Für immer

von - Leela -
KurzgeschichteRomanze / P12
Futura Jake
18.03.2014
18.03.2014
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Diese Geschichte gehört zur zweiten Runde des Wettbewerbes »Sechserpack« von Pooky. Ich wünsche eine schöne Zeit beim Lesen! ^^

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Für immer

Ein warmer Schein drang aus einem Fenster im ersten Stock der alten Villa, die sich mitten in New York zwischen die mächtigen Hochhäuser schmiegte, und fiel sanft in die langsam anbrechende Dunkelheit hinein.
      In dem Raum hinter dem Fenster, als wäre er der Welt ein wenig entrückt, bestätigte sich die besinnliche Atmosphäre, die dem zufällig vorbeischlendernden Passanten nach außen vermittelt wurde, denn ruhiger hätte die Stimmung gerade nicht sein können. Gerade hatte Jake die Feder aus der Hand gelegt.
      Der junge Firmenchef, der in diesem Augenblick den Raum ganz für sich allein hatte, saß am Schreibtisch im Büro der kleinen Ghostbusting-Firma und sah vor sich hin. Den Bericht der letzten Mission hatte er eben fertiggestellt. Für einen Moment ließ er die Gedanken leerlaufen, und die Stille in dem sonst so belebten Raum zog sich noch ein bißchen fester wie ein Mantel um ihn. Versunken nahm er das Foto, das vor ihm auf dem Tisch stand. Wie lange hatten Futura und er sich nun schon nicht mehr gesehen…?
      Versunken strich er mit den Fingern über das pechschwarze Haar, das ihr etwas wild ins Gesicht fiel und schaute in ihr süßes Lächeln. Sie kannten sich schon, seit er die Firma von seinem Vater übernommen hatte. Sogar schon ein paar Monate länger; es war ein Auftrag gewesen, den er und seine Partner in seiner Ausbildungszeit hatten übernehmen müssen, bei dem sie sich kennengelernt hatten. Das Mädchen hatte ihn von Anfang an fasziniert; nicht, weil sie zufällig den gleichen Beruf hatte wie er, und eigentlich auch nicht, weil sie aus der Zukunft kam und dort zu Hause war – nein, es war ihre natürliche Art, ihr Humor, ihre Fröhlichkeit, der Blick in ihre Augen… Er hätte die Aufzählung beliebig fortführen, und es doch nicht genau in Worten fassen können – dafür gab es zu viele Gefühle, die er nicht beschreiben konnte. Nur eine Umschreibung traf für ihn genau den Kern: Sie war ein Traum.
      Er erinnerte sich noch gut daran, wie er zu schüchtern gewesen war, ihr seine wahren Gefühle zu zeigen – aus Angst, das phantastische Mädchen könnte den »einfachen Jungen, der aus ihrer Vergangenheit kam« dafür auslachen. Und jetzt waren sie schon eine gefühlte Ewigkeit zusammen, obwohl es in Wirklichkeit erst ein paar Monate waren. Die glücklichsten Monate seines Daseins, mit dem Mädchen, daß er über alles liebte…
      Er verlor sich in ihren dunklen Augen auf dem Foto und hätte heulen können. Seit mehr als drei Wochen waren ihnen nun abwechselnd seine und ihre Verpflichtungen in die Quere gekommen. Aufträge, Termine, Missionen… Und nicht einmal, wenn er abends nach Hause kam, konnte er sie einfach in die Arme nehmen, und sei es nur, um ein bißchen Kraft zu tanken für die nächste Aufgabe, weil sie zu weit voneinander entfernt waren – und das, obwohl sie sich räumlich kaum näher hätten sein können. Welch Paradoxität, daß sie eigentlich in dem gleichen Haus wohnte wie er, und doch so unerreichbar für ihn war, weil sie mehr als 9 Jahrhunderte voneinander trennten. Sie war ihm so nah, und doch so weit weg. Wie konnte es möglich sein, daß es noch schlimmer war, nur eine Zeitspanne voneinander getrennt zu sein, anstatt eine Wegstrecke?
