The Magic of Aldcrest

MitmachgeschichteAbenteuer, Romanze / P16 Slash
Engel & Dämonen Fabeltiere & mythologische Geschöpfe Geister & Gespenster Ritter & Krieger Zauberer & Hexen
26.03.2014
18.06.2019
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„Herzlich Willkommen zu den Projekttagen.“ Mr DeLuce hatte die Begrüßung übernommen und stand nun in der Aula, die Schüler des dritten Jahrgangs um sich versammelt. Die meisten müde, lustlos und nicht besonders begeistert. Einige gähnten, Evelyn hatte sich an ihren Bruder gelehnt und Rory sah aus, als würde sie gleich wegkippen.
„Wir freuen uns auf eine angenehme und produktive Woche, die wir... Himmel, Hazard, lassen Sie ihre Hände bei sich!“
Gelächter brandete auf, als Ace seine Hände hob und einen unschuldigen „Was?“-Ruf ertönen ließ, während ein Mädchen vor ihm mit überzeugenden Argumenten in ihrem Ausschnitt deutlich schmollte.
„Schon gut.“ Mr. DeLuce seufzte.  „Los, ab mit euch, zu euren Gruppen, habt Spaß, wir sehen uns am Freitag zur Präsentation.“
Er scheuchte die Schüler nach draußen, die begannen, sich zu zerstreuen und zu ihren Projektleitern zu eilen. Der Lehrer seufzte. Das würde eine anstrengende Woche werden.


***


Zur Feier des Tages hatte sich Professor Dingeldey eine Art bunten Talar angezogen, von dem nicht ganz klar war, ob es nicht vielleicht auch eines der Kleider von Miss Desire war, die bei der Wäsche im Internat vertauscht worden waren. Noch dazu war er ganze fünfzehn Minuten zu spät, weil er den Termin verschusselt hatte. Soweit also nichts Neues.
Die Gruppen von Wyn, Miss Desire und dem Referendar DeLuce waren bereits abgezogen, bewaffnet mit Rucksack, Stiften, Papier und in DeLuces Fall wurden Müllbeutel ausgeteilt. So blieben nur die Schüler, die sich für die Geistergallerie gemeldet hatten, zurück.
John war der Letzte, der dazu kam. Erin hatte es irgendwie geschafft, ihm anlässlich seines Geburtstags einen Kuchen zu organisieren und sie hatte ihm einen Terminplaner selbst „designt“, mit Tonpapier beklebt und für jeden Tag einen lustigen, ernsten oder nachdenklichen Spruch hineingeschrieben. Anschließend hatte sie ihm enthusiastisch ihre Ideen zum Umweltprojekt mitgeteilt und John hatte es nicht übers Herz gebracht, sie zu unterbrechen oder sie ein bisschen anzutreiben. So waren die Anderen aus seiner Gruppe bereits versammelt und Johns Laune sank, als er Lauren an der Wand lehnen sah.
Er hatte sich die Listen vorher nicht angesehen und sich über seine Projektpartner informiert. Nun traf es ihn wie einen Schlag ins Gesicht und als Lauren aufsah, war John klar, dass auch sie keinen Schimmer gehabt hatte, dass sie dieselbe Gruppe belegten. Beide sahen sich an und schwiegen. Dann nickte Lauren nur und wandte ihren Blick ab, Richtung Auffahrt. John sah sich nach den anderen Kursteilnehmern um und erkannte ein paar Leute. Sie waren eine größere Gruppe von knapp zehn Leuten, offenbar war die Pladderfield'sche Geschichte ein beliebtes Thema. Oder, wie John bei sich dachte, vermutlich das Thema mit der wenigsten Arbeit. Dingeldey hatte ein Talent dafür, Hausaufgaben zu vergessen oder sie gar nicht erst aufzugeben.

Nachdem der Professor endlich seine Listen eingesammelt, sich mit einem der Schüler verquasselt und, nach einem Hinweis aus der Gruppe, John überschwänglich zum Geburtstag gratuliert und ihm einen Schokoladenlolli geschenkt hatte, kam endlich Bewegung in die Gruppe. Dingeldey rief die Schüler der Reihe nach auf, dann schlug er langsam den verschneiten Weg hinuter zum Dorf ein.

