Don't mess it up

von LiCaJa
GeschichteFamilie, Fantasy / P16
Gretel Hänsel
19.03.2014
19.03.2014
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so, meine 2. FF zu HuG, auf bitten der lieben Drakonflai hin. es wäre vorteilhaft, meine erste geschichte auch gelesen zu haben, das ist aber nicht zwangsläufig nötig :)
ich bin mir bewusst, dass ich den troll edward nenne- ich habe mich an der englischen fassung orientiert. So jetzt gehts los. Diesmal ohne Hexe
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Wir hockte mittlerweile seit fast 3 Monaten im Bau. Es schien, als gäbe es auf der ganzen weiten Welt keine Hexe mehr. Zu allem Überfluss hatte ich mir auf dem Rückweg von unserem letzten Auftrag auch noch das Bein gebrochen. Naja, man sollte beim Laufen eben auch mal dorthin gucken, wo man demnächst den Fuß hinsetzen würde. Im Endeffekt könnten wir keinen Auftrag annehmen, sofern wir denn einen hätten, weil ich momentan mit dem Tempo einer Schnecke vor mich hinhumpelte, wahlweise auch hopste. Das Ergebnis war, dass wir alle aufeinander hockten, nichts zu tun hatten und die Spannung sich immer weiter auflud.
Hänsel schrie Ben bei jeder Gelegenheit an, Ben nervte, Edward saß lustlos in einer Ecke herum und ich verfluchte die hässlichen Schmerzen, die mein Bein durchfuhren, sobald ich es belastete. Hinzukam, dass die Jungs mich als Hausfrau ansahen, die brav ihre Wäsche wusch, für das Essen sorgte und ihnen hinterher räumte. Hallo?! Ich war der denkende Teil unserer Gruppe, ich entwickelte die Waffen, ich hatte die Finanzen im Überblick! Und dann sollte ich mir eine Schürze umbinden und kochen? Soweit käme es noch!
Wütend schnaubend hüpfte ich nach draußen, um etwas Feuerholz reinzuholen. Ich stapelte mir einige Holzscheite auf den Arm, wobei mir auffiel, dass unser Vorrat schrumpfte.  Da hatte ich eine Aufgabe für Hänsel in den nächsten Tagen- sollte er sich mal austoben.
Mühsam schleppte ich mich wieder ins Haus und legte das Holz neben den Kamin.
Von weiter hinten im Haus drangen Stimmen zu mir.
"Du wohnst unter unserem Dach, nutzt unsere Gastfreundschaft-"
"Gastfreundschaft?! Das ausgerechnet aus deinem Mund? Du konntest mich doch von Anfang an nichz leiden! Hast du jemals gesagt, dass ich gute Arbeit leiste?"
"Was bist du? Ein Mädchen? Flechte dir die Haare und zieh dir einen Rock an, dann sage ich dir, ob du gute Arbeit leistest! Obwohl, wenn ich darüber nachdenke- nicht mal Gretel verlangt das!"
Ich verdrehte die Augen. Mann, ging mir dieses Gekeife auf den Sack... Ich hoppelte in Richtung der Stimmen. Nicht, dass die Jungs sich noch zerfleischten. Ich fand sie in unserer Waffenkammer.
An der Wand hing unser ganzes Arsenal und auf dem Tisch lag meine Lieblingsarmbrust, weil ich sie reinigen wollte. Außerdem standen sich mitten im Raum Hänsel und Ben gegenüber, die Halsschlagadern geschwollen, zu voller Körpergröße aufgeplustert.
Beinahe hätte ich gelacht. Ja, Ben hatte an Masse zugelegt, aber gegen Hänsels zorngeschwollene Muskeln kam er bei weitem nicht an.
"Du", flüsterte Hänsel jetzt beängatigend leise, "Kannst von dir behaupten, gute Arbeit geleistet zu haben, wenn du einem von uns den Arsch gerettet hast."
"Ach, und was war mit dieser rachsüchtigen Hexe in den Bergen, die die Kinder entführt hatte? Ich hab sie erledigt!"
"Du hast sie kalt gemacht ja. Aber soweit ich mich erinner, hatte sie niemanden von uns an der Gurgel. Töten ist leicht. Retten ist die große Kunst."
Ben zuckte zurück. "Ich bin euch nur ein Klotz am Bein."
"Nein, Ben.", mischte ich mich ein. "Du lernst von uns. Nicht mehr und nicht weniger. Du bist noch nicht genug Hexen begegnet, um zu wissen, wann es wirklich brenzlig wird. Das ist nichts Schlimmes."
"Aber-"
"Nichts aber.", unterbrach Hänsel.
Geknickt sah Ben uns an, seufzte und schlich an mit vorbei aus der Tür. Ich sah Hänsel an. "Du könntest ruhig etwas Netter zu ihm sein."
"Und dann? Was hat er davon? Er verweichlicht, Gretel."
"Er wüsste, dass er deine Unterstützung hat!"
"Ich unterstütze ihn aber nicht! Ich unterstütze mich und das hier!" Er deutete hinter sich an die Wand, an der die ganzen Waffen hingen.
Jetzt reichte es mir. Ich richtete mich auf, hob mein Kinn an und betrachtete ihn hochmütig. "Wir brauchen Feuerholz. Während du hackst, kannst du dir Gedanken darüber machen, wer das hier", ich deutete ebenfalls auf die Waffen, "gebaut hat." Damit humpelte ich aus dem hinaus. Unterwegs schnappte ich mir Edward, der lustlos herumsaß. "Komm mit. Ich brauche neue Kräuter für mein Bein."
