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The Magic of Aldcrest

MitmachgeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16 Slash
Engel & Dämonen Fabeltiere & mythologische Geschöpfe Geister & Gespenster Ritter & Krieger Zauberer & Hexen
26.03.2014
13.01.2021
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13.01.2021 6.041
 
Es war früher Abend, als sich die Schüler von Aldcrest um die Feuerstelle versammelten, welche die Lehrer wieder neu aufgebaut und in Gang gebracht hatten. Eine kleine blaue Flamme flackerte hier munter unter zwei kleinen Kesseln, die bei näherem Hinsehen und Schnuppern Tee und Kaffee beinhalteten. Obwohl der Müll beseitigt, die Zelte wieder aufgerichtet und die Kleider von den Bäumen heruntergeholt worden waren, sah man dem Lager noch deutlich an, dass Scopum hier durchgerauscht war: Notdürftig geklebte Risse in den Zelten, nasse Wäsche auf Leinen, Schüler, die nach bestimmten Gegenständen suchten, die Scopum zum Opfer gefallen waren.
Seit dem Zusammenstoß zwischen Evelyn und den fremden Schülern war es ruhig geblieben. Am See blieben die Aldcrestler für sich, weder Scopum noch Meryndale ließ sich blicken und der unausgesprochene Verdacht war, dass Mr DeLuce dahinter steckte, der, nachdem Evelyn sicher im Lager angekommen war, verärgert den Pfad um den See herum nahm. PJ behauptete, er habe Schreie gehört, aber das war natürlich Unsinn.
Die Schüler waren erst nach und nach von dem Geländespiel eingetrudelt. Jeder bekam mit, dass Erin einen Feenbiss abbekommen hatte und das Thema der toten Feen im Wald hielt sich eine Weile in der Gruppe. Schließlich machte auch Evelyns Unfall die Runde und Scopums neuerliche Provokation. PJ, Riley und Ace waren diejenigen, die dafür sorgten, dass die Nachrichten von einem zwanglosen Treffen nach dem Abendessen die Runde machten, denn Ishan hatte sich abgesetzt und schien einen kompletten Launenumschwung erlebt zu haben. Sogar PJ ließ ihn in Ruhe, als er aus dem Lager verschwand.
Ob die Lehrer mitbekamen, was ihre Schützlinge planten, war schwer zu sagen, Mr Lavender sicher nicht, er schien sich zum neuen Launen-Beauftragten ernannt zu haben, denn er schlenderte summend durchs Lager, rechnete die Punkte des Geländespiels zusammen und sammelte die leuchtenden Steine auf verschiedenen Haufen.
Ishan fehlte beim Abendessen und auch Evelyn und Erin blieben in den Zelten. John, der nach seiner Schwester sah, musste feststellen, dass sie tief und fest schlief und Evelyn wachte zwar auf, doch Riley brachte es es nicht übers Herz, sie aufzuscheuchen.
„Schlaf weiter“, sagte sie nur. „Ist noch Zeit, wollt nur nach dir schauen.“
Das Abendessen fiel also kleiner auf und Mr Lavender ließ es sich dennoch nicht nehmen, seinem geschrumpften Zuschauerkreis den aktuellen Punktestand zu präsentieren.
„Wir haben einen neuen Gewinner“, erklärte er. „Zuerst einmal haben wir eure Quizzettel vom Museum ausgewertet. Und ich muss schon sagen, manche waren eine wirkliche Schande.“ Er wedelte bedeutungsvoll mit einem Zettel, auf dem jemand nur vier von fünfundzwanzig Punkten erreicht hatte.
„Auch eine wahre Schande, dass nur eine Gruppe von euch die Zusatzaufgaben lösen konnte, weil er sich die Mühe gemacht hat, die Extra-Ausstellung im Obergeschoss anzusehen. Somit gibt es nur einmal volle Punktzahl. Herzlichen Glückwunsch Lilia und Katherine.“
Wenigstens Kathy lächelte zufrieden. Doch die Euphorie blieb aus. Die Stimmung der toten Feen hatte sich schwer auf die Gemüter gelegt.
„Auf Platz zwei mit dreiundzwanzig Punkten, Janessa und Ben!“
Ben deutete eine alberne Verbeugung an, als Liam pfiff, doch so richtig wollte die Stimmung nicht wieder in Schwung kommen. Sowohl Elijahs als auch Isas Team hatten jeweils einundzwanzig Punkte erzielt, die anderen weitaus weniger. Die meisten hatten die Rallye im Museum nicht sonderlich ernst genommen, was sich in den Punkteverteilungen niederschlug. Beim Geländespiel hatten Isa und John gewonnen und waren damit vor Angel und Elijah in Führung gegangen. Überraschend hatten Evelyn und Riley, obwohl sie keinen Goldstein gefunden hatten, durch viele kleine Steinchen gepunktet. Mr DelDesincourt kündete an, dass es die Möglichkeit zur Revanche geben würde, aber auch er schien mit den Gedanken woanders. Einige hatten mitbekommen, wie er gemeinsam mit Miss Desire, die eigentlich bei den Jüngeren die Aufsicht führte, für eine ganze Weile in den Wald verschwunden war.
Mr DelDesincourt schien zu riechen, dass mit seinen Schützlingen heute nicht mehr viel anzufangen war und er schien auch selbst in Gedanken. Desire tauchte irgendwann im Camp auf und zu vier saßen die Lehrer um das Feuer und unterhielten sich leise. Doch den Aldcrestlern war es nur Recht.
„Steht heut noch was an?“, erkundigte sich Ace. „Oder sind wir entlassen?“
Mr Lavender wandte sich auf seinem Campingstuhl um. „Der Rest des Abends steht zur freien Verfügung. Geht ins Wasser, spielt ne Runde Volleyball, tobt euch aus.“
„Und haltet Abstand“, fügte DelDesincourt an. Wovon, das musste keiner aussprechen.
