Spartiaten zu, den er gerade im Schwitzkasten hatte und ließ von ihm ab.
Vor den Kriegern stand jetzt die Königin in der Arena und sie deutete Dilios zu ihr zu kommen. Der wischte sich mit einer knappen Bewegung das Blut von der Wange und folgte Gorgo in ein Zelt neben der Arena.

Gorgo wartete, bis Dilios den Vorhang hinter sich geschlossen hatte. Dann begann sie beherrscht zu sprechen.
„Ich dachte, du willst es zuerst erfahren: Die Ratsmitglieder haben beschlossen, dass Sparta Themistokles und die griechischen Stadtstaaten mit zehn Trieren unterstützt.“

Dilios wollte angesichts dieser niedrigen Zahl protestieren, aber Gorgo sprach unbeirrt weiter.
„Die Spartaner sind keine großen Seefahrer. Den Trieren werden fünftausend Mann an Land folgen.
Nach den Willen des Rates soll dies das Opfer meines Mannes vergelten.“

„Dann wird es nur ein kurzer Vergeltungsschlag auf See angesichts der Niederlage, die wir ihnen mit Fünftausend noch beibringen werden, meine Königin.“

„Das war es doch, was du hier erreichen wolltest“, erwiderte Gorgo und senkte für einen Moment den Blick. „Und es war auch das, was mein Gemahl erreichen wollte.“
Sie verlor sich sichtlich in einer kurzen Erinnerung, bevor sie sich wieder dem Spartiaten zuwandte.
„Ich hoffe, du behauptest deine Stellung im Heer weiterhin.“

„Das werde ich! Selbst wenn ich gegen jeden einzelnen von ihnen antreten muss.
Diesen Kratzer merke ich kaum.“

Obwohl Dilios nicht einmal zuckte, rann ihm eine neue Blutträne über die Wange.

„Lass es mich sehen“, befahl Gorgo dann und deutete auf einen Schemel.
Während Dilios sich nur zögerlich setzte und seinen Verband abnahm, eilte eine Dienerin mit einer Schale Wasser herein.
Für einen Moment betrachtete die Königin Dilios Verletzung, dann tauchte sie ein Tuch ins Wasser und legte es behutsam auf die wunde Augenhöhle des Spartiaten. Vorsichtig spülte sie den Schmutz und Sand heraus, der ihm während des Kampfes unter den Verband gekrochen war.
Stoisch ließ Dilios die Prozedur über sich ergehen und mühte sich, starr auf irgendeinen Punkt im Zelt zu starren, nur um die Königin aus dieser Nähe nicht anzusehen.

Nachdem Gorgo ihm den Verband erneuert hatte, fragte sie unvermittelt:
„Wie kann man diesen Schmerz verwinden?“

Da erst blickte Dilios sie an, weil sie unmöglich sein Auge meinen konnte.
Aber er erkannte daraufhin, dass sie ihn damit etwas ganz anderes fragen wollte. Nämlich das, was er ihr bei ihrem letzten Gespräch gesagt hatte.

„Gar nicht, Herrin“, antworte er dann leise. „Plötzlich ist alles anders und man steht allein. Die Götter sind grausam und wollen, dass wir mit diesem Schmerz weiterleben.“

„Hast du dich deswegen nicht neu vermählt?“

„Ja. Sie gab ihr Leben, um Sparta Söhne zu gebären. Mehr kann ich nicht verlangen.“

***
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