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Leseprobe: Daemon - Leidenschaft (alte Version)

Kurzbeschreibung
LeseprobeFantasy, Liebesgeschichte / P18 / Gen
29.03.2014
07.03.2015
3
7.731
55
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Dieses Kapitel
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29.03.2014 3.929
 
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~*~*~*~



Entführung



Duriel verspürte seit Beginn des Tages ein merkwürdiges Gefühl; ausgelöst durch die ungute Vorahnung dass dieser wunderbare Tag zunichte gemacht werden sollte. Sein Geist war abwesend, nachdenklich und wachsam gestimmt. Die Menschen um sich herum nahm er kaum war, hörte wie aus weiter Ferne ihr Gelächter und ihre munteren Worte. Er suchte. Suchte nach Anzeichen eines Vorboten des Chaos, welches er zuvor gespürt hatte. Seine grauen Augen blickten voller Sorge zu dem reinen Geschöpf, welches er unter allen Umständen beschützen musste. Dem Geschöpf, welches seinem Herrn so sehr am Herzen lag. Ein Menschenmädchen, voller Leben und Freude und einem gewissen Temperament, welches nicht so leicht zu stoppen war. Die weißen, hüftlangen Haare des Mädchens erinnerten ihn an frischgefallenen Schnee der im Winter Teile der irdischen Welt bedeckte und sie in einen weißen Mantel der Kälte hüllte. Der zierliche Körper, verhüllt durch ein ebenso weißes Kleid, ließ sie so unschuldig und zerbrechlich aussehen, dass man Angst haben könnte, sie mit jeder Berührung zu zerbrechen oder gar zu verderben. Zumindest schien es äußerlich so, charakterlich gesehen war das Mädchen wirklich liebevoll und fröhlich, doch wie jeder Mensch besaß auch sie Schattenseiten ihrer selbst. Die mitternachtsblauen Augen  blickten freudestrahlen zu ihm herüber und lächelnd winkte sie ihm zu. Duriel konnte nicht anders, als dieses herzensgute Lächeln zu erwidern. Diese gleißend helle Aura, die dieses Mädchen umgab, machte ihm mehr als einmal die unglaubliche Stärke ihrer reinen Seele deutlich, und genau wegen dieser Seele wurde Duriel hierhergeschickt. Geschickt in eine Welt, die mit der seinen nur noch wenig zu tun hatte. Sein Herr verlangte von ihm, einem Geschöpf der erhabenen Himmel, dass er alles daran setzte dieses wehrlose Mädchen zu beschützen. Kein Mensch könnte ihm diese Bürde abnehmen, nur er vermochte es, jegliche Gefahr von der Weißhaarigen abzuwenden. Duriel war ein Engel, man könnte ihn als einen Schutzengel beschreiben, der im Auftrag Gottes die zukünftige Herrscherin des Himmels vor allen Schäden bewahrte. In der Menschenwelt war er jedoch lediglich als Daniel, ein guter Freund der Familie, bekannt. Niemand durfte um sein wahres Wesen wissen, zu ihrer eigenen Sicherheit wohlgemerkt. Und doch geschah es, dass der Bruder des Mädchens ihn dabei entdeckte, wie er niedere Dämonen niederstreckte, die es auf die Seelen der Familien abgesehen hatten. Jedoch wusste nur einer, wer er wirklich war, und dieser jemand hatte ihm sein Wort gegeben, dass er sein Geheimnis behüten würde- koste es was es wolle. Duriel's Äußeres ließ nicht darauf schließen, dass sich ein Engel unter den Menschen befand. Hellrote Haare waren am Rücken zu einem Pferdeschwanz gebunden und umgaben ein makelloses Gesicht, dessen grauen Augen eine Weisheit ausstrahlten, die man selten in den Augen eines Menschen erblicken konnte. An jenem Tag strahlten sie jedoch eine tiefe, innere Unruhe aus.