Erst jetzt stellte John fest, dass noch jemand zu der Gruppen gehörte, ein Mädchen, dass die ganze Zeit über ungesehen im Schatten gestanden hatte und das seinen Blick jetzt aus ernsten, giftgrünen Augen erwiderte. Sie war klein, unscheinbar und wenn Professor Dingeldey sie nicht aufgerufen hätte, hätte John sie wohl übersehen. Auch, wenn John keine Ahnung hatte, wer sie war und sie noch nie zuvor gesehen hatte, war die Ähnlichkeit zu Wyn und zu Ben nicht zu verkennen. Die gleichen Gesichtszüge wie ihre Mutter und die gleiche defensive Haltung wie ihr Bruder. Sie wirkte schüchtern und abweisend. Innerlich fragte sich John zum hundersten Mal, wie es überhaupt hatte passieren können, dass Wyn ein Kind bekam. Noch dazu zwei. Und wie wohl das Leben mit ihr als Mutter war. Zu Ben hatte John eigentlich kaum Kontakt, irgendwie konnte er mit ihm nichts anfangen. Insofern wusste er nicht, wie sich das Zusammenleben mit der Direktorin gestaltete.

Der Weg ins Dorf war ein einziger Kreuzgang. John lief an der Seite, Lauren ganz vorne, beide bewusst den Kontakt vermeidend. Professor Dingeldey schwatze unterdessen munter vor sich hin, erzählte eine Anekdote über das Lehrerzimmer, das er mit Räucherstäbchen hatte ausstatten wollen und die alle auf mysteriöse Weise im Papierkorb gelandet waren, wofür er übernatürlichen Phänomen die Schuld gab und die Theorie vertrat, dass sich ein Poltergeist im Lehrerzimmer eingenistet hatte, der dort seinen Schabernack trieb. Die Schüler um ihn herum lachten und die Stimmung der Gruppe war bis auf John selbst ausgelassen und heiter. Im Dorf hielt Dingeldey an, forderte eine Pause und scheuchte die Schüler trotz der winterlichen Kälte in eine Eisdiele, wo er sie alle einlud.
„Minus und Minus gibt Plus“, rechtfertigte er sich, als Lauren die Augenbrauen hochzog. „Sagt zumindest Lady Wentworth. Auch, wenn ich glaube, dass sie das nur erfunden hat, um mich zu verwirren. Dennoch benutze ich es gerne als Ausrede, um dieses köstliche Karamelleis während der Unterrichtszeit zu genießen.“ Auch Lauren wurde ein Eisbecher aufgezwungen und anschließend verquatschte sich Dingeldey noch mit der Bedienung, indem er mit ihr über das Sommerfest in Nosatown diskutierte. Als sie endlich die Eisdiele verließen und zurück ins winterliche Aldcrest stapften, war es schon Mittag und Dingeldey blickte verwirrt in den Himmel.
„Wie die Zeit vergeht“, murmelte er fasziniert. „Weswegen sind wir noch mal hier? Wandertag, oder?“
„Projektwoche“, erinnerte John den schusseligen Lehrer. „Wir wollten ins Observatorium.“
„Richtig.“ Fröhlich stapfte der kleine Mann zur Hauptstraße. „Wir werden heute eine Menge über die Planeten und die Himmelsbewegungen lernen. Lauren, welcher Planet ist der Erde am Nächsten?“
Lauren räusperte sich.
„Grundwissen“, quieckte Dingeldey. „Wie wollt ihr bloß meine Klausur bestehen?“
„Venus“, erklärte Lauren trocken. „Unser Thema ist Ektoplasma, Sir.“
„Das ist mir sehr wohl bewusst“, tadelte Dingeldey. Sie hatten den verschneiten Marktplatz erreicht, wichen einem Auto aus, das sich durch den Schnee quälte und der Lehrer versuchte sich zu orientieren.
„Ach, wisst ihr was?“, gab er schließlich auf. „Lassen wir es für heute gut sein und nehmen das Observatorium morgen in Angriff. Am Ende verpassen wir noch das Mittagessen und ich glaube, die diabolischen Schwestern hatten für heute Gulasch angekündigt.“



***


Auszug aus der Post der dritten Klasse:


Gegrüßt seist du, Gran-Kor,
ich habe das Manuskript endlich fertig und werde es nach deinen Ferien an meinen Agenten weiterleiten. Wenn du es dir über die Ferien durchlesen willst, ich habe eine Figur nach dir kreiert, einen Bösewicht, der die Elemente beherrscht. Lies es dir doch mal durch, falls du überhaupt heimfährst in den Ferien.
Auch, wenn du dich ja so vehement gegen die Liebe stellst, trage ich ja dennoch Hoffnung in mir, dass deine Einstellung sich mit dem richtigen Mädchen ändert. Du weißt doch: Hinter jedem Helden steht eine starke Frau. Sei nicht zu hart zu dir und lös die Fesseln deines Geistes.
Deine Mutter ist wohl sehr gestresst, ich habe sie öfter bei Interviews und Debatten im Fernsehen gesehen. Sind denn schon wieder Wahlen? Sie wird es mir wohl nicht verzeihen, wenn ich den Wahltag verpasse.
Neulich war ich in Australien, um ein paar Forschungen für mein Buch anzustellen. Schließlich soll ja alles seinen Sinn und Zweck haben. Ich habe eine Menge Fotos, wir können sie uns bei nächster Gelegenheit gemeinsam ansehen. Ich habe deine Bilder der Schulfeier sehr genossen, du hast wirklich Talent mit der Kamera. Ist dir das Mädchen mit den pinken Haaren aufgefallen? Ihre Augen leuchten auf jedem Foto. Liegt das an der Kamera oder ist das, was ich denke, das es ist?
In großer Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen
Dein Onkel Harry

*

Mein süßer, kleiner Kuschelwu,
ich hoffe, dir geht es gut und du isst auch genug. Ich habe dir etwas Süßes ins Päckchen gelegt, man weiß ja nie, ob diese Leute dort was vom Kochen verstehen und du sollst ja auch was zum Naschen haben.
Mammi liebt dich, mein Süßer. Erst vor ein paar Tagen habe ich eine Nachricht von den Lehrern bekommen, dass man dich immer noch ärgert. Wenn das nicht aufhört, werde ich persönlich vorbeikommen und diesen bösen Jungs die Ohren lang ziehen. Sie sind nur neidisch, mein Süßer, weil du etwas ganz Besonderes bist und vermutlich haben sie nicht eine so liebende Mutter wie du. Du bist mein süßer, kleiner Schatz und ich kann es gar nicht erwarten, dich in den Osterferien endlich wieder in meine Arme schließen zu dürfen. Du bist so ein hübscher und prächtiger Junge und ich bin furchtbar stolz auf dich.
Du schreibst mir nie von Mädchen, Ryan. Wenn es ein Mädchen gibt, das würdest du mir doch sagen, nicht wahr, mein Engel? Du würdest sie deiner Mutter doch vorstellen? Oh, ich bin ja so aufgeregt, mit wem du am Ende des Jahres zur Abschlussfeier gehst. Ich habe noch einen hübschen Anzug für dich, du kannst ihn nach den Ferien mit ins Internat nehmen.
Ich vermisse dich ganz schrecklich, mein kleiner Liebling und ich liebe dich über alles
Fühle dich gedrückt und geküsst
Deine, dich liebende Mutter

*

Das Original dieses Briefes wurde in Arabisch verfasst:
Dein Vater ist ein fauler Hund. Er sagte mir, er wolle mit Abdul-Quahir über den Verkauf reden und die Ziegen fortgeben. Er war die ganze Nacht in einer Bar und hat chamr getrunken. Ich sage ihm, Allah hat verboten zu trinken, es steht geschrieben. Er sagt, es ist zur Heilung von Krankheit erlaubt. Dieser Mann ist nicht krank, aber ich werde ihm einen Grund zur Krankheit geben, wenn ich ihn noch einmal erwische.
Deine Schwester Chaïma und Ibrahim wollen heiraten im Sommer, bring Dschahanissa mit, sie wird die Hochzeit lieben. Wann werden du und Dschahanissa heiraten? Wann schenkst du mir Enkelkinder, Abderrahim? Ich werde nicht jünger und Familie ist wichtig.
Mama

*

Hey Charity,

danke für deinen Brief, ich hab mich wahnsinnig gefreut. Es ist ein bisschen einsam hier oben und das Fernstudium auch etwas trostlos, da hat mir dein Brief umso mehr Freude gemacht.

Das Wetter in Liont ist sehr schön und meiner Oma geht es langsam besser. Sie erholt sich langsam, aber stetig und vielleicht schafft sie es nach den Osterferien ohne Hilfe. Sie hat sich sehr über deine Genesungswünsche gefreut und ich soll dir alles Liebe bestellen.

Das mit dem Angreifer auf der Schule ist schrecklich. Es muss ja jemand sein, der neu ist, früher gab es ja solche Vorfälle nicht. Halt lieber mal Abstand von denen und bleib in der Nähe der Leute, die du kennst, bis es ausgestanden ist. Nicht, dass es dich auch noch erwischt.

Leider habe ich wenig Zeit, das nächste Mal schreibe ich dir ausführlicher. Ich wünsch dir ganz viel Spaß bei den Projekttagen, grüß Riley und Ben von mir

Alles Liebe

Cyrus

*

An: hazard_ace@mail.net
Ace, Liebling, du weißt, ich hab dich lieb, aber der nächsten deiner Exfreundinnen, die heulend bei mir anruft, gebe ich deine neue Handynummer. Mir ist schon zum dritten Mal das Essen angebrannt, weil ich den Psychiater spielen musste. Also, tue mir einen Gefallen und gib das nächste Mal die Nummer von Mrs. Hanson an, diese furchtbare Frau geht mir sowieso auf den Senkel, dann kann die sich damit herumschlagen.
Was möchtest du an Ostern essen?
Meld dich mal öfter, ich verbringe mehr Zeit mit deinen Exfreundinnen am Telefon als mit dir.
In Liebe
Mum

*

Alexander,
ich hoffe, es geht dir gut und das Internat entspricht einen Ansprüchen. Du solltest dich bis jetzt gut eingelebt haben. Wir erwarten deine wöchentlichen Berichte über deine Fortschritte und den Prozess, vergiss neben deiner Aufgabe deine schulischen Leistungen nicht und fokussiere dich auf deine Pflichten.
Dein Großvater ist der Meinung, du bist so weit und er hat sich bisher nie geirrt. Ich vertraue seinem Urteil. Und du solltest dasselbe tun und in dich selbst vertrauen.
Ich erwarte deine Antwort in Kürze
Mutter

*

Hallo Liam,
Harald hat mir geholfen, meinen Pc einzurichten. Ich wusste ja gar nicht, dass man so einen Unsinn machen muss. Jedenfalls habe ich deine Partyfotos in diesem Onlineportal gefunden. Wenigstens muss ich mir keine Sorgen machen, dass du deinen achtzehnten nicht gebührend gefeiert hast. Sagen eure Lehrer denn nichts dazu? Du kannst meine Freundschaftsanfrage gerne weiter ignorieren, mein Lieber, Harald ist mit Evelyn befreundet, ich kann also über seinen Account alles sehen (und kommentieren).
Vor Ostern springen mir mal wieder die Leute ab, alle wollen Urlaub und die Inventur steht an. Solltet ihr euch entschließen, herzufahren, könnt ihr mir gerne helfen und euer Taschengeld etwas aufbessern, wenn ihr im Laden aushelft.
Ich soll auch von eurer Mutter schöne Grüße bestellen. Ich habe ihr die Partyfotos übrigens nicht gezeigt. Sie hat sich nach Evelyns großer Katze erkundigt und nachdem ich ihr Profil durchgeklickt habe, kann ich sagen, dass es Skaduwee wohl gut geht. Sie hat ja erst am Dienstag ein Foto hochgeladen.
Alles Liebe auch an deine Schwester
Dein mittlerweile technisch begabter Vater

*

Heath, Liebling,
wie geht es dir? Geht es dir gut? Sind die Leute nett zu dir? Ich kann nur noch einmal betonen, wie froh ich bin, dass du nicht mehr mit diesem schrecklichen Jungen auf einem Zimmer sein musst.
Ich schreibe dir, weil ich in den letzten drei Tagen nichts von dir gehört habe und schon befürchtete, du bist krank. Du bist doch nicht krank, oder? Und du lernst auch brav für die Schule?
Ich weiß, ich klinge überbesorgt, Schatz, aber ich hatte irgendwie ein ungutes Gefühl und deswegen  muss ich einfach wissen, dass du in Ordnung bist. Ich kann die Osterferien schon gar nicht mehr erwarten.
Ich habe am Wochenende kurz mit deinem Bruder Lukas gesprochen, da er ja Geburtstag hatte. Es ist nicht leicht, den Kontakt zu halten und nach ein paar Minuten hat dein Vater interveniert. Ich bin so froh, dass ich wenigstens dich noch habe, mein geliebter Junge. Wirst du dieses Jahr wieder an den Sportmeisterschaften teilnehmen? Ich werde deinem Vater un deinen Brüdern schreiben. Ich werde auf jeden Fall da sein und zusehen, denn nichts macht mich stolzer als dir, Heath, dabei zuzusehen, wie du Freude hast, das ist mein ganzes Glück.
Wirst du dir ein neues Wahlfach wählen? Ich kann dir gerne raten, aber am Ende solltest du die Entscheidung selbst treffen, das tut dir gut, ich werde ja nicht immer da sein, um dir beizustehen.
Ich liebe dich, Heath und ich vermisse dich.
Ich hoffe, bald von dir zu hören
Deine Mum

