Das Herz der Hölle

GeschichteHumor, Romanze / P18 Slash
Michael Raphael
23.03.2014
15.06.2014
9
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23.03.2014 8.908
 
Hallo, ihr lieben Menschen
Ich plane das hier seit gut über einem Jahr mit mangacrack – gut, sie weiß nichts vom direkten Ausgang, da ich es immer nur „Beziehungs-FF“ nenne. Das ist der (zugegeben) etwas lange Auftakt dazu und wie so oft wird aus dem geplanten OS dann doch eine längere FF :)


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„Kannst du mal deine scheiß Kippe aus meiner Fresse raushalten?“

„Ja, ja… stillhalten jetzt.“

„Das stinkt, man!“

„Du auch, geh duschen.“

Ein Bild für die… nein, den Göttern wollte man das lieber ersparen. Oder eher ihrem Gott, der sich letzten Endes ja als reiner Flopp herausgestellt hatte – nett gesagt. Was nach der Zeit ihres postapokalyptischen Spiels herausgekommen war, spielte sich wie schon davor auf eigenen Ebenen ab; sprich es bildeten sich keine tief verwurzelten Freundschaften und monatliche Raclette-Partys; generell ging man seinen eigenen Interessen nach.

Was den Feuerengel betraf, gab es momentan zwei wichtige Themen in seinem schon wirklich sehr alten Leben: Seine Schulter und die scheiß Zigarette in Raphaels Mundwinkel, dessen Qualm ihm Tränen in die Augen trieb. Um wenigstens dem ein Ende zu bereiten streckte er die gesunde Hand aus, berührte mit seiner Fingerspitze die Glut und so fraß sich der Glimmstängel in einem Zug runter bis auf den Filter, was Raphael erschrocken zur Kenntnis nahm und diesen dann auch schnell ausspuckte.

„Spinnst du?!“

„Man, konzentriere dich oder heil mich vernünftig!“

„Kein Lust“, murrte der Blonde beleidigt, dann ertönte ein unangenehmes Knacken und die tickende Zeitbombe zischte wütend nach Luft, wand sich aus seinen Armen heraus und bewegte die gerade wieder eingerenkte Schulter, woraufhin Raphael genervt nach seinem Arm fasste.

„Ist doch nicht das erste Mal, halt sie ruhig. Willst  du was gegen Schmerzen?“

„Schnauze“, grollte der Kleinere und löste seinen Arm wieder aus Raphaels Hand, schob mit einem Fuß dessen ganzen Körper zur Seite und blickte ihn misstrauisch an, als er den erstaunten Ausdruck in dessen Augen sah.

„Was?“

„Nichts, ich bin nur immer wieder fasziniert, wie gelenkig du bist.“

Ein Grinsen ereilte ihn, dann der frontale Vollkontakt mit einem seiner eigenen Sofakissen im Gesicht, was Raphael aber gelassen zur Kenntnis nahm; es war schon weitaus Schlimmeres passiert, das sprach für den Schmerzpegel des Rothaarigen, der noch immer gegen seinen gut gemeint ärztlichen Rat verstoß – nach all den Jahren, wohlgemerkt – und wieder an seiner Schulter herumdrehte.

Raphael lehnte sich aus Prinzip nach hinten und angelte nach einer neuen Zigarette, auch würde er garantiert nicht Michael nach Feuer fragen und zündete sie mit einem herkömmlichen Feuerzeug an, während er seinen lernunwilligen Patienten im Blick behielt.

„Wenn sie wieder ausrenkt, darfst du selber zusehen, wie du da wieder rauskommst“, informierte er ihn milde interessiert, was einen weiteren, bösen Blick in seine Richtung bedeutete. Mit der Hand des anderen Armes hielt Michael seine demolierte Schulter fest, drehte diese nach hinten und bewegte sie immer wieder hin und her, um die Belastbarkeit zu prüfen – oder weil ihm gerade danach war, Raphael auf die Palme zu bringen, das würde er mit diesem achtlosen Verhalten nämlich sehr schnell schaffen. Gesagt oder nicht, Raphael würde ihn nicht mit einem ausgekugelten Gelenk gehen lassen und dessen war sich der andere Erzengel – leider – durchaus bewusst. Ob er den Blonden als persönliche Krankenversicherung ausnutzte, sei dahingestellt.

„Lass es.“

Raphael hoffte einfach, dass seine Stimme nicht halb so aggressiv und fordernd klang, wie er sich gerade fühlte. Himmel, Arsch und Gewitterfront! Er hatte ihm doch gerade noch gesagt, dass er den verdammten Arm ruhig halten sollte!

„Schnauze“, kam in gewohnter Manier zurück, was ihn stärker als notwendig an der Zigarette ziehen ließ.

„Sie springt gleich wieder raus.“

„Buhu, heul doch!“

Dieser…! Ein innerliches Schnaufen, sollte er nur rumspielen.

„Nach einer Luxation hält man seinen Arm still, ich geb' dir gleich noch einen Verband. Will erst aufrauchen.“

Wieder ein bitterböser Blick; natürlich könnte er ihn heilen, dafür hatte Michael ihn aber zu sehr geärgert und da das die einzige Möglichkeit war, ihn irgendwie in die Schranken zu weisen, weigerte sich der Blonde. Es sähe anders aus, wenn der Kleinere nun mit dem Tod ringen würde, doch da dies nicht der Fall und die ausgerenkte Schulter ein Akt purer Idiotie war, sollte er ruhig etwas leiden. Und am besten auch bald gehen, sonst würde Raphael wieder schwach werden und einem kurzen Moment von Michaels so gar rar gesäten, unterschwellig mit einer Bitte besetzten Drohungen nachgeben und damit die Erlaubnis geben, sich wieder in die Schlacht zu stürzen.

„Guck mich nicht so giftig an, du hast selber schuld. Weißt du eigentlich, wie dick deine Krankenakte ist?“

„Dachte, ich hab inzwischen einen eigenen Raum…“, knurrte Michael und bewegte allem Wissen zum Trotz weiter den Arm, weil er ihn nicht so weit nach hinten biegen konnte wie er es sich gerade in den Kopf gesetzt hatte; fraglich war, ob er das auch vorher schon geschafft hatte, aber gerade jetzt wollte er es und sein Körper hatte entsprechend zu gehorchen!

„Wenn der nicht auch schon voll ist“, antwortete Raphael und beendete seine Zigarette mit einem letzten Zug, drückte sie in einem Aschenbecher aus und erhob sich. Auf die Gefahr hin ein Auge zu verlieren oder mindestens drei gebrochene Finger zu verantworten, fasste er nach Michaels gesunder Hand und zog diese von der Schulter, schenkte ihm einen warnenden Blick und erntete nur gefletschte Zähne.

„Ich hol den Verband, warte…“

Berufskrankheit, auch Zuhause hatte er eine umfassende Medikation und genügend Hilfsmittel, um die halbe Patientenschar versorgen zu können. Zumal war er mit Michael befreundet und befand sich ja wieder einmal in der Situation, dass ihm sein vorausschauendes Denken gedankt wurde. Zumindest von sich selber, es könnte alles viel komplizierter sein und er hatte wirklich keine Lust, den Feuerengel hier alleine in seiner frisch renovierten Behausung zu lassen, bis er von sonst wo einen Verband und – weil er ja nun einmal doch nett war – Schmerzmittel besorgt hatte.

Innerlich war er auch auf Flucht getrimmt – in einer Notsituation war sich jeder schließlich selbst der Nächste; wenn sein Wohnzimmer explodierte, war er in diesem Teil des großzügigen Anwesens einigermaßen sicher und könnte entspannt durch eines der zahlreich Licht spendenden Dachfenster fliehen, während sich die Feuerwalze durch seine kaum vorhandenen Privatgegenstände fressen würde. Doch es blieb ruhig – auf das altbewährte „zu ruhig“ verzichtete Raphael prinzipiell, da dies im Idealfall einen gelangweilten, irgendwo herumlungernden Feuerengel bedeutete. Langeweile hatte er ausreichend gehabt und es quasi perfektioniert, anderen Leuten das Leben still und heimlich zur Hölle zu machen.

