Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Undercover 1

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Pearl
14.03.2014
14.03.2014
1
954
 
Alle Kapitel
7 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
 
 
14.03.2014 954
 
Ich habe zu wenig geschlafen. Meine Stimme ist weg. Blutdruck gemessen...120/80...normal.
Mein Name ist unwichtig. Ich schäme mich. Wenn ich einen Namen haben soll, dann nennt mich Karl. Lieber Carla. Geboren wurde ich als Mann. Als Mann im falschen Körper. Meine Mutter wollte keinen Sohn, lieber eine Tochter. Ein kleines niedliches rosa Spielzeugpüppchen, dem sie die Haare kämmen kann. Als klar war, dass ich ein Sohn war, verließ mein Vater mit hängendem Kopf die Klinik. Auf dem Amt brachte er nach einigen unsicheren Stammeleien auf die Frage des Beamten nach dem Geschlecht des Sprösslings nur ein leises "Mädchen" heraus.Trotzdem habe ich mein Leben lang versucht, das zu sein, was sie von mir erwarteten. Heute kann ich mir nichts anderes vorstellen, als das.  Das, was ich immer für alle war und immer sein werde. Eine Frau. Meine Mutter kleidete mich, ihre" kleine Prinzessin" in rosa, setzte mir eine Krone auf und schickte mich in die Ballettstunde. Mit zwei Jahren lies meine Mutter mir Ohrlöcher stechen, damit jeder sieht, dass ich ein Mädchen sein soll.Was hat das mit Starlight Express zu tun denkt ihr jetzt? Was schreibt die durchgeknallte Transe da? Nein, ich will nicht meine ganze Lebensgeschichte  aufschreiben. Ich will nur schreiben, dass alles was ich hier schreiben kann, damit anfing, wie ich mit 8 Jahren zum ersten mal den Starlight Express sah. Erst war ich gelangweilt, weil ich dachte: "Hey, was soll der Quatsch? Lokomotiven, Dampfzüge und eine Elektrische Eisenbahn? Das ist doch was für Jungs! Soll ich jetzt doch wieder zum Jungen erzogen werden?"
Doch dann kam plötzlich SIE. Sie hatte Rollschuhe an, trug eine Krone, war rosa und mir war klar: Das Bin Ich-DIE will ich sein.

Die Geschichte, wie ich nach Bochum kam und wie aus einer lächerlichen Karikatur eines Mädchens, ein Transvestit wurde, der seine Geburt als Junge völlig aus seinem Leben verdrängt hat...nein, die muss ich nicht erzählen. Warum auch? Ich war eine Art "Little Miss Sunshine" auf allen möglichen Kids-Kontests, zu denen meine Mum mich schleppte. Nie hat jemand dabei mein Geschlecht angezweifelt. Musikkonservatorium, Dance-Company,...irgendwie waren die alle Blind, jedenfalls hat mir nie jemand versucht zwischen die Beine zu fassen. Dabei war ich als Frau mehr als mässig hübsch.
Der Weg war lang, aber eines Tages stand ich vor der Türe. DER Türe. Ein Schild hing dran: "Heute Audition" Ich war gut vorbereitet und ging hinein, fest entschlossen das Theater als Transe zu betreten und als Pearl zu verlassen. Nun ja, vielleicht hatte ich ein bisschen zu viel aufgetragen, aber ich wollte beweisen, wie ähnlich ich ihr sehe. Ich hatte mir in monatelanger, mühevoller Kleinarbeit und mit etwas Beihilfe einer erfahrenen Schneiderin, eine perfekte Kopie der original Theaterkostüms angefertigt und mir mit Hilfe meines Stamm - Coiffeurs, diese Hammer-geniale rosa Perücke geknüpft. Ich hab den Fehler gemacht, in diesem Outfit in den Tanzsaal zu rollen, um mich zum Vorsingen anzumelden. Einige Fans an der Stagedoor kamen angelaufen, als sie mein Kostüm sahen, machten Fotos und ich habe Autogramme gegeben und...schön den Mund gehalten. Wenn ich gleich auf die Bühne gefahren wäre, wäre ich vielleicht gar nicht aufgefallen. Die Gesichter der Jury wären jetzt tatsächlich erwähnenswert aber... mein Gott, was für eine Blamage. Ich mag nicht drüber reden. Ich hab immer alles geschafft, was ich im Leben erreichen wollte und ich dachte, dass dieser Auftritt sich wohl gewaschen haben müsste.
Aber: "Thank you- costume very detailled"
war alles was sie gesagt haben. Ich glaube, sie haben das für einen Scherz einer Doppelgänger - Agentur gehalten, oder ob sie doch was gemerkt haben? Ich war total enttäuscht. Mit hängendem Kopf fuhr ich zur Stagedoor hinaus, als mich eine Frau ansprach. Ich sah mich um. Es war dunkel geworden und alle Fans waren wie weggefegt.  Nur eine Frau stand da, die Hände an die Griffe eines Rollstuhles geklammert.
"Ach bitte", sagte die Frau, mit dem Blick auf das Kind in dem Rollstuhl deutend. "Ach Bitte, würden Sie mir einen Gefallen tun? Mein Kind sitzt im Rollstuhl und ist blind. Ich war gestern mit ihr in der Vorstellung. Sie fand die Musik so wunderbar und Pearl hat ihr so gut gefallen. Mein Kind ist blind und wüsste gerne, wie Pearl aussieht. Darf mein Kind bitte Ihr Kostüm einmal berühren? Sie redet die ganze Zeit davon."
Verlegen führte ich meine Lippen an das Ohr der Frau.
" Ich bin nicht die ECHTE" wisperte ich.
" Das macht nichts. " flüsterte die Frau" Na los doch!"
"Nun gut" sagte ich und bückte mich über das Kind. Ein Mädchen. Ihre Augen schielten wirr ins Nichts. Ihre Finger betasteten meine Wimpern, meine rosa Strähnen, meine Ellbogenschoner. Nach kurzer Prüfung nickte das Mädchen und zog mich zu sich heran.
Sie sagte: "Du hast gestern so schön gesungen Pearl. Singst du einmal für mich, ja?"
"Ach du Schreck" dachte ich, das ist der Augenblick der Wahrheit. Dieses Mädchen ist wirklich blind. Ob sie es merkt, wer oder was ich bin?
Ich sang:" Zu lange war ich ganz alleine......"
Das Mädchen schaute betroffen unter sich. Nach einigen Augenblicken, die mir wie Minuten vor kamen, hellte sich ihre Miene auf: " Ja" sagte sie"Ja, das ist sie. Pearl"

"Ich danke Ihnen!" sagte die Mutter "Davon träumt sie heute Nacht. Bevor ich mich auf den Weg ist Parkhaus machte, umarmte mich das Kind und nicht nur ihr, sondern auch der Mutter und mir rannten die Tränen über die Wangen. Für dieses Mädchen war ich ECHT. Die Echte Pearl, so wie es auch nur ein Christkind gibt.
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast