Is she waiting?

KurzgeschichteRomanze, Familie / P12
Logan Echolls Veronica Mars
18.03.2014
18.03.2014
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18.03.2014 2.202
 
Ich habe es geschafft. Endlich.

Als ich das Flugzeug betrete, nehme ich einen tiefen Atemzug.
Mein Leben gehört nicht länger der Navy. Ich bin kein aktives Mitglied der United States Navy.
Ich habe endlich mein Leben zurück.
Naja mein altes Leben… das was davon übrig geblieben ist.
Weil ich nicht weiß, ob sie zu Hause sein wird. Wird sie mich begrüßen, wenn ich nach Hause komme? Wird sie noch da sein? Oder hat das Haus und mich verlassen?

Sie weiß nicht, dass dies meine letzte Tour war.
Ich wollte es ihr sagen, bevor ging, aber wir hatten einen dummen Streit. Ich weiß nicht mal mehr worum wir uns gestritten haben. Es muss etwas sehr dummes gewesen sein, wenn ich mich nicht mehr erinnere. Es gab Tränen. Sie hat geschrien. Ich habe geschrien. Wie hatte der Streit angefangen? Nicht mal das weiß ich noch. Ich weiß nur noch, dass wir uns so viele dumme Dinge aus der Vergangenheit vorgeworfen haben. Ich habe nicht genug gekämpft.

Sie hatte sich im Badezimmer eingeschlossen, was so gar nicht ihre Art war. Veronica Mars sperrte sich nicht im Badezimmer ein und trat den Rückzug ein. Sie ging immer den direkt Weg. So kannte ich sie. So liebte ich sie.
Ich ging, ohne mich von ihr zu verabschieden.



Die letzten sechs Monate haben wir nicht sehr oft miteinander gesprochen. Die wenigen Male, in denen wir telefoniert hatten, waren wir sehr freundlich und höflich zu einander. Keiner von uns beiden hatte den Streit erwähnt, dennoch kreiste dieser über uns wie eine dunkle Regenwolke. Wir haben nicht darüber gesprochen, wie es sein würde, wenn ich wieder nach Hause kam.

Ich habe Angst, in ein leeres Haus zu kommen.

Als wir uns vor zwei Jahren nach neun Jahren Trennung wieder sahen, wieder zusammen kamen, haben wir entschlossen, es noch mal miteinander zu versuchen.
Aber von diesen zwei Jahren war ich nur ein halbes Jahr bei ihr gewesen. Es war nicht gerade der ideale Standpunkt für eine Beziehung. Sie hatte etwas Besseres verdient, jemand der für sie da war, immer. Aber ich konnte die Navy nicht verlassen. Irgendwie war es das einzigrichtige gewesen zur Navy zu gehen. Es schien das einzige zu sein, dass ich in meinem Leben richtig hinbekommen hatte. Alles andere hatte ich kaputtgemacht oder war mir entglitten.



Letztes Jahr hatten wir uns entschieden, zusammenzuziehen.

Ich habe ein großes Haus gekauft. Viel größer als Veronica wollte. Aber ich habe mich in das Haus sofort verliebt. Ich hatte das Geld, warum es also nicht für ein so schönes Haus ausgeben? Das ist das Haus wo man den Rest seines Lebens drin verbringen kann. Ich möchte mit Veronica alt werden.


Ich habe sie noch nicht um ihre Hand gebeten. Ich habe es vor. Ich habe seit dem Moment geplant, vor zwei Jahren als wir uns wiedertrafen. Gut, wenn ich ehrlich war, wollte ich schon vor diesen neun Jahren Trennung nur mit ihr zusammen sein. Sie hatte mich verstanden, wie es keine andere tat.

Den Ring habe ich letztes Jahr gekauft. Er liegt in einem Safe bei der Bank. Ich wollte nicht, dass sie ihn zufällig fand.

Ich schaue aus dem Fenster des Flugzeuges.

Die Sonne steht hoch am Himmel. In ein paar Stunden werde ich zu Hause sein.

Ich könnte etwas Schlaf gebrauchen.




