How to Say: »I'm Sorry«

GeschichteRomanze, Fantasy / P16 Slash
Armin Kentin Nathaniel OC (Own Character)
26.03.2014
25.08.2019
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Guten Morgen,
tut mir echt leid, dass ich so lange nichts mehr weiter geschrieben habe. Aber ich hab einiges ausprobiert und ein bisschen rum gehangen. Ich hatte eben einfach die Lust mal wieder an dieser Geschichte zu arbeiten, also habe ich ein neues Kapitel verfasst.
Vielen Dank übrigens an die, die die Geschichte favorisiert, empfohlen und kommentiert haben. Hat mich sehr gefreut.

Viel Spaß mit dem neuen Kapitel ^_^
[Neuauflage vom 25.08.2019]

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- Chapter 1: Responsibilities -



Die frische Brise welche vom Meer weit entfernt zu uns aufs Festland bläst, füllt meine Lungen in einem tiefen Atemzug. Ich rieche das Salz; die Bäume um mich herum. Blätter Rascheln zu den Klängen der Tiere, die den Park bewohnen – sie geben ein ganz eigenes Konzert. Die Menschen laufen Tag um Tag daran vorbei und ignorieren es. Nur ich kann es hören.
Ein kalter Hauch durchdringt mich und lässt mich etwas frösteln, sodass ich die Jeansjacke um meine Schultern enger ziehe, ehe ich mich auf der Bank unter mir zurücklehne und meine Augen zufallen lasse. So früh am Morgen. Es wird ein wunderschöner Tag werden. Zumindest, wenn vom Wetter die Rede ist. Es ist das Topthema unter den Nagetieren, die im Baumstamm hinter mir nisten.
Schön genug, um den Tag hier draußen zu verbringen. Leider wird das für mich nicht möglich sein, denn heute ist mein erster Schultag. Erst später, weil ich noch keinen Unterricht habe und theoretisch auch erst ab morgen, wegen eines Anmeldefehlers. Aber ich muss mich heute bereits dort melden, um den Fehler formell vor Ort zu berichtigen, auch wenn das Ganze schon am Telefon geklärt wurde, um meinen Eintritt nicht um eine ganze Woche zu verzögern.
Ich darf es nicht verpassen, sonst werde ich in dieser Gesellschaft niemals Fuß fassen können. Ich schnaube unwillkürlich. Als ob ich das überhaupt wollte. Aber habe ich eine andere Wahl? Eine meiner Hände wandert unbewusst an den Platz an meinem Schlüsselbein. Der kleine Stein scheint kühl an meinen Fingern, als ich ihn umfasse. Er beruhigt mich ungemein.
Für einen Moment hänge ich dem absurden Gedanken nach, einfach zu verschwinden. Einfach aufzustehen und wegzulaufen, an einen Ort den niemand findet, ohne je zurückzublicken. Ein Ort, an dem ich ungestört bin und Frieden finden kann. Ein Traum, der niemals wahr wird.
»Halt, stopp!«, höre ich einen Schrei aus weiter Ferne.
Ich lasse mich davon nicht aus der Ruhe bringen, bis plötzlich etwas an meinem Hosenbein zupft. Oder jemand. Verwirrt sehe ich zuerst auf, dann senke ich den Blick in Richtung Boden.
Von dort sieht ein kleiner Hund erwartungsvoll zur mir auf. »Hey«, ich lächle ihn an. Es dauert einen kurzen Moment, ehe ich ihm das aus dem Maul nehme, was er darin fest hält. »Was machst du denn damit?« Sieht aus wie … eine Stoffpuppe. Er sieht mich nur an und hechelt. »Du heißt also Kiki, hm?«
Ich komme kaum dazu mich richtig an ihn zu gewöhnen, da unterbricht uns bereits eine ganz andere Art von Hecheln – eher ein Schnaufen. Es interessiert mich eigentlich nicht die Bohne, doch die atemlose Gestalt spricht mich an, ohne dass ich sie zu einem Gespräch einlade.
»Entschuldige«, bringt er zwischen zweimal Japsen hervor, »dieser Hund ist … meine Verantwortung!«
»Deine Verantwortung?«, hake ich irritiert nach, als hätte er mir einen nassen Lappen ins Gesicht geworfen. Er lächelt mir bloß mit vor Anstrengung roten Wangen entgegen. Erst jetzt nehme ich den Jungen wirklich wahr. Die dicke Brille auf seiner Nase ist verrutscht und der Topfschnitt zerzaust.
»Ja … Genau«, bestätigt er, langsam etwas entspannter und versucht sich etwas vor mir aufzubauen.
Ich schnaube argwöhnisch. »Verantwortung? Belanglos …«
»Wie bitte?« Offenbar ist er regelrecht entsetzt über meine Worte.
Dabei sage ich nur, wie es ist. »Ein Hund ist keine ›Verantwortung‹, sondern ein Lebewesen«, erkläre ich resignierend und lenke meine Aufmerksamkeit zurück zu Kiki, während ich ihn hinter den Ohren kraule. »Deine Hausaufgaben sind eine Verantwortung; dein Zimmer aufzuräumen ist eine Verantwortung. Verantwortungen trägt man wie ein Mann, so gut man es eben kann. Ein Hund dagegen, ist ein Lebewesen. Wenn du nicht weißt wie man es behandelt, dann halt dich davon fern und versuch es erst gar nicht. So einfach ist das.«
