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Das Spiel der Götter

GeschichteFantasy / P12 / Gen
Cohen der Barbar Esmeralda Wetterwachs Königin Magrat Knoblauch von Lancre Nanny Ogg Rincewind Tod
22.03.2014
19.06.2014
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22.03.2014 1.314
 
"Prolog - Die geringen Götter"



Die Umgebung bestand zum größten Teil nur aus farbigen Schlieren und einem roten, hageren Schemen mit spitzem Hut, der sich vertikal dazu bewegte. Er bewegte sich sehr schnell und sah auch nicht nach hinten, als die Geräusche in seinem Rücken lauter wurden. Den Hut hielt er mit einer Hand fest, und obwohl kaum noch Pailletten darauf waren und der Schemen noch einige durch den Gegenwind verlor, konnte man dennoch* ein Wort darauf lesen. Dieses Wort kennzeichnete ihn eindeutig als Zaubberer, auch, wenn es vielleicht ein b mehr hatte als nötig, aber eines zu wenig um übertrieben zu wirken.
"HALLO RINCEWIND. LANGE NICHT GESEHEN."
Tod schwebte gemütlich neben dem Flüchtenden einher und schenkte den Dingen, die durch ihn hindurch flogen** keine Beachtung. Er las ein Buch über das Angeln. Der sich vertikal bewegende Schemen sparte sich das Atmen für das Rennen auf.
"ICH BEZWEIFLE, DASS DICH....DIESES WESEN...EINHOLT, ABER DICH ERWARTEN BESTIMMT EINIGE INTERESSANTE DINGE AUF DEINEM WEG."
Der Schemen mit Hut riss die Augen auf. Es war schon ein Unterschied, ob die Welt horizontal an einem vorbei flog, oder plötzlich aufhörte und dann begann sich frontal auf einen zu zu bewegen.

+++


Die Sternenschildkröte Groß-A'Tuin schwebte gelassen durch das All. Einer der vier Elefanten, die auf ihrem Rücken standen, und auf deren Rücken wiederum die Scheibenwelt lag, hob ein Bein um die Sonne vorbei zu lassen. Etwas interessanteres passierten den Elefanten selten. Und während die kleine Sonne über dem Rand aufging und der Randfall in allen Regenbogenfarben und Oktarin*** glitzerte, erwachte das Licht und bewegte sich träge über die Landschaft hinweg. Es würde noch einige Zeit dauern, bis es die Spitzhornberge, Ankh Morpork und Cori Celesti, die Heimstatt der Götter erreichen würde.
Cori Celesti war praktisch der Dreh- und Angelpunkt der Scheibenwelt. Der große Berg, der absolut steil in den morgendlichen Himmel ragte, beherbergte ziemlich viel Magie. Sie floss aus ihm und in ihn hinein und wenn der Berg nicht wäre, würden die feinen Fäden der Magie, die durch die Umdrehung der Welt, der Sonne und des Mondes entstehen, sich einfach auflösen. Ohne den Berg wäre die Scheibenwelt nicht lebensfähig und der Berg nicht ohne die Scheibenwelt. Und auf der Spitze des wie eine Nadel aussehenden und aus grünbblauem Eis bestehenden Berges liegt Würdentracht, die Heimstatt der Götter.
Normalerweise würde man davon ausgehen, dass Götter Schach spielen, aber diese Götter beschäftigten sich lieber damit sich in das Leben der Menschen einzumischen und herauszufinden wessen Helden am Ende noch auf dem Spielbrett standen und wer von ihnen sich wieder mal vom Schicksal betrügen ließ. Das träge Licht hatte das Mittgebirge noch nicht erreicht, aber man konnte es bereits von Würdentracht aus sehen, da stand schon fest, dass die Götter eine neue Beschäftigung brauchten. Eigentlich bereitete es ihnen immer Vergnügen mit den Menschen zu spielen, aber diesmal wollte keine rechte Stimmung aufkommen.
Und wie eine kleine Idee in einem Großen Gehirn sich vehement und mit schon fast brachialer Gewalt gegen ihre großen Brüdern und Schwestern durchsetzt und solange nörgelnd und nervend vor einem auf und ab springt, bis man ihr Beachtung schenkt, so kam diesmal der erlösende Einfall auch nicht von einem der großen Götter. Ein kleiner Gott, der bis vor kurzem noch zu den geringen Göttern gehört hatte schlüpfte zwischen den Beinen der anderen hindurch und verlangte nach Aufmerksamkeit. Im Prinzip gehörte er noch immer zu den geringen Göttern und seine Gestalt flackerte unruhig wie eine Kerzenflamme im Wind, aber immerhin hatte er schon einmal einen Namen und war nicht mehr auf ewig an eine Ruine irgendwo in einem der vielen undurchdringlichen Dschungel gebunden.
"Und wer bist du?", fragte der blinde Io und sah an dem Krokodilgott Offler vorbei, der eigentlich als nächster hätte würfeln sollen.
"Ich bin der Gott der versteckten Dinge die man nie mehr wieder findet. Und die Lösung für euer Problem."
Stolz richtete der kleine Gott sich auf und bemerkte nicht, das eines seiner Beine dabei war zu verschwinden.
"Du wagst es uns in unserem Spiel zu stören?"
Schicksal beugte sich hinunter und ließ den kleinen Gott in seine unendlich tiefen und schwarzen Augen sehen.
"Ich bin dafür, dass wir ihn anhören."
Die Lady trat vor.
"Immerhin ist dies eine Ausnahmesituation und dir Schicksal, ist eine kleine Ablenkung sicher ganz recht."
Schicksal murrte und schwieg dann.
"Also kleiner Gott der Gott der versteckten Dinge die man nie mehr wieder findet, was hast du uns vorzuschlagen?"
"Ihr schickt die Menschen doch gerne quer durch die Welt. Was wäre, wenn man überall in auf der Scheibe Dinge versteckt, die die Menschen finden können und zwar an allen möglichen Orten. Wäre es nicht interessant einen Wettbewerb zu machen wessen Helden am meisten dieser Dinge innerhalb eines bestimmten Zeitraumes finden?"
Die Götter schwiegen eine Weile, dann zogen sie sich zur Beratung zurück. Inzwischen war das Bein des Gottes der versteckten Dinge die man nie mehr wieder findet. wieder da, dafür wurde sein Brustkorb recht durchsichtig. Wie auf Befehl drehten sich dann alle Götter gleichzeitig um. Außer Bast, der musste sich grade um die Dinge die vor der Haustür oder halb verdaut unter dem Bett liegen kümmern.*****
"Wir nehmen deinen Vorschlag an und machen ein neues Spiel daraus. Wie sollen wir es nennen?", fragte der blinde Io.
"Wie wäre es mit: 'Dreckige Dinge suchen die irgendwo auf der ganzen, verdammen Scheibenwelt verteilt sind und das an den unmöglichsten Orten'?", hauchte der gerade erst nicht mehr so geringe geringe Gott.
"Der Vorschlag gefällt mir immer besser.", bemerkte Offler und pulte sich Essensreste zwischen den Zähnen hervor.
"Ich hätte da auch schon einige Ideen wo man so etwas verstecken kann."
"Und was genau wollen wir verstecken?", warf die Lady eine intelligente Frage ein.
"Wie wäre es mit Zetteln auf denen Dinge stehen, wie zum Beispiel: 'Wer das liest ist doof!', oder Ähnliches?"
Eifriges Nicken folgte. Und so vertrieben sich die Götter nicht nur ihre Langeweile, sondern sie erfanden auch ein Spiel, dass Potenzial hatte eine eigene Religion zu werden. Sofern die Menschen dazu gezwungen waren mitzuspielen, damit sie nicht Dinge unter ihrem Bett oder halb verdaut vor ihrer Haustür fanden, die sie nicht finden wollten.

