Grenzüberschreitungen Teil 1

von MariLuna
GeschichteDrama, Romanze / P12 Slash
28.03.2014
08.05.2016
54
97607
5
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Disclaimer: alles meins *hahaha*

Diese Geschichte ist ein wahres Monstrum, begonnen 1998 und immer noch nicht fertig. Deshalb stelle ich es ein. Auf die Art werde ich gezwungen, weiterzuschreiben *g*

In dieser Geschichte geht es um meine Erebo - wer sie noch nicht kennt, wird sie hier kennenlernen. Bitte stört euch nicht an den Bezeichnungen oder Namen, die teilweise aus der irdischen Mythologie stammen - es hat einen Grund und wird erklärt. Zumindest für jene, die den Subtext erkennen.
Und diese Idee mit den Toren existiert nicht erst seit Stargate oder Star Trek, es gibt schon Märchen darüber, die Tausende von Jahren alt sind.
Natürlich gebe ich zu, dass mich die gängigen SF-Serien beeinflusst haben, aber das ist doch nur natürlich.
Also, genug der Vorrede, über ein Review würde ich mich wie immer freuen.
Viel Spaß!

***


Prolog


Das Wispern des Lebens rann aus jedem kleinsten Molekül der fremdartigen Pflanzen, aus ihren seltsamen, purpurfarbenen Blättern, die so scharf waren, dass die Schnitte in Shannas Händen noch immer schmerzten, obwohl sich die Wunden gleich geschlossen hatten. Das hier war ein seltsamer Ort. Es schien ein Wald zu sein, doch die Pflanzen und Bäume waren so völlig anders, mit bizarren, steil aufragenden Formen, fleischigen Fasern, an der Basis von durchscheinend weisser Farbe, die dann allmählich in Purpur überging. Geisterhafte, fahle Auswüchse, die langsam zu erröten schienen, bis sie an ihrer obersten Spitze in Blut getaucht wurden. Die Blätter dieser Bäume ähnelten in ihrer Form Eiskristallen oder einem engen Drahtgeflecht. Es war eines dieser Blätter, an denen sie sich verletzt hatte, als sie gestolpert war und sich instinktiv abgestützt hatte um nicht lang hinzuschlagen. Denn das Gras, das hier wuchs, sah noch gefährlicher aus - ein dichtes Gewirr unzähliger winziger Ranken, die sich suchend am Boden schlängelten. Dazu kamen noch die Nebelschwaden und der ständige Regen - nein, sehr gemütlich war es hier wirklich nicht. Ausserdem roch es nicht wie in einem gewöhnlichen Wald - es fehlte der Duft von Harz und Erde, stattdessen roch es nur nach Regen und Feuchtigkeit. Dennoch unterlag auch diese seltsame Natur den Gesetzen allen Lebens, es musste ihr also möglich sein, eine Verbindung herzustellen.

Sie fand Ruhe in ihrer Mitte, lauschte tief in sich hinein und gelangte so nach Anderswelt, wo das Unsichtbare sichtbar wird und das Sichtbare verschwimmt. Sie sah den Glanz des Lebens, spürte das Wispern unzähliger Lebensformen, tauchte ein in die Welt, wo die herkömmlichen fünf Sinne nutzlos waren, in eine Welt, wo nur nur das „Fühlen" etwas zählte.

Und sie fühlte.

Fühlte die Kraft, die Energie, die jedes Lebewesen hier ausstrahlte, jede Pflanze, jedes Tier, jeder Stein. Fühlte das filigrane Netz, das alles Leben miteinander verband, den dumpfen Schmerz, den die Ranken unter ihrem Gewicht ertragen mussten, die Freude, die eine Blüte an einem der Bäume empfand, als der Regen sie nässte, das zufriedene Summen der Insekten um sie herum, sie spürte, wie das alles miteinander verflochten war, wie dieses Gefühl der Verbundenheit bis tief ins Innere des Planeten reichte, ein Gefühl so tief wie bei einem einzigen grossen Organismus. Dies waren die Gesetze der Natur. Alles ist eins.

Doch als sie tiefer forschte, die Oberfläche durchbrach, fühlte sie noch etwas anderes: purpurne Kälte des Nichtwiedererkennens. Sie gehörte nicht dazu, sie war kein Teil des Ganzen.

Verblüfft hielt sie inne, versuchte es erneut, diesmal mit sanfter Eindringlichkeit, doch der Kern des Seins dieses Planeten, das hiesiger Zentrum der Anderswelt blieb ihr verschlossen. Dahinter steckte keine Feindseligkeit: es war eben so. Sie gehörte nicht hierher. Ebenso wenig wie der Rest ihrer Gefährten.

Plötzlich näherte sich ihr etwas aus den unzähligen Stimmen um sie herum, eine kleine, neugierige Kraftquelle, vielleicht der Geist eines verstorbenen Tieres. Froh, etwas gefunden zu haben, das sich ihr nicht entzog, griff sie danach und lockte es heraus, dann fütterte sie es mit ihrer eigenen Lebensenergie und liess es wachsen.

Ein heftiger Stoss warf Shanna zurück in die normale Welt. Die Stimmen um sie herum wurden zu den Stimmen ihrer Freunde. Sie klangen ziemlich aufgebracht, und bald erkannte sie auch den Grund dafür: um sie herum hatte sich die Erde zu einer drei Meter grossen Schlammlawine aufgetürmt, die sekundenlang bedrohlich über ihnen aufragte und dann mit einem satten „Platsch" auf sie alle herniederfiel.

Sekundenlang lag sie nur erschrocken auf dem Rücken und starrte auf das, was sie da eben heraufbeschworen hatte.

Mit einem lauten Schnauben löste sich Amon aus der Gruppe ihrer Gefährten und stapfte durch den wadenhohen Schlamm zu ihr hinüber, über und über mit Matsch verschmiert.

„Was sollte das eben sein, ha?" fauchte er sie an.

„Ich wollte einen Geist beschwören", verteidigte sie sich verwirrt, „aber dieser Planet hier ist so völlig anders. Ich kann keine Verbindung herstellen."

Der Albe, wie alle seines Volkes sehr erdverbunden, starrte sie sekundenlang finster an. Sie wartete direkt auf sein unvermeidliches „das-habe-ich-doch-gleich-gesagt", doch er entschied sich für eine andere Ausdrucksweise. Mit einer blitzschnellen Bewegung warf er ihr eine Handvoll Schlamm mitten ins Gesicht.

„Lass nächstes Mal die Finger von Sachen, die du nicht kapierst, klar?"

Shanna nickte kleinlaut. „In was sind wir da nur reingeraten?" murmelte sie bitter und starrte frustriert in den weinenden Himmel.
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