*

Liebe Isa,
ich hörte, du bist gut bei der Irren angekommen. Grüße an Benjamin.
Dad

*

Hallo Sonnenschein,
du hast ja schon seit einer Weile keine Mail geschrieben und am Telefon hast du immer so wenig Zeit, deswegen versuche ich es mal auf dem altmodischen Weg.
Deine Lehrer loben dich in den höchsten Tönen. Sie sagen, du bist zuverlässig, engagiert und liegst weit über dem Durchschnitt. Hals dir nur nicht zu viel auf, ich mache mir ein bisschen Sorgen, dass du es übertreibst.
Wie geht es Cadan? Er meldet sich ja auch kaum noch, aber ich schätze, das ist in der Jugend so, dass man seine Zeit lieber mit seinen Freunden verbringt, anstatt sich mit den Alten zu unterhalten. Auch Mrs Lunnings hat sich nach ihm erkundigt, sie ist immer noch so dankbar, dass er ihr mit dem Computer geholfen hat. Sie sagt, seither funktioniert alles ohne Probleme und du weißt ja, sie hat immer so Probleme sich Mechaniker ins Haus zu holen bei ihren Verschwörungstheorien. Die Neuste ist übrigens, dass Aliens sie besucht haben und in ihrem Haus ein Portal zu anderen Galaxien installieren. Sie sieht es daran, dass die Teppiche immer anders liegen. Ich habe vorsichtig vorgeschlagen, dass es ja ihre Katze sein könnte, aber du kennst Mrs Lunnings ja, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat, ist ihr mit Logik nicht beizukommen.
Deine Mutter hat letzte Woche geschrieben. Es geht ihr gut auf der Farm und ich soll dir Grüße bestellen. Vor kurzem hatten sie einen Sturm, doch der Schaden hat sich in Grenzen gehalten. Sie klingt ganz zufrieden, die Staaten tun ihr wohl ganz gut.
Wie geht es deinem Knie? Keine Probleme so weit? Wenn es doch nochmal schmerzt, meinte Dr. McEwans, er hätte irgendeine neue pflanzliche Methode, die er gerne ausprobieren will. Normalerweise halte ich ja nichts von so einem Humbug, aber ich denke, man sollte nichts außer Acht lassen. Es geschehen immer wieder Wunder.
Das Nachbarhaus ist jetzt bezogen, eine junges Ehepaar mit einem Jungen. Die Abwechslung wird der Nachbarschaft ganz gut tun. Der Kleine ist ziemlich frech, neulich hat er sich vor seinen Eltern in dem Baumhaus versteckt, die vor Sorge fast zerflossen sind. Aber gemeinsam konnten wir ihn dann doch herunterlocken. Ich habe ihm erlaubt, in dem Baumhaus zu spielen, es steht ja schon ewig leer und Kinder lieben solche Orte. Ich bin davon ausgegangen, dass es dich nicht stört, wenn Michael (so heißt der Junge) dort drin ab und an Piratenquartier bezieht (er hat das Haus zu seinem Schiff erklärt und ich höre seine Spiele bis in die Küche, man hat gleich das Gefühl, man ist zehn Jahre jünger).
Ich freue mich schon, dich in den Osterferien wiederzusehen. Ich weiß, Eli, du hast viel zu tun, aber vielleicht kannst du dich ja doch dazu durchringen, die Ferien zu Hause zu verbringen. Ich würde mich sehr freuen, wenn du es dir überlegst.
Ich wünsche dir eine schöne Woche und ich hoffe sehr, dass wir uns bald sehen
Liebe Grüße
Dein Vater