Edward sah mich prüfend an, reichte mir aber seine Hand, damit er mich auf seine Schulter setzen konnte. Längere Strecken durch den Wald traute ich meinem Bein dann doch nicht zu.
Edward wusste mittlerweile wo ich hinwollte und trug mich zu einer kleinen Lichtung, auf der über Baldrian bis zu Ringelblume allles wuchs, was ich brauchte.
Edward setzte mich ab und ich suchte mir alles zusammen. Zwischenzeitlich schimpfte ich vor mich hin. Ich beleidigte so ziemlich alles und jeden. Meinen Bruder, Ben, mein Bein und die hässlichen Hexen.
Edward beobachtete mich eingehend und ließ mich zicken. Als ich zu ihm zurück kam, streichelte er mir mit seiner großen Hand über die Haare. Ich lächelte ihn an und ließ mich zurück nach Hause tragen. Dort angekommen schleppte ich mich in meine Wekstatt und fing an, eine Salbe aus den Kräutern herzustellen.  Die beschleunigte zwar den Heilungsprozess des Knochens nicht, aber sie unterstützte die Muskeln, sodass ich auch nach dieser langen Schonfrist kein mageres Gestell an mir zu hängen hätte.
Zwischen zermahlen, pressen, richtige Menge finden und anrühren vergaß ich völlig die Zeit. Als ich aufsah, war es draußen bereits dunkel. Mein Magen knurrte und erinnerte mich daran, dass ich seit heute Morgen nichts mehr gegessen hatte. Seufzend stand ich auf und machte mich auf die Suche nach etwas essbarem. Das erste, was mir in die Hände fiel, war ein Apfel. Ich hopste damit zu einem der Fenster und starrte hinaus in die Dunkelheit.
"Isst du sonst nichts?", fragte Hänsel hinter mir.
Ich drehte mich um und sah ihn spöttisch an. "Warum sollte ich?"
Sein Blick verfinsterte sich. "Gretel, du weißt genau, dass du mehr essen musst."
"Erzähl mir nicht, was ich tun muss. Mit so einem gebrochenen Bein brauche ich deine Unterstützung sicher nicht. Und was meine Ernährung angeht, auch nicht."
Er zog die Augenbrauen hoch. "Du weißt, dass ich das so nicht meinte."
"Ach ja? Ich wäre tatsächlich geneigt, dich richtig zu verstehen, wenn du dich die letzten Wochen nicht so furchtbar verhalten hättest. Du hast dich herauf und mich herunter gespielt. Nur weil ich Brüste habe und kleiner bin, heißt das nicht, dass ich hinter dir her räume! Wenn du das willst, dann häng die Jagd an den Nagel und heirate! Aber ich werde sicher nicht dein ergebenes Weibchen spielen!"
Nach diesem Ausbruch starrte ich meinen Bruder nieder und er hatte immerhin den Anstand, betreten auszusehen. Etwas besänftigt, aber immer noch wütend, fragte ich: "Hast du wenigstens das Holz gehackt?"
"Ja. Gretchen, es tut mir Leid. Natürlich sorge ich mich um dich. Und ich schätze auch deine Arbeit an unseren Waffen. Ich will dich keineswegs auf deine... deinen Körperbau beschränken. Und ich mache mir Sorgen um dein Bein und wenn du jemals eins gehabt hast, dann meine volle Unterstützung."
Ich sah ihn kritisch an. Er verdrehte die Augen, sagte: "Nun komm schon her" und breitete seine Arme aus. Ich hüpfte auf ihn zu und lehnte mich an seine Brust. "Es wird Zeit, dass wir wieder einen Auftrag bekommen.", nuschelte ich.
"Vergiss es.", brummte er in meine Haare. "Mit dem Bein gehst du keine Hexe jagen. Und nur mit Ben zieh ich nicht los."
Ich schlug gegen Hänsels Schulter. "Er ist gar nicht so schlecht."
"Ja, weil er dich beeindrucken will."
"Ach."
"Doch."
 Ich löste mich aus Hänsels Armen. "Gib ihm doch eine Chance."
"Hmpf"
Ich grinste,  drückte ihm einen Kuss auf die Wange und hinkte los, um mein Bein mit der Salbe einzuschmieren. 'Du musst das nur noch ein paar Wochen aushalten.', sagte ich mir.

2 Wochen später platzte Ben frühmorgens ins Schlafzimmer.
"Hey!", keuchte er.
"Hm?" Ich sah von meiner neuesten Skizze eines Messers auf. Mein Bein war mittlerweile wieder voll belastbar und ich war extrem erleichtert darüber.
"Ich...wir...", stotterte Ben.
Ich verdrehte die Augen und warf einen meiner Schuhe in Hänsels Richtung, der noch im Bett lag und schlief. Er traf ihn an der Schulter, Hänsel schreckte hoch und zog noch während des Aufsetzens seine Pistole unter dem Kissen hervor. Verwirrt sah er sich um, ehe sein Blick an mir hängen blieb und er mich fragend anstarrte. Ich nickte in Bens Richtung. Wir sahen ihn beide an. Immer noch stand er schweratmend im Türrahmen. Dann fing er an zu Grinsen. "Wir haben einen Auftrag."
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