„Sir?“, hörte ich eine Stimme. „Sir?“

Langsam öffne ich meine Augen. Eine Flugbegleiterin steht vor mir und lächelte mit freundlich an. „Wir sind gelandet“, teilt sie mir mit.

Ich nickte und bedanke mich. Schnell öffne ich den Verschluss meines Sicherheitsgurtes und greife nach meinem Gepäck in dem Fach über mir. Das Flugzeug ist schon so gut wie leer.

Vom Flughafen nehme ich ein Taxi, welches  mich nach Hause bringt. Es ist noch morgens, die meisten Leute fahren jetzt erst zur Arbeit und ich komme nach Hause.

Ich bin nervös, da ich nicht weiß, was mich erwartet. Wird sie zu Hause sein? Oder habe ich sie das letzte Mal bei unserem Streit gesehen? Soll das unsere letzte Begegnung gewesen sein?

Ich bezahle den Taxifahrer, greife nach meinem Seesack welcher neben  mir auf dem Rücksitz liegt und steige aus dem Taxi. Für einen kurzen Moment schließe ich die Augen und atmete tief ein.

Der Schlüssel in meiner rechten Hand fühlt sich schwer wie Blei an.

Als ich die Schritte zu unserer Haustür hinauf gehe, bemerkte ich, dass ihr Auto nicht in der Einfahrt steht. Ich versuche das schlechte Gefühl, dass sich in meiner Magengrube abgesetzt hat, weg zu atmen.
Es funktioniert nicht.

Vielleicht ist sie einkaufen oder sie hat die Nacht bei ihrem Vater verbracht, rede ich mir ein.



Ich öffne die Tür zu unserem Haus, welches irgendwie leer wirkt. „Veronica?“, rufe ich ihren Namen, bekomme aber keine Antwort von ihr. Es wundert mich nicht, schließlich steht ihr Wagen auch nicht in der Einfahrt.

Ich lasse meine Tasche neben der Haustür fallen und bewege mich von Zimmer zu Zimmer.

Im Wohnzimmer liegen ein paar Babysachen herum. Windeln liegen im Badezimmer. In dem Schlafzimmer neben unserem steht ein Kinderbett. Rachel, Wallace Kind muss mal wieder bei uns übernachtet haben. Veronica ist die Patentante der Kleinen und sie vergöttert sie.

Als ich sah, wie Veronica das erste Mal Rachel in ihren Armen hielt, setzte mein Herz regelrecht aus. Sie wirkte so natürlich. Als hätte sie nie etwas anderes getan, als ein Baby in ihren Armen zu halten. Es gehörte einfach zu ihr, ob sie wollte oder nicht. Wenn ich es nicht schon vorher gewusst hätte, in diesem Moment hatte ich gewusst, dass sie meine Frau werden sollte. Mit ihr wollte ich Kinder haben. Sie würde unsere Kinder lieben und beschützen. Sie würde mit ihnen Baseball spielen und ihnen zeigen, wie man mit einer Fotokamera umging.

Ich öffne den Kleiderschrank und atme erleichtert aus. All ihre Kleidung ist noch im Schrank.
Ihr Computer ist immer noch im Büro.
Ich bin wirklich erleichtert, denn sie ist immer noch hier. Sie hat  mich nicht verlassen. Sie wird irgendwann auch nach Hause zurückkommen.

Ich genehmige mir eine Dusche und schlüpfe in Jeans und einem schwarzen T-Shirt. Die Uniform hänge ich an einen Bügel an die Tür im Badezimmer und betrachte sie einen Moment. Diese Uniform ist nicht mehr Teil meines Lebens.

In der Küche mache ich mir etwas zum Frühstück und setze mich vor den Fernseher ins Wohnzimmer. Ich zappe von einem Sender zum nächsten. Es ist egal was läuft, ich warte nur auf Veronicas Heimkehr.

Ich will sie in die Arme schließen, mein Gesicht in ihren Hals vergraben und mich bei ihr entschuldigen, für alles ich gesagt habe. Ich will sie einfach nur zurück.