Mit zwei Mullbinden und einem Blister Tabletten kehrte er zurück und fand seinen spontanen Patienten genervt auf der Couch sitzend, die Beine quer gelegt und mit den Stiefeln achtlos Dreck auf dem hellen Polster verteilend. Raphaels interner Ordnungssinn schlug Alarm, aber wozu konnte man Möbel schließlich austauschen? Behalten würde er das Ding mit den Erdflecken bestimmt nicht.

„Füße runter“, sagte er, schob da allerdings besagte Körperteile schon von seinem Polster und setzte sich vor seinen kleinen Kumpel. Der wirkte näher betrachtet müder als gedacht, waren ihm kurzweilig die Augen zugefallen? Fragen brauchte er ihn so oder so nicht, da keine vernünftige Antwort zustande kommen würde – zumindest keine, mit der er etwas anfangen könnte, weil „Fick dich!“ und „Stirb!“ ihm noch immer nicht genug Auskunft liefern würden.

Mit einem Kopfnicken deutete er Michael an, sich seines Oberteils zu entledigen, was ohnehin kaum als solches zu bezeichnen war. Umständlich – da Schmerzen, man hörte ja einfach nicht auf ihn – schaffte der Rothaarige es, sich den Stoff vom Kopf zu ziehen und entblößte somit seinen über und über mit Blutergüssen bestückten Brustkorb. Raphael zählte gedanklich bis fünf, behielt allerdings äußerlich die Fassung und bettete den verletzten Arm so, wie er ihn gebrauchen konnte, ehe er mit dem Verbinden anfing.

Er spürte Michaels Augen auf sich ruhen – eine beunruhigende Angewohnheit, die sich der Kleine gerne zu Eigen machte, da er Raphael so schnell aus dem Konzept bringen konnte. Allerdings auch nur, weil er bei Schmerzen schnell einen Rachereflex verspürte und darauf konnte der Heiler gut und gerne verzichten.

„Du fragst ja gar nicht.“

„Gut geschlafen?“

„Das mein ich nicht.“

Natürlich nicht, das war ihm auch klar.

„Wenn ich dich nach jeder offensichtlichen Verletzung befragen würde, hätten wir gar kein anderes Gesprächsthema mehr. Wenn du aber willst, dass ich dir mal ordentlich den Kopf wasche und dich als den verantwortungslosen Schwachkopf hinstelle, der du offensichtlich kürzlich warst: Was im Namen aller Götter hast du getrieben und welchen Grund hätte ich, dir deswegen keine zu scheuern?“

„Weil ich dir deinen scheiß Kiefer brechen würde, du Mistsack!“

Kurz, wirklich nur ganz kurz stieg die Temperatur im Raum an und Raphael bekam einen Eindruck davon, wie sich ein Hähnchen im Backofen fühlte, aber genauso schnell flachte es auch wieder ab – die Schmerzen beschäftigten den Elementarengel viel zu sehr. Und er war wirklich müde, das war offensichtlich.

„Also? Was ist passiert?“

„Geht dich nichts an“, murmelte Michael noch immer latent wütend und nahm den Blick endlich von ihm weg, betrachtete seine eigenen Beine genervt.

Raphael lächelte, befestigte dann den Verband ordentlich und fühlte noch einmal, ob alles in Ordnung war. Das war sein Vorteil als Heiler: Röntgen konnten sie sich sparen, er sah es so oder so.

„Eine Woche, dann darfst du ihn abnehmen und wir gucken nochmal.“

Michael schaute ihn wieder an und Raphael sah die Frage förmlich auf seiner Zunge liegen, ob er ihn nicht doch heilen würde, doch das hatte er am Anfang schon klar gestellt und eine zweite Abfuhr würde sich der Feuerengel garantiert nicht holen. Das war nicht sein Zeitpunkt, er musste sich nun eigentlich nur noch anziehen und nach Hause kommen, doch fliegen war gerade auch so ein Thema, an das er nicht wirklich denken konnte. Oder eher wollte. Er würde ohnehin wieder hier landen und dann die nächste Standpauke… nein, danke.

Während der Behandlung konnte er motzig sein und so tun als ginge ihn das alles eigentlich gar nichts an und er wäre nur Gast mit seiner eigenen Verletzung, aber nun?

Raphael kannte diesen Zustand und eigentlich wollte er ihn auch auflaufen lassen – „sein“ Mika-chan konnte hin und wieder gut und gerne einen Dämpfer vertragen, damit er sich vielleicht mal etwas gesitteter benahm aber das war ebenso Wunschdenken wie der Zeitpunkt, an dem er die 1,50m übersteigen würde – nie.

„Willst du was essen? Will nicht für mich alleine kochen“, hörte der Blonde sich deswegen plötzlich selber sagen, doch statt Dankbarkeit erntete er nur ein verzogenes Gesicht; iiiihhh, soziale Interaktion.

„Kannst auch eine Schmerztablette haben“, lockte Raphael ihn etwas weiter und hielt ihm den Blister hin, was genervt geschnappt wurde. Mit dem Daumen drückte er eine Tablette heraus und zog diese schnell mit der Zunge in den Mund, schluckte sie ohne den Hauch von Wasser herunter. Wieder ein Grund, ihn mit dem Gesicht zur Wand zu stellen und zu erschießen.

Aber dass er gewonnen hatte, wusste Raphael auch und so stand er auf und umrundete die Couch, um sich in Richtung Küche aufzumachen – noch interessierte ihn zwar die Geschichte mit den Blutergüssen, aber die Medikamente würden Michael matschig und vielleicht etwas redseliger machen, wenn er erst einmal im Bett lag und mit dem Schlaf rang. Es wäre ja nicht das erste Mal, dass er beim Heiler übernachten würde und genau darauf hatte dieser sich bereits eingestellt, als der Soldat vor etwa einer halben Stunde mit wütendem Flügelschlag bei ihm aufgetaucht war. Flügel und Schultergelenk waren nun einmal ein Zusammenspiel und bevor er sich von Camael wegen so etwas herumfahren ließ, machte er sich eben selbst auf den Weg.

Hinter ihm hörte er das Rascheln des Oberteils, in das sich der Feuerengel wieder einquetschte, dann stand er betont genervt auf – ja drauf achten, dass Raphael seine Unlust auch zur Kenntnis nahm! – und folgte ihm mehr oder weniger freiwillig in die Küche. Er könnte ihn nun ärgern und eine einfache Suppe aufsetzen, dazu einen Salat – das würde Raphael zwar Spaß, allerdings auch Diskussionen bescheren. Undankbar, wie Michael eben augenscheinlich war, würde er ihm die Schüssel noch an den Kopf werfen.

„Hast du Lust auf Pasta?“

„Mir egal.“

War es nicht, deswegen blieb der Blonde nun einfach mal nett und richtete sich ungefähr nach der Lebenseinstellung des Kampfzwergs; angebratenes Fleisch passte laut Michaels Meinung zu allem und solange Raphael ihn nicht mit Essen verführen wollte, reichte auch etwas Limonade oder ein Bier, aber das würde er mit den Medikamenten garantiert nicht von ihm bekommen.

Deswegen endeten sie auch wenig später an einem Tisch mit je einem Teller, zwei Gläsern Orangensaft – Limonade war aus, Raphael erinnerte sich an sein Verhältnis zu zuckerhaltigen Getränken – und ein paar kleinen Nudeln, die auch problemlos mit einer Hand gegessen werden konnten.

Michael sondierte ein paar Karottenstücke aus seinem Hackfleisch und schob diese an den Rand, aß ansonsten aber schweigend und relativ ordentlich – wenn man von der herablaufenden Tomatensoße absah, die von seinem Kinn tropfte. Essmanieren, ein Luxusverlangen unter den Soldaten. Raphael hatte es aufgegeben, ihn auf die Soße hinzuweisen und wortlos eine Serviette neben den Rotschopf gelegt, der diese bisher aber geflissentlich ignoriert hatte.

Hin und wieder rieb er sich mit einer Hand über ein Auge, unterdrückte sein Gähnen schwerfällig und kämpfte letztendlich damit, nicht mit dem Kopf in den Teller zu fallen.

Raphael beobachtete das mit wachsendem Interesse; wenn sie für sich waren, erlaubte Michael sich leichte Schwächen, doch das hier war schon hart an der Grenze zum Striptease – wenn er es denn so vergleichen durfte. Er wollte ihn eigentlich nach dem Offensichtlichen fragen – nämlich, ob er müde sei – doch dann würde die sich lockernde Stimmung wieder kippen und darauf hatte Raphael auch keine Lust.

„Noch Hunger?“, knüpfte er an etwas Smalltalk an, erntete jedoch ein Kopfschütteln; dann könnte man sich ja nun theoretisch die Soße vom Kinn wischen, doch darauf legte Michael scheinbar nicht wirklich Wert – ob Raphael es wagen sollte? Später, wenn er den ganzen Abend mit diesem offensichtlichen Makel herumlaufen würde, unter Garantie.

„Gib deinen Teller“, ordnete er ihn mehr oder weniger an und nahm diesen dann entgegen, stellte alle auf die Arbeitsfläche und drehte sich dann gerade noch rechtzeitig um, um die geworfene Serviette aufzufangen. Verdutzt – und zufrieden, da die Soße weg war – hielt er das zerknüllte Papier in der Faust, richtete einen fragenden Blick an Michael.

„Was?“

„Was hast du mir für Scheiße gegeben? Ich schlaf gleich ein…“

Raphael runzelte die Stirn, warf die Serviette auf einen der Teller und stemmte eine Hand in die Hüfte. Michael war nicht halb so wütend wie erwartet, mit der Müdigkeit hatte er auch gerechnet – dazu war die Tablette ja dagewesen.

„Ist vollkommen normal. Komm, ruh' dich etwas aus.“

„Ich will nicht…“

„ich mach einen Film an.“

Wenn er jedes Mal auf den Widerspruch reagieren würde… das war wie mit dem Fragen über die einzelnen Verletzungen. Man konnte sich diverse Dinge einfach sparen.

Wie schon zuvor ging er einfach voraus und bereitete alles vor, entweder schlief Michael am Tisch ein oder auf dem Weg zu ihm, weit würde er eh nicht mehr kommen. Mit etwas Glück würde er den Moment der Ruhe auch als wohlwollend aufnehmen und ihm danach nicht die Haare vom Kopf rasieren.

Geplant war ein Date für diesen Abend aber sollte das Mädchen doch auf ihn warten, seine Freundschaft zum Rotschopf bedeutete ihm dann doch irgendwo etwas mehr und außerdem war für morgen schon die nächste Frau geplant, zugesagt hatte sie auch und mit noch etwas mehr Glück würde ihre Freundin auch mal vorbeischauen!

Als Raphael daran dachte, musste er unweigerlich grinsen und schaltete den Fernseher ein, als hinter ihm ein leichter Körper auf die Couch fiel und aus reiner Sturheit aufrecht blieb.

„Was grinst du so blöd?“

„Hab an einen Witz gedacht. Mach mal Platz.“

„Setz dich doch woanders hin.“

„Das ist meine Couch!“

„Und ich sitze drauf!“

Zum Herumzicken hatte er also noch genug Energie, gut. Trotzdem schubste Raphael ihn ein Stück zur Seite und setzte sich mit etwas Abstand daneben, lehnte sich entspannt nach hinten zurück. Ob er der kleinen Brünetten noch absagen sollte? Sie hatte ihm versprochen, das volle Programm aufzufahren und würde vermutlich Stunden mit dem Herrichten verbringen – es wäre also nur nett.
Andererseits erinnerte Raphael sich nicht daran, je wirklich nett gewesen zu sein und so zuckte er gedanklich mit den Schultern; war ja ihr Problem, wenn sie so übertreiben musste.

Kaum fünf Minuten später war Michael gegen ihn geplumpst und ruhte mit dem Kopf an Raphaels Arm, was dieser vorerst lediglich zur Kenntnis nahm und eigentlich zu ignorieren gedachte. Wenn Mika-chan schlief, könnte er ja mal den Erwachsenenkanal anmachen – was im Übrigen echt nicht leicht zu besorgen war hier im Himmel!

Allerdings bestand die Gefahr, dass er doch noch einmal aufwachen würde und Raphael hatte nicht vor, sich vor seinem besten Freund selbst zu befriedigen. Ein Seufzen – schlafend oder nicht, notgedrungen richtete er sich eben doch nach Michael, den er nun behutsam mit dem Arm auffing und ihn dann von der Couch hob. Dabei unterdrückte Raphael allzu hastige Bewegungen – atmen, vollkommen überbewertet – und trug ihn so langsam und leise wie möglich rüber ins Schlafzimmer. Ja, er hatte Gästezimmer, nein, der Weg dahin war nicht kürzer. Er wollte ihn nur irgendwie ablegen und dann möglichst schnell den Raum verlassen. Nicht auszudenken, wenn Michael in seinen Armen erwachen würde…

Er konnte ihn langsam im eigenen Bett ablegen und endlich diese schrecklich verdreckten Stiefel ausziehen, dabei jede Bewegung genau geplant und die Augen weiter auf den Feuerengel gerichtet, der friedlich schlief; den Arm noch am Körper und den Kopf zur Seite gelegt. Ob er sich allerdings an die verdammter Hose trauen würde… lieber nicht, Michael war sehr nachdrücklich, wenn es um seine persönliche Komfortzone ging.

Deswegen deckte Raphael ihn bloß noch zu und verließ den Raum wieder. Ob er vielleicht doch die Kleine anrufen sollte? Körperkontakt machte ihn wuschig und ob wandelnde Gefahr oder nicht; die angenehme Wärme und der angelehnte Kopf an seiner Brust zum Weg ins Schlafzimmer hatten seine Potenz geweckt – was nicht schwer war, deswegen hatte Raphael auch kein Problem damit, dass es nun an Michael gelegen hatte. Wenn der ihn nur mal ranlassen würde, könnte er sich durchaus mehr mit ihm vorstellen.

Der Fernseher hallte leise herüber, aber eine Frau wollte er sich nun dennoch irgendwie nicht ins Haus holen – selbiges zu verlassen, war noch unwahrscheinlicher. Verdammt, er war doch kein Babysitter! Aber selber Schuld, er hatte es ja selber irgendwie provoziert. Wenn er Michael einfach geheilt hätte, wäre er in einer halben Stunde nackt und zufrieden. Sei es drum, Pech gehabt.

-

Als Raphael ein paar Stunden später aus dem Schlaf schreckte, lag das an zweierlei Dingen: Zum Einen hatte er sich nach einer letzten, halbherzigen Stunde Fernsehen doch dazu entschieden schlafen zu gehen und dabei neben dem Rotschopf Platz bezogen. Das bedeutete, dieser könnte aufgewacht sein und wollte ihn nun töten. Punkt zwei hing unmittelbar damit zusammen, im Raum war nämlich Rauch.

Die Sauerstoffvorräte schrien ihren Herrn fast schon anklagend an, dass ihnen etwas den Platz nahm und was das war, sah er auch recht bald.

„Sag mal spinnst du?! Nicht im Bett!“

So aufzuwachen war eigentlich nicht sein Ding, Raphael war zwar stets mit einem Auge im Dienst, allerdings brauchte er auch seine Ruhe und nun einen rauchenden Feuerengel vorzufinden, setzte alles auf Alarm.

Ein RAUCHENDER Feuerengel, hallo!

Von genau dem bekam er dann auch eine Antwort, die Nachttischlampe hinter Michael brannte und setzte ihn als unheilvollen Schatten in Szene, sein grinsen sah man trotzdem. Der Geruch von Cannabis strömte dem Windengel in die Nase, der genau diese entrüstet rümpfte.

„Seit wann kiffst du?“

„Seit wann tust du’s?“

Das bestimmte immerhin die Herkunft und nun konnte er sich auch aufsetzen und Michael empört anstarren.

„Du warst am Medizinschrank?“

„Jop. Schulter tat weh und du böser Kerl bunkerst so ein Kram. Schäm' dich, Raphael.“

„Rein medizinisches Marihuana, ich hatte keinen Bedarf daran!“

„Ja, ja. Lüg' wen anderes an“, wuchs das Grinsen in die Breite und jetzt war Raphael auch egal, inwiefern er den Kleinen reizen konnte – er beugte sich herüber, drückte Michael auf die Matratze und angelte so nach dem Tütchen, aus dem ein beträchtlicher Teil bereits fehlte.

„Das hast du alles geraucht?“

„Nö. Nur etwas, dann hatte ich Bock zu backen und dann wieder rauchen.“

„Wie stark ist das bitte?“

Vor allem… backen? Was war aus seiner Küche geworden? Wollte er es eigentlich wissen? Eigentlich ja, aber Michael nun mit einem Joint alleine in seinem Bett zu lassen… er traute ihm das Wissen über Glut und Entzündbarkeit ja zu, aber der kleine Hatte über seinen Pegel gequalmt.

„Bleib da“, murmelte er und schlug die Decke weg; die Tüte mit dem Rest nahm er lieber mit und irgendwie hatte er gerade gewaltig Muffensausen;  ein bekiffter Feuerengel? Na danke…

Die Küche sah aus wie erwartet. Er würde das ganze Ding abreißen und neu aufziehen, dann ersparte er sich die meiste Arbeit. Was für diverse Flecken hier überall klebten, wollte Raphael gar nicht wissen. War das brauner Kuchenteig an der Decke? Das Ergebnis waren ein paar wenige Haschmuffins, von denen Raphael sich einen nahm – ja, er wollte das jetzt einfach!

Allerdings würde er damit nicht schnell genug Ergebnisse erzielen, zusätzlich drehte er den Rest aus der Tüte in einem Filterpapier zusammen und tastete nach einem Feuerzeug, allerdings hatte er inzwischen eine Jogginghose an – lange Beinbekleidung neben Mika-chan, bevor der sonst was dachte – und so war er tatsächlich auf dessen Hilfe angewiesen. Mit einem halben Muffin und dem Joint im Mundwinkel beugte er sich ungefragt zu ihm herunter und entzündete an der Glut des anderen Drogenpäckchens, warf sich dann neben ihn auf das Bett und nahm ein paar tiefe Züge.

Michael beobachtete das interessiert, er hatte Raphael oft rauchen, aber selten Drogen nehmen sehen – der Blonde mochte es nicht, wenn er die Beherrschung über seinen Körper verlor, allerdings war das bei Michael auch so und nun waren sie beide dabei, sich das Hirn zu vernebeln.

Er grinste, ließ sich neben ihn auf den Rücken fallen und bereute es fast zeitgleich, weil der Strudel wieder da war. Das brachte ihn irgendwie blöd zum Kichern und allmählich fing auch Raphael an zu grinsen.

Wenn er den Arm streckte, könnte er Michael sicherlich erreichen – oder dreißig Meter weiter in den Garten langen und sich Obst pflücken, sicher war er sich da gerade nicht. Seine Orientierung litt und der gesunde Verstand auch. Allerdings drückte er den Stummel in seiner Hand lieber aus, sein Leben hatte zu viel Feuer gesehen und wenn er nicht ganz falsch sah, hatte der sein eigenes Glimmstängelchen auch schon vernichtet.

Raphael starrte an die Decke und war eigentlich recht zufrieden, jetzt könnte er doch wirklich die Brünette anrufen, oder? Jemand musste sich um seine Libido kümmern und von dem Rotschopf konnte er das ja wohl kaum verlangen!

Vielleicht schaffte er es ja heimlich, Michael schaute immerhin auch gerade nach oben und beachtete ihn gar nicht. Er war augenscheinlich ziemlich entspannt, was Raphael nur bestätigen konnte. Deswegen erlaubte er sich auch, nach dem Saum seiner Jogginghose zu suchen – angefangen bei der Brust und wunderte sich, wie weit er noch tasten müsste.

Dann auch viel ihm erst der Finger auf, der sich immer wieder in seinen Oberschenkel bohrte und zu Michael gehörte. Er sollte nicht mit ihm zusammen kiffen, bis vor wenigen Stunden hätte er dem Rotschopf nicht einmal zugetraut, aber selber würde er den in diesem Zustand nicht ertragen.

„Was machst du da?“, nuschelte er und drehte sich auf die Seite – den Kopf zumindest, sein Körper weigerte sich.

Michael grinste noch immer, ehe er plötzlich loskicherte und sich zusammenrolle, die Hand nun um Raphaels Jogginghose geschlossen. Dieser hatte auch soeben den Anfang wieder gefunden und zog das Band auf, schob sie sich umständlich von den Hüften und betrachtete dann die Boxershorts. Ach, verdammt…

Michael sah ebenfalls wieder auf, das leise Kichern stetig wiederholend, ehe er sich an Raphaels Oberschenkel zu diesem zog und mit etwas Übung über ihn beugte; ein Blick in goldgefärbte Augen ließ den Heiler erschaudern und seine Shorts begannen zu spannen. Das Gefühl von vorher war wieder da, als er ihn ins Bett getragen hatte und jetzt kam der freche Knilch ihm noch so unverschämt nahe.

„Mein Mund ist trocken“, flüsterte er und ließ weiße Zähne aufblitzen.

„Anfänger“, murmelte der Blonde und streckte ihm – bitte, bitte könnte ihn jemand erschießen, wenn er wieder nüchtern war? – die Zunge heraus. Seine Hand wanderte hoch und streifte Michaels Nacken, in dem der dünne, geflochtene Zopf zum Shirt hinein führte und dort unten verschwand. Die restlichen, kurzen Haare stießen an seine Fingerspitzen und mit etwas Koordinationsproblemen bekam er die Zotteln zu fassen, zog ihn zu sich herunter und drückte seine Lippen auf Michaels.

Mit der Entschuldigung an seinen Zustand arbeitete Raphael gar nicht, er war geil und Michael zufällig in seinem Bett – und besaß die Unverschämtheit, in seinen knappen Hosen herumzuliegen und Beine zu haben, die sich nur noch öffnen mussten! Sex mit einem Mann? Warum denn nicht, Ähnliches hatte er unzählige Male mit Frauen praktiziert und wenn Mika-chan halbwegs gefügig war, könnte er ihn sicherlich von einem funktionierenden Sexualleben überzeugen.

Immerhin biss er ihm nicht die Zunge ab, das sprach für Raphael. Ob er das zänkische Ding allerdings mit dem Mund an andere Körperteile lassen sollte, war dahingestellt. Nochmal: Er dachte eigentlich nicht nach.

Mit der anderen Hand komplimentierte er Michael sogar zu sich, halbwegs direkt auf seinen Schoß. Dass er Durst hatte, war auch nicht verwunderlich aber Raphael hatte irgendwie kein Bedürfnis, den Mund seines besten Freundes mit einer Flasche zu teilen. Die stand zwar direkt neben dem Bett, aber es ging um seinen Besitzanspruch und der war ziemlich hoch.

Michael löste sich von ihm und erzählte auf einmal etwas, bei dem Raphael gar nicht richtig zugegen war. Scheinbar hatte das Küssen den Kleineren nicht gestört, wenn er es überhaupt mit Kenntnis würdigen sollte, denn gerade hockte er auf dem Bauch des Heilers, strahlte diesen an und benutzte seine Hände, um das Gesagte mit allerlei Gesten zu untermalen.

Der Blonde starrte zu ihm hoch und führte die Hände an die dünnen Beine vor sich, fuhr bedächtig über die glatte Haut. Deswegen waren Engel ihm lieber; dieser ganze, menschliche Schutzmechanismus der Behaarung blieb ihnen erspart und gerade Mika-chan hatte es nicht nötig, sich von Gewöll vor Kälte schützen zu lassen. Das Ergebnis war eine Bevölkerung mit glatten Beinen und Achselhöhlen, was der Heiler auch sehr begrüßte. Sauberkeitsfimmel waren einfach unangenehm, abstellen konnte er diese dennoch nicht.

Wäre Raphael nicht viel zu fasziniert von diesem Anblick, könnte er sich in das blöde Gerede verlieren, doch nun nahm er nicht einmal Michaels Thema wahr. Dessen Stimmungsumschwung beim Zeigen auf diverse Gegenstände nach zu urteilen ging es um die Inneneinrichtung, die ihm absolut nie gefallen hatte. Zumindest nicht im Schlafzimmer.