Ich runzle die Stirn während ich es sage. Es ist seltsam für mich, so viel Atem an einen Menschen zu verschwenden – und jemandem zu sagen, wie er etwas zu tun und zu lassen hat, ist erst Recht nicht meine Art. Es interessiert mich nicht im Geringsten, was andere Menschen tun und ich werde heute nicht damit anfangen, Interesse zu entwickeln.
Der Kleine neben mir scheint erst jetzt wirklich zu erwachen, als er die Hände in die Hüfte stemmt und mich offensichtlich erbost nieder zu starren versucht. Zu schade, dass ich seine Augen durch diese Flaschenböden von Brillengläsern sowieso nicht wirklich erkennen kann. »Ich gebe mein Bestes!«, keift er dabei, »Und ich kann nichts dafür, dass ich das hier tun muss. Außerdem hab ich nichts falsch gemacht! Er hat sein Spielzeug geschnappt und ist weggelaufen als ich nicht einmal dabei war!«
Ich schüttle den Kopf. »Warum sollte er dann deine Verantwortung sein?«
»Das, äh-« Darauf kann er wohl nichts erwidern, denn er seufzt schwer, besieht sich den kleinen Hund zu meinen Beinen noch einen kurzen Augenblick, ehe er sich neben mir auf die Sitzgelegenheit fallen lässt und dort dann die Hände geschlagen auf die Knie stützt. Die Schultern hängen auch wieder tief.
Nicht, dass ich ihm gestattet hätte, sich neben mich zu setzen. Leider ist dieser Park hier öffentlich.
Erst nach geschlagenen fünf Minuten gibt er wieder einen Ton von sich. »Das ist schwer zu erklären«, gesteht er endlich, als hätte ich ihn ernsthaft danach gefragt.
Zwar habe ich ihn durchaus gefragt, aber er musste ja nicht antworten. Ich weiß nicht mal seinen Namen. »Dann erklär’s nicht«, entgegne ich trocken.
»Wie heißt du?«, fragt er dagegen, nachdem wieder einige Minuten in Stille vergehen.
Ich muss erst überlegen, ehe ich ihm antworte. Es geht ihn nichts an. Andererseits, was kann schon passieren? »Rick«, entscheide ich mich letztlich. Es ist weder mein »richtiger« Name, noch ist es »nicht« mein Name. Es ist etwas dazwischen. So wie ich. Ich bin ein Mensch, doch ich bin auch nicht so wie ein Mensch. Etwas … dazwischen.
»Cool, mein Name ist Ken!«, grinst er mich von der Seite aus an und sieht dabei aus wie ein Kind, als er mir seine Hand entgegenstreckt.
Ich überlege für einen Augenblick ob ich sie entgegennehme, doch meine Hand bleibt still zuckend auf der Lehne der Sitzbank liegen. Nein. »Freut mich …« Denke ich?
Er nimmt die Hand mit einem unsicheren Lachen wieder zurück und sein lächeln wirkt wacklig. Dann sieht er endlich wieder zu dem Hund, welcher noch immer schwanzwedelnd vor mir sitzt und so aussieht, als würde er darauf warten, dass ich irgendetwas tue. Der Hund hasst ihn nicht. Er wollte offenbar nur weg von seinem schrecklichen Halter. Seinem eigentlichen Halter.
Und er will nicht zurück. »Ich sollte ihn jetzt langsam wieder zurückbringen«, wirft er ein und sieht auf eine viel zu große Uhr an seinem Handgelenk. »Ich bekomm sicher Ärger, wenn ich hier noch länger rum sitze.«
Schnell springt er auf, schnappt sich das kleine Stofftier, welches ich unbedacht neben mir auf der Bank abgelegt hatte und zieht eine zusammengeknüllte Leine aus seiner viel zu großen Jackentasche.
Hätte er das nicht schon vorher tun sollen? Na ja, ich will mich nicht weiter einmischen. Er befestigt das Seil, was mir innerlich wehtut. Doch manchmal muss es sein. Ich kann ihn nicht einfach stehlen.
Es wäre zumindest nicht das erste Mal, dass ich es versuche … und dass es schief geht.
Ich lasse es geschehen, bis der Junge sich umdreht. »Bis dann … War echt schön, dich kennen zu lernen!«, meint der Braunhaarige mit einem weiteren Lächeln.
»Mhm … klar.« Haben wir geredet? Und kennengelernt?
Ich bin mir nicht sicher, ob ich das verstehe. Habe ich ihm geholfen? Oder sein Leben auf irgendeine Art bereichert? Ich seufze ebenfalls und lehne mich erneut zurück. Später muss ich zu dieser Schule. Bisher konnte ich sie umschiffen, aber jetzt nicht mehr. Wird sie voll mit Menschen sein, die sich so verhalten?

Ich werde diese Rasse niemals verstehen.
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