In Grüppchen bewegten sich die Aldcrestler nach unten Richtung Wasser. PJ sah sich erfolglos nach Ishan um, Riley kroch ins Zelt zu Evelyn und Ace, der wohl nach Erin sehen wollte, wurde von Janessa gestoppt.
„Ich schaue nach“, sagte sie kalt und Ace zuckte lediglich die Achseln und wartete. Am Ende mussten sie jedoch wenigstens auf Ishan und Erin verzichten. Ishan war nicht aufzutreiben und keiner hatte eine Ahnung, wohin er verschwunden war. Erin dagegen schlief wie eine Tote und sachte ließ Janessa den Zeltvorhang zurückfallen. Evelyn sah ebenfalls nicht so aus, als könne sie noch viel leisten. Ben und Riley tauschten bedrückte Blicke, als sie aus dem Zelt krabbelte und beide griffen ihrer Freundin unter die Arme, die ächzte.
„Evie...“, begann Riley sachte. „Bist du dir sicher?“
Sie fing sich einen strengen Blick und gab auf. Gemeinsam schafften sie es nach unten zum Steg, wo bereits ein Großteil der Aldcrestler sich versammelt hatte und auf sie wartete. Einige, wie Ben und Lilia, hatten Decken mitgenommen und machten es sich unter dem Baum an der Schaukel bequem. Andere, wie Katherine, hatten ein Buch unter dem Arm, eine sichtbare Ausrede, wieso sie sich hier aufhielten, PJ und Liam waren beide in Badeklamotten. Riley und Ben schafften es mit Evelyn auf die Wiese und angesichts ihres erbärmlichen Zustands, zeigten sich einige betreten Blicke. Jemand reichte sein Sweatshirt für sie herüber, ein anderer rollte ein Handtuch, das Riley ihr unter die Hüfte schob. Elijah löste sich aus der Gruppe, ging neben Evelyn in die Hocke und wechselte ein paar leise Worte mit ihr, bei denen sie nickte. Kaum jemand bekam mit, wie er ihr die Hand auf den Arm legte und Evelyn mit einem leisen Seufzen die Augen schloss.
Alle waren sie gekommen. Sechzehn Schüler. Sieben Jungen und neun Mädchen. Mit Ausnahme von Erin und Ishan hatten sich alle rechts vom Steg unter den Bäumen bei Wyns Schaukel eingefunden. In mehreren kleinen Grüppchen hatten sie einen lockeren Halbkreis gebildet, der sich zum Wasser öffnete. Ben, Riley und Evelyn hockten beieinander, Liam und PJ daneben. Heath hatte sich zu John und Isa gesetzt, Janessa ließ sich bei Elijah und Angel nieder. Ace war zu Lilia, Katherine, Charity und Cadie gerückt, wobei einzig Cadie strahlte, als er sich setzte. Riley in der Mitte des Kreises räusperte sich schließlich.
„Setzt euch, setzt euch“, forderte sie. „Ich erkläre hiermit das geheime Treffen gegen die Scopum-Plage für eröffnet.“


]~*~



Ein leichter Wind ging und ließ Wellen auf dem Wasser kräuseln. Die Wärme des verblassenden Nachmittags lag noch in der Luft. Dennoch war es ungewohnt still und ernst unter den Bäumen. Alle blickten erwartungsvoll auf Riley, welche die Runde eröffnete. Es sprach im Prinzip für sich, dass alle erschienen waren. Wirklich alle.
„Hört, hört“, spottete Ace, aber keiner ging darauf ein. Riley begann.
„Wir haben das hier angeleiert, PJ, Evie und ich, weil wir der Meinung sind, dass wir uns mal dringend über das Scopum-Problem unterhalten sollten. Wir alle. Ich weiß nicht, ob alle mitbekommen haben, was heute Nachmittag mit Evelyn passiert ist, aber nach der Scheiße mit unserem Lager sind die eh schon zu weit gegangen, wenn ihr mich fragt. Es ist Zeit, dass wir mal dadrüber reden, was wir machen...“
„Was ist mit Evelyn passiert?“, wollte Janessa wissen. „Gabs noch einen Vorfall?“
Auch Lilia hatte unterbrochen und Riley sah sich zu ihrer Freundin um. Die nickte.
„Wir haben die Scopumer zu fünft getroffen“, berichtete Riley knapp. „Evelyn, Liam, PJ, Ace und ich. Und naja. Die Hawaii-Tante stand oben an der Düne und hat Wache gehalten und die zwei Vollpfosten haben uns mega krass provoziert. Also, übel. Wir sind nicht auf die zugegangen, die kamen zu uns und haben Sprüche abgelassen, die waren krass. Jedenfalls… naja, es ist eskaliert. PJ und Liam sind auf die los, bis DeLuce eingeschritten ist. Jedenfalls kam Evelyn drauf, dass das total seltsam war. Fast so, als wollten die uns austesten.“
Evelyn räusperte sich jetzt doch. „Gaben sind ja was total Persönliches“, sagte sie. „Und das wirkte so, als wollten die uns ausspionieren. Also, als wollten die wissen, was wir können und haben uns darum provoziert. Ich weiß, das klingt total bescheuert und vage, aber...“
„Nein, das macht Sinn“, unterbrach Janessa sie erneut. „Das macht sogar ziemlich guten Sinn. Der Lehrer von denen lässt die ja ohne Leine laufen und die haben es sich zum Freizeitprojekt gemacht, uns den Krieg zu erklären. Und damit meine ich, den aktiv zu führen. Da ist es natürlich das erste, rauszufinden, was der andere kann und nicht kann.“
„Es klingt halt echt wie Krieg“, murmelte Katherine. Auf ihrem Schoß lag Lilias Buch. Obwohl es geschlossen war, sah man ihm die Spuren der Scopumer an. Dennoch zögerte Katherine und wedelte abwehrend mit den Händen, als sie alle Blicke auf sich gerichtet fand. „Ich mein ja nur“, beschwichtige sie. „Ich mein klar, was die machen, ist daneben und voll nicht okay… aber Krieg ist schon ein schweres Wort.“
Ob es an der Sprachbarriere lag, dass sie schwer benutzte, oder ob es Absicht war, ließ sich nicht sagen.