„Was machst du?“, drang es dann doch in Raphaels Ohren vor, der wie selbstverständlich die kurze Hose aufgeknüpft hatte und drauf und dran war, eine definitiv vorhandene Grenze zu überschreiten.

„Eh“, gab er deshalb geistreich zurück und stand nun wieder unter Beobachtung. Wenigstens sah der Rothaarige weniger aggressiv aus als zuvor und die Assoziation mit einem Faustschlag würde Raphael gerade eh nicht hinkriegen.

„Was hältst du davon, deine Jungfräulichkeit zu verabschieden?“, puzzelte er sich einen Satz zusammen, setzte sich mit einem Ruck auf und fing Michael noch mit den Händen am Rücken auf, da dieser von seinem Bauch direkt auf den Schoß rutschte, wo er ihn festhielt und sich wieder zu seinen Lippen beugte, mit der Zunge langsam die Kontur nachfuhr.

„Wer wagt daf if nof Junfau bin?“, hörte er den Feuerengel nuscheln, als er sich Zutritt zu seinem Mund verschafft hatte, was Raphael kurz in eine schwache Lähmung versetzte. Kritisch ließ er wieder von ihm ab und blickte in ein so gar nicht wütendes, fragendes Gesicht.

„Bist du nicht?“

„Nein?“

„Mit wem…?“

„Keine Ahnung, lange her.“

„Mann oder Frau?“

„Keine Ahnung?“

Man sah förmlich die Anstrengung auf Michaels Gesicht, sehr viel tiefer in dessen vernebeltes Erinnerungsvermögen wollte Raphael aber nicht eindringen – ha, eindringen! Bitte! Dass sein Hirn das noch hinbekam verdiente schon einen Orgasmus – und so zog er ihn nur noch einmal fest auf seinen Schoß und komplimentierte ihn eher schlecht als recht, wieder mit den Lippen rauszurücken.
Also eigentlich war das dann doch eine Zusage, oder? Er hatte ihm Sex angeboten und Michael hatte nicht abgelehnt, demnach war Raphael ja nun vollkommen dazu befugt, seine Hand in den Saum von Michaels Shorts zu schieben und nach dessen Hintern zu betatschen. Die Hose war ja auf, sonst würde er vermutlich gar nicht wirklich rankommen; was auch so schwer genug war, denn so ganz schien sein Freund noch nicht damit einverstanden zu sein. Zumindest lehnte er sich nach hinten und machte es Raphael ziemlich schwer, überhaupt was zu erreichen.

Dann würde er ihn eben oberhalb der Hose befummeln, der Stoff war so dünn, dass es kaum einen Unterschied machte. So nah war er ihm vermutlich nicht einmal bei einer Untersuchung gekommen, aber in der hatte Raphael noch nie das Gesäß seines besten Freundes geknetet und den tiefen Wunsch verspürt, ihn auf den Bauch zu drehen und die Kleidung vom Leib zu reißen.

Schade, dass er etwas benebelt war; das hier würde er gerne in vollen Zügen genießen und sich später einfach unheimlich gern an jede Einzelheit erinnern; meine Güte, er hatte sich nie so sehr an das Zungenpiercing erinnert, dass Michael sich irgendwo, irgendwie und von irgendwem hatte in den Muskel hauen lassen. Jetzt aber konnte er die Kugel zwischen die Zähne ziehen und es ihm unmöglich machen, wieder von ihm wegzukommen.

Ein zufriedenes Brummen kam von dem Heiler, der noch immer mit seinen Boxershorts konfrontiert war, auf denen Michael so herrlich fest saß. Den Bewegungsdrang des Kleineren nahm er wohlwollend zur Kenntnis, schob diesem die Shorts jetzt einfach ungefragt vom Hintern. Wäre er aufnahmebereiter, hätte Raphael die Abwesenheit von Unterwäsche vermutlich unnötig mehr angestachelt, jetzt freute er sich nur über die nackte Haut. Auch, wenn er diese erst nur mit Fingerspitzen fühlen wollte, während Michael dann doch den Lippenkontakt löste und einen Moment lang ruhig sitzen blieb, die Hände auf Raphaels Brust abgestützt. Als er sich zur Seite fallen ließ, hielt Raphael ihn nur aus einem Grund fest: Er wollte weiter den nackten Po streicheln, während Michael schräg aus dem Bett hängend nach der Wasserflasche suchte und wieder in die Senkrechte glitt, dabei den Deckel abschraubte und einen unverschämt attraktiven Anblick bot, wie er halb im Licht die Augen auf Raphael gerichtet tiefe Schlucke nahm.

Der Größere leckte sich die Lippen ab, eigentlich würde er jetzt gerne verwöhnt werden, doch wann würde er je wieder Mika-chan im Bett haben? Als dieser seinen Trinkflash überwunden hatte, nahm er ihm die Flasche ab und hob den leichten Engel von sich herunter, nur um augenblicklich auf diesen zu rollen und rein zur Vorbeugung ein Knie zwischen seine Beine schob.

Nachdenklich zusammengezogene Augenbrauen waren das Ergebnis und vermutlich ging Michael ebenso wenig davon aus, sich einfach durchnehmen zu lassen. Das würde in einem Machtkampf enden, bei dem sich Raphael aber aus einem einzigen Grund bessere Chancen errechnete: Wenn er Michel nicht vollkommen falsch einschätzte, hatte dieser wenig Erfahrung mit Drogen – im Gegensatz zu ihm selber. Ja, medizinisches Marihuana, von wegen.

Ob das im Endeffekt wirklich von Vorteil war, würde sich zeigen. Jetzt auf jeden Fall würde er das Rote nicht gehen lassen, bevor er nicht irgendwie dessen Körper besudelt hatte.

„Warum haben wir keine Fickbeziehung?“, murmelte er gegen Michaels Wange, da er gerade beim Tattoo angekommen war und dieses ebenfalls mit der Zunge nachzog. Er wollte seinen ganzen Körper ablecken. Viel gab es da ja nicht… das dürfte er als laut äußern, das würde mehrere Frontzähne kosten…

„Weil keiner von uns das Weib sein will“, murmelte der Rothaarige und gestattete es Raphael, sich an seinem Körper herab zu arbeiten. Das Shirt zog er ihm noch halbwegs behutsam weg, der verbundene Arm könnte störender nicht sein aber ohne den wäre es gar nicht so weit gekommen.
Wegen dieser Aussage aufsehen wollte er nicht, irgendwie musste er Michael einfach… niederringen und reinstecken, bevor er sich zur Wehr setzen konnte.

Was genau er hier gerade trieb, wusste Raphael sowieso nicht; sollte er etwa noch tiefer gehen und sich dann mit seiner ersten Mann-zu-Mann Oralsexerfahrung stellen oder lieber die Zelte abbrechen und sich mit anfassen begnügen?

Ein Blick nach oben in das entspannte Gesicht des Feuerengels verriet ihm, dass er eigentlich nur hier liegen und ihn ansehen wollte – ganz ohne romantische Hintergründe, aber ein friedlicher Michael war eine Rarität und Raphael sehr dankbar, dass er das Privileg für diesen Anblick hatte.

Wieder kam der Geruch von Hasch auf und verwundert hob der Blonde den Kopf, nur um in das vom Joint unterbrochene Grinsen des Kleineren zu blicken, der sich den Rest angezündet hatte und genüsslich den Qualm einsog.

„Hey“, kam die kurze Beschwerde, dann wurde aber auch dem anderen der Glimmstängel hingehalten. Als Raphael danach greifen wollte, hörte er ein tadelndes „Ah!“ und begnügte sich damit, sich nach vorne zu beugen und aus seinen Fingern zu rauchen, wo er mit den Lippen unweigerlich wieder an diese kam.

Michael ließ los und Raphael klemmte den Rest noch rechtzeitig mit dem Mund fest, als eine Hand an seinen Haaren zog und ihn mehr oder minder gewaltsam nach unten beförderte. Er nahm den immer heißer werdenden Stummel aus dem Mund und drückte ihn nun endgültig im Aschenbecher aus, blies den Rest Rauch aus und ließ sich zu einem Kuss herunter, wobei Michael ihm seinen letzten Atemzug in den Mund blies und nur kurz locker ließ, damit der den Rauch entkommen lassen konnte. Herrlich benebelt schob der Heiler nun endlich die Shorts von Michaels Kniekehlen und befreite ihn so vom letzten Rest Klamotten, schob sich nun auch die Boxershorts von den Hüften. Das dauerte alles furchtbar lange, allerdings hatte er auch wahrlich Freude daran, ein Bisschen herumzualbern und mit Mika-chan auf Tuchfühlung zu gehen. Wobei… ein Tuch würde kaum noch zwischen sie passen.

„Du hast bestimmt Lust, dich von mir vögeln zu lassen, oder?“

Ein Lachen ertönte zwischen ihren Lippen, ehe Michael seicht den Kopf schüttelte. Er hatte den gesunden Arm locker hinter den Kopf gelegt und so eigentlich keine Möglichkeit, Raphael irgendwie anzufassen – na gut, wenn er den Arm da wieder wegnahm aber das würde eeeeeewig dauern, so Raphaels Zeitempfinden im Moment.

„Ganz sicher nicht.“

„Ach komm schon…“ Er musste grinsen, obwohl sein schöner Plan gerade den Bach runterging und seine Befriedigung scheinbar doch auf der Strecke blieb. Unter Drogen nackt rumzumachen war ja nun keine Leistung.

„Nein. Zumindest nicht, wenn nur ich flachgelegt werden.“

„Wie meinen?“

Er hatte sich nun auf den Kleineren gelegt und drückte seine Erektion gegen dessen Oberschenkel, bearbeitete mit den Lippen Michaels Hals. Dass er selber tatsächlich mal etwas für Sex tun musste, war schon verdammt anstrengend, eigentlich lagen ihm seine Opfer reihenweise zu Füßen aber hier?

„Du legst dich brav für mich auf den Rücken und danach darfst du ran.“

Raphael stutzte und hielt inne, war er wirklich so weggetreten oder hatte Michael ihm gerade wirklich gesagt, dass er seine zweite Jungfräulichkeit zu verlieren hatte? War es das wirklich wert? Also er war keines Wegs homophob, sonst würde er nicht auf einem Mann liegen und sich über dessen Erregung freuen wie ein kleiner Hund aber… selber da liegen?

„Finger weg von meinem Arsch, wenn du nicht selber liegen willst“, kam wieder die Stimme seines Feuerteufels hoch und Raphael wurde sich gerade bewusst, dass er sich noch einmal herunter gearbeitet hatte. Jetzt stoppte er, setzte sich aufrecht zwischen die weißen Beine und betrachtete ihn ausgiebig. Das dauerte bei aller Liebe nicht lange, denn die Antwort war ganz klar: Wenn er das Gesicht nachher vor Lust verzogen vor sich haben würde, war es jedes verdammte Opfer wert! Zumal der letzte Zug ihn eh großzügig entspannt hatte, von daher.

„Bist du zärtlich zu mir?“

Er musste einfach grinsen – wieder und wieder – und seine Stirn auf Michaels legen, der mit herrlich verklärten Augen zu ihm aufsah und lachte. Das war wohl ein nein. Er würde das überleben und konnte sich zur Not ja schnell heilen.

Aufgeregt war Raphael gar nicht, da sich alle Empfindungen gerade nach unten verabschiedet hatten. Das warme Laken nahm sein Rücken gerne auf und weil es hier um seinen Prachtarsch ging, dachte er auch ausnahmsweise an so was wie Gleitmittel, angelte sich dieses aus der Kommode und schob es Michael direkt in die Hand, bevor dieser noch auf blöde Ideen kommen würde.

Wobei, das würde er auch mit der Tube schaffen, wie Raphael gerade einfiel.

Raphael tat es ihm gleich und bettete seinen Kopf auf seiner Armbeuge und beobachtete verklärt, wie zwischen seinen Beinen rumgewerkelt wurde. Das war ein neues Gefühl und nicht unbedingt das, worauf er wirklich Lust hatte, aber dafür konnte er sich ja später entlohnen… insofern Michael keinen Rückzieher machte aber den würde er sonst mit einem Betäubungspfeil plattmachen. Seines Wissens nach gab es noch welche… irgendwo.

Wäre er gerade ganz da, würde er den Rothaarigen in einer Kurzschlussreaktion übers Knie legen, denn der hatte sich gerade den Verband von der Schulter gerissen und kugelte wieder mit seinem Arm rum, doch jetzt war dem Blonden das herzlich egal. Warum war da eigentlich ein Verband?
Und all die blauen Flecken auf Mika-chans Brust… komisch. Neues Tattoo?

Es drückte irgendwie unangenehm an einer sehr privaten Stelle wie Raphael fand, wobei er nur die Stirn runzelte und sich darauf konzentrierte, warum er nackt mit Michael in einem – seinem, keine Neonröhren – Bett lag und dieser auch noch vor ihm kniete. Seine Erinnerung verabschiedete sich immer wieder und so ganz sicher, ob alles in der Tüte rein organisch war, war er sich nun doch nicht mehr.

„Wah, was machst du?!“

Von seinem kurzen Ausflug ins Wunderland zurückgeholt, drückte Raphael die Hüfte hoch, aber eigentlich wollte er nur dem anderen entkommen, der gerade ganz frech einen nicht zu verachtenden Anteil des Gleitmittels in den Körper des Größeren gedrückt hatte, was bei diesem ein unerwartetes Kältegefühl verursachte.

Das war‘s, neee. Er wollte nicht mehr, sollte Mika-chan doch vor ihm sitzen und sexy aussehen und alles aber das war ja unter aller Würde! Er wollte ihn schon zur Seite schieben, traf mit seinem Fuß aber nicht und musste dann auch noch feststellen, dass der Rotschopf sein Bein zur Seite drückte und wieder näher rutschte. Raphael wollte ihn böse angucken, fasste dann aber lieber den nackten Körper vor sich an und streichelte ihm über die Brust. Ein ganz unbekanntes Gefühl, jedoch gefiel ihm der schnelle Herzschlag und gerade wünschte er sich nichts sehnlicher, als sein Ohr dort hinzulegen und zuzuhören, wie der Engel des Krieges lebte.

Wieder zuckte Raphael zusammen, seine Hände wurden umklammert und ohne auch nur kurz Rücksicht auf ihn zu nehmen, schob sich Michael in den Körper hinein. Raphael verzog den Mund missbilligend, auch die direkt folgenden Bewegungen passten ihm nicht wirklich, da er alldem nichts abgewinnen konnte. Er würde definitiv niemals zu einem passiven Part werden können. Zumindest nicht, wenn das unangenehme Gefühl belieben würde, welches der Druck in seinem Inneren auslöste.

Nun ja, dafür konnte er Mika-Chan frei anfassen und nach dessen erogenen Zonen suchen – kurz gratulierte sich die Blondine selbst, dass ihm das Wort noch eingefallen war. Trotzdem war es unangenehm, er würde ihn am liebsten von sich runterschubsen, zog statt dessen aber den Oberkörper des viel kleineren Engels zu sich; Raphaels gekrümmter Position war es zu verdanken, dass sie sich wenigstens in die Augen sehen konnten.

„Stopp, bitte“, murmelte er zerknirscht und streichelte versöhnlich über seine Hüften.

Ob Michael sich einen Kommentar verkniff, weil er gleich selber noch unten liegen würde, war schwer zu sagen, aber er arbeitete deutlich mit der Entscheidung, Raphael als „Weichei“ betiteln zu dürfen.
Stattdessen fing er wieder mit dem Gekicher an und drückte die Nase an den Hals seines Freundes, biss dort sachte hinein.

Raphael ließ ihn machen und war selber damit beschäftigt, irgendwie aus dieser Situation herauszukommen – wenn er nur genug wackelte, könnte er dann wohl den Spieß umdrehen? Dafür müsste er sich allerdings mehr bewegen und gerade hatte das Laken ihm gesagt, dass es ihn liebte.

„Ich liebe dich auch“, hauchte Raphael und erntete verwirrt blinzelnde Augen.