Irgendwann kann ich nicht mehr warten. Ich steige in meinen Wagen, der in der Garage steht und fahre zu Keith Mars Haus. Ihr Vater und ich sind immer noch nicht die besten Freunde. Aber wir arbeiten an dieser Beziehung. Es wird langsam besser. Er vertraut mir immer noch nicht vollkommen. Ich kann es ihm nicht verdenken, schließlich wurde ich mehrfach des Mordes beschuldigt.

Ich lasse meinen Wagen an der Straße stehen, gehe über den Rasen auf das Haus zu und klingele an der Türe. Keith öffnet mir die Türe, ich erwarte schon eine Standpauke von ihm zu hören.
Stattdessen zieht er mich zu einer Umarmung an sich. Er klopft mir auf die Schulter.
„Willkommen zurück, Logan.“ Keith lässt mich eintreten und lächelt mich an. „Sie ist in der Küche“, teilt er mir mit. „Ich lasse euch mal alleine. Ich bin in einer Stunde zurück.“ Damit zieht er nach mir die Türe wieder zu, eilt die paar Stufen hinunter und steigt in sein Wagen.

„Wer war es, Dad?“, fragt Veronica und ich muss lächeln. Ihre Stimme zu hören, tut gut. Ich gehe um die Ecke und sehe wie sie am Küchentisch sitzt, mit dem Rücken zu mir.

„Dein Dad sagt, er ist in einer Stunde wieder zurück“, antworte ich ihr.

Ihr Kopf fährt zu mir herum.

Ich gehe ein paar Schritte weiter, stehe in der Küche. Auf dem Stuhl neben ihrem steht ein Baby Safe, in dem ein Baby liegt. Dieses Baby ist definitiv nicht Rachel Fennel, Wallace Tochter.

„Logan…“ Sie flüstert meinen Namen fast und Tränen stehen in ihren Augen.

Jedes Mal wenn sie vor mir weint, wird mein Herz ganz schwer. Es fühlt sich jedes Mal so an als würde meine ganze Welt zerbrechen. Ich kann dann kaum atmen.

Veronica hasst es, vor anderen Menschen zu weinen. Ich glaube, das erste Mal als ich sie habe weinen sehen, war der Moment als sie dachte, Cassidy hatte das Flugzeug gesprengt, in dem ihr Vater saß.

Ich gehe auf sie zu, ziehe vom Stuhl hoch und umarme sie. Ich streichele mit der Hand ihren Rücken hinauf, versuche sie zu beruhigen. Das einzige Geräusch das in der Küche ist, ist das Glucksen vom Baby.

Nach einer Weile drückt sie mich von sich weg, sieht sie mich mit an.  Ein kleines, vorsichtiges Lächeln umspielt ihre Lippen. „Logan“, fängt sie an und blickte zu dem Baby. „Ich möchte dir deine Tochter vorstellen, Sarah Lily Echolls.“

Ich blickte sie überrascht an. Mein Herz scheint aufgehört zu haben schlagen. Ich versuche zu verstehen, was sie mir gesagt hat.
Ich bin Vater. Ich habe ein Kind.
Mein Blick wandert von ihr zu dem Baby in dem Kindersitz. Sie krümmt ihre Hände zu Fäuste und lacht vergnügt.
Was ist, wenn ich wie mein Vater bin – schießt mir die Angst mit einem Mal durch den Kopf. Wenn ich nicht fähig bin, ein Kind zu lieben? Die Angst übermannt mich.

„Logan, sag etwas“, bittet Veronica mich.

Ich blicke sie an und brauche noch einen Augenblick. „Ich…“ Ich finde nicht die richtigen Worte. Ich greife nach der Lehne eines der Stühle, zieh ihn zurück und  setzte mich auf den Stuhl. Ich bin Vater. Ich habe mir vorgestellt, Kinder mit Veronica zu haben. Aber jetzt ist dieser Moment plötzlich da. Da gab es keine Vorbereitung.