Gedankenverloren und mit sorgevollem Gesicht sah der Engel permanent aus dem Fenster durch das die warme Strahlen der Sonne hineinschienen. Es wirkte so surreal, dieser Frieden, der blaue Himmel dessen Sonne bereits den Zenit überschritten und spendete eine angenehme Wärme. Sorglose Menschen genossen die spätsommerlichen Tage draußen, gingen ihrer Tätigkeit nach, wie sie es gewohnt waren. Weshalb also ließ dieses beklemmende Gefühl nicht von ihm ab? Diese dunkle Vorahnung eines Unglücks beschlich ihn immer wieder aufs Neue und dennoch vermochte er nichts Bedrohliches zu erkennen. Das Haus der Familie Lumen war gefüllt mit Freunden und Verwandten des Mädchens, niemand der eine Gefahr darstellen könnte. Unbeschwertes Gelächter und vergnügte Gespräche erfüllten die Luft; soweit eigentlich alles friedlich. Glückwünsche wurden ausgesprochen, Geschenke überreicht und im Hintergrund lief Musik aus der teuren Anlage der Familie. Duriel legte seine Hand an seine Schläfe und versuchte, dieses beklemmende Gefühl loszuwerden. Diese dunkle Aura machte ihm zu schaffen, dabei war sein Misstrauen doch völlig unbegründet! Vielleicht war er auch viel zu lange den ewigem Konflikt der Hölle und der Himmel ausgesetzt. Er als Schutzengel musste die Massaker der Dämonen auf Erden verhindern, und Dämonen hatten es wahrlich auf diese Familie abgesehen! Genug dieser tiefsinnigen Gedanken, sein himmlisches Herz begann unter diesen finsteren Einfluss zu leiden und das durfte es wahrlich nicht. Immerhin war doch dieser Tag ein Tag der Feier und der Freude. Die zukünftige Gemahlin des Herrn feierte immerhin ihren siebzehnten Geburtstag und in einem Jahr wäre der gesamte Konflikt vielleicht vorüber. Zumindest hoffte Duriel, dass der Herrscher der brennenden Höllen selbst endlich in die Knie gezwungen wird.

„Daniel? Alles in Ordnung?“ Etwas erschrocken fuhr der Angesprochene aus seinen Gedanken hoch und widmete seine Aufmerksamkeit dem Mädchen zu, welches ihn mit leichtem misstrauen wegen seines Gemütes musterte. Das sanftmütige Lächeln auf ihren Lippen und der warme Blick aus diesen tiefblauen Augen beruhigten den Engel merkwürdigerweise, wie es schon öfters war. Sein Herr hatte eine gute Wahl getroffen, doch etwas in dem Engel bemerkte, dass an ihr mehr dran war, als man mit bloßem Auge sehen konnte. Dieses Mädchen war wirklich so rein wie das Licht selbst. Ironie, dass ihr Nachname eben dies bedeutete. Lumen, das lateinische Wort für Licht.
„Mir geht es gut. Ich war nur in Gedanken, lass dir von mir nicht die Feierlaune verderben, Serah.“, wank er ab und setzte eine fröhliche Miene auf. Gelogen waren seine Worte nicht, ein Engel log niemals- ausgenommen der Gefallene natürlich. Doch an diesen wollte Duriel nun weiß Gott nicht denken. Seine Worte verschleierten nur die wahren Gründe seiner Besorgnis, und von letzterer brauchte Serah keine Kenntnis zu nehmen. Erleichtert lächelte das schöne Wesen vor ihm.
„Ich möchte aber, dass du ebenso glücklich bist. So ein ernstes Gesicht passt doch gar nicht zu dir! Na komm, vergiss deine Sorgen und Feier mit Eric und mir.“, sagte die Weißhaarige feinfühlig und zog Duriel ohne eine Antwort abzuwarten mit sich. Unbeschwert redete sie auf ihn ein, erzählte von den Geschenken, von der Feier und allen belanglosem was ihr einfiel. Duriel kannte das Mädchen langsam gut genug um zu wissen, dass sie ihn damit ablenken wollte. Der Rothaarige schüttelte nur den Kopf über sich selbst. Sie hatte recht. Es brachte ihm nichts außer Kopfschmerzen, sollte er sich noch weiter Gedanken über ein unbegründetes Gefühl der Sorge machen. Und mit diesem Gedanken wurde ihm etwas leichter ums Herz. Das Mädchen zog den Engel in Menschengestalt mit sich bis sie vor ihrem Bruder Eric zum stehen kam, der sich soeben von seinem Vater abwandte. Die Geschwister unterschieden sich wie die Nacht vom Tag voneinander. Auf eine gewisse Art erinnerte es Duriel an die Brüder des Himmelsreiches. Während Serah so hell und strahlend wie der Tag selbst war, so unterschied sich Eric so dunkel wie die Nacht von ihr. Seine schwarzgefärbten Haare hingen etwas wirr in sein Gesicht während die braunen Augen wachsam und doch so freundlich den Ankommenden entgegenblickten. Auch wenn Eric äußerlich dem dunkleren Typen glich, so war er doch ein herzensguter Mensch. Und nebenbeigesagt der Einzige, der über Duriel’s wahre Identität wusste.

