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Pocky Game (One Shot)

KurzgeschichteLiebesgeschichte / P12 / Gen
Mio Akiyama Ritsu Tainaka
19.03.2014
19.03.2014
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Leise Jazzmusik spielte, als Mio ihre Haare kämmte. Die Schwarzhaarige wartete auf ihre langjährige Freundin Ritsu Tainaka, die  zusammen mit ihr im Park picknicken wollte. Es sollte aber nicht werden, wie die vergangenen Picknicks, diesmal waren es nur die Beiden, ohne die anderen Mitglieder ihrer Band Houkago Tea Time. Mio und Ritsu hatten schon seit Ewigkeiten nichts mehr alleine gemacht, aber da nun Sommerferien sind und die Anderen alle etwas zu tun haben, wenn man dies von allen behaupten kann, wollten die Beiden auch mal wieder etwas zu Zweit machen, wie sie es in ihrer Mittelschulzeit so oft getan haben. Falls euch interessiert, was die Anderen gerade machen: Mugi ist mit ihren Eltern nach Europa verreist. Genaueres hat sie nie erwähnt, nur dass es sicher lustig werden wird, die verschiedenen Teesorten der Länder kennen zulernen. Azusa geht mit ihren Eltern campen. Campen auf den freien Plätzen neben den großen Open-Air-Bühnen der Festivals. Was Yui macht, könnt ihr euch sicher schon denken. Da sie weder Hitze noch Kälte gut abkann, liegt sie  den ganzen Tag in Shorts und einem weiten T-Shirt auf dem Boden ihres Wohnzimmers. Aber zurück zu Mio, die nun fertig ist und ihre Musikanlage abschaltet. Mit leisen Schritten geht sie die Treppen runter und findet sich einige Sekunden später in der Küche wieder. Der von Mio schon gestern fertig gepackte Picknickkorb stand auf der Anrichte und wartete nur noch darauf von Mio und Ritsu in den Park getragen zu werden. Die Bassistin guckte ein letztes Mal durch die Küche, um sicher zu gehen, sie habe auch nichts vergessen. Ihr Blick fiel auf eine geschlossene Pocky Schachtel die ihre Mutter ihr vor 2 Tagen mitgebracht hatte. Mit zuckenden Schultern griff sie nach der Packung und steckte sie in die letzte verbleibende freie Stelle des Korbes.

Kaum war die Schachtel sicher, wenn auch etwas demoliert, im Picknickkorb verstaut, hörte die Schwarzhaarige wie sich die Vordertür des Hauses öffnete und eine ihr bekannte Stimme rief: “MIOO, wo bleibst du?“ Mio wuchtete den Korb von der Anrichte und wankte zur Tür, wo Ritsu sie mit einem strahlenden Lächeln begrüßte. Sie riss Mio den schweren Korb aus der Hand, stellte ihn ab und umarmte Mio herzlich. „R-Ritsu, was soll das?“, stotterte Mio. Die Braunhaarige entgegnete:“Ich hab dich halt vermisst. Auch ich darf Gefühle haben.“ Mio ließ es mit dem Fragen gut sein und schlüpfte in ihre Schuhe. Ritsu nahm den Korb und beide gingen los.

Der Weg von der Straße wo die Beiden wohnen bis zum Stadtpark war nicht sehr lang. Beide vermuteten, dass nicht viele dort sein werden, sondern eher im Freibad der Stadt diesen sonnigen Tag verbringen. Auf dem Weg unterhielten sich die beiden über den Light Music Club und Mio erzählte, dass sie zwei neue Songs hat, für die Mugi unbedingt die Musik komponieren muss, wenn sie wieder da ist. Von den Titeln war Ritsu eher wenig begeistert. „Pure Pure Heart“ und „Girls in Wonderland“, schon die Titel sorgten bei Ritsu für Rückenkratzen, jedoch zeigte sie es heute nicht so wie sonst, um Mio’s Gefühle nicht zu verletzen. Mio war mit ihren Gedanken voll und ganz bei den beiden Songs als sie Ritsu’s Hand in ihrer spürte. Sofort zog sie weg und gab der Drummerin einen fragenden Blick. Die Braunhaarige konnte den Blick deuten und flüsterte: “Tut mir Leid.“ Die Bassistin wollte wissen was in ihre beste Freundin geraten war, aber sie wartete damit bis sie im Park waren.