„Pah, nach dem, was die sich geleistet haben, ist Krieg gerade richtig“, begehrte Liam auf. „Die können sich auf was gefasst machen.“
„Vielleicht sollten wir das hier ein bisschen koordinierter angehen“, schlug Janessa mit gerunzelter Stirn vor, als mehrere Leute gleichzeitig dazwischen redeten. „Wenn ich einen Vorschlag machen darf, Riley?“
„Nur zu.“
Janessa machte eine Geste, mit der sie sich wohl früher das Haar zurückgetrichen hatte und die jetzt in der Luft hängen blieb.
„Wir sind alle von den Scopumern geschädigt worden“, sagte sie. „Manche mehr, manche weniger. Aber dank der Aktion mit dem Lager hat es alle erwischt. Wir sind eine große Gruppe und wenn wir das Thema Scopum gleich ausdiskutieren, dann werden ein paar sich hier mit Sicherheit ausschweigen. Beziehungsweise unsere Meinungen gehen sicher ein bisschen auseinander bei dem Thema. Ich würd gerne einfach mal wissen, wo jeder steht. Was seine Meinung zu der Sache ist. Wir sind ja hier, um uns eine Maßnahme gegen die Scopumer zu überlegen, oder?“
Vereinzeltes Nicken.
„Wenn wir alle an einem Strang ziehen wollen“, fuhr Janessa fort. „Dann sollte sich auch jeder einmal zu Wort melden. Was er über die Sache denkt, wie wir handeln sollten, ob wir eingreifen sollten. Dann wissen wir, wo wir stehen. Sonst entscheiden am Ende die Lauten und der Gruppenzwang, aber eigentlich sind wir gar nicht alle an Bord.“
„Klingt gut“, sagte Riley. „Machen wirs wie bei DeLuce? So mit Sprechtier?“
„Sprechtier?“, spottete Ace, doch Janessa schnitt ihm das Wort ab.
„Das finde ich gar nicht schlecht. Hat jemand etwas, was man rumreichen kann? Ein Federmäppchen, oder so?“
„Ich hab eine Sonnencreme.“
„Ey, ich fass das nicht an!“
„Oh, ich… ich hab was.“ Cadie wühlte in einer Tasche, die wohl Charity gehörte und förderte ihr schreckliches, singendes MacDonalds-Spielzeug zu Tage: Eine pinke Plastikfee mit großen Plastikaugen und einem mintgrünen Tu-Tu auf einem Podest. Als Cadie auf den Knopf an der Unterseite drückte, begann das Ding eine quäkende und leiernde Melodie abzuspielen und die Aldcrestler stöhnten auf.
„Ich schmeiß das in den See!“, drohte Angel böse.
„Das ist aber schlecht für die Umwelt“, argumentierte Cadie munter. Janessa streckte fordernd die Hand nach der Plastikfee aus und nahm sie Cadie ab.
„Wenn einer auf den Knopf drückt, ertränke ich ihn“, warnte sie in die Runde. „Aber, ja, das sollte ausreichen. Kurz ein paar Worte, keine Monologe.“ Sie drehte die pinke Plastikfee angewidert in der Hand. „Ne Fee“, brummte sie dann. „Passt ja.“ Sie hielt den Gegenstand in die Runde. „Möchte jemand anfangen? Und dann reihum?“
„Ich mach“, sagte PJ und schnappte sich die Fee. „Also...“, begann er. „Ich bin der Meinung, dass es Zeit ist, dass wir was unternehmen. Gegen Scopum. Die sind zu weit gegangen. Meine Kleider sind nass und angepinkelt, mein MP3-Player ist kaputt, weil die da drauf rumgetrampelt sind, der war ein Geschenk von meiner Schwester, keine Ahnung, ob mein Schlafsack bis heute Abend trocken wird. Und ich finde, den Mädels die Haare abzuschneiden, das ist ja schon Körperverletzung, Es wird also echt Zeit, denen mal zu zeigen, dass die sich mit den Falschen angelegt haben.“ Er reichte die Fee an Riley weiter.
„Seh ich auch so“, pflichtete die bei. „Die haben das angefangen. Schon am See, wo Nessa sie im Wasser geschlagen hat. Da wars ja schon vorbei. Die haben das gestartet, nicht wir.“
Evelyn war die nächste. Sie zögerte eine Weile.
„Eigentlich“, sagte sie. „Haben wir angefangen. Im Museum. Als wir ihnen die Klammern angehängt haben und sie immer wieder stolpern lassen.“ Ace wollte etwas sagen, doch, Lilia boxte ihn in die Seite und er ließ Evelyn ausreden.
„Ich weiß, vorher wars schon krass“, fuhr Evelyn fort. „Aber vorher… da wars noch nicht so schlimm. Hayden war noch nett zu uns… ihr wisst schon, der mit den langen Haaren. Aber nach dem Museum wars vorbei. Die waren unhöflich, klar. Aber wir haben den Anfang gemacht. Schon vorher am See mit der aus Hawaii.“
Sie sprach nicht aus, dass Ace sie gewürgt hatte. Sie musste es auch nicht. Ein paar verhaltene Blicke gingen zu ihm, doch alle schwiegen.
„Angefangen haben also wir“, sagte Evelyn. „Aber die Reaktion, die von denen kam, rechtfertigt es nicht. Haare abschneiden. Unser Eigentum zerstören. PJ hat Recht, das ist auf jeden Fall ne Straftat. Und ganz egal, ob wir wollen oder nicht, wir sind schon im Krieg. Die sitzen da drüben in ihrem Lager und planen und arbeiten gegen uns. Und die… die haben keine Grenze. Versteht ihr? Der Lehrer lässt die machen, was die wollen und...“ Sie fing Janessas Blick auf. „Ja, ich weiß, ich soll zum Punkt kommen. Also, meine Meinung ist, wir müssen was unternehmen. Finde ich gerechtfertigt. Sonst bleiben wir das Opfer in der Geschichte.“
Sie reichte die Plastikfee an Ben. Auch er schien zu überlegen.
„Evelyn hat Recht“, sagte er. „Wir haben das angefangen. Es rechtfertigt in keinster Weise die Reaktion von den Scopumern. Ich weiß nicht… ich denke, wir… lyncht mich jetzt nicht, ich denke, wir sollten es vielleicht auf sich beruhen lassen. Oder… naja, eine Reaktion in Maßen. Sonst ist hier richtig Krieg.“
Liam nahm das Spielzeug. „Und wenn wir nichts machen?“, wandte er sich an Ben. „Dann lernen die dich nur, dass die machen können mit uns, was sie wollen. Der Lehrer lässt sie einfach. Die brauchen dringend Mal eine vor die Klatsche. Ganz dringend. Wir lassen nicht so mit uns umgehen. Auf unsere Sachen pissen? Unser Zeug kaputt schlagen? Und die haben die Meryndaler auch übel gemobbt. Leute in den See geschmissen, beleidigt. Sie brauchen eins vors Maul. Ganz dringend. Ich lass mich nicht weiter von denen fertig machen.“

In den meisten Fällen waren sich die Meinungen gleich. Heath gab sich zurückhaltend, doch auch er war der Meinung, dass etwas unternommen werden sollte. Lilia, Ace und Cadie sprachen sich alle drei dafür aus, etwas gegen die Scopumer zu unternehmen, Katherine war ebenfalls dabei und hob empört ihr Buch in die Höhe, nur Charity druckste herum.
„Ich… ich weiß nicht“, sagte sie. Dass alle sie anstarrten schien ihr gar nicht zu gefallen. Sie wollte die Fee schon weiterreichen, doch Janessa hielt sie auf.
„Das ist keine Aussage, Charrie.“
Charity biss sich auf die Lippe. „Ich denke...“ Sie brach ab. Doch Janessa blieb gnadenlos.
„Die… das bringt doch nichts“, sagte Charity leise. „Wenn… wenn wir was machen, dann machen die wieder was und dann machen wir wieder was und am Ende… am Ende ist es dann richtig schlimm. Die fahren doch eh. Es lohnt sich nicht. Und DelDesincourt hat unser Lager geschützt.“ Ungläubige Blicke trafen sie. „Ich finds nicht okay“, verteidigte sich Charity. „Was die gemacht haben, meine ich. Aber es führt doch zu nichts. Wir sollten mit DelDesincourt reden, dass eingreift.“
John, der das Spielzeug als nächstes annahm, runzelte die Stirn. „Die Lehrer“, sagte er und ein verächtlicher Ton war zu hören. „Die werden uns nicht helfen. Haben sie nie. Nicht wirklich. Nicht, wenn es drauf ankommt. Denkt mal drüber nach. Die kommen, machen ihren Unterricht und tauchen auf, wenn die Hütte schon brennt. Wo waren die, als die Geister in der Schule ausgebrochen sind? Wo waren die, als der Durchgeknallte aus der Vierten die Schatten losgelassen hat? Sky wär fast gestorben, Ben wär fast gestorben, Cadie, Rory, Evelyn. Die Liste ist endlos lang. Und Mobbing… das ist doch für die ein Kavaliersdelikt. Schaut euch Wyn an, die hat Mobbing doch auf die Stirn geschrieben… sorry, Isa. Haben die einmal eingegriffen, wenn mal wieder irgendwer irgendwen fertig gemacht hat? Der einzige, der da wirklich was gerissen hat, ist Derra und keine Ahnung, wann der wieder auftaucht.“ Ein Blick ging zu Janessa, doch die schwieg. Ihre Miene wirkte versteinert.
„Fakt ist, wir sind auf uns allein gestellt“, sagte John. „Uns hilft hier keiner. Hat es noch nie. Es wird Zeit, dass wir das selbst in die Hand nehmen.“
Er reichte die Plastikfee an Isa. Ihr Blick ging zu Ben und es war, als würde eine stumme Kommunikation ablaufen. Alle warteten.
„Wenn Mum hier gewesen wäre“, sagte sie schließlich ruhig. „Dann wäre das anders abgelaufen. Mum hätte etwas getan. Aber ich weiß nicht, ob das die beste Idee gewesen wäre.“ Sie wog ihre Worte ab. „Wir verdienen Respekt“, sagte sie schließlich. „Und mag sein, dass wir den Krieg gestartet haben. Aber nicht alle von uns. Trotzdem haben sich die Scopumer gegen uns alle gewandt. Wir sollten etwas unternehmen. In Maßen.“
Die Antwort überraschte. Doch keiner kommentierte.

Auch Janessa sprach sich dafür aus, sich gegen die Scopumer zu wehren. Doch sie blieb sehr knapp.
Angel und Elijah waren die letzten in der Reihe. Elijah, der die Fee von Isa annahm, drehte diese nachdenklich in der Hand.
