Geist Alkohol

von Serpa
GeschichteHumor, Parodie / P16 Slash
Deathstars
14.03.2014
24.04.2014
6
19980
 
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Vor ungefähr einem Jahr habe ich diese Story begonnen, aber leider abgebrochen, als ich von Cats Ausstieg erfahren habe. Bis heute hatte ich also eine Leiche im Keller, und das hat mich schon lange gewurmt. Das Ganze ist einfach zu witzig, um es unvollendet zu lassen, und deswegen habe ich mich zusammengerissen und das Ende getippt. Ja, und nun ist es hier. ;)

Wie so oft gilt: Nur zum Lachen, nicht zum Denken.

Inspirierend zur Seite hat mir dieses Projekt gestanden.

So, und während ich weiter meinen Obstkuchen mampfe, könnt ihr schon mal ein wenig Spaß mit dem Prolog haben. :)

*



Prolog


Orientierungslosigkeit. Ja, das war es, was meinen Zustand beschrieb, als ich sachte in das Halbdunkel zu blinzeln begann. Der milchige Schleier, der das scharfe Sehen noch behinderte, wich erst nach einiger Zeit von meiner Funzel und offenbarte mir eine ganze Ansammlung von Flaschen. Man hätte sogar sagen können, dass dies eine wahre Gruft für diese Glasbehälter darstellte, oder aber die Dinger hatten sich vermehrt wie die Ratten; doch nichts von alