How to Say: »I'm Sorry«

GeschichteRomanze, Fantasy / P16 Slash
Armin Kentin Nathaniel OC (Own Character)
26.03.2014
25.08.2019
3
4027
2
Alle Kapitel
6 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
Yo!
FF.de sollte mal Awards ausgeben, für Menschen, die es schaffen in 5 Jahren nur zwei Kapitel und einen Prolog für eine Geschichte zu posten. Aber na jaaa … jedenfalls hab ich in letzter Zeit, wie man an der neuen Geschichte die ich vor ein paar Tagen in die Startlöcher gestellt habe, merkt, wieder etwas mehr Motivation gefunden. Die musste ich natürlich nutzen – waste not, want not, right?
Jedenfalls hab ich bei der Gelegenheit natürlich auch schnell Kapitel 1 und den Prolog überarbeitet. Lohnt sich vermutlich so und so, die nochmal kurz zu überfliegen, nach drei Jahren oder so, seit dem letzten Kapitel xF
Have fun anyway

_______________________________________________________
- Chapter 2: Formalities -



Mein Knie wippt ungeduldig auf und ab, als ich auf einer Bank vor dem Sekretariat sitze und warte. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass ich schon seit einer geschlagenen Stunde warte und die Dreistigkeit dieser Menschen geht mir langsam auf den Zeiger.
Es ist, als wäre gar keiner mehr hier. Bin ich der einzige, den dieser scheiß Papierkram kümmert? In dem Fall geh ich nämlich gerne wieder nach Hause. Ich bin auch nicht hier, weil's mir so viel Spaß macht, ihr Pisser!
Himmel, Arsch und Zwirn … »Richard Drake?«, irritiert mich plötzlich der Aufruf einer Person, die nicht aus dem Sekretariat kommt, wie ich es eigentlich erwartet habe.
Ohne mich umzusehen, seufze ich lautstark. »Endlich, ich hab schon nicht mehr dran geglaubt«, sage ich. Noch während ich meine auf dem Boden angestaubte Tasche aufhebe, prozessiere ich die Stimme, die ich eben vernommen habe.
»Tut mir leid, dass es so lange gedauert hat. Es gab ein paar Probleme mit dem Auffinden der Formulare«, meint ein Typ der sicher nicht älter ist als ich, blond und mit einem Lächeln, so affektiert dass davon Spiegel bersten würden.
Ich blinzle verdutzt, doch erkenne dann, dass mich das alles nichts angeht. Wen interessiert's, ob die Schule hier Kinderarbeiter beschäftigt? Vielleicht ist er ja der Praktikant oder sowas. »Ein Problem ist schön und gut, aber eine Stunde ist echt zu viel, Mann.«
Es scheint ihn nicht wütend zu machen, obwohl es ja technisch gesehen vermutlich nicht seine Schuld sein wird. Das ist das, was ich an Menschen nicht leiden kann. Sie sagen das eine und denken das andere.
Man kann nie genau sagen, was sie als nächstes tun. Sie lügen. Und dieses hemd-tragende Exemplar ist das Paradebeispiel dafür. Ich sehe an seinen Augen, dass er nicht wirklich lächelt. Er ist nicht fröhlich, er ist höchstens gelangweilt. Aber darüber hinaus kann ich nicht erkennen, was dieses Gesicht aus Porzellan vor mir versteckt.
Meine Augen verengen sich zu schlitzen, als er mir seine Hand darbietet. »Berührungen sind nicht mein Ding«, entgegne ich kühl. Ich sehe etwas in seiner Miene aufblitzen, doch es verschwindet sofort wieder, unerkannt.
Er zieht die Hand zurück als wäre nichts gewesen. Diese Geste hab ich schon oft gesehen, doch so geschmeidig wie bei ihm bisher eher selten. »Du musst eigentlich bloß ein paar Eintrittsformulare unterschreiben. Da man sich bei der ursprünglichen Anmeldung im Monat vertan hat, musst du zusätzlich unterschreiben, dass du ab heute offiziell Teil unserer Schule bist. Du bekommst bereits dein Material, aber da die Papiere vorher eingereicht werden müssen, wirst du erst ab morgen dem eigentlichen Unterricht beiwohnen. Ist das soweit verständlich?«
Ich antworte nicht, nicke bloß matt.
Sein Lächeln verrutscht um keinen Millimeter. »Gut, dann folge mir bitte in mein Büro.«
Er läuft schnurstracks und ohne weitere Worte den Gang entlang, vermutlich in dem Glauben, dass ich ihm folgen würde. Und ja, ich folge ihm, denn etwas anderes bleibt mir schließlich kaum übrig. Es dauert auch nicht besonders lang, da lenkt er schon wieder ein.
»Der Raum der Schülervertretung?«, lese ich von dem Schild ab, das neben der Tür hängt.
»Genau«, bestätigt er, »ich nenne es mein Büro, aber das ist es, was es eigentlich ist. Ich bin im übrigen Nathaniel Dubois, der Schülersprecher hier. Ich würde dir ja noch einmal die Hand reichen, aber ich erinnere mich, dass du davon kein Fan bist. Wie dem auch sei …« Er sieht sich einen Moment um.
»Wollten wir nicht rein gehen?«, bemerke ich, da wir noch immer im Türrahmen stehen.
»Sicher, setz dich gerne an den Tisch.« Ich tue genau das und er tut es mir gleich, nachdem er ein paar Blätter und einen Stift zwischen uns auf die Platte legt. »Du wirst dich jetzt vielleicht ein bisschen wundern, warum ich das hier mache, aber du wirst sehen, dass ich viele Dinge für die Direktorin und die Lehrer hier übernehme. Das heißt im Umkehrschluss, dass du mit mehr Anliegen zu mir kommen kannst, als du es vielleicht von deiner alten Schule gewohnt bist. Ich bin sozusagen das Sprachrohr im Notfall, zwischen der Schülerschaft und dem Sekretariat.«
»Hm«, ich hatte ihn für einen Kinderarbeiter gehalten, aber die Wahrheit ist wohl, dass er nicht dafür bezahlt wird. Warum würde man das tun? »Davon hab ich nicht viel Ahnung. Aber ich werd's mir merken.«
»Sehr schön.« Wieder dieses breite Lächeln von dem mir die Nackenhaare hoch stehen. »Dann unterschreib bitte, hier, hier, hier, hier, hier«, er zieht noch ein Blatt aus einem Ordner hervor und einen zusammen getackerten Stapel gleich hinterher, »hier und hier.«
Ich erkenne unter anderem eine Liste an Schulregeln, den Verhaltenskodex, eine Annahmebestätigung für Bücher … »Die Bücher hab ich noch nicht. Soll ich das schon unterschreiben?«
Er zeigt neben uns auf die lange Fensterbank, auf der sich einige Bücherstapel türmen. »Sie liegen genau hier, damit du sie mitnehmen kannst. Aber vorher musst du unterschreiben, dass du sie am Ende des Jahres, unbeschadet wieder herbringst.«
Ich nicke. Was für ein Aufstand. Ich werd sie schon nicht behalten. »Alles klar … fertig.«
»Schon?« Er sieht sich jedes Blatt genauer an. »Ach ja, du musst noch eine Erklärung ausfüllen, was deine Eltern angeht. Ich weiß, das ist sicher kein leichtes Thema, aber ich habe in deinen Akten vorhin den Vermerk gesehen, dass du aus einem Heim kommst und zurzeit allein lebst. Derjenige, der vor dem Gesetz für dich verantwortlich ist, muss das ausfüllen, um zu bestätigen, dass du dich selbst entschuldigen und auch sämtliche Erlaubnisschreiben für dich selbst unterzeichnen darfst. Das und die Kopie deiner Mündigkeitserklärung. Die ist noch nicht eingegangen, aber wir überleben auch noch ein paar Tage ohne sie, da wir ja wissen, dass die Angaben korrekt sind. Es ist eben-«
»Eine Formalität?«, rate ich monoton.
»Genau.« Er nimmt eines der unterschriebenen Blätter. »Du musst heute übrigens nicht all deine Bücher mitschleppen. Du hast eben unterschrieben, dass dir ein Spind zugewiesen wurde, zu dem werde ich dich jetzt bringen. Deine Kombination steht auch darauf. Da man durch deine Papiere leicht an die Kombination herankommen kann, wird davor gewarnt, wertvolle Gegenstände dauerhaft einzulagern. Ich sage das dazu, weil ich nicht glaube, dass du den Merksatz genau gelesen hast, als du alles in Rekordzeit unterzeichnet hast.«
Wohl wahr. »Danke.« Ich kann nichts dafür, dass es sich wenig ehrlich anhört. Ich bin eben immer noch irgendwie ein Mensch.
»Nicht dafür«, sagt er, »dann schnapp dir ein paar Bücher die du schon mitnehmen willst und folge mir mit dem Rest. Ich kümmere mich solange um die Unordnung auf dem Tisch.«
Wieder tue ich wie mir geheißen. Ich komme jedoch nicht umhin, mich dabei immer wieder umzusehen und ihn von der Seite dabei zu beobachten, wie er die Papiere einsammelt. Nur ein Zettel bleibt am Rand liegen, das wird wohl dieser Wisch sein, den ich der alten Fournier vorlegen soll.
Ich weiß immer noch nicht recht, was es mit dem Kerl auf sich hat. Aber ich muss zugeben, unter all der Falschheit, hat er schöne Augen. Ich weiß aus Erfahrung dass Menschen nicht vertrauenswürdig sind, aber nicht alle sind Abfall. Das heißt nicht, dass ich mich mit ihnen verstehe, aber ich muss sie auch nicht hassen. Ich hasse sie nicht alle, das ist Fakt. Und Menschen mit schönen Augen haben bisher gezeigt, dass sie auch passable Menschen sein können. Davon habe ich bisher noch nicht viele getroffen.
Mal sehen, was es mit diesem Exemplar hier auf sich hat.

Ich sauge die Luft tief in meine Lungen. Abgase, Müll, Essen und Getränke … die Innenstadt ist wirklich nicht gerade mein Lieblingsplatz. Doch ab morgen werde ich jeden Tag hier sein, also sollte ich besser ein Gefühl dafür kriegen. Und wo geht das besser, als auf einer Bank direkt gegenüber vom Eingangstor meiner neuen Schule?
Außerdem ist direkt neben mir das Café, in dem ich ab nächster Woche schuften werde … eine Herausforderung. Doch ohne das kann ich nicht ansatzweise über die Runden kommen. Es wurde alles mir überlassen. Dennoch bin ich froh über die Chance. Das Heim war einfach … kein Ort, an dem ich hätte bleiben können.
In diesem Sinne war der Fund genau für solche Spezialfälle wie mich gedacht. Nur vermutlich weniger speziell. Meine Hand wandert wie von selbst zu dem kühlen Stein der um meinen Hals hängt. Er lässt all das hier erträglicher erscheinen.
Plötzlich schlägt eine Glocke, offenbar die der Schule. Es dauert kaum zehn Minuten, als daraufhin mehrere Hundert Schüler ohne Ordnung aus dem Gebäude Strömen. In Intervallen verlassen sie das Schulhaus, steigen in wartende Autos die am Straßenrand oder auf dem überfüllten Parkplatz stehen. Die übrigen stehen in Scharen an den Haltestellen. Schon das Zusehen ist mir beinahe zu anstrengend. Ich frage mich, ob ich mich wirklich darauf einlassen sollte.