Dann blickte ich zu Veronica, die das Mädchen aus ihrem Kindersitz genommen hat und sie in den Armen hält. Ihr Blick ist besorgt. „Es tut mir Leid“, sagt sie. „Ich hätte es dir sagen sollen.“ Tränen stehen ihr wieder in den Augen. Sie wiegt das kleine Mädchen in ihren Armen. Das Baby hat sich eine ihrer blonden Haarsträhnen gegriffen und hält diese fest umklammert. „Aber ich wollte es dir nicht am Telefon erzählen. Ich wollte warten bis du wieder da bist, aber das kleine Mädchen wollte die Welt sehr schnell sehen.“

Ich blicke sie an und strecke die Hand nach ihr aus. Sie hat das alles alleine gemeistert. Sie hat die Schwangerschaft ohne mich überstanden, ebenso die Geburt. Wie kann ich Angst haben, wenn sie das alles so gut hinbekommen hat.


Veronica ergreift sie und ich ziehe sie auf meinen Schoss. Ich blicke das Mädchen an, welches mich jetzt mit ihren großen, blauen Augen mustert.

„Logan“, sagt sie sanft. „Du wirst niemals wie dein Vater sein.“ Es ist als hätte sie mir meine Angst eben angesehen. Veronica konnte schon immer meine Gedanken lesen. Sie wusste, was ich fühlte, auch wenn ich selber nie wahrhaben wollte. Sie war meine bessere Hälfte. „Ich weiß, du wirst ein fantastischer Vater sein.“ Sie lächelt. „Versprich mir nur, dass du ihre Freunde nicht verprügeln wirst.“

„Ich weiß“, bringe ich endlich ein paar Worte hervor. „Es ist nur…“ Ich blicke das kleine Mädchen an, meine Tochter. Sie sieht genauso wunderschön aus wie ihre Mutter. „Es ist nur eine Überraschung“, erkläre ich ihr.

„Ich weiß“, sagt sie verständnisvoll. „Für mich war es nicht weniger eine Überraschung.“ Sie streichelt ihm über die Wange und sieht ihn sanft an. „Erinnerst du dich, dass ich mich nicht gut fühlte, als du gegangen bist?“

Logan nickte. Ja, er erinnerte sich an diesen Moment.

„Zwei Tage nachdem du gegangen bist, fand ich heraus dass ich schwanger war. Und ich war das schon drei Monate lang. Ich weiß nicht, warum es mir nicht vorher aufgefallen ist.“ Sie blickt das kleine Mädchen in ihren Armen. Sie hat dieses Baby vom ersten Moment an geliebt. Natürlich hat sie gewünscht, Logan wäre an ihrer Seite. Aber sie hatte ja dieses Baby. Es war ein Teil von ihm. „Ich weiß, das hier ist etwas, worüber wir nie gesprochen haben…“

Ich bringe sie zum Schweigen, in dem ich sie einfach küsse. Ich liebe diese Frau. Diese wundervolle Frau.

„Heirate mich“, sag ich einfach. Ich blicke sie überrascht an. So war das nicht geplant.
„Ich meine… verdammt, ich hatte nicht vor dich einfach so zu fragen. Ich wollte etwas Schönes für dich. Etwas Romantisches. Etwas, was du verdient hast. Aber jetzt habe ich es gesagt.“ Ich schlucke und blicke sie an. „Veronica Mars, heirate mich. Du machst mich zum glücklichsten Mann der Welt. Ich liebe dich. Ich muss dich nicht mehr verlassen. Ich muss nicht mehr zur Navy. Ich bleibe jetzt bei dir. Bei euch…“

„Ja“, sagt sie und lächelt mich an. Als sie es sagte, klang ihre Stimme unglaublich ruhig und gefasst.

Ich küsse sie wieder und wieder, bis wir atemlos sind und uns aneinander festhalten. Wir brauchen nur uns.

Ich nehme unsere Tochter aus ihren Armen, in meine eigenen.

Ich muss lächeln, sie ist genauso wie ihre Mutter.

Allerdings hoffe ich nicht, dass sie genauso sein wird wie sie, sonst haben wir ein paar schlimme Teenager Jahre vor uns.
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