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Auf der Suche nach einem besseren Namen für Arya Fabulous

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
15.03.2014
18.07.2016
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24.01.2015 1.461
 
Meine besten, liebsten Leser! Ich liege aufgelöst am Boden und schäme mich! Es tut mir wirklich, wirklich leid, dass so lange kein Update kam. Zwar habe ich für diesen Aufsatz keinen festen Updateplan gemacht, aber 10 Monate sind eindeutig eine viel zu lange Pause. Ich weiß nicht, ob ein schreckliches Jahr 2014, ein stressiger Übergang in 2015 und die höhere Priorität anderer Projekte als Entschuldigung akzeptabel sind, aber ich hoffe sehr, dass ihr mir verzeiht und dass euch das neue Kapitel gefällt.


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Ausländische Namenssysteme


So viel zur historischen Namensgebung. Doch ich sprach bewusst vom "heutigen deutsch- und englischsprachigen Raum". Abgeklappert habe ich nur "heutig". Wie sieht es aber in der modernen Welt in anderen Ländern aus? Für manche wird vielleicht eine Welt zusammenbrechen, aber das Vorname(n)-Familienname-System gibt es in dieser Form auch nicht überall:

Vornamen: Mancherorts ist es üblich, dem Kind eine nicht näher definierte Unmenge an willkürlichen Vornamen zu verpassen. Anderenorts ist bei Mädchen einer der Vornamen von der Mutter übernommen, bei Jungen vom Vater. Wieder in anderen Gegenden bekommt man nur einen einzigen Vornamen.

Nachnamen: Familiennamen gibt es nicht überall. In Island zum Beispiel fungieren meistens Patronyme als Nachname. Von Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Isl%C3%A4ndischer_Personenname) gemopstes Beispiel, weil ich zu faul bin und mit Island auch nicht sooooooo vertraut bin: "Ein Mann namens Jón Einarsson hat einen Sohn namens Ólafur. Ólafurs Nachname ist nicht Einarsson wie bei seinem Vater, sondern Jónsson, was wörtlich Jóns Sohn heißt (Jóns + son). Genauso funktioniert die Namensgebung bei Töchtern. Jón Einarssons Tochter Sigríður hieße mit Nachnamen Jónsdóttir, wörtlich also Jóns Tochter (Jóns + dóttir)." Seit 2006 kann man übrigens auch in Dänemark wieder auf Familiennamen verzichten und seinen Kindern Patro- oder Matronyme als Nachname verpassen.

Andere Namensbestandteile: Die Patro- und Matronyme erwähnte ich bereits. In Russland und vielen anderen osteuropäischen Staaten zum Beispiel ist das Patronym fester Bestandteil eines vollständigen Personennamens, ist im Ausweis eingetragen, und er liegt genau zwischen dem Vornamen und dem Familiennamen.

Kurzformen: Wieder ein Beispiel aus meinem Heimatland: In russischen Pässen steht immer die vollständige Namensform (sprich: Saša/Sascha oder Tanja heißt auf dem Pass niemand, sondern nur Aleksandr und Tat'jana), allerdings existiert der volle Name nur für offizielle Anlässe, formelle Situationen und Untergebene, sprich: ganz besondere Höflichkeit. Wenn der Name nicht ohnehin schon sehr kurz (wie z.B. Vera) ist, wird er oft verkürzt, wobei man die Kurzform je nach Situation auch mit dem Nachnamen kombinieren kann (z.B. Saša Belov, Tanja Smirnova).

Deklination: Wie früher die römischen Namen, so sind auch heute die Nachnamen in manchen Ländern auf Deklination ausgerichtet, d.h. sie bestehen aus einem Stamm und einem Flexionssuffix. Der polnische Nachname Kowalski z.B. ändert je nach Kasus seine Gestalt: Widzę pana Kowalskiego. (Ich sehe Herrn Kowalski.) Und Herr Kowalskis Frau hieße mit Nachnamen nicht Kowalski, sondern Kowalska.

Reihenfolge: Wenn es hierzulande üblich ist, den Vornamen vor dem Nachnamen zu nennen, dann ist es in Asien genau umgekehrt: Der japanische Regisseur Hayao Miyazaki z.B. heißt in seiner Heimat Miyazaki Hayao. Da muss man immer aufpassen, welches System gerade angewandt wird, sonst nennt man wie ein Seminarleiter von mir eine chinesische Teilnehmerin irrtümlicherweise beim Nachnamen, obwohl man sich vorher auf Vornamen geeinigt hatte.

Änderung der Namensform bei Migration: existiert zwecks besserer Integration auch heute noch. Ob das wirklich eine gute Idee ist, kann man sich freilich streiten.

Importierte Namen und Namensformen: In manchen Ländern fällt es leichter, neue Namen zu importieren, in anderen gestaltet sich das eher schwierig. Ich glaube, das hängt mit der Deklinierbarkeit zusammen. Im Deutschen z.B. werden Namen nicht dekliniert, und deswegen kann man ungehindert völlig neue Namen oder ausländische Formen bekannter Namen übernehmen. Im Russischen geht das grundsätzlich zwar auch und wird durchaus praktiziert, aber eher selten. Es ist schließlich eine Sache, wenn ein Name einem "nur" fremd vorkommt, aber eine völlig andere, wenn auch noch die Grammatik zu streiken beginnt. Mal ganz zu schweigen davon, dass man den Namen im Russischen auch noch ins kyrillische Alphabet konvertieren muss, wodurch exotische Schreibweisen, die im Lateinischen möglich sind, schon mal verloren gehen.

Einzigartigkeit der Namen: Während manche Kulturen sich gängiger Namen bedienen, willkürlich oder weil sie auf berühmte Vorfahren oder Götter verweisen wollen, verlangen andere, dass jeder Name einzigartig und individuell ist. So konnten die Macher des Videospiels "Assassin's Creed III" für ihren Protagonisten, der ein halber Mohawk ist und im Stamm seiner Mutter aufgewachsen ist, nicht einfach einen bereits existierenden Mohawk-Namen verwenden. Der Name Ratonhnhaké:ton wurde mit viel Bedacht und Beratung speziell für das Spiel erfunden. So hieß niemand vorher, und so darf auch in Zukunft niemand heißen.


Was sowohl bei historischen als auch bei ausländischen Namen noch zu beachten ist, ist die Anrede. Wen spricht man in welcher Situation wie an? Für Könige, Bischöfe, Fürsten, Grafen, Freiherren und so weiter gibt es festgelegte Anredeformen. Wann sagt man "Hoheit" und wann "Majestät"? Wann "Heiligkeit", "Wohlgeboren", "Hochwohlgeboren" und "Erlaucht"? Wann "Du", wann "Ihr", wann "Sie", wann "Er"? Da es nicht direkt mit Namen zu tun hat und ich die ohnehin schon komplizierte Sache nicht noch weiter verkomplizieren will, empfehle ich an dieser Stelle Wikipedia und Google und für seriösere Recherche einschlägige Fachliteratur.

Allerdings gibt es auch andere Anreden. So sagt man im Deutschen beispielsweise höflich "Herr/Frau Müller", aber man kann sich unter Umständen auch beim Vornamen nennen und siezen. In vielen Sprachen wird zwischen "Frau" und "Fräulein" bzw. "Mistress" und "Miss" bzw. "Signora" und "Signorina" und so weiter unterscheiden, in anderen Sprachen geht das nicht und war auch nie möglich. Und auch nicht überall ist die höfliche Anrede beim Nachnamen üblich. Ich hoffe, ich nerve mit dem Russischen nicht allzu sehr, aber das ist das mit Abstand komplizierteste System, das ich kenne:


+++ Case Study: Russisches Namenssystem

Ich heiße auf Russisch offiziell (also auf dem Pass) Jekaterina Aleksandrovna plus Nachname, den ich euch nicht verrate. ;) Jekaterina wurde von meinen Eltern willkürlich gewählt, und Aleksandrovna ist mein Patronym. Nun denn ...

Im Kindergarten war ich Katja Nachname bzw. Katja N. (abgekürzter Nachname auf Namensschildern) bzw. einfach nur Katja. In der Schule wäre ich, wenn ich in Russland geblieben wäre, immer noch Katja Nachname geblieben. Für die Familie heiße ich Katja, und wenn jemand besondere Zärtlichkeit ausdrücken will, heiße ich Katjuscha. Und meine russische Großmutter liebt es, mich Katjunočka zu nennen, eine sehr individuelle und extravagante Konstruktion. Es gibt auch Leute, die mich Kat'ka nennen, aber das kann ich nicht leiden. Das Suffix -ka ist im Russischen eines, mit dem man sehr vorsichtig sein sollte, da hier ein kumpelhafter oder auch abfälliger Ton mitklingt, den nicht jeder mag und der auch nicht immer angemessen ist. Im Kindergarten z.B. meinte man es durchaus böse, wenn man dieses Suffix benutzte.

Nun denn, mit der Zeit wird man ja älter, und als ich meinen russischen Ausweis bekommen habe, wurde ich auf dem Amt ganz förmlich mit Jekaterina Aleksandrovna angesprochen. Als ich vor einigen Jahren einen nicht ganz formellen, aber dennoch geschäftlichen eMail-Verkehr mit Russland hatte, wurde ich Katerina genannt und gesiezt. Wenn ich jetzt in Russland arbeiten würde, würden mich Kollegen und Vorgesetzte wahrscheinlich Katerina oder Katja nennen; sollte ich es aber in die Chefetage schaffen, müssten mich alle offiziell Jekaterina Aleksandrovna nennen, was sie aber in der Praxis wahrscheinlich zu Katerin Sanna vernuscheln würden.

Joar. Und das war nur ein winzig kleiner Einblick, die Spritze des Eisbergs. Was aber sicherlich aufgefallen ist, ist das Fehlen der Herr/Frau-Anrede. Die gibt es im Russischen durchaus, aber sie ist extrem selten und wird normalerweise nur bei Ausländern verwendet, die für gewöhnlich ja kein Patronym haben. Ich wurde zumindest in meinem ganzen Leben noch nie gospoža (=Frau) Nachname genannt.

Interessant ist es übrigens auch in Polen: Nachnamen werden zwar durchaus verwendet, um eine Person zu bezeichnen, aber niemals als Anrede. Wenn man mit einem Jan Kowalski redet, nennt man ihn nicht pan (=Herr) Kowalski, sondern (je nach Situation und Hierarchieverhältnis) panie Janie (Vokativ von pan Jan = Herr Jan) bzw. pan in Verbindung mit einem Titel: panie magistrze (Herr Magister), panie profesorze (Herr Professor) und so weiter.


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Vielen Dank fürs Lesen und vor allem fürs Warten auf dieses Kapitel. Ich weiß noch nicht, wann das nächste rauskommt, da es noch korrigiert werden muss und ich mich zugegebenermaßen auch nicht ganz traue, es zu posten, weil es doch sehr viel ... Selbstbeweihräucherung enthält. Ich meine, ich finde tatsächlich, dass ich in dem Punkt meine Sache gut gemacht habe, aber Eigenlob stinkt halt. ;)
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