Im Heim hatten wir eine Art Internat-System, das heißt, unter den Betreuern waren Lehrer, die uns auch unterrichtet haben. Es war schlimm mit ihnen in einem Raum zu sitzen, noch schlimmer, mit ihnen zu leben, doch ich wusste zumindest wer sie waren; habe über Jahre ein Gefühl für sie entwickelt und wie ich sie ausblenden kann. Die schier überwältigende Anzahl in ihrer ganzen Pracht zu sehen, raubt mir beinahe den Atem.
Doch ich kann und werde keinen Rückzieher mehr machen. Was sind schon zwei Jahre? Lächerlich, das ist fast nichts im Vergleich zu dem, was ich bereits überstanden habe. Irgendwann kann ich dann vielleicht doch … einfach weglaufen. Oder einen Job finden, den ich von zu Hause aus erledigen kann. Meine pragmatische Seite sagt mir, dass es Menschen gibt, die ihr Leben in ihren vier Wänden verbringen, ohne jemals rauszugehen.
Wenn ich nur raus gehe, um hin und wieder den Wald zu sehen, reicht das dann nicht? Doch dazu brauche ich einen Abschluss. Eine Aussicht auf einen Job, für den ich nicht unter Menschen sein muss. Das heißt … ich ertrage diese Kreaturen noch ein paar Jahre um mich, versuche so unauffällig zu leben wie möglich und habe dafür vielleicht den Rest meines Lebens Ruhe und Frieden.
Mit geschlossenen Augen stelle ich mir vor, wie das wäre, als plötzlich die Bank vibriert, auf der ich sitze. Es ist nur ein sanftes Vibrieren, kein großes Beben. Irritiert sehe ich zur Seite und ziehe die Stirn kraus. Ich hadere mit der Frage, ob ich etwas sagen soll, doch ich brauche so lange, mich zu entscheiden, dass mir die Entscheidung abgenommen wird.
»Hey!«, sagt der kleine Zwerg von heute Morgen. Wäre er mir nicht heute begegnet, hätte ich ihn bereits aus meinem Gedächtnis gelöscht.
Doch obwohl er das Glück gehabt hat, sich schnell genug wieder vor mir blicken zu lassen, habe ich nicht die Absicht, mich erneut in ein Gespräch verwickeln zu lassen. Besonders nicht heute.
»Was machst du hier?«, fragt er, mit einem breiten Grinsen. Ich antworte immer noch nicht. »Interessierst du dich für diese Schule? Oder sitzt du hier nur zufällig? Wie alt bist du überhaupt?« Ganz so gesprächig war der heute Morgen noch nicht, oder täusch ich mich da?
Und überhaupt: Kann dieser Mensch keine Körpersprache deuten? »Musst du nicht nach Hause, Kleiner?«, entgegne ich schließlich genervt.
Er wirkt etwas zurückgeworfen in seiner fröhlichen Stimmung. »Tut mir leid, ich dachte nur, es war ein interessanter Zufall, dich hier wieder zu sehen.«
Ich stöhne innerlich, doch denke mir, dass es nur noch nerviger wird, wenn er offensichtlich die Schule besucht, die ich ab morgen ebenfalls besuchen werde. Hilft nichts. »Ja, ich werde ab morgen dort zur Schule gehen. Darum bin ich hier. Zufrieden?« Ich sehe ihn an und er wirkt noch perplexer als zuvor.
Da ich recht groß und wenig niedlich bin, kam es in der Vergangenheit schon mehr als einmal vor, dass Beutetiere wie er sich in meiner Gegenwart unwohl gefühlt haben. Vielleicht ist das hier so ein Moment. Ich würde mich nicht beschweren.
Leider scheint er sofort wieder gut aufgelehnt, als wäre nichts gewesen. »Cool! Dann sehe ich dich morgen, okay? Ich muss wirklich gehen, mein Bus kommt gerade!«
Als hätte es mich interessiert, stößt er mir spielerisch – oder er kann es einfach nicht härter – gegen die Schulter und springt von der Bank.

Was zur Hölle war das …?
Review schreiben