      Er atmete schwermütig durch und sah sich auf dem Schreibtisch nach einer Arbeit um, die ihn ablenkte. Dort waren noch die Belege von der Bank, die er einsortieren konnte. Dabei mußte er nicht sonderlich viel nachdenken, und er hatte etwas zu tun.
      Mittlerweile fing es an zu regnen. Zuerst hatte Jake es gar nicht richtig wahrgenommen, bis die Tropfen immer heftiger gegen die Scheibe prasselten. Er atmete durch. Warum nur mußte jetzt selbst das Wetter sein Gefühlsleben widerspiegeln…?

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972 Jahre in der Zukunft saß Futura am Fenster des gleichen Zimmers und sah in den strahlenden Sonnenschein hinaus, der langsam aber sicher einen warmen, harmonischen Abend zurückließ. Welch eine Ironie, paßte das schöne Wetter doch so gar nicht zu ihrem Gefühlsleben. Wie lange hatte sie Jake jetzt nicht mehr gesehen? Dreieinhalb Wochen? Es fühlte sich an wie dreieinhalb Jahre… Und ausgerechnet jetzt, wo sie endlich wieder Zeit gehabt hätte, um ihn zu sehen, hatte Morrow sie um Hilfe in der Wissenschaftsstation gebeten. Manchmal hatte ihr Bruder ein Talent dafür, sich den ungünstigsten Zeitpunkt überhaupt auszusuchen.
      Sicher, sie hätte absagen können, doch das »Crusader-Projekt« ging gerade in eine kritische Phase, und Morrow war für jede Unterstützung dankbar, die er kriegen konnte. Die Crusader-Raumstationen gingen mittlerweile in die zweite Generation, und der Wissenschaftler hatte sich bereits einen großen Namen gemacht durch seine ausgefeilten Sicherheitssysteme, die in der ersten Crusaderserie schon verwirklich wurden. Futura war stolz auf ihren Bruder. Sie bewunderte ihn, und sie war auch ein wenig stolz auf sich, daß sie Teil dieses großartigen Projektes sein dufte. Das bedeutete aber auch, daß sie ihn nicht gerade jetzt hängen ließ, wo die neuen Raumstationen den Sprung von der Theorie in die Praxis machen sollten. Die junge Frau mit der leicht violetten Hautfarbe seufzte schwer. Auch wenn das bedeutete, daß sie ihren Schatz ein paar weitere Tage nicht würde sehen können.
      Ihr war fast das Herz gebrochen, als sie es ihm bei einem kurzen Telefonat gesagt hatte. Jake hatte es einigermaßen gefaßt und sehr verständnisvoll aufgenommen, wahrscheinlich ging es ihm innerlich aber genauso wie ihr. Nein, sie war sich sicher. Er hatte es nicht verbergen können. Sie hätte verzweifeln mögen!
      Sie hatte kurz überlegt, ob sie die wenige Zeit, die ihr blieb, für einen kurzen Besuch bei ihm nutzen wollte. Doch was brachte es schon; wenn sie da war, mußte sie doch gleich wieder zurück, und sie wußte ja nicht einmal, ob die Jungs gerade außer Haus, bei einem Auftrag oder anderweitig unterwegs waren. So hatte sie sich einfach für den Augenblick, der ihr gerade noch blieb, an das Fenster zurückgezogen und verlor sich in Träumen.