„Scheinst wohl nicht gerade in Feierlaune zu sein, was Daniel?“, fragte Eric leise und nur für den Engel hörbar, als seine Schwester soeben von ihrer Mutter kurzzeitig abgelenkt wurde. Während seine Schwester lachend den Worten ihrer Mutter Gehör schenkte, konnte Eric die Chance nutzen um ehrlich mit dem Engel zu sprechen. Seine Betonung lag besonders auf der Nennung des menschlichen Namens; ein freches Grinsen zierte dabei seine schmalen Lippen. Duriel seufzte leise und strich sich eine hellrote Haarsträhne aus dem Gesicht.
„Das bin ich auch nicht... Tu mir einen Gefallen und achte Heute auf deine kleine Schwester.“, wisperte der Schutzengel zurück. Eric spannte sich bei diesen Worten leicht an, beunruhigte ihn das doch zutiefst. Ein fragender Blick bohrte sich in die grauen Augen des Engels. Ein vielsagender Blick seitens des Rothaarigen folgte bis er sich schließlich abwandte. Duriel erwiderte Nichts weiter, da in diesem Moment Serah  zurückkehrte und beide neugierig musterte.
"So wie ihr in der Masse steht könnte man meinen, ihr heckt etwas aus!", gab sie gespielt ernst zu bedenken. Eric setzte lediglich eine verblüffte Miene auf.
"Wir? Etwas aushecken? Ich bitte dich Schwesterherz, du solltest mich doch kennen!", empörte sich der dunkelhaarige Junge grinsend.
"Gerade deswegen ja.", gab Serah zurück und gab ihren Bruder einen spielerischen Klapps auf den Hinterkopf.
„Ich finde es hier ziemlich überfüllt. Wollen wir uns nicht ein bisschen die Beine vertreten?“ Glänzende blaue Augen sahen schon beinahe flehend zu beiden Männern auf, dieser ganze Trubel nahm immer mehr zu und langsam schien das Mädchen etwas überfordert zu sein. Eric zog fragend eine Braue hoch, dessen Folge lediglich ein helles Lachen von Serah war.
„Das Geburtstagskind verlässt seine eigene Feier?“ Skeptisch musterte Eric seine Schwester, die nur lachend mit den Augen rollte. Tadelnd schnalzte Eric mit der Zunge und schüttelte gespielt missbilligend den Kopf.
„Ich habe alle Glückwünsche abgefangen und langsam kann ich keine Torte mehr sehen. Bitte!“ Mit einem unwiderstehlichen Lächeln auf den Lippen brachte Serah die beiden Männer zum schlucken. Sie verfehlte ihre Wirkung nicht, dessen war sie sich selbst bewusst.
„Ich hasse es, wenn du das machst!“, seufzte Eric resigniert auf und ein freches, triumphierendes Lächeln legte sich auf Serah's Lippen. Duriel schmunzelte nur darüber.


Sehr zu Duriel’s Missfallen schlenderten sie kurze Zeit später in einem nicht weit entfernten Park. Kaum hatten sie das Haus verlassen und die schützenden, weißen Mauern hinter sich gelassen, wollte er am liebsten umkehren da seine ungute Vorahnung wuchs. Wachsam lief er hinter den Beiden und behielt sie im Auge, sah sich jedoch auch nach allen Seiten um. Vielleicht war er paranoid aber er fühlte, dass sie nicht alleine waren. Eric und Serah unterhielten sich unterdessen ausgelassen, machten hier und da Späße und wieder konnte Duriel das sanfte Strahlen ihres Körpers vernehmen, wenn Serah lachte. Diese Wärme war es, die die Engel zu diesem Menschenkind geführt hatte. Und diese Wärme würde bald schon den Himmel erfüllen. So dachte es Duriel…

Wie sehr er sich doch irrte!


