Same

KurzgeschichteAllgemein / P12
Edna Konrad
21.03.2014
21.03.2014
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SAME

Es ist das Gleiche. Immer wieder das Gleiche. Die gleichen Wände, die gleichen Ideen, die gleiche Reise, das gleiche Ende. Immer wieder das Gleiche. Ich hasse es. Ich hasse es so sehr. Es zerbricht mich. Es macht mich kaputt, von innen nach außen. Langsam, aber sicher. All die Jahre. Und nur er ist schuld. Mit seiner ständigen Provokation. Ich hasse ihn, ihn und alles was er mir angetan hat. Mir und Vater. Der Doktor muss sich nicht wundern, dass ich seinen Sohn herunter gestoßen habe. Er hat es verdient. Jetzt ist Vater tot und ich bin hier… All die Jahre. Ich war schon oft draußen, habe es geschafft… So oft. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich schon draußen war. Doch immer wieder bin ich hier gelandet. Ich hasse es. Der gleiche Stuhl wie seit acht Jahren. Der gleiche Tisch wie seit acht Jahren. Die gleiche Tür wie seit acht Jahren. Der gleiche Wärter wie seit acht Jahren. Die Wände sind repariert und der Ventilator ist wieder eingebaut, doch trotz allem… Immer das Gleiche. Immer wieder das Gleiche. Acht Jahre lang immer das Gleiche. Wenigstens meinen besten Freund haben sie mir gelassen. Der Einzige, mit dem ich reden kann. Die Anderen glauben mir nicht, doch ich weiß es. Seit meiner Kindheit ist er bei mir, unterstützt mich und steht mir bei. Er hat mir immer geholfen. Immer wieder hat er mich gerettet. Er ist mein bester Freund. Nur mit seiner Hilfe habe ich es geschafft, dem Doktor so oft zu entkommen. Nur mithilfe von ihm und denen, die mir ebenfalls geholfen haben. Vielleicht macht es ihnen auch Spaß, mich so oft entkommen zu lassen. Mir immer wieder Hoffnung zu geben. Nur um sie dann zu zerstören. Es ist wie ein perverses Spiel, dessen Regeln ich nicht kenne. Es ist immer wieder das Gleiche. Ich frage mich, ob die anderen sich noch an mich erinnern, oder ob sie alles vergessen haben. Ob sie in ihr altes Leben zurückgefallen sind. Ob auch sie immer das Gleiche durchleben. Ich vergesse oft. Manchmal erinnere ich mich an alles, doch ich vergesse immer wieder. Wäre mein bester Freund nicht, wäre ich längst wahnsinnig. Immer wieder erzählt er mir, was passiert ist, was ich getan und erreicht habe. Doch jedes Mal habe ich versagt. Ich habe immer wieder alle enttäuscht. Immer das Gleiche, immer wieder das Gleiche. Ich werde es noch einmal versuchen. Auch wenn ich wieder scheitern sollte, werde ich es erneut versuchen. Mit der Unterstützung der anderen werde ich mich der Herausforderung noch einmal stellen. Und irgendwann, daran glaube ich, darauf hoffe ich mit jeder Zelle meines zerbrochenen Körpers, werde ich es schaffen. Dann werde ich alles, was ich vergessen musste, erfahren. Und vielleicht, ganz vielleicht, werde ich den Tod meines Vaters rächen und mit meinem besten Freund ein normales Leben führen können. Dann werde ich alle Qualen der letzten acht Jahre vergessen können. Dann werde ich meine geschundene Seele heilen können. Daran glaube ich, darauf hoffe ich mit jeder Zelle meines zerbrochenen Körpers.
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