      Ein Schmunzeln legte sich auf ihre Lippen, als vor ihrem inneren Auge das Bild ihres Freundes entstand; dem Mann, den sie über alles liebte. In Gedanken war sie wieder bei ihrer ersten gemeinsamen Mission. Ja, er hatte sie vom ersten Augenblick an gefangen genommen. Dieser attraktive, große, schlanke Bursche mit den blonden Haaren und den tiefblauen Augen, die einem die Sinne rauben konnten… Sie erinnerte sich noch, wie zurückhaltend er damals gewesen war und sie damit schier zur Verzweiflung gebracht hatte, erinnerte sich an die resignierten, von Tränen dominierten Stunden, in denen sie alle Hoffnung aufgegeben, und ihr Bruder ihr beigestanden hatte, und wie glücklich sie gewesen war, als er ihr endlich seine Liebe gestanden hatte. Nie hätte sie vermutet, daß der unerschrockene Frauenschwarm Angst davor hätte haben können. Und jetzt saß sie hier, Jahrhunderte von ihm entfernt…
      Als sie das nächste Mal zur Uhr sah, erschrak sie. Sie hätte längst auf dem Weg zur Wissenschaftsstation sein sollen! Blitzartig sprang sie vom Fensterbrett, schnappte sich ihre Tasche und machte sich auf den Weg. Eine halbe Stunde später rannte sie die Stufen zur Station hoch und kam atemlos im Computerraum zum Stehen. „Entschuldigung für die Verspätung…“
      Morrow lehnte sich mit einem leichten Grinsen in die Tür, während Futura hastig ihre Sachen abstellte und sich an ihren Arbeitsplatz setzte. „Laß mich raten… Du warst bei Jake?“
      „Nur in Gedanken.“ erwiderte sie verlegen.
      „Na, sonst hätte es wohl auch noch länger gedauert…“ seufzte er und ging zurück in den Nebenraum.

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Jake stand am Fenster und sah hinaus. Das Gewitter wurde immer schlimmer. Während er in die Blitze sah, drifteten seine Gedanken wieder meilenweit… nein, jahrhunderteweit ab.
      Er erinnerte sich noch gut daran, wie unsicher er damals gewesen war. Das unglaubliche Mädchen aus der Zukunft – nie hätte er sich vorstellen können, daß sie seine Gefühle so erwiderte, wie er sie fühlte. Er hatte es nie gewagt, sich zu viele Hoffnungen zu machen; bis er sie eines Tages weinend und völlig am Boden zerstört vorgefunden hatte. Erst in diesem Moment hatte er begriffen, daß er sich ihre Zuneigung nicht nur einbildete.
      Wenn er so darüber nachdachte, schüttelte er noch heute den Kopf über sich selbst. Er hatte diese starke Frau, die kaum etwas aus der Ruhe bringen konnte, selten so hilflos erlebt, und daß er - nur weil er nicht mutig genug gewesen war, zu seinen eigenen Gefühlen zu stehen und ihre Avancen mit Bravour ignoriert hatte - der Grund dafür gewesen war, löste noch immer Beklemmungen in ihm aus. Da half es auch nicht viel, sich bewußt zu machen, auf welchen Stellenwert ihre Reaktion ihn bei ihr hob. Er bedauerte sehr, daß er damals nicht früher reagiert hatte – hätte er doch sowohl ihr, als auch sich selbst so viel Kummer, so viele einsame Nächte und so viel Sehnsucht erspart…
      Der junge Mann in der Safarijacke versuchte, sich von den Gedanken an die Vergangenheit loszureißen. Was geschehen war, konnte er ohnehin nicht mehr ändern. Wichtig war nur, daß sie jetzt zusammen waren.
      Sein Blick ging durch den Regen hinaus in eine ferne Welt – nein, in eine ferne Zeit; obwohl das fast auf das gleiche hinauskam, denn Futuras Zeit war wie eine andere Welt. Die Besuche bei ihr waren jedes Mal so faszinierend, ja, geradezu zauberhaft, war die ganze Umgebung doch so futuristisch und unvorstellbar für ihn. All das, was für sie alltäglich war, brachte ihn selbst heute noch, nach so vielen Besuchen, immer wieder zum staunen. Doch was all das am meisten ausmachte, das war sie. Er hätte auf all das verzichtet, was ihn als kleinen Jungen schon so begeistert hatte: Raumstationen, Raumschiffe, Fahrzeuge, die über dem Boden schwebten, eine Architektur, die sich in seinem Jahrhundert niemand zu erträumen vermochte, – wenn er nur sie ständig um sich haben könnte.