~*~



Kühles, klares Wasser umspülte Serah’s nackte Füße, deren Schuhe achtlos neben ihr im Gras lagen. Die warme Sonne strahlte auf die kleine Gruppe am See, den Zentrum des Parks, hinab. Helle Lichtpunkte tanzten über der Wasseroberfläche, die sich in der sanften Brise kräuselte. Serah genoss dieses kleine Naturschauspiel mit einem versonnenen Lächeln. Es tat so unendlich gut, sich der lärmenden Menge zu entziehen und hier ein paar ruhige Augenblicke mit den ihr liebsten Menschen zu verbringen. Daniel sowie Eric waren die Einzigen, die Serah wirklich verstanden. Ihre Eltern hatten selten Zeit für die Geschwister, besaßen sie doch eine große Firma wodurch eine gewisse Summe an Geld selbstverständlich jederzeit zur Verfügung stand. Doch dieses Geld hatte Serah's Eltern verändert, hatte sie blind für ihre Kinder gemacht und nur selten, wie an Geburtstagen wie diesem, trafen sie wirklich aufeinander um miteinander zu sprechen. Es stimmte Serah traurig und auch wütend, doch ändern würde sich nichts.
„In genau einem Jahr darf ich dich dann nicht mehr als Kind sehen, was?“, durchbrach Eric’s Stimme die herrliche Stille, welche einzig durch die Laute der Natur ausgefüllt wurde. Serah kicherte hinter vorgehaltener Hand.
„Sicher. In einem Jahr bin ich achtzehn, dann ist deine kleine Schwester offiziell Erwachsen und muss sich nicht mehr die Frechheiten des großen Bruders antun.“, grinste sie vergnügt. Eric gab ein tiefes, beinahe bedauerndes Seufzen wieder während er theatralisch ihren Kopf tätschelte.
„Schade, dabei wollte ich dich doch noch länger  wie ein kleines Mädchen behandeln. Die Kinder von heute werden ja so schnell erwachsen.“, meinte der Dunkelhaarige nur dramatisch und kniff Serah in die Wange als wäre sie eine Zehnjährige. Empört öffnete diese den Mund, während Daniel sich ein Lachen nicht länger verkneifen konnte. Dieses schier menschliche Verhalten war wirklich Balsam für eine besorgte Seele.
„Daniel, hilf mir!“ Serah sah hilflos zu dem lachenden Mann, der für sie eher einem Onkel als einem Familienfreund glich, war er doch seit Kindeszeiten an ihrer Seite. Daniel grinste nur amüsiert mit unschuldig erhobenen Händen.
„Wie soll ich dir helfen, wenn dein Bruder Recht hat?“, fragte Daniel scheinheilig nach und bekam daraufhin von Serah eine Hand voll Wasser ins Gesicht gespritzt.  

Ein Tag, der schöner nicht sein könnte, doch leider hatte das Schicksal mit jedem von ihnen einen anderen Plan.

Ihre spaßige Unterhaltung wurde unsanft unterbrochen, als Duriel zusammenzuckte und eine unverkennbare Finsternis spürte, die sich über diesen Ort legte. Die eben noch so warme Sonne verschwand hinter einem undurchdringbaren Vorhang aus Dunkelheit, die sich zu großen Wolken auftürmte und jegliches Licht verschlang. Duriel spannte sich augenblicklich an und Eric zog Serah beschützend zu sich, war dies doch unverkennbar als Gefahr zu erkennen. Alle Blicke galten den Himmel, der pechschwarzen Wolken zum Opfer fiel, aus denen violette Blitze zu Boden zuckten und dort das Gras versengten. Mit einem spitzen Schrei riss Serah ihre Füße aus dem Wasser- in dem sie mittlerweile aufrecht stand- und konnte beobachten, wie sich eine dicke Eisschicht darauf ausbreitete.
„Was zur Hölle geht hier vor sich?!“, keuchte das Mädchen mit schreckensweiten Augen. Dass es hier nicht mit normalen Dingen zuging, war ja wohl leicht zu erkennen! Eric zog das Mädchen nur stumm in seine Arme und hielt sie nach wie vor fest. Beinahe etwas zu fest, sein Griff war eisern doch Angesicht dieses Schreckens war es nicht weiter verwunderlich.
„Hölle ist das richtige Wort hierfür…Eric, bring Serah hier weg!“ Daniel’s Stimme zitterte förmlich vor unterdrückter Wut. Er hatte es gewusst, niemals hatte seine Intuition ihn im Stich gelassen, so auch heute nicht. Sein gesamter Körper spannte sich an, vorbereitet auf das was jetzt kommen möge. Ängstlich sah Serah abwechselnd zu Eric und Daniel.  Sie verstand rein gar nichts mehr, was keinen der beiden Männer zu kümmern schien. Verwirrung und Angst übermannten das Mädchen, sodass es bereits Anstalten machte, zu fliehen. Einfach zu rennen, wohin auch immer! Ruckartig riss sich Serah los und wollte bereits losstolpern, doch sie stolperte und fiel noch ehe Duriel oder Eric etwas tun konnten.