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* Natürlich unter der Vorraussetzung, dass man schneller lief als der Schemen und sich dann umdrehte. Vermutlich würde dies nie jemand tun, denn der Schemen mit Hut war ziemlich schnell unterwegs für einen Schemen und außerdem lief dieser Jemand Gefahr, wenn er sich umdrehte,  in schlimmere Dinge hineinzulaufen,  als diejenigen vor denen der Schemen mit dem Hut, dessen Wort dieser Jemand lesen wollte, weglief.
** Oder besser gesagt, er schenkte den Dingen durch die er hindurch flog keine Beachtung.
*** Oktarin gehört zwar nicht direkt zu den offiziellen Farben des Regenbogens, denn nur magisch begabte Wesen können diese achte Farbe sehen, aber der Randfall strahlte trotzdem in dieser Farbe. Auch, wenn es eher ein Glühen war, dass sich hinter den anderen Farben versteckte, aber heimlich versuchte sie von ihrem Platz zu verdrängen. Erfolglos, wie zu bemerken wäre. Und selbst wenn das Oktarin Erfolg gehabt hätte, hätte dies vermutlich niemand außer den eben genannten magischen Wesen bemerkt. Außerdem waren die unmagischen Wesen, zum Beispiel die meisten Bürger von Ankh Morpork,  mit wichtigeren Dingen beschäftig, als sich damit zu beschäftigen, wo im Regenbogen welche Farbe war. Zum Beispiel mit der Frage: "Wann werde ich endlich das nächste mal ausgeraubt? hoffentlich bevor Tante Erna zu Besuch kommt." oder "Dieser Sumpfdrache sieht irgendwie merkwürdig aus, Warum?"****
**** Diese Frage beantwortete sich sofort selbst. Und endete mit einem lauten Knall und diversen verstreuten Körperteilen.
***** Ich denke diese "erfreulichen" morgendlichen Entdeckungen sind vor allem bei den Katzenbesitzern sehr bekannt und verbreitet. Und auch bei denen, die eigentlich keine Katze besitzen.
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