Der Park war, wie die Beiden schon vermutet hatten, kaum gefüllt. Ritsu führte sie zu einem schattigen Plätzchen unter einem Baum neben dem kleinen Ententeich. Es war wunderschön. Selbst im Schatten des Baumes war es immer noch angenehm warm. Mio breitete die große Decke aus, auf die sich Ritsu schmiss, sobald Mio ihr Werk verrichtet hatte. „RITSU! Zieh deine Schuhe vorher aus!“, zischte die Bassistin. Ritsu folgte dieser Anweisung ohne irgendwelche Widerworte. Mio wurde immer bewusster, dass mit der sonst so hyperaktiven und fiesen Drummerin  etwas nicht stimmen kann. Warum ist sie auf einmal so hörig und lieb? Während die Schwarzhaarige ihre Schuhe auszog durchwühlte Ritsu schon den Picknickkorb. Sie stoß auf Sandwichs, Onigiri und auch auf die Pocky. Ihr Gesichtsausdruck wies drauf hin, dass sie einen Plan hatte.  Mio ließ sich nicht beeindrucken und griff nach einem der Thunfischsandwichs. Es schmeckte großartig. Die richtig dosierte Kombination aus Thunfisch und Mayonnaise war der Bassistin gut gelungen. Jedoch war sie immer noch in Gedanken damit beschäftig,t was mit ihrer besten Freundin los war. Sie überlegte, ob Ritsu vielleicht einen Freund hatte, nein kann nicht sein, dann wäre sie nicht so zu Mio. Vielleicht zieht sie ja weg? Möglich wäre es schon. Mio fragte einfach gerade heraus: “Ritsu, kann es sein, dass du so nett zu mir bist, weil deine Familie wegziehen wird?“ Ritsu verschluckte sich vor lauter Lachen beinahe an dem Stück Sandwich, welches sich in ihrem Mund befand:“ Warum sollte ich denn wegziehen? Ist es so ungewöhnlich, dass ich mal nett zu dir bin?“ Mio entgegnete: “Ja ist es. Ritsu, du bist meine beste Freundin. Ich merke so was. Jetzt sag mir was los ist!“ Ritsu grinste:“ Ok, ich sag dir was los ist, wenn du mit mir das Pocky Game spielst. Einverstanden?“ „Versprichst du mir, dass du nichts Dummes machst?“, die Schwarzhaarige errötete. „Versprochen.“ Ritsu gab ihr ein breites Grinsen und öffnete die Pocky Schachtel. Es waren Erdbeer-Pocky’s. Ritsu nahm den Pocky zwischen die Zähne. Mio zögerte noch eine Weile, bis sie ins andere Ende biss. Ritsu kam mit ihrem Mund langsam näher an Mio’s. Das Herz der Schwarzhaarigen raste wie verrückt. Ihre Lippen berührten sich beinahe und die Bassistin erkannte, dass ihre sonst so gelassene Freundin ebenfalls errötet war. Sie brach den Pocky. Laut den Regeln hatte die Braunhaarige nun gewonnen, aber ihrem Blick nach zu urteilen, war sie nicht froh über diesen Sieg. Sie protestierte: “Mio, wegziehen gilt nicht. Nochmal!“ Mio flehte: “Aber Ritsu, ich hab es jetzt mit dir gespielt. Erzähl mir was los ist.“ „Das Spiel ist noch nicht zu Ende und ich als Gewinnerin der ersten Runde bestimme, dass du nicht noch einmal wegziehen darfst. Schließ einfach deine Augen und spiel vernünftig, ok?“, befahl die Drummerin. Mio griff widerwillig nach einem neuen Pocky und das Spiel begann erneut. Die Schwarzhaarige tat was ihre Freundin ihr befohlen hatte und schloss ihre Augen. Jedoch schlugen diese blitzschnell auf, als sie die Lippen von Ritsu auf ihren spürte. Sie waren weich, ganz anders als Ritsu’s Persönlichkeit. Mio konnte sich für einen Moment nicht bewegen und war immer noch geschockt, als die Drummerin ihre Lippen von Mio’s löste.