„Nicht dich“, pustete er Michael ins Gesicht und fuhr ihm durch die Haare, ließ sie immer und immer wieder durch die Finger gleiten.

Selig lächelnd wanderte er mit der anderen Hand herunter, zuckte dann aber abermals zusammen.

„Hör auf damit!“

„Lass die Finger von meinem Arsch!“

„Nicht mehr lange. Was kneifst du meine Brustwarze?“

Als Antwort bekam er das Becken des Rothaarigen gegen seinen eigenen Hintern geschoben und ließ nun doch wieder brummende Geräusche vernehmen. Es klang nicht ganz fair, aber um ihm ernsthaft weh zu tun, reichte es bei Michael untenrum nicht aus. Trotzdem konnte er genug fühlen und dass die Bewegungen bereits jetzt wieder eingesetzt hatten, ließ ihn nervös nach einem Anhaltspunkt suchen. Denn fand er wie zuvor an den seiner Meinung nach unterernährten Hüften, so dass der Arzt wenigstens halbwegs die Intensität der Stöße mildern konnte. Blöd nur, wenn man genau das Gegenteil tat und den Körper über einem noch zusätzlich heranzog.

Auch, wenn es Mika-chan nicht passte, ließ er die Hände wieder an ihm herabwandern, während er ein Bein anwinkelte und gedämpftes Stöhnen vernehmen ließ. Düster erinnerte Raphael sich daran, dass in einem männlichen Körper das Lustzentrum Prostata existierte und verfluchte sich gerade selber, dass er scheinbar Gefallen an all dem hier fand. Er mochte es, den dünnen, zähen Körper über sich zu sehen und dabei das halb im Schatten liegende Gesicht anzustarren, auf dem sich feiner Schweiß bildete. Stoßweises Atmen stieß ihm gehen die Stirn und gerade war nichts dringlicher als der Wunsch, dass Michael seine Flügel über ihm ausbreiten sollte.

Doch damit wurde er nicht belohnt, auch nicht, als er ihn fragte.

Keine Antwort für den Blonden, der verzweifelt nach diesem Anblick gierte. Nur einmal wollte er das Gefühl haben, wirklich mit einem Engel zu schlafen und nicht mit einer Hobbyhure. Er könnte ihn dazu zwingen, aber das wäre irgendwie nicht das Gleiche.

Als Michael langsamer wurde, zog er dessen Kopf herunter und küsste ihn wieder und wieder auf die Lippen, ließ auch danach noch einige Momente verstreichen, ehe er sich überhaupt bewegen wollte. Das Gefühl war eigenartig, jetzt fehlte ihm das andere Glied in seinem Körper und er würde ihn gerne darum bitten, weiterzumachen.

Die fehlende Kondition konnte aber selbst ein Blinder bemerken und auch Raphaels zugedröhntes Hirn vermittelte ihm, dass der Kleine so nicht weitermachen konnte – sein ganzer Körper bebte, als er nach Luft holte und sich mit einer Hand an Raphaels Arm festhielt, der gerade eine ganz unpraktische Heißhungerattacke bekam.

Das musste ja jetzt passieren, in der Küche standen noch Nudeln mit Hackfleisch – und Kuchenteig, den durfte er nicht vergessen. Oh, da waren doch diese Muffins! Michael würde es ihm sicher verzeihen, wenn er jetzt aufstand und… oder? Er saß auf den Unterschenkeln in der Hocke, noch immer Raphaels Arm haltend und mit geöffnetem Mund schwer atmend. Der Heiler verfluchte sich gerade selber dafür, dass er selbst unter Drogen noch halbwegs funktionierte und zog Michael mit einem Arm zur Seite, schubste ihn auf die Matratze und legte sich dazu. Befriedigt waren sie beide noch nicht und die flache Atmung machte ihm diverse Sorgen, doch dann erinnerte er sich an die Wasserflasche und reichte diese an Michael, der sie sofort entgegennahm, den Deckel wegschraubte und wieder tiefe, heftige Schlucke davon zu sich nahm. Als das Ding wieder weg war, suchte Raphael wieder nach den anderen Lippen; jetzt durfte er endlich aktiv werden, das war sein Element!
Und Mika-chan würde die Gleitgelattacke bitterlich bereuen, soviel hatte er sich auf jeden fall vorgenommen.

Ein bisschen davon gab er sich auf die Finger, anders als der zierliche Körper war der Blonde mit der Norm bestückt und da konnte er einen 16 Jahre alten Knabenkörper lieber vorbereiten. Zumal bestand hier noch die Gefahr, dass er ihn sonst verbrennen würde, da ja nun anders als bei Raphael keine Belohnung in Aussicht stand, das alles durchzuziehen.

„Finger weg von mei-“

„Ah, ah. Du bist dran, ich schieb dir einen Finger rein“, hauchte er ihm gegen die Lippen und suchte sich mit dem Zeigefinger einen ersten Zugang. Hätte ihm jemand am Morgen gesagt, dass er Michael am Abend oder eher in der Nacht auf Sex mit ihm vorbereitete, hätte er demjenigen ein starkes Mittel verschrieben und danach mit einem Baseballschläger auf den Kopf gehauen.

„Ich werde in dir verrecken“, murmelte Blondi und hauchte wieder einen Kuss auf die Lippen vor sich, drängte den Finger noch etwas tiefer.

„Viel zu warm…“

„Heul doch.“

„Später.“

Mit den Gesichtern einander zugewandt lagen sie so nahe, dass er ihn nicht einmal richtig ansehen konnte; irgendwo an Raphaels Halsbeuge waren die roten, strubbeligen Haare und rochen nach dem Qualm des Grases, während warmer Atem auf seine Haut traf.

„Ich nehm einen zweiten Finger“, murmelte er und erntete einen leichten Boxhieb gegen den Brustkorb, ehe sich lange Fingernägel in seine Haut gruben.

Es gab viel zu viele Stellungen, zwischen denen er entscheiden konnte, denn in den letzten Minuten hatte er viele Perspektiven von Michaels Gesicht gesehen, zu denen er gerne abspritzen würde. Vielleicht konnte man ja wirklich eine  Sexbeziehung aufbauen? Wenn er ihn nur nicht ärgern müsste… Trotzdem hegte der Windengel das dringende Bedürfnis, seinen Kumpanen von jeder Bewegung in Kenntnis zu setzen. Dabei war Dirtytalk eigentlich nicht sein Ding.

„Willst du dich hinknien oder auf den Rücken legen, wenn ich ihn dir reinschiebe? Aua!“

„Fresse, Mann!“

Pff, so was Undankbares… da ließ er ihm schon die Wahl und dann so eine gemeine Reaktion.

„Dann nicht.“

Langsam zog er seine Finger zurück, löste Michaels Hand von seinem Brustkorb und rollte sich wieder wie zu beginn auf ihn, um schnell ein Knie zwischen die sich gerade schließenden Beine zu drängen – ein Reflex, den er bei Frauen fast immer ausübte, damit er nicht allzu lange brauchte, um an das gewünschte Ergebnis zu kommen.

Zu Mika-Chans großem Pech war die Tube mit dem Gleitmittel ziemlich klein, in seinen Privatgemächern hatte Raphael meist keinen Sex, weil einfach nicht jeder seinen Wohnort kennen musste. Außerdem wollte wer nicht dauernd die Laken wechseln.
Die kleine Aktion von vorhin würde er ihm gleichtun, nur wollte er nicht nur einen großzügigen Teil von der glitschigen Masse in seinen Freund drücken, sondern gleich die ganze Tube mitsamt Hülle. Raphael zu ärgern, wenn er bekifft und hungrig war, war eben keine gute Idee!

Schöner Plan, aber als er nur etwas von dem Gleitmittel verteilt hatte, wurde er wirklich eifersüchtig auf die Tube und schmiss sie achtlos davon – das gehörte jetzt alles ihm, da hatte nichts anderes was drin zu suchen! Er musste auch auch beherrschen, sich nicht einfach mit Schwung auf ihn zu werfen, sondern langsam ranzurücken und auch noch mit der Hand zu führen.