Schatten krochen auf die Gruppe zu, lauernd und bedrohlich schnell kamen sie über das Eis. Schützend stellte sich Duriel vor die Geschwister, rief Eric etwas zu was Serah jedoch nicht verstehen konnte. Ehe ihr Bruder auch nur einen Fuß setzen konnte um ihr aufzuhelfen, verdichteten sich die wabernden Schatten die über den See auf sie zukamen zu einer Gestalt. Serah rappelte sich selbst wieder auf, ihre schmerzenden Knie ignorierend und ihre Augen würden wohl nie vergessen, was sie erblickt haben. Hände legten sich auf ihre Schultern, sodass die Weißhaarige zusammenzuckte und ihrem Kopf herumriss. Doch es war nur ihr Bruder, der mit seltsam ausdruckslosem Gesicht den Unmöglichen entgegensah. Eric’s Griff um die schmalen Schultern der Weißhaarigen verhärtete sich unwillkürlich, als lodernde Flammen aus dieser Schattengestalt herausschlugen. Flammenzungen leckten nach allen Seiten; versengten alles was sich in ihrem unmittelbaren Umfeld befand bis nur leblose Asche zurückblieben. Serah’s Mund öffnete sich zu einem lautlosen Schrei und mit vor Schreck geweiteten Augen starrte sie der Gestalt entgegen, die sich aus dem wirbelnden Schatten erhob.
Aus eben jener Finsternis offenbarte sich nun ein Mann, oder etwas, was dem am Nächsten kam. Tiefrote Augen begutachteten die Anwesenden, schmale Lippen verzogen sich zu einem freudlosen Lächeln sodass messerscharfe Reißzähne an den Seiten der Oberlippe hervorlugten und mit raubtierartigen Schritten trat der Fremde auf die kleine Gruppe zu. Der Körper dieses Wesens war nach wie vor in dunkle Schatten gehüllt, als wären diese eine zweite Haut die sich um ihn legte, so wie die Kleidung der Menschen. Seine Schritte hallten dumpf auf dem Gras wieder, obwohl dies nicht möglich sein dürft. Bedächtig kam er der Gruppe entgegen, breitete seine Arme aus als wöllte er sie willkommen heißen.
„Duriel, lange nicht gesehen.“ So kalt wie das Eis, welches den See bedeckte, sprach die Stimme zu ihnen. Hass sprach daraus, ein Hass der alle Drei zum beben brachte. Serah schluckte bei dem schneidenden Klang dieser unmenschlichen Stimme. Daniel unweit neben ihr, blickte mit einer Mischung aus Erschrecken und Zorn zu diesem Geschöpf der Nacht, von dessen Körper eine schier unerträgliche Hitze ausging.
„Sieh an, der Abgesandte des größten Abschaums der Welt… Hallo Mephisto, seit wann begeben sich die Höllenfürsten auf menschliches Terrain?“, sprach Daniel trocken mit hörbarer Abneigung.
„So freundlich wie immer, nicht wahr? Glaub mir, ich würde mich niemals freiwillig in diese Gegend begeben um diese stinkende Luft zu atmen, aber wenn mein Herr etwas wünscht, führe ich es selbstverständlich aus.“, spottete der Dämon keineswegs beleidigt. Sadistische Freude zeichnete sich klar und deutlich auf seinen Zügen ab. Diese Stimme behagte Serah ganz und gar nicht, doch ihre Gedanken kreisten gerade um eine andere Sache.
Duriel… Mephisto… Diese Begriffe kannte sie- stammten sie doch alle aus der christlichen Religion. Aber das konnte nicht sein, unmöglich! Sie musste Träumen… Das konnte nicht wahr sein! Unwillkürlich ging ihr Atem schneller und die Luft um sie herum schien erdrückend dick zu sein. Ungläubig wandten sich diese blauen Augen dem Mann zu, den sie bisher nur als Daniel gekannt hatte. Dieses Wesen, welches unaufhörlich näher kam, bezeichnete Daniel als Duriel? Duriel, dem Schutzengel?! Nein, Serah war sich sicher, dass all dies ein verrückter Traum sein musste, aus dem sie gleich wieder erwachen würde. Das waren nur Geschichten! Legenden, die niemals war sein würden! Ihr Verstand sträubte sich dagegen, das anzunehmen was nicht sein konnte.
„Ich bezweifle, dass du hergekommen bist um dich mit mir zu unterhalten, Mephisto.“ Daniel trat einen Schritt vor; positionierte sich somit direkt vor Serah und Eric, sodass sein Gesicht für Serah nicht länger sichtbar war.  
„Daniel?!“, rief diese verwirrt, ja beinahe verzweifelt, aus. Daniel ignorierte sie jedoch einfach und widmete seine gesamte Aufmerksamkeit Mephisto.
„Ich bin gekommen, um das zu holen was uns gehört!“, säuselte unterdessen der Dämon und streckte symbolisch seine Hand, die wohl eher einer Klaue mit ihren scharfen pechschwarzen Nägeln glich, in Serahs Richtung aus. Daniel ließ ein leises Knurren von sich hören.
„Sie wird sich nicht den Schatten zuwenden, ihr Platz ist neben meinem Herrn im Himmelsreich!“ Serah verfolgte mit Furcht diese Konversation, auch wenn deren Inhalt sie zunehmend verwirrte. Würde Eric sie nicht so eisern festhalten, so wäre sie womöglich gefallen.
„Da irrst du dich, Duriel. Die reine Seele wird ihren Weg in die Hölle antreten und du wirst nichts dagegen unternehmen können! Finsternis wird ihre Reinheit zerfressen!“ Jedes seiner Worte ließ die Luft erzittern. Eine Hoffnungslosigkeit erfasste das sonst so fröhliche Mädchen; ausgelöst durch die dunkle Stimme des Teufels vor ihnen.

