Rosaroter Frühling (Kirschroter Sommer/ Türkisgrüner Winter)

GeschichteRomanze / P16
Elyas Schwarz Emely Winter
18.03.2014
11.11.2014
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Ich schmiegte den Kopf an Elyas‘ Brust, der daraufhin zufrieden brummte.
  „Wann wollen wir aufstehen?“, fragte ich.
  „Jetzt jedenfalls noch nicht. Ich will dich noch eine Weile in meinem Bett haben. So wie du jetzt bist.“ Dabei strich seine Hand über meine Haut, die sofort zu prickeln begann.
  „Verdammt, Elyas! Du bist so ein Perversling“, knurrte ich, ließ seine Hand aber wo sie war, da es sich einfach absolut himmlisch anfühlte, von ihm berührt zu werden.
  „Das sagst du jetzt noch? Nach dieser Nacht?“ Seine Nase drückte sich in mein Haar und er holte tief Luft.
  „Ja!“ Seine Worte riefen höchst angenehme Erinnerungen in meinem Kopf wach. Alle hingen in irgendeiner Weise mit Elyas‘ Körper zusammen und ich wusste, dass ich von ihm nie genug bekommen würde. Er schlang seine Arme fest um mich.
  „Ich habe dir heute noch nicht gesagt, dass ich dich abgöttisch liebe“, stellte er fest.
  „Nein“, erwiderte ich zuckersüß. „Das kannst du mir immer und immer wieder sagen... Außer wenn ich grade sauer auf dich bin.“
  „Ach, Emely“, murmelte er und schmiegte sich an mich. „Bitte, sei nie wieder böse auf mich. Bitte.“
  „Das hängt ganz allein von dir ab, mein Lieber.“
  „Hmm“, brummte er. „Ich weiß... Duhu? Emely?“ Sein Tonfall ließ mich stutzen.
  „Was ist denn?“, verlangte ich etwas drohend zu wissen.
  „Andy, Sebastian und ich wollen in den Urlaub fahren. Wir haben schon gebucht und alles.“
  „Und?“
  „Na ja. Das ist schon eine Weile her. Bevor wir zusammen waren. Andy meinte, dass wir entweder alles zusammen machen oder es ganz sein lassen. Na ja. Damals wohnte Alex noch in München und an dich habe ich nicht einen Gedanken verschwendet- äh... Also... Gedanken an dich... sind natürlich nicht verschwendet... äh...“ Ich lachte.
  „Schon gut, Elyas. Ich weiß, wie du es gemeint hast. Wie lange wollt ihr denn weg?“
  „Wir wollen zwei Wochen nach Mallorca.“
  „Und warum genau siehst du mich so bittend an?“ Glaubte er, ich würde ihm verbieten in den Urlaub zu fahren?
  „Na ja. Ich könnte auch hierbleiben, aber wir haben uns schon alle total darauf gefreut.“
  „Gehe ich richtig der Annahme, dass du mich bittest, in den Urlaub fahren zu dürfen?“
  „Ähh... ja?“
  „Warum?“
  „Na wir sind doch jetzt zusammen... oder? Ich war mir eben unsicher, wie du reagieren würdest.“ Ich schenkte ihm ein liebevolles Lächeln.
  „Ich kann dir nicht vorschreiben, was du tun oder lassen sollst. Wenn du mit deinen Freunden in den Urlaub fahren willst, dann ist das vollkommen in Ordnung. Ich meine, es sind doch bloß zwei Wochen, Elyas.“ Und genau diesen letzten Satz hätte ich niemals gesagt, wenn ich schon einmal in meinem Leben, solche Sehnsucht, nach einem anderen Menschen gehabt hätte. Zwei Tage nach seinem Aufbruch, fühlte ich mich so einsam, dass ich zu Alex zog und in Elyas Zimmer übernachtete. Es half mir mit meiner besten Freundin zusammenzuleben, aber ich verfluchte diese Wohnung mit jedem Schritt aufs Neue, weil sie mich mit jedem bescheuerten Schritt, den ich in ihr machte, schmerzlicher an Elyas erinnerte, der nun mal nicht da war. Wir hatten genau einmal telefoniert, dann hatte ich festgestellt, dass ich nicht mit ihm reden konnte ohne vor Sehnsucht den Verstand zu verlieren. Und genau das hatte ich ihm in einer SMS geschrieben und seinen Kontakt blockiert.