„Ich hab mal überlegt“, sagte er. „Woher diese Arroganz kommt. Rein zahlenmäßig sind die uns ja weit unterlegen. Aber da ist diese Sicherheit, dass wir ihnen nichts anhaben können. Als wären wir nicht intelligent genug, es ihnen heimzuzahlen.“ Er blickte zu Angel. „Cadan und ich waren vorhin mal eine Runde spazieren. Am Lager von denen. Und… ich weiß nicht, ob einer von euch schon Mal dort war und es gespürt hat, aber… ich denke, die haben einen Imperialzauber um ihr Lager gelegt. Einen starken. Es ist das gleiche Gefühl. Oder vielleicht einen starken Schutzzauber...“ Er brach ab und drehte erneut die Fee in den Händen. „Die fühlen sich sicher“, sagte er dann. „Die leben in der Sicherheit, dass wir ihnen nichts können und dass wir niemals Gleiches mit Gleichem erwidern können oder vielleicht sogar wollen. Wenn wir uns also zur Wehr setzen, müssen wir das schlau anfangen.“
„Aber das heißt, du bist dafür?“, hakte Riley nach. „Du bist dafür, dass wir etwas unternehmen.“
Elijah verzog das Gesicht. „Jemand hat auf meinen Terminplaner gepinkelt. Irgendwo ist eine Grenze.“
Auch Angel nach ihm hielt sich kurz. „Bin dabei“, erklärte er nur. Es gab ein Knacken, als die Plastikfee vom Podest brach. „Ups“, erklärte er reuelos. Empört schnappte Cadie nach Luft, aber Janessa hob die Hand.
„Wir sind uns also zum Großteil einig“, sagte sie. „Ein paar haben jetzt Bedenken geäußert. Wärt ihr trotzdem dabei, wenn wir uns gemeinsam gegen die Scopumer zusammen schließen? Charity? Ben?“
Charity zuckte die Achseln. Ben nickte langsam.
„Ja“, sagte er. „Schon. Wie gesagt, in Maßen. Ich werd mitmachen, wenn es ne gewisse Grenze nicht überschreitet. Also, Gleiches mit Gleichem und so, da wär ich raus. Beim Lagerpinkeln bin ich nicht dabei.“
„Wobei es eine Idee wäre“, brummte Liam. „Wir hatten ja mal überlegt, ob wir ihnen am Waschhaus auflauern und den Kopf in die Toilette stecken.“
„Das ist zu flach“, sagte Elijah und Totenstille trat ein. Vermutlich, weil es die ersten Worte waren, die Elijah und Liam seit Monaten gewechselt hatten. Liam war so perplex, dass er nicht reagierte.
„Ich denke nicht, dass Gewalt hier die Lösung ist“, fuhr Elijah ungehindert fort. „Und da wäre ich auch, um ehrlich zu sein, raus. Ich denke, wir sollten anderweitig einen Punkt setzen. Außerdem könnten wir die Waschhäuser niemals völlig kontrollieren. Ganz abgesehen davon, dass wir nicht wissen, welche Gaben die drei haben.“ Er fuhr sich mit dem Zeigefinger über die Unterlippe, als er grübelte.
„Das Lager von denen“, sagte er schließlich langsam. „Da liegt ein Zauber drum. Einer, der uns vermutlich daran hindert, dort reinzukommen. Vielleicht gibt es eine Möglichkeit, den auszutricksen.“
„Vielleicht ist reichlich vage, Lijah.“ Das war John. Doch wieder war es Isa, die überraschte.
„Eigentlich nicht“, sagte sie. „Das ist Feengelände. Für alle größeren Schutzzauber braucht man eine Genehmigung. Es kann also nur ein kleiner sein. Die sind ja meistens dafür ausgelegt, um Nicht-Begabte fern zu halten. Oder… es funktioniert ähnlich wie die Türen in Aldcrest. Vielleicht können wir das wirklich nutzen. Oder den Zauber sogar brechen.“
„Und dann?“, fragte Ace. „Was dann? Nur mal angenommen, wir kommen echt in das Lager von denen rein. Ohne, dass die es merken. Was dann? Offenbar wollen wirs denen ja nicht mit gleicher Münze heimzahlen. Lassen wir dann ne Postkarte da, wo drauf steht, Aldcrest war hier?“
„Wir könnten wenigstens die Zelte zerschneiden“, pflichtete Lilia ihm bei. „Oder Juckpulver in die Schlafsäcke.“
„Das ist so Kindergarten. Die zerstören unsere Sachen und wir streuen ihnen ein bisschen Juckpulver in die Kissen.“
„Was ist mit unseren Gaben?“, hakte PJ jetzt nach. „Hat einer von uns irgendwelche Special-Talente, die wir gegen die einsetzen könnten?“
Jetzt schwiegen wieder alle. Es war ein Thema, über das niemand gerne sprach.
„Was haltet ihr von einer neuen Runde“, schlug Riley vor. „Wir haben ja schon Mal über die Gaben gesprochen. Niemand muss was sagen, klar, kein Gruppenzwang. Aber.. wir kennen uns ja jetzt schon alle eine Weile. Wenn jemand etwas hat, oder etwas kann, was vielleicht nützlich sein kann, vielleicht möchte er das ja teilen.“
Wieder Stille.
„Es ist wirklich sehr persönlich“, sagte Ben. „Wie wäre es mit einem Schwur? Nichts, was wir hier besprechen, wird an irgendjemand anderen weitergetragen außerhalb von diesem Kreis. Absolut niemanden. Freunde, Familie, Partner… nicht mal die Meryndaler.“
„Als würden die das weitererzählen“, sagte Evelyn.
„Das ist ja nicht der Punkt“, wandte Ben ein. „Das hier sind wir. Wir unter uns.“
„Wir sind Aldcrestler“, sagte PJ und es klang irgendwie feierlich.
Isas Stimmchen erhob sich über die Gruppe. „Ich kann es offiziell machen“, sagte sie. „Dass es unter uns bleibt. Ein kleiner Bindungszauber, der uns allen die Lippen verschließt.“
„Sehr radikal“, wandte Katherine vorsichtig ein. „Was ist, wenn man sich aus Versehen verplappert?“ Ein paar Blicke gingen zu Cadie.