„Mio, ich-ich liebe dich.“ Die Schwarzhaarige verstand die Welt nicht mehr. Ihre beste Freundin, die nichts Besseres zu tun hatte, als sie jeden Tag aufzuziehen, ihr mit gruseligen Geschichten Angst zu machen und Bilder von ihr für den Club verkaufen wollte, liebt sie. Es war zu viel für die schüchterne Mio. „Tut mir Leid, ich..ich“, stotterte Mio bevor sie wegrannte. Ritsu blieb enttäuscht zurück. Sie unterdrückte die Tränen, die ihr in die Augen schossen. Mio rannte so schnell sie konnte nach Hause und flüchtete sich in ihr Zimmer, wo sie auf ihrem Bett in Tränen zusammenbrach. Sowohl Mio als auch Ritsu hatten denselben Gedanken: Das könnte das Ende ihrer Freundschaft gewesen sein. Die niedergeschlagene Drummerin blieb noch bis in die Abendstunden im Park, bis sie beschloss, Mio den zurückgelassenen Picknickkorb vorbeizubringen.

Mio hörte wie ihre Mutter zur Tür ging. Sie blieb, in ihr Kissen weinend, auf dem Boden ihres kleinen Zimmers sitzen. Jemand kam die Treppen rauf. Die Bassistin erkannte sofort, dass es Ritsu war. Sie sprang auf, rannte zur Tür und schloss sie ab. Mit Ritsu wollte sie gerade am wenigsten reden. Ritsu konnte hören wie der Schlüssel im Schloss umgedreht wurde und versuchte gar nicht erst die Tür zu öffnen. Sie blieb vor ihr stehen und flüsterte: „Mio, ich weiß du stehst hinter der Tür und ich weiß, dass du nicht mit mir reden willst, aber ich werde hier nicht weggehen bevor du dies nicht getan hast. Es war ein Fehler es dir zu sagen. Doch es war zu viel für mich, die Gefühle weiter zu unterdrücken. Mio, ich hab mir die letzten Wochen den Kopf darüber zerbrochen, wie ich es dir sagen könnte. Eigentlich wollte ich es nicht mal heute machen, aber dann hab ich die Pocky gesehen. Ich mache einfach zu viele Fehler und ich hätte wissen müssen, dass du nie jemanden wie mich lieben könntest. Es tut mir Leid. Ich hab das Gefühl, dass ich wegen diesem Satz unsere Freundschaft zerstört habe. Mio, bitte, rede mit mir!“ Ritsu saß an die Wand gelehnt vor Mio’s Zimmertür. Die Tränen liefen über ihre Wangen. Auf der anderen Seite der Tür saß Mio. Sie kuschelte sich an ein Kissen und vergrub ihren Kopf darin, damit ihr weinen nicht zu laut wird.

Stundenlang war es still, bis die Bassistin einen Zettel unter der Tür durchschieb. Ritsu nahm den Zettel und las ihn sich durch: „Du bist ein Vollidiot Ritsu.“ stand drauf. Ein leichtes Lächeln zeigte sich auf Ritsu’s Lippen. Es war typisch Mio. „Ich weiß, dass ich ein Vollidiot bin. Aber Mio, ich bin der Vollidiot der dich so oft zum Lachen gebracht hat, wenn du traurig warst. Ich bin der Vollidiot, der dich in den Club gedrängt hat, in dem du neue Freunde gefunden hast. Ich bin der Vollidiot, der dich im Kindergarten schon bewundert hat. Ist es so schlimm, das ich, Ritsu der Vollidiot, dich liebe?“ Ritsu erwartete keine Antwort von Mio. Doch sie antwortete mit dem Entriegeln  des Türschlosses. Vorsichtig öffnete die Braunhaarige die Tür. Mio begab sie zu ihrem Bett und setzte sich im Schneidersitz drauf. Ritsu schloss die Tür und blieb nervös beim Schreibtisch stehen. Die Bassistin schmiss der Braunhaarigen eins ihrer Kissen direkt ins Gesicht. Mit verweinter Stimme sprach sie: „Ritsu, du kennst mich schon so lange, du hättest wissen müssen, dass du mir das nicht einfach so sagen solltest. War es nicht von Anfang an klar, dass ich dir nicht gleich in die Arme springen und dir sagen würde das ich dich auch liebe?“ Ritsu senkte ihren Kopf. Mio stand auf und ging auf Ritsu  zu. Sie hob Ritsu’s Kinn mit ihrem Daumen und Zeigefinger, so dass sie ihr in die Augen sah. „Du bist ein Vollidiot. Ritsu, du bist mein Vollidiot. Ich liebe dich.“ Mio musste nicht mehr sagen. Ritsu presste ihre Lippen auf Mio’s. Beiden liefen die Tränen über die Wangen. Diesmal waren es Freudentränen. Als sich ihre Lippen voneinander lösten, formte sich ein Lächeln auf Ritsu’s Gesicht:

„Ich werde für immer dein Vollidiot sein.“
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