      Das Gefühl der Sehnsucht suchte sich seinen Weg von seinem Magen aus durch seinen ganzen Körper, griff nach seinem Herzen und seiner Seele, bis er sich gegen den Fensterrahmen lehnte und verzagt die Augen schloß. Sie mußten so viele Kompromisse machen. Und er vermißte sie so…
      Das Prasseln des Regens nahm er schon kaum mehr wahr, und auch Blitz und Donner rückten in den Hintergrund seines Selbst. Das war das Schicksal, das sie beide hatten annehmen müssen, daß es immer wieder Zeiten geben würde, in denen sie sich nicht würden sehen können. Er wußte, daß sie damit würden leben, sich damit würden arrangieren müssen. Doch immerhin, es war besser als nichts. Jede Minute mit ihr war für ihn Belohnung genug für die einsamen Zeiten, die er ohne sie durchhalten mußte, und es galt, diese kostbaren Augenblicke auszukosten, die sie gemeinsam hatten. Nur der Moment zählte ganz allein.
      Langsam brach die Nacht herein, und Jake stand noch immer am Fenster und sah in die Ferne. Der Mond hüllte sich in Wolken. Die Straßenlampen warfen ein unwirkliches Licht in die Straße. Jake betrachtete das Bild melancholisch. Eigentlich war es wunderschön, der sanfte Schein, der auf den großen Baum nahe des Grundstücks fiel, mit der Bank darunter… Wie gerne hätte er jetzt dort mit ihr gesessen, von der Welt vergessen, und nur in ihre Zweisamkeit versunken…

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Inzwischen saß Futura an einem Monitor der Wissenschaftsstation und stöhnte auf. Das neue Projekt ihres Bruders - die Crusader-Raumstation 2.1 - entwickelte sich gut. Eigentlich mochte sie es, ihm bei seinen wissenschaftlichen Arbeiten zu helfen. Doch im Augenblick verschwammen die Buchstaben auf der Prüfliste, die über den Bildschirm rauschte, vor ihren Augen.
      Sie hatte sich redlich bemüht, doch sie konnte sich nicht konzentrieren, mußte immer wieder Teile der Aufstellung doppelt oder noch öfter abarbeiten, weil ihre Gedanken in eine ferne Vergangenheit drifteten, wo der Mann lebte, den sie liebte, und einmal zwischendurch hatte sie sich bereits dabei ertappt, wie sie auf dem Block, den sie eigentlich für schnelle Notizen neben sich liegen hatte, das Gesicht ihres Freundes skizziert hatte.
      Die Posten auf der Prüfliste wanderten noch immer an ihren Augen vorbei, ohne daß sie sie wahrnahm. In Gedanken war sie bei Jake. Was mochte er wohl gerade tun? Dachte er gerade an sie? Fühlte er die gleiche Sehnsucht wie sie?
      Je mehr die Zeit voranschritt, desto mehr drifteten ihre Gedanken ab. Sie stellte sich vor, er würde zu ihr hierher in die Raumstation kommen. Sie konnte fast die Bewegung spüren, als er hinter ihr stehenblieb und die Hände auf ihre Schultern legte… Doch als sie sich umdrehte, war dort nichts; nur Leere. Eine Stille, die mit eisigen Fingern nach ihrem Innersten griff.
      Die junge Frau strich die langen schwarzen Haare aus dem Gesicht und versuchte, sich wieder auf die Arbeit zu konzentrieren, doch sie fand den Anschluß nicht mehr. Sie seufzte und sprang zum Anfang der Prüfliste. Sie würde die Arbeit noch mal machen müssen.
      Die ersten Zeilen flimmerten über den Monitor, und während die ersten Daten, die sie bereits bearbeitet hatte, Zeile um Zeile dahinkrochen, gab sie der Skizze auf ihrem Block einen Körper. Sie zeichnete die fesche Uniform, die Jake im Dienst trug, mit der knappen Safarijacke und den eleganten Stulpenstiefeln, gab der Figur die typische, ein ganz kleines bißchen gestylte Kurzhaarfrisur, die ihm so ein neckisches Aussehen verlieh… Sie betrachtete die fertige Figur versonnen. Unbewußt hatte sie seinen verträumten Blick eingefangen, und als sie fertig war, lächelte Jake ihr von dem Notizblock entgegen, als wolle er ihr eine Botschaft schicken.