„Oh, ja, ich will nicht dass mein Gehirn explodiert, oder so.“
„Da mach dir keinen Kopf“, spottete Ace und Cadie grinste breit.
„Stimmt, alles gut, ich bin safe.“
„Es ist nur ein kleiner Zauber“, erklärte Ben. „Das Schlimmste, was passiert, ist, dass du mal ne Woche Durchfall hast.“
Ein paar Leute verzogen das Gesicht.
„Ich finde es gut“, sagte Janessa plötzlich. „Es bindet uns. Es macht es offiziell. Und es ist ein kleines Opfer. Wenn wir über unsere Gaben sprechen sollen, erfordert das Vertrauen. Wenn wir nicht mal genug davon haben, um unser Schweigen zu bestätigen, können wir es gleich lassen.“
Die meisten nickten. Ein paar regten sich nicht. Nicht jeder wirkte begeistert.
„Was brauchst du dafür, Isa? Einen Tropfen Blut?“
„Ihr müsst mir nur die Hand reichen. Also, eine Kette bilden. Das reicht schon.“
„Also, machen wir es? Einen Bindungszauber?“
„Alle oder keiner“, sagte Janessa streng. „Niemand muss seine Gabe teilen. Aber jeder muss sich auf den anderen verlassen können.“
Fordernd streckte sie die Hand zu Elijah und John aus, die rechts und links von ihr saßen. John war der erste, der ihre Hand annahm. Nach und nach folgten auch die anderen, manche widerwillig, andere mit einem Achselzucken.
„Halt, Moment. Was ist mit Ishan?“
„Und Erin?“, fiel John ein.
„Ich kann sie mit einschwören“, sagte Isa. „Wenn ihr etwas von den beiden habt. Etwas, das sie vor kurzem berührt haben, oder was ihnen schon sehr lange gehört.“
Ein paar Hände lösten sich jetzt wieder, als Schüler begannen zu kruschen. John griff in seine Hosentaschen. „Ich kann aus dem Lager was holen. Dauert halt fünf Minuten.“
Am Ende der Reihe tastete Angel in seiner Jeans herum und förderte einen welligen Zettel zu Tage.
„Geht das?“, erklärte er und reichte den Zettel Isa herüber. „Persönlicher als DNA wirds nicht mehr.“
Isa nahm den Zettel „Das reicht“, bestätigte sie „Jetzt brauche ich noch was von Ishan.“
John warf Angel einen säuerlichen Blick zu und auch auf Ace‘ Stirn vertiefte sich eine Falte.
„Wieso hast du… was ist das? Wieso schleppst du Erins Taschentuch mit dir rum?“, fragte Ace. „Willst du dir das rahmen?“
Angel rollte die Augen. „Das ist kein Taschentuch, die hat da draufgekotzt.“ Ärgerlich blickte er John und Ace an. „Chillt mal.“
Niemand hatte etwas von Ishan dabei. Überhaupt schien es keine Gegenstände zu geben, die Ishan schätzte oder nachweislich länger benutzte. Durch Scopum waren ohnehin viele Gegenstände zerstört worden, doch auch zuvor hatte Ishan nicht einmal eine Sonnenbrille besessen. PJ musste schließlich doch ans Lager joggen und ein T-Shirt von ihm aus dem Zelt holen. Als er wieder kam, war die Sonne schon deutlich herabgesunken, das Wasser des Sees hatte einen leichten Rotschimmer bekommen. Bald würde es Abend werden. Isa legte sich Shirt und Zettel auf die bloßen Knie und wieder streckten alle die Hände aus. Isa schloss die Augen und flüsterte. Kaum merklich schlich sich ein Summen in die Runde, wie von einem Bienenschwarm.
„Wir schwören“, sagte Isa. „Dass unsere Gaben unsere Geheimnisse bleiben. Nur in diesem Zirkel werden sie laut, niemals außerhalb.“
Kurz wurde das Summen lauter. Dann brach es ab. Isa löste den Griff von John und Heath.
„Das wars?“, fragte Ace. Es wirkte ein wenig enttäuscht. „Keine Blitze? Kein Tor zur Unterwelt?“
„Ist doch alles nur Drama“, sagte Ben. „Hexen halt. Die brauchen immer ne Show.“
„Und das wirkt jetzt?“ Skeptisch drehte Evelyn ihre Hand im Licht.
„Probiers doch aus.“
„Riley… man braucht fünf Minuten bis zu den Waschhäusern, ich hol mir doch hier jetzt keinen Durchfall.“
„Wart mal, wer morgen kocht.“
„Leute“, erinnerte Lilia. „Die Gaben. Fokus.“
Ziemlich schnell wurde die Stimmung wieder unangenehm. Keiner wollte beginnen, bis todesmutig Katherine die Hand hob.
„Kann ich anfangen?“, fragte sie. „Ich glaube, ich kann nämlich vielleicht helfen.“

]~*~


Es war ein fast ehrfürchtiger Moment dort unten den Bäumen, während die Sonne über dem See herabsank. Vielleicht, weil die Spannung in der Luft lag, die Spannung, wie sie nur tiefste Geheimnisse heraufbeschwören konnte. Katherine wirkte nervös und doch holte sie tief Luft und blickte dann in die Runde, wo ihr absolut jeder seine ungeteilte Aufmerksamkeit schenkte.
„Also“, begann sie. „Ich… weiß nicht, ob meine Gabe uns viel hilft... Aber.. ich kann mit Tieren sprechen. Mit allen. Bei manchen ist es schwieriger, manchen einfacher, aber ich verstehe, was sie sagen und kann… naja kommunizieren. Ich könnte mich mal… umhören bei Scopum. Vielleicht ist ja etwas im Lager, was… wichtig ist, oder was uns was hilft. Keine Ahnung, ob es klappt oder was dabei herauskommt. Aber ich kann es versuchen.“
Stille trat ein, als Katherine schwieg. Nicht alle hatten es gewusst. Ein paar wirkten überrascht und Katherine nickte, als niemand etwas sagte, um anzuzeigen, dass sie am Ende angekommen war.