„So ich schieb ihn rein“, murmelte er und wich geistesgegenwärtiger als er es sich selbst zutrauen würde einem Fußtritt aus.

„Fresse, ich will das nicht hören!“, giftete Michael ihn wütend an, was Raphael ignorierte und mit der Spitze in ihn eindrang – ein furchtbar unerotisches Wort.

Er hatte so oder so wenig für die Reaktionen des kleinen Brandstifters über, musste er sich doch gerade vollkommen auf sich selber konzentrieren. Rein theoretisch hatte er das Potenzial – sowohl körperlich wie auch rein vom anatomischen Hintergrundwissen – Michael an seinem eigenen Verstand zweifeln zu lassen, doch dazu müsste er sich minimal konzentrieren und das fiel Raphael schon schwer genug. Es war ja schon eine Leistung, dass er nicht einfach loslegte und sich immer weiter in ihn schob, schön langsam und mit kleinen Pausen, wenn er denn Zeit hatte um auf die rar gesäte Mimik unter ihm zu achten.

„Ich hab Hunger“, hauchte er Michael gegen die Stirn, der das entweder ignorierte oder noch geistesgegenwärtig genug war, ihn bloß innerlich zu verachten.

„Hab grad andere Probleme“, kam die etwas verbissene Antwort; einen Arm hatte er sich über die Stirn gelegt, die Augen waren geschlossen. Raphael überlegte gerade, welche Probleme der Kleine gerade meinen könnte und ruckte noch etwas weiter an ihn heran, ließ die Lippen über den schlanken, weißen Hals gleiten. Es gefiel ihm, wirklich. Auch, wenn er sich noch nicht viel bewegte, fühlte sich das Ganze wirklich angenehm an – und wie befürchtet unheimlich warm, aber die Körpertemperatur des Feuerengels lag immer ein paar Grad über der Norm. Für Kondome hatte er auch keinen Kopf mehr gehabt aber das sollte am Ende Michaels Problem werden; der hatte mit dem Gleitmittel ja auch rumgeaast und dem Blonden ein seltsames Gefühl verpasst, dass er noch bei jeder Bewegung spüren konnte. Jetzt bereute er es immerhin nicht mehr, dass er nicht mehr unten lag und fand sich vollkommen in seiner Rolle als aktiven Part ein; außerdem hatte er so wieder die Möglichkeit, Michaels Herzschlag zu lauschen. Nur kurz, doch es erfreute ihn.

Die ersten Bewegungen wurden von einem hohen, langgezogenem Laut begleitet und kurz hielt der Engel des Windes inne, um sich irritiert in seinem Schlafzimmer umzusehen; er war sich gerade nicht sicher, ob es Gasleitungen an diesem Ort gab, ohne das Bett wüsste er schon nicht, ob es nicht doch das Bad wäre.

Dann richtete er die Augen nach unten und wurde sich allmählich gewahr, woher diese Laute kamen. Entzückung, das war alles, was Raphael empfand und weil er seinem Betthäschen unbedingt so nahe wie möglich sein wollte, schloss er die Arme um diesen und drückte die Hüfte fest an ihn heran; eine Hand mit viel zu scharfen Fingernägeln schob sich über seine Schulter und grub sich dort fest ein, während Michaels Stirn gegen sein Schlüsselbein gedrückt wurde und er qualvoll stöhnte.

„Geht gleich“, kam es viel zu gut gelaunt vom Größeren, der den stechenden Schmerz in seiner Schulter als gegeben akzeptierte und sich wieder etwas in die Höhe drückte, bis Michael ihn loslassen oder sich mit aufsetzen musste – er entschied sich für ersteres und sank flach auf den Rücken zurück, während Raphael sich aufrichtete und seinen Mika-Chan an der Hüfte hielt, damit dieser nicht einfach frech von ihm wegrutschen konnte.
Man sollte dem Heiler eigentlich applaudieren, wie er selber fand, denn gerade verdrückte er sich ein gut gelauntes Pfeifen und warf alle Bedürfnisse seines Freundes über Bord, indem er nun doch mit den ersten, langsamen Bewegungen vertraut machte.

Die Hitze machte ihn wahnsinnig, wie sollte er damit nur umgehen können? Es war hart an der Grenze zum Unangenehmen, vielleicht lag das auch an der Sensibilisierung der Drogen, durch die er ihn viel zu intensiv wahrnehmen konnte. Es kam ihm wie eine Ewigkeit vor, tatsächlich waren sie vermutlich kaum zehn Minuten miteinander beschäftigt, doch es löste einen gewaltigen Stoß Endorphine im Größeren aus.

Er wollte den Namen des so oft wütenden Engels stöhnen und ihm sagen, dass er ihn gerade in diesem Moment aufrichtig liebte und für immer bei ihm bleiben und ihn beschützen würde, aber er wollte nicht lügen. Eine nicht zu bestreitende Abhängigkeit war zweifelsfrei vorhanden, vielleicht konnte man wirklich von Liebe reden, nur hatte sich körperliches Interesse bisher rar gemacht. Dass Suchtmittel – halluzinogene Drogen, wenn man das Kind denn beim Namen nennen musste – hatte ihn dazu getrieben und vermutlich wäre das auch der Grund, warum Raphael schnell zu einem Ende kommen würde. Dabei legte er jetzt erst richtig los wie er fand und missachtete die Tatsache, dass vor ihm ein Mann lag und nicht etwa der leicht zu überzeugende Körper einer Frau; besagter Mann schien sich nur wenig zu entspannen, tatsächlich hatte Michael ernsthaft Schmerzen und irgendwie das Gefühl, dass etwas nicht so ganz richtig lief doch das könnte auch an seinem Arm liegen, der sich wieder etwas verbogen hatte. Er hatte ja noch einen anderen frei und Raphael war ohnehin viel zu beschäftigt, um sich von ihm in Anspruch nehmen zu lassen.

Er beugte sich abermals zu Michael herab und leckte diesem über die Lippen, bekam ein aufrichtig ungewolltes Stöhnen in den Mund gepresst und knetete bereits jetzt ,mit den Fingern an seinen Hüften, da er ihn im entscheidenden Moment weiter fest an sich pressen wollte. Um nichts zu verschwenden, wenn er eine Erklärung für das alles bräuchte. Tatsächlich mochte er es bloß gerne, seinen Höhepunkt in jemandes Körper auszukosten.

Raphaels verklärte, blaue Augen ruhten auf dem so wohlbekannten Gesicht des Feuerengels, der ihn trübe anstarrte, stoßweises Atmen von sich gab und selbst bei sich Hand anlegte; es dauerte nicht lange, da verteilte sich die milchig-weiße Flüssigkeit auf seinem Bauch und zum Teil auch auf dem des Windengels, der dies einfach hinnahm und beobachtete, wie ein, zwei Tropfen über den sich schnell hebenden und senkenden Bauch des Rothaarigen glitten und in seinen Nabel rutschten.
Michaels klebrige Hand löste sich von sich selber und er legte sie an Raphaels Hüften, legte den Kopf in den Nacken und schnappte nach Luft.
Der Blonde drückte die angewinkelten Beine vor sich flach zur Seite, bis die Knie auf die Matratze stießen und gönnte sich noch ein paar schnelle, intensive Bewegungen, ehe dieses wohlig-warme Gefühl ihn erfasste und der Druck von wie gefühlt Stunden aus seinen Lenden wich.
Langsam ließ er Michaels Beine los, stand allerdings noch nicht auf und fiel halb auf ihn drauf, schloss ihn in einen Arm hinein, um nebenbei noch aus ihm zu rutschen.

„Du bist so schön“, murmelte er und schlief noch in dem Moment ein, als er sein Ohr endlich wieder an die andere Brust legen und dem Herzschlag lauschen konnte.
Da Michael dachte, dass noch immer das Laken gemeint war, bekam er dieses eine, aufrichtige Kompliment leider nicht mit und sorgte für die Decke, indem er sie mit einem Fuß nach oben zog. Er war eingeschlafen, kaum dass Raphael bis an die Schultern bedeckt gewesen war.

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Wer „Wettschulden“ kennt wird merken, dass ich alles noch einmal etwas anders aufgezogen habe, was mir so deutlich besser gefällt. :)
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