      Gedankenverloren strich sie über seine Wange, ohne zu wissen, daß sie damit die Geste ihres Freundes von einigen Stunden zuvor wiederholte, und erschrak im nächsten Augenblick ein zweites Mal, als sie feststellte, daß sie den Monitor gar nicht mehr beachtet hatte. Sie ärgerte sich über sich selbst. Es hatte heute einfach keinen Sinn! In dem Moment faßte sie einen Entschluß. Sie ließ ihre Arbeit liegen und sprang auf, um in den Nebenraum zu laufen. „Morrow?“
      Ihr Bruder sah von seiner Arbeit nicht einmal auf. „Bist du schon mit der Auswertung fertig? Das ist gut. Ich sehe es mir später an, ja?“
      „Äh, nein, darum geht es nicht.“ Der Wechsel in ihrer Stimme ließ ihn nun doch von seiner Arbeit aufsehen. Futura sah zu Boden und atmete durch. Sie wußte nicht, wie sie anfangen sollte. Einerseits war es ihr wichtig, ihrem Bruder zu helfen, andererseits war sie langsam mit ihren Kräften am Ende. Doch wie sollte sie es ihm erklären, ohne ihm vor den Kopf zu stoßen? Würde er es verstehen?
      Während sich ihre Gedanken drehten, war Morrow aufgestanden und zu ihr herüber gegangen. Sie bemerkte es erst, als er sie sachte bei den Armen faßte und sah automatisch auf, in seinen besorgten Blick. „Was ist los, Schwesterchen?“ Sie brauchten nichts zu sagen. „Du bist in Gedanken mehr bei Jake, richtig?“
      „Es tut mir leid…“ hauchte sie.
      Morrow schüttelte den Kopf. „Das ist okay. Nimm dir die Woche frei!“

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Jake hatte mehr schlecht als recht geschlafen. Dafür war die Sehnsucht zu groß, und in der Nacht war sie immer noch einen Hauch schlimmer, wenn das überhaupt noch ging. Jetzt stand er wieder am Fenster und sah hinaus in den milden Morgen. Doch selbst dieser vermochte seine Stimmung nicht zu heben. Wie sollte er nur die nächsten Tage überstehen?
      Er war noch in seinen Gedanken versunken, als ein leichtes Flimmern im Büro erschien; das markante Funkeln, das einen Transportvorgang aus der Zukunft ankündigte, und wenig später stand Futura nur ein paar Meter von ihm entfernt. „Hey, Schatz!“
      Jake drehte sich atemlos zu ihr um. „Turi!“ Das Unwetter war vergessen, die Arbeit, die Melancholie… Alles, was seinen Geist bis dahin gefesselt hatte, löste sich in Wohlgefallen auf, als er auf sie zulief, und sie in die Arme schloß. Er drückte sie fest an sich und genoß einen Moment lang nur, sie in den Armen zu halten, bis er sie schließlich mit rasendem Puls ansah. „Ich dachte, du bist gerade beim Crusader-Projekt eingespannt!“
      „War ich auch! Aber ich hab’s nicht mehr ausgehalten.“ erklärte sie, während sie sich an ihn schmiegte und die Augen schloß.
      Jake schmunzelte. „Du kannst Gedanken lesen, hm?“
      Sie lachte. „Ja, aber nicht über Jahrhunderte hinweg.“ Einen Augenblick sagte keiner ein Wort. Nur die Nähe war jetzt wichtig, das Zusammensein. Plötzlich sagte sie leise: „Ich hab’ so Angst, dich zu verlieren…“
      Ihre Worte zogen sich wie ein Schock durch seinen Körper. In einer Mischung aus überraschter Sanftheit und Bestürzung sah er sie an. „Aber wie kommst du denn darauf, daß das passieren könnte…?“
      „Naja…“ Sie sah an ihm vorbei in die Ferne. „Wir können uns so oft so lange nicht sehen. Du hast deine Verpflichtungen hier, und ich muß in meinem Jahrhundert meinen Verpflichtungen nachgehen. Wenn du nun jemanden kennenlernst, mit dem du immer zusammen sein könntest, wäre es viel leichter für dich.“
      Jake schüttelte betroffen den Kopf. „Nein, das wäre es nicht. Weil ich keine andere haben will!“
      Futura lächelte leicht. „Das weißt du so genau?“
      Jake nickte. „Ja. Weil keine andere mir geben kann, was du mir gibst. Was nützt mir eine Frau, die ich ständig um mich habe, wenn ich in Gedanken nur bei dir bin? Es würde nichts ändern, Futura.“ Er schloß die Augen und drückte sie ein wenig fester an sich. „Ich will mein Leben nur mit dir teilen.“ Er spürte, daß sie kaum ein Schluchzen unterdrücken konnte, als sie sich glücklich und erleichtert an ihn schmiegte. Ob sie wohl seine eigene Erleichterung spüren konnte? „Und ich dachte immer, nur ich hätte so viel Angst…“ bemerkte er leise.