„Ich finde, das ist eine gute Idee“, sagte Ben schließlich. „Ich würde dich begleiten…, du musst vermutlich ein Stückchen ran, oder? An das Lager von Sopum?“
Kathy zuckte die Achseln, nickte dann aber doch.
„Ich würde mir den Schutzzauber anschauen“, sagte Ben. „Isa und ich kennen uns ein bisschen damit aus. Mum hat ein paar kleine Zauber zu Haus gelegt und… naja.“ Er grinste. „Um mal mit dem Outing hier weiter zu machen, wir sind Hexen, Isa und ich. Passt auf, dass es euch nicht aus den Socken haut… ich weiß, man erwartet das nicht bei unseren Genen.“
Ein paar schmunzelten jetzt.
„Ach ne“, machte Riley und versetzte ihm einen freundschaftlichen Knuff. So schlecht der Witz auch war, er lockerte ein wenig die Stimmung. Und aus irgendeinem Grund brachte die Erwähnung von Wyn ein Gefühl von Sicherheit und zu Hause in die Runde. Vielleicht weil sie, wie Isa gesagt hatte, längst die Scopumer zum Teufel gejagt hätte. Vielleicht, weil es ihre Schaukel war, unter der sie saßen. Oder weil sie so offensichtlich fehlte.
„Ich kann nicht versprechen, dass ich den Zauber brechen kann“, erklärte Ben zur Vorsicht. „Vielleicht mit Isa… die ist besser als ich. Aber ich kann es auf jeden Fall probieren. Und wenn du mitkommen würdest, Elijah...“
Der nickte sachte. Nachdem es eine Weile still blieb, blickte Riley sich in der Runde um-
„Sonst noch jemand?“, fragte sie. „Jemand, der etwas kann, was uns gegen die helfen könnte?“
Sie blickte die Leute der Reihe nach an, doch die meisten zuckten die Achseln.
„Angel kann sie alle einfrieren“, schlug Liam vor und Angel schien es wenigstens für eine Sekunde ernsthaft zu erwägen. „Und ich könnte ihnen die Schmerzen ihres Lebens bescheren.“
PJ nickte schaudernd. „Deine Gabe ist echt krass, Mann. Ich hab das jetzt zweimal abgekriegt und es war so krass...“
„Meine Gabe sind Schmerzen“, erklärte Liam. „Ich kann, wenn ich will, die Schmerzrezeptoren verrückt spielen lassen, aber ich muss den andern dazu anfassen. Erst dann krieg ich Zugriff auf das Nervensystem.
„Aber ich weiß nicht, ob uns das etwas hilft“, wandte Janessa ein. „Für mich schmeckt das zu sehr nach Folter, abgesehen davon würden die Schreie vermutlich sofort die Lehrer auf den Plan rufen. Ich finde, wir sollten… ich weiß nicht. Noch subtiler herangehen.“
„Hast du nen konkreten Vorschlag?“
Janessa zögerte. Doch dann nickte sie schließlich.
„Vielleicht“, sagte sie. „Es kommt darauf an, ob Ben und Isa den Zauber brechen können. Und auf das, was Katherine herausfindet. Aber ich halte direkte Gewalt immer für ein wenig billig. Was haltet ihr von… einem Alptraum?“
„Äh...“ Ace war der erste, der etwas sagte. „Ein Alptraum...“, wiederholte er. „Da sieht das Juckpulver ja gleich wieder rebellisch aus.“
Doch Janessa wollte noch nicht aufgeben. „Überlegt mal“, wandte sie ein, bewusst Ace ignorierend. „Scopum ist eine Behördenschule. Die wenden sich in allem Tun, ihrer ganzen Philosophie gegen die Hexenzirkel und ihre Arbeit. Hexen sind wild, unkontrolliert, ursprünglich wie kaum ein anderes Geschöpf und mächtiger als alle anderen. Es gibt ja einen Grund, warum die Behörde Hexen und ihre Schulen ablehnen. Sie sind so… so mächtig. Ein Elementarer kann vielleicht ein Element kontrollieren. Aber eine Hexe kann mit allen Materialien arbeiten. Ihr sind da kaum Grenzen gesetzt. Es gibt keine Limits. Das widerspricht jeder Kategorisierung und jeder Kontrolle… ich meine, das war es ja, was die Behörde mit diesem widerlichen Imperialzauber wollte, Kontrolle. Kontrolle der Magie, der Schüler, der Kräfte. Und es hat nicht funktioniert. Ich glaube, die Antwort auf Scopum ist Hexenwerk. Das, wovor sich die Behörde so fürchtet.“ in der roten Abendsonne legte Janessa die Finger aneinander, während alle ihr stumm lauschten.