  Alex und ich saßen aneinander gekuschelt und in Decken eingemummelt auf dem Sofa. Es war Samstag und wir hatten uns Schonfrist verordnet, da wir uns gestern die Kante gegeben hatten und gegen drei Uhr morgens – übrigens keine Ahnung, wie wir das geschafft haben – hackedicht in der Wohnung im FÜNFTEN (!) Stock angekommen waren. Dummerweise hatten wir keinen Dr. Elyas Schwarz, der uns was zu trinken gab oder und beim nächsten Aufwachen Aspirin gab. Jetzt einige Stunden später dröhnte mein Kopf immer noch und ich fragte mich, wie ausgerechnet ich auf absolut bescheuerte Idee gekommen war, uns betrinken zu gehen. Wir konnten froh sein, dass uns niemand abgeschleppt hatte. Ich hatte nicht die leiseste Ahnung, was gestern passiert war, ich wusste bloß, dass ich heute Morgen im Bad aufgewacht war und es ziemlich eklig gerochen hat, da eine von uns beiden vergessen hatte, die Spülung zu betätigen. Es war so widerlich. Mir kam jetzt noch alles hoch, wenn ich auch nur daran dachte.
  „Alex, ich geh ins Bett. Ich bin müde und mir geht es immer noch hundsmiserabel. Gute Nacht“, verabschiedete ich mich von meiner besten Freundin und schleppte mich ins Elyas‘ Zimmer. Ich schaffte es noch mich in meinen beziehungsweise Elyas‘ Pullover zu kuscheln und ins Bett zu fallen.