      Futura sah ihn erstaunt an. „Du?“
      Jake nickte verheißungsvoll. „Du kannst dir nicht vorstellen wie sehr.“ gestand er. „Ich habe es nur gut überspielt. Hey, du bist das süßeste Mädchen aller Zeiten, und ich nur ein kleiner Ghostbuster aus dem 20. Jahrhundert! Ich muß doch todlangweilig für dich sein!“
      Er sagte es mit einem verschmitzen Schmunzeln, doch sie schüttelte ernst den Kopf. „Ich kenne nichts, was aufregender wäre. Du hast all das, was mich fesselt und tief berührt. Du… bist so charmant, liebevoll, abenteuerlustig… Mit dir fühle ich mich… komplett. So als wenn… als wenn wir einfach zusammengehören. Seit ich dich kenne, gibt es nichts, was mehr Bedeutung für mich hat, und ich weiß, wenn du bei mir bist, dann kann mir nichts geschehn.“
      „Wow…“ entfuhr es ihm beeindruckt. „Das alles siehst du in mir?“
      Sie nickte. „Und noch viel mehr. Ich will nur dich und das für immer.“
      Er sah überwältigt in ihre dunklen Augen. „Darüber hätten wir schon viel früher sprechen sollen.“ erkannte er.

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Eine wunderbare Atmosphäre stellte sich ein, als alle Zweifel verflogen, und alle Sehnsüchte gestillt waren, und die beiden freuten sich schon auf die gemeinsame Zeit, die sie nun erst einmal miteinander verbringen konnten.
      „Gestern Abend habe ich mir so schön vorgestellt, mit dir auf der Bank zu sitzen, aber ich glaube, das lassen wir heute besser.“ lachte er. „Aber wir könnten ein bißchen spazieren gehen, im Park.“
      Sie drehte sich vor ihn und sah ihn mit einem tiefgründigen Blitzen in den Augen an. „Wir könnten in meine Zeit reisen! Dort ist die Bank bestimmt trocken!“
      Jake sah sie entgeistert an. „Ja, das ist eine phantastische Idee! Ich habe immer noch nicht verinnerlicht, daß wir zwei Zeiten zur Verfügung haben…“
      Futura lachte herzlich und umfaßte ihn sanft. „Was hältst du davon, wenn du ein paar Sachen zusammenpackst, und wir uns ein paar schöne Tage bei mir machen?“
      „Eine ganze Menge!“ erwiderte er sinnlich. Dann versank er einen Augenblick in Gedanken, bis er ihren forschenden Blick bemerkte. „Weißt du was? Ich möchte mal etwas ausprobieren!“ Er ließ sie los und ging enthusiastisch zum Schreibtisch.
      Sie folgte ihm neugierig und beobachtete, wie er einen schwarzen Permanentmarker hervorholte.
      „Ich hoffe, das funktioniert schon!“ murmelte er, fast mehr für sich. Dann reichte er ihr auffordernd die Hand.
      Sie platzte fast vor Neugierde, zügelte sich aber, ihn danach zu fragen, was er vorhatte. Das würde sie ja sicher gleich feststellen.
      Er führte sie zu dem Baum vor ihrem Haus, tastete die Bank nach einer einigermaßen trockenen Stelle ab und kniete sich hin. Fasziniert beobachtete Futura, wie er mit dem Marker nun ein schön geschwungenes Herz auf das Holz malte, in das er mit seiner sauberen Handschrift »Jake & Futura forever« hineinschrieb.
      Futura konnte nicht anders, als entgeistert zu lachen. „Jake… Das ist es, was du ausprobieren wolltest? So etwas haben wir schon zu Teenagerzeiten gemacht!“
      Jake stand auf und machte eine Geste, die ihr bedeuten sollte, abzuwarten. „Es ist ein Experiment. Du wirst schon sehen. – Gefällt es dir wenigstens?“
      „Es ist ganz süß geworden, Schatz!“ bekannte sie, und verbarg ihre Neugierde, was er damit wirklich erreichen wollte.
      Jake quittierte es mit einem stolzen Schmunzeln und nahm sie wieder mit ins Haus. Nun packte er erst einmal ein paar Sachen zusammen, und wenig später traten die beiden eine Zeitreise zurück in die Zukunft an. Dort hielt er sich nicht lange im Haus auf, sondern reichte ihr erneut die Hand, um sie mit nach draußen zu nehmen.
      Als sie 972 Jahre später bei der Bank ankamen, legte sich ein Strahlen auf ihre Züge. Unwillkürlich drückte er sie ein wenig fester an sich, und sie lehnte ihren Kopf an seine Schulter; so standen sie einen Augenblick da und betrachteten das Herz, das all diese Jahre überdauert hatte.
      Jake sah Futura an, und aus seinem Blick sprachen Zärtlichkeit und Ernst, als er sagte: „Siehst du? Keine Macht wird uns jemals trennen!“
      Glücklich schmiegte sie sich an ihn, und es vergingen einige Minuten, bis sie sich endlich setzten.
      „Wie lange hast du denn jetzt Zeit?“ fragte Jake vorsichtig, als sie sich zusammenkuschelten.
      „Morrow wird bis zum Testflug nicht mit mir rechnen. Und der ist erst am Montag.“ erklärte sie. „Meinst du, du kannst so lange hierbleiben?“
      Jake konnte ein Grinsen nicht unterdrücken. „Das werde ich einfach! Eddy und Tracy müssen auch mal eine Zeitlang ohne mich auskommen können.“ Er schmiegte die Wange sehnsüchtig an ihr Haar. „Wir beide sind jetzt wichtiger.“
      Futura brauchte nichts zu sagen. Der Ausdruck in ihren Augen sprach für sich. Statt dessen lehnte sie sich mehr in seine Arme und genoß den Augenblick. Die nächsten sechs Tage gehörten ihnen!


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Vorgaben:
● Das Wort »Bank« muß genau sechsmal in dem Beitrag vorkommen.
● Der Beitrag muß aus 6 x 600 Wörtern bestehen, sodaß am Ende genau 3600 Wörter herauskommen. Als Wordcounter wird hier der http://www.bluedoc.com/woerterzaehler.html verwendet.
● Folgende sechs Schlagworte müssen in der Geschichte vorkommen: Talent, Traum, Wechsel, Gewitter, Entschluß, Verspätung.
● Genau sechs Substantive im Beitrag müssen mit dem Buchstaben »L« beginnen und es müssen unterschiedliche Wörter sein.
● Der letzte Satz des Beitrages muß genau sechs Wörter haben, wobei ein Wort in diesem Satz in irgendeiner Art und Weise mit »sechs« zu tun haben muß.
● Es müssen 6 Songzitate mit mindestens 6 Wörtern aus jeweils deutschsprachigen Songs eingebracht werden.


Songreferenzen:
● Nur der Moment zählte ganz allein.   → siehe Unheilig – »Für immer«
● Der Mond hüllte sich in Wolken.    → siehe Eisblume – »Für immer«
● Ich will mein Leben nur mit dir teilen.    → siehe Hirbod & G.A. – »Für immer«
● Wenn du bei mir bist, dann kann mir nichts geschehn.    → siehe Starlight Express – »Für immer«
● Ich will nur dich und das für immer.    → siehe Peter Maffay – »Für immer«
● Keine Macht wird uns jemals trennen!    → siehe Doro Pesch – »Für immer«


Rundenreferenz:
● Eine Plazierung gab es erst in der Endrunde. Von 11 Teilnehmern sind 10 (unter anderem ich) weitergekommen.
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