Mephisto stieß nach dieser Erwiderung lediglich ein Wort in einer ihr unbekannten Sprache aus, sodass mehrere glühend heiße Flammen auf Daniel zuschossen. Laut schrie Serah Daniels Namen aus, bevor ihre Stimme entsetzt stockte. Ein greller Lichtblitz flammte vor ihren Augen auf und die Flammen verloren sich im Nichts. Daniel glich nicht mehr dem Mann, der er zuvor gewesen war. Große Federflügel breiteten sich an seinen Schultern beginnend aus, sein Körper war gekleidet in eine Montur, die einer Rüstung sehr nahe kam. Ein Windhauch war zu spüren ehe sich Duriel mit einem einzigen Flügelschlag in die Luft erhob. Silbern funkelte die scharkantige Spitze des Speeres, der nunmehr in der Hand des Engels lag. Serah’s Gesichtszüge entgleisten. Ungläubig blinzelte sie und sah zu dem Mann, der sich vor ihren Augen als Engel offenbart hatte. Sanfte Wogen aus Licht umgaben ihn wie ein Netzt, welches sich kläglich gegen die aufkommenden Schatten wehren wollte. Eben dieses Netzt verdichtete sich, als er selbst zu Boden stürzte und den Speer in den Boden rammte, wo zuvor noch Mephisto verweilte. Eine Welle aus Licht breitete sich an der Stelle ausgehend aus, wirbelte Erde auf und zerbrach das Eis des Sees. Duriel hielt den Speer vor sich auf den Teufel gerichtet, der diesem Angriff leichtfüßig ausgewichen war. Doch nun lag die kalte Klinge an dem Hals des Ungetüms, der dennoch so wirkte, als könne nichts ihm etwas anhaben.
„Verdammt Eric, nimm Serah und verschwinde von hier!“, rief Duriel eindringlich, doch nichts geschah. Teilnahmslos stand Eric da, hielt Serah fest und blickte dem Geschehen zu als wäre er nicht sonderlich überrascht. Warum tat ihr Bruder nicht, was Duriel von ihm verlangte?! Serah begann sich in seinem Griff zu winden, doch dieser wurde stärker sodass langsam ihre Arme begannen, taub zu werden.
"Eric, du tust mir weh!", rief Serah mit leiser, beinahe weinerlichen Stimme aus. Sie bemerkte, wie Duriel erneut dazu ansetzte, Mephisto den Speer in sein Herz zu jagen, doch immer wieder hüllte sich der Dämon in Finsternis und Feuer, versengte damit einen Flügel des Schutzengels, ehe ein Klauenschlag den Engel zu Boden beförderte. Er überschlug sich mehrere Male, bis er letztendlich an einem Stamm zum liegen kam. Keuchend hob Duriel den Kopf und unter größten Anstrengungen erhob er sich in die Lüfte, sein Flügel schmerzte entsetzlich und der Rothaarige bemerkte, wie er dem Höllenfürsten unterlag. Er war einfach zu mächtig, der Herrscher der brennenden Höllen hatte nicht umsonst den Dämon geschickt. Niedere Dämonen waren für Duriel kein Problem doch gegen einen Ranghohen wie Mephisto hatte er keine Chance. Er wollte lieber nicht daran denken, wenn Mephisto's Herr selbst erschienen wäre.