*

An: badsnowwhite@mail.net
Hey Blair,
schade, dass du die Osterferien über an der Schule bleiben willst. Ich fänds cool, wenn du es dir nochmal überlegst. Uni ist gerade stressig, kann also nicht so viel schreiben.
Ja, sie heißt Cassidy und ist in meinem Semester. Hab sie vor zwei Monaten auf einer Party kennen gelernt über meinen Mitbewohner. Wie läuft es bei dir so? Was Neues in Sachen Kerle?
Sehen wir uns an Pfingsten?
Grüße
Flo

*

An: csullivan@mail.net
Hey, Kleiner,
sorry, dass die Mail so spät kommt, Nora hatte Stress auf der Arbeit wegen der Beförderung und das hat uns beide ziemlich in Atem gehalten und uns den letzten Nerv geraubt.
Meggie sagt, du hast irgendein Mädel verprügelt. Als ich gesagt hab, dass die Schlampe es schon verdient haben wird, fand sie das nicht so lustig. Ne, ernsthaft, Kleiner, Mädchen schlagen macht man nicht. Zerstör ihr lieber die Frisur oder sperr sie auf der Toilette ein. :P
Ich hab mit Meggie wegen der Osterferien geredet, das geht klar, ich hol dich vor der Schule ab und dann geht's ab ins Wallis. Tu mir nur den Gefallen und sag Mum nichts, das gibt nur wieder Krieg. Schreib mir, wenn es klappt. Nora lässt dich grüßen, sie freut sich schon.
Halt die Ohren steif und lass die Einrichtung ganz.
Love
Jem
P.S.: Grüß Elay und sag ihm danke für die Karte. Ja, ich weiß, dass die nicht von dir kam, aber netter Versuch.

*

Liebe Erin-Sofia, lieber John,
eure Halbjahreszeugnisse haben uns erreicht und, lieber John, wir sind sehr zufrieden. Deines, liebe Erin-Sofia, ist eine Nachsendung deiner alten Schule und obwohl die Zensuren nicht sehr beeindruckend waren, so haben wir doch mit deinen Lehrern aus Aldcrest gesprochen und es ist uns viel Positives zu Ohren gekommen. Wie wir hören, hast du dich für das Orchester entschieden, eine gute Wahl, so übst du regelmäßig dein Instrument und die Stunden an der Musikschule machen sich nicht unbezahlt.
Großmutter Lisbeth hat angekündigt, uns in den Osterferien zu besuchen und das Fest mit uns gemeinsam zu feiern, sie hat euch beide auch schon lange nicht mehr gesehen und so haben wir uns entschieden, das Gästezimmer für sie zu einzurichten.
Wir hoffen, liebe Erin-Sofia, du hast an der Schule bereits Anschluss und Freunde gefunden, und wir hoffen ebenso, dass du, lieber John, eine Auge auf deine Schwester hast. Nimm sie ein wenig an die Hand und hilf ihr, sich einzugewöhnen. Gehe ihr mit gutem Beispiel voran, an dem sie sich orientieren kann und hilf ihr in der Schule.
Wir freuen uns auf das baldige Wiedersehen mit euch
In Liebe
Eure Mutter

*

An: kahoku.orlow@mail.net
Hey, kleiner Stern,
die Surfsaison geht bald los und die Wellen sind noch durch die Stürme hoch und gefährlich. Ich habe ein tolles neues Riff entdeckt, noch völlig unberührt und es ist nicht tief. Ich habe den Ort noch niemandemverraten, damit wir ihn gemeinsam erkunden können.
Ich kann verstehen, wenn du nicht gleich wieder heim willst, wo du doch gerade angekommen bist, aber spätestens in den Pfingstferien will ich dich wiedersehen, ich glaube kaum, dass der englische Ozean so schön ist wie unserer und alle hier vermissen dich schrecklich, du fehlst uns.
Was deine Mutter betrifft, gibt es keine Veränderung, tut mir Leid, Stern, ich besuche sie jeden Tag, aber ich denke, wir müssen wohl einfach abwarten. Pass gut auf deine Kette auf und halt dich in den Schatten, melde dich, wenn irgendetwas passiert und suche dir jemanden, dem du vertrauen kannst.
Ich erwarte bald einen Anruf von dir
In Liebe
Dein Dad

*

Für Ishan und Cadie sind seit ihrer Ankunft keine Nachrichten eingetroffen. Auch Tate hat keine Post erhalten.
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