Der Feuerkönig

GeschichteAbenteuer, Drama / P12
Hao Asakura Yo Asakura
26.03.2014
24.08.2014
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Der sanfte warme Wind, der durch die Äste, der frisch blühenden Bäume wehte, strich zärtlich meine Wangen und trug den Geruch des Frühlings an meine Nase. Über meinen Kopf hinweg sangen die Vögel frei und unbeschwert, so als gäbe es nichts Böses mehr auf dieser Welt. Der Planet atmete auf, alles war ruhig und still, nichts trügt den Schein. Die wärmenden Sonnenstrahlen brachen sich auf meinem Rücken und meine Seele lachte auf. Sie war so rein und frei, wie nie zuvor. Ein unbekanntes Gefühl von Freude, Leichtigkeit und Hoffnung glomm in mir empor.
„Dies ist meine Welt!“, donnerte eine harte und raue Männerstimme.
„Frei von dem Ungeziefer, welches die Erde mit ihrem Hass, ihrem Neid und ihrer Habgier verpestet. Frei von Menschen. Eine Welt in der alleine die Schamanen regieren. Hand in Hand mit der Natur, die uns die Befriedigung gibt, wie wir sie ersehnen.“
Plötzlich schmolz das Gebilde und bittere Flammen züngelten gierig hervor. Nichts blieb von dem Gefühl in mir, nur pure Angst und Panik krochen in mir hoch, als das Feuer auch auf mich zuschlug. Brennend und schmerzend wandte ich mich Hilfe suchend herum. Doch dann blieben meine Augen an einer Silhouette hängen, einen jungen Mann, mit langem braunem Haar, dessen Körper von den Flammen ebenfalls umgeben war. Doch verbrannte er nicht daran, das Feuer schmeichelte seinem Körper und spiegelte sich in seinen finsteren und kalten Augen wieder. Auf seinem Mund lag ein eisiges und grausames Lächeln, als er mich erblickte. Ich wich eilig zurück, doch es gab keinen Ausweg mehr. Keine Flucht, kein Entrinnen. Ich war ihm und seinem Wahnsinn hoffnungslos ausgeliefert. Keuchend ging ich auf die Knie, unfähig meinen Blick von ihm abzuwenden. Er streckte mir seine Hand entgegen.
„Folge mir!“

Schweiß gebadet erwachte ich aus meinem immer wiederkehrenden Albtraum. Ich keuchte und rang schwer atmend nach dem frischen Sauerstoff, als hätte ich seit Minuten die Luft angehalten. Meine Haut brannte immer noch bitterlich von diesem hässlichen Hirngespinst nur langsam konnte ich mich wieder beruhigen und mich aus dem Gefängnis meiner Seele befreien.  Wieder eine Art Vision, die sich so echt angefühlt hatte, als hätte ich es soeben wirklich erlebt. Ich fühlte mich, als wäre ein Teil meiner Seele noch immer an diesem dunklen Ort gefangen. Bei ihm. Hao.

„Die Welt wird sich verändern. Alles steht im Wandel. Ich fühle es in der Luft, die mich umgibt. Im Wasser, was auch mich ausfüllt und in der Erde, die zu meinen Füßen erzittert. Bald schon, Ruka, wird nichts mehr so sein, wie es einmal war.“, entkam es mir. Nicht  lauter, als ein lauer Luftzug, dennoch wusste ich, dass sie es gehört hatte, wie sie es immer tat. Seit ich denken konnte.

Der Oneko-Clan, eine der ältesten und reinblütigsten Schamanenfamilien, war schon seit Anbeginn ihrer Zeit tief mit der Natur und allem, was sie umgab verbunden. Dem Schutze der Welt opferten sie ihr Leben, um die Reinheit und die Vergänglichkeit der Schöpfung zu bewahren. Doch, mit der Zeit wurde die Tradition vergessen, die Clane vergingen, die alten Weisheiten gerieten in Vergessenheit. Das wollte der Mächtigste aller Onekos verhindern und so schloss er einen starken Pakt mit dem Oberhaupt eines Millennium-Medium-Clan indem er, Haroi, die schöne Tochter Omari heiratete. Diese Verbindung brachte durch die Vermischung beider Geblüter einen Krieger hervor, der mit seiner Macht die fünf Elemente meisterte und zu einem mächtigen Schamanen wurde. Er erlangte nach kurzer Zeit die Macht der Wiedergeburt, die vor ihm nur ein einziger Schamane gemeistert hatte. Hao Asakura. Doch Mekusa war nicht dumm. Er gab sein Wissen an seine beiden Geschwister Ayume und Mizuke weiter, die ebenfalls die fünf Elemente meisterten und sich somit in die ewige Spirale der Wiedergeburten eingliederten. Ayume war der einzige weibliche Nachkomme des Millenniumpaktes, deshalb erbte sie auch die Weitsicht, sowie das starke Gefühl ihrer Umgebung wahrzunehmen. Ihre Macht war erhaben, so wie ihr sanfter und reiner Charakter, mit dem sie den Frieden ersehnte. Sie hörte die Welt klagen und ertrug das Leid kaum. Diese Macht war Segen und Fluch zugleich, denn nur wer einen starken Geist besitzt wird unter den realen Visionen nicht wahnsinnig. Ayume, die nun mit jeder ihrer Wiedergeburten diese Last auf sich nehmen musste, machte sich auf die Suche nach einem Schutzgeist, der mit seiner Macht ihren Geist vor dem Druck der Außenwelt abschirmen konnte. Einen Geist, der zustimmte über viele Leben hinweg ihr treuer Partner zu sein, sie zu beschützen und einen nahezu ewigen Bund einzugehen. In den Ruinen der Ältestengrabstätten fand sie endlich wonach sie Jahre lang gesucht hatte. Einen Schutzgeist, über fünfhundert Jahre alt mit dem Wissen sie zu behüten, der sofort miteinstimmte sie bis an ihr Ende zu begleiten, welches schneller eintrat, als sie je gedacht hätten.

Mitleidig lag Rukas Blick auf mir, auch wenn ich mit dem Rücken zu ihr stand, so spürte ich ihn doch lastend auf meinen Schultern. Lediglich meinen Kopf wandte ich in ihre Richtung, wodurch ich sie aus den Augenwinkeln betrachten konnte. Sie blickte starr auf mich herab. Ich schenkte ihr ein aufmunterndes Lächeln. „Zieh nicht so ein Gesicht. All die Jahre, seit meiner Geburt, bist du, wie eine Schwester für mich. Solange wir zusammen sind kann uns nichts geschehen. Wir werden weiter unseren Weg wandern. Den Weg des Friedens und des Glückes, was jedem Lebewesen auf diesem Planeten zusteht. Dafür kämpfen wir. Vergiss das nicht.“, erhob ich meine glockenhelle Stimme und sah sogleich, wie sich Rukas Züge merklich entspannten. „Ich folge dir auch dieses Mal bis ans Ende. Auch bis ans bittere Ende.“, meinte Ruka vorsichtig, wobei immer noch ein Hauch Traurigkeit in ihrem Unterton mitschwang. Kurz schloss sie wehmütig die Augen. Mein Lächeln verbreiterte sich, als ich mit meinen Kristall blauen Augen auf die freie Wiese blickte und vorsichtig, fast bedächtig, die frische Luft in meine Lunge sog. Mein Innerstes war so ruhig und entspannt. Zu ruhig, wenn man bedachte, was mein Schicksal mit mir plante.