„Mein Vorschlag wäre, dass wir den Scopumern unsere geballte Hexenkraft entgegen setzen. Ben und Isa. Und vielleicht… mehr. Evelyn hat gemeint, dass die Scopumer versuchen herauszufinden, welche Gaben wir haben. Aber was, wenn wir unsere Gaben gemeinsam einsetzen, so dass nicht mehr klar ist, wo eine Gabe aufhört und die nächste beginnt… stellt euch vor...“ Ein gefährliches Lächeln spielte jetzt um ihre Lippen. „Stellt euch vor, ihr habt nachts einen Alptraum...“

]~*~


Noch Jahre später sollten sie an der Schule von diesem Abend flüstern. Wenn auch nicht wegen dem, was die Aldcrestler planten, während hinter dem See die Sonne unter ging. Nicht einmal die Aldcrestler konnten ahnen oder planen, was in dieser Nacht geschah. Und das, obwohl sie die Planung intensiv betrieben. Als der Himmel von violett zu dunkelblau wechselte, kehrten die Aldcrestler ins Lager zurück. Nicht alle zusammen. Vereinzelte Grüppchen fanden sich ein, redeten, lachten, spielten ein Spiel. PJ, Liam und Riley planten ein Volleyballmatch für den nächsten Tag. Angel rauchte oben am Weg. Katherine, Ben, Isa und Elijah hatten einen kleinen, unverdächtigen Spaziergang unternommen, bei dem sie um den See Richtung Waschhäuser schlenderten. Charity wirkte schrecklich nervös, doch Cadie erzählte eine witzige Geschichte, über die mehrere Leute lachten. Jeder war in irgendeiner Form beschäftigt, in Gesprächen oder schon demonstrativ im Schlafanzug und bereit fürs Bett. Niemand konnte auf die Idee kommen, dass hier etwas Illegales oder auch nur Verdächtiges im Gange war, denn alle Schüler gingen betont harmlosen Beschäftigungen nach. Mr DelDesincourt zeigte sich besorgt, als es schließlich komplett dunkel wurde und noch immer Schüler fehlten. Doch Ishan war der erste, der ins Lager eintrudelte, nachdem er seit dem frühen Abend verschwunden gewesen war, und kurz kam Unruhe auf, als Riley feststellte, dass er nicht ganz klar war.
Zum ersten Mal fanden sich einzelne Blicke. Nervosität lag in der Luft, wie ein Ameisenhaufen, wenn jemand Großes und Schweres sich näherte. Ein Beben im Boden und die kleinen Füßchen trippelten schneller.
„Hast du getrunken?“, zischte sie und zerrte ihn von der Feuerstelle fort, an der Mr DelDesincourt mitbekommen hatte, dass wenigstens einer seiner Schützlinge wieder eingetrudelt war.
Ishan riss die Augen auf. „Ich? Getrunken?“ Im Licht des Lagers wirkte seine Iris endlos, doch erst auf den zweiten Blick erkannte man, dass sich seine Pupille beinahe bis an die Ränder ausgedehnt und seine braunen Augen verschlungen hatte. Er bemühte sich um ein ernstes Gesicht, doch brach er ein Lachen aus, als Riley sichtlich sauer wurde.
„Ist das dein Ernst, Khan? Was hast du genommen?“ Sie winkte PJ grob herüber, dessen Schlendergang schnell wechselte.
„Er hat was genommen“, ärgerte sich Riley. „Schau dir seine Augen an.“
PJ wurde sofort ernst. „Was?“
„Schau ihn dir doch an… hast du eigentlich nen Schlag, Ishan?“
Ishan grinste fröhlich. „Fuck you, Blooms, wenn du Kinder willst, mach dir selber welche und lass deinen Mutterinstinkt nicht an mir aus.“
Riley war kurz davor, ihm eine zu verpassen und PJ musste sie mit Gewalt zurückhalten. Stattdessen legte er Ishan beide Hände auf den Hintern, was sowohl Riley als auch Ishan die Augen aufreißen ließ, bis beide begriffen, dass er Ishans Hosentaschen abtastete.
„Gibs zu, das wolltest du schon immer Mal machen“, spottete Ishan und begann dann zu kichern.
„Halt die Klappe, Ishan.“ PJ fuhr ungehindert fort, bis er ein kleines Plastiktütchen zu Tage förderte. Es war leer. PJ schnupperte misstrauisch daran.
„Vielleicht hat er ja nur gekifft“, sagte Riley, auch wenn sie selbst nicht daran zu glauben schien.
„Dann wär er nicht so hyperaktiv. Ishan… was war da drin?
„Deine Mutter...“ Wieder begann er zu lachen und musste nach Luft schnappen. „Die passt da… gar nicht rein...“
Überfordert blickten PJ und Riley sich an.
„Sollen wir DelDesincourt holen?“, raunte PJ.
„Kein Plan“, flüsterte Riley. „Was, wenn er zu viel genommen hat und was passiert?“
Sie sahen sich an, unsicher, was zu tun war.
„Wir müssen“, sagte Riley schließlich. „Wenn echt was passiert… das verzeihen wir uns nie.“
„Und die Aktion heute Nacht?“
Wieder blickten sich beide an.
„Ich hol DelDesincourt“, sagte Riley schließlich.

DelDesincourt blieb erschreckend ruhig. Er blickte Ishan in die Augen, holte dann Lavender dazu und wandte sich dann an PJ.
„Jackson, ihr teilt euch ein Zimmer, oder? Ist das schon Mal passiert?“
PJ schüttelte den Kopf. „Nein, noch nie. Er nimmt keine...“ Er stockte als ihm etwas einfiel. „Also… er...“ Er druckste herum. „Er war letztens Mal ziemlich krass betrunken und er ist zur Zeit irgendwie… ich weiß nicht. Keine Ahnung.“ Bedrückt brach PJ ab und DelDesincourt nickte.
„Ihr habt richtig gehandelt. Henry?“
Mr Lavender hatte Ishans Kopf in beide Hände genommen und als der angewidert ausweichen wollte, hielt der Lehrer ihn fest. Kurz verharrten beide wie eingefroren.
„In Ordnung“, sagte Lavender. „Er soll sich ausschlafen. Es klingt schon im System ab, er muss es also vor einer Weile schon genommen haben.“
PJ atmete erleichtert auf. Ohne es zu merken, hatte er nach Rileys Hand gegriffen.
„Bringt ihn ins Zelt“, wies DelDesincourt ihn an. „Soll er sich hinlegen. Mit dem Anschiss beschäftigen wir uns morgen.“ Noch einmal blickte er Riley und PJ an. „Es war richtig von euch, das zu melden“, sagte er noch einmal und beide nickten, nicht zu hundert Prozent überzeugt. Pharrell packte seinen Freund am Arm.
„Komm Kumpel, wir gehen jetzt schön ins Bett.“
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