Eric, der Serah noch immer festhielt, kicherte plötzlich dunkel als das Mädchen zu weinen begann. Warum tat ihr Bruder das? Warum ließ er Schmerzen durch ihren Körper jagen und erfreute sich daran?! Serah riss ihren Kopf ruckartig herum. Die braunen Augen ihres Bruders färbten sich nunmehr blutrot als er grinsend seine Reißzähne offenbarte. Seine Nägel färbten sich so Schwarz wie eine Mondlose Nacht, spitzten sich und bohrten sich letztendlich in die zarte Haut des Mädchens, dem unaufhaltsam ein Strom aus Tränen über die Wangen lief. Schwarze Flammen zügelten an dem Körper von Eric empor, hüllten ihn ein und zogen sich wieder zurück um seine wahre Gestalt zu offenbaren. Die Illusion ihres Bruders verschwand und das wahre Antlitz eines Höllendieners erschien. Seine Haut wirkte um einiges dunkler als zuvor, die lockere Jeans sowie sein Hemd waren nun einem schwarzen, ledernen Gewand gewichen, dessen Schulterblätter sowie Stiefel mit silbernen Dornen versehen waren. Dunkelheit umgab ihn wie ein Umhang, der zugleich eine unmenschliche Kälte ausstrahlte die Serah augenblicklich lähmte und das Gesicht des offenbarten Dämon wirkte nicht freundlich oder jugendlich wie das von Eric. Es war unmenschlich...!  
„Eric…“ Serah’s Augen weiteten sich und sie fühlte sich der Ohnmacht nahe. Das war nun wirklich zu viel für sie!
„Eric hier, Eric da. Ich bin nicht dein Bruder, dieser ist Tod. Gestorben, damit ich seinen Platz einnehmen kann. Sieh mich nicht so an du wertloses Menschenweib, er ist deinetwegen umgekommen- nur damit wir dich in unsere Welt bringen können!“, säuselte das Wesen bedrohlich sanft und lachte kalt auf, als das Mädchen entsetzt den Kopf schüttelte. Serah’s Knie gaben nach. Ihre Lippen formten den Namen ihres Bruders und der Dämon ließ sie los, damit sie endgültig zu Boden stürzte.
Duriel’s Reaktion war nicht minder anders. Mit blankem Entsetzen starrte er Eric, oder besser gesagt den Dämon, an. Seine Lippen formten stumm das Wort „Unmöglich“, ehe er von einer weiteren Detonation, geschleudert von Mephisto, direkt ins Herz getroffen wurde. Die Unaufmerksamkeit, ausgelöst durch die Offenbarung des Feindes, brachte ihm den Tod. Seine grauen Augen weiteten sich entsetzt, ehe er in der Luft zusammensackte und das Licht, welches eben noch seinen Körper einhüllte, erlosch. Dumpf prallte der leblose Körper des Engels auf den Erdboden auf und das Einzige, was nun zu hören war, war der langgezogene Schrei der Weißhaarigen, sowie das finstere Lachen von Duriel’s Mörder.
„Bring sie zum Schweigen und beeil dich. Unser Herr wartet bereits auf seinen neuen Juwel.“ Mephisto’s unmenschlichen Augen legten sich auf die Gestalt des geschockten Mädchens, welches sich im Angesicht der toten, leeren Augen Duriel's erbrach. Ein boshaftes Lächeln zierte seine Lippen. Es war das letzte, was Serah sehen konnte, bevor alles um sie herum in tiefe Finsternis getaucht wurde.
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