  Am nächsten Morgen wurde ich von Alex geweckt, die im Flur herumpolterte. Tastend und nebenbei stöhnend suchte ich den Nachttisch nach meinem Handy ab. Als ich es fand, sagte es mir, dass es kurz nach... sieben... Uhr... morgens war. Es war geradezu unverschämt früh. Verdammte Alex! Schlaftrunken tapste ich ins Wohnzimmer und setzte zu einer Schimpftriade an.
  „Verdammte Scheiße, Alex! Hast du eine verfickte Ahnung, wie spät es ist. Lass mich verdammt noch mal schlafen. Du weißt ganz genau, dass ich noch verkatert bin!“ Meine folgenden Flüche wurden von einem Gähnen unterbrochen. Ich wollte mich schon wieder umdrehen, als ich eine Stimme hörte, die nicht Alex‘ gehörte.
  „Schönen, guten Morgen, mein Engel. Danke für die nette Begrüßung. Sollen wir wieder gehen?“ Diese Stimme! Mit einem Mal war ich hellwach. Elyas sah erschöpft aus und unfassbar schön. Seine Augen leuchteten und ein Lächeln umspielte seine Lippen.
  „Elyas!“, kreischte ich, rannte auf ihn zu, sprang in seine ausgebreiteten Arme und schmiegte mich an ihn. Von meinem Schwung mitgerissen, wirbelte er mich durch die Luft. Wie von selbst schlangen sich meine Beine um seine Hüften. „Ich hab dich soo vermisst!“
  „Echt?“, fragte er schmunzelnd. „Wäre mir gar nicht aufgefallen.“
  „Oh ja.“ Ich öffnete die Augen. Mein Blick fiel auf Sebastian. Verwirrt fragte ich mich, was er hier machte. Er hatte doch eine eigene Wohnung. Alex! Er hatte seine Freundin sicher auch sehr vermisst. Lächelnd beobachtete er uns, wandte sich schließlich ab und ging in Richtung Alex‘ Zimmer. „Hey“, rief ich. „Sebastian.“ Er drehte sich zu mir um und sah mich aufmerksam an. „Du kannst nicht zu Alex reingehen. Sie bekommt einen Herzinfarkt, wenn sie dich sieht. Oder einen hysterischen Anfall oder was sie eben bekommen würde. Auf jeden Fall würde sie den Schock ihres Lebens bekommen.“ Leicht betrübt kam er wieder zu mir und Elyas.
  „Lass mich mal los“, flüsterte Elyas in mein Ohr. „Ich bringe mal schnell mein Gepäck in mein Zimmer und du könntest dir mal noch was anziehen.“ Sofort löste ich mich von ihm. Als er mein feuerrotes Gesicht sah, lachte er. Ich trug nur seinen Pullover und einen Slip. Ein erschreckendes Bild kam mir in den Sinn.
  „Ich bring dein Zeug weg“, beeilte ich mich zu sagen, denn er durfte auf keinen Fall in sein Zimmer kommen. Das Bett war ungemacht, meine Klamotten lagen einfach vor dem Bett auf dem Boden, weil ich gestern keine Lust hatte, sie noch wegzuräumen. Auf dem Tisch vor der Couch stapelten sich Bücher, die ich lesen musste und auf dem Schreibtisch und auch auf dem Boden lagen überall Blätter mit Notizen und Mitschriften von der Uni. Kurz gesagt: Es sah aus als hätte eine weltvernichtende Bombe eingeschlagen. Elyas aber sah mich nur verwirrt und mit hochgezogenen Brauen an, bevor er mich umrundete und in sein Zimmer ging. Jammernd folgte ich ihm. Er öffnete die Tür und stockte augenblicklich in seiner Bewegung.
  „Es sieht nicht so aus, wie ich es zurückgelassen hatte“, stellte er nüchtern fest.
  „Ich weiß. Tut mir echt leid. Wenn ich gewusst hätte, wann du kommst, hätte ich alles aufgeräumt.“ Ich hob meine Jeans vom Boden auf und schlüpfte eilig hinein. Danach zog ich mir meinen Pullover über den Kopf und spürte Elyas gierigen Blick auf mir. Als ich meinen BH anhatte, bemerkte ich, was für einer das war. Es war der, den Elyas einmal gesehen hatte, als wir uns in der Bar getroffen hatten und er in meine Einkaufstüte gelinst hatte. An seinem Blick konnte ich ganz genau ablesen, dass auch er das ganz genau wusste. Er stellte seinen Koffer auf den Boden und kam auf mich zu. der Ausdruck in seinen Augen machte mich nervös, ließ meine Beine und Hände zittern wie Espenlaub und brachte mein Blut zum Kochen, so dass es siedend heiß durch meine Adern pulsierte.
  „Du trägst den BH“, murmelte er mit rauchiger, kratziger Stimme als er bei mir angekommen war.
  „Die Tür ist offen“, piepste ich. Wie vor den Kopf gestoßen, sah er zur Tür.
  „Schade“, flüsterte er und küsste mich aber trotzdem voller Leidenschaft. Das Leben nach dem Tod im Paradies konnte nicht schöner sein! Wie sehr ich ihn und seine Lippen und den Ausdruck bedingungsloser Liebe in seinen Augen vermisst hatte.
  „Wir könnten auch die Tür zumachen.“
  „Emely Winter, ich bin schockiert. Wirst du etwa sexbesessen?“ Ich wurde tiefrot und wandte mich schleunigst von ihm ab, damit er mein Gesicht nicht sah und ich meinen Pulli wieder anziehen konnte. Elyas zog mich von hinten an sich. Mist, jetzt hatte er sicher meinen viel zu schnellen, hektischen Atem bemerkt.
  „Ich muss noch Socken anziehen“, flüsterte ich.
  „Herrgott!“, fluchte Elyas. „Was hast du denn nur immer? Willst du mir aus dem Weg gehen?“
  „Elyas, wenn ich dir aus dem Weg gehen wollen würde, würde ich das tun und nicht krank vor Sehnsucht nach dir heulend in deinem Bett liegen und auf dich warten“, erwiderte sie sanft und sah tief in seine Augen. Er starrte sie an.

  Als Alex ebenfalls wach war, machte ich mich auf den Weg zu einem Bäcker.
  „Soll ich wirklich nicht mitkommen?“, fragte Elyas und küsste sie gierig und verlangend. Grinsend gab ich mich ganz kurz dem Kuss hin, bevor ich ihn abbrach.
  „Ich bin in zehn Minuten wieder da. Sei nicht traurig, Schatz. Ich werde schon nicht vom Brötchenholen sterben.

  Mit einer Tüte frischer, warmer Brötchen in der Hand, wartete ich darauf, dass die Ampel auf grün sprang. Als ich das letzte Mal hier lang gegangen war, hatte ich wenige Minuten später von den Emails erfahren. Zum Glück würde ich so etwas nie wieder mit Elyas erleben. Ich war mir sicher, dass wir beide die letzten Monate genug gelitten hatten. Frohen Mutes betrat ich die Straße. Ich konnte schon die Küchenfenster von Elyas Wohnung sehen.
  Etwas kreischte.
  Etwas quietschte.
  Etwas riss mich von den Füßen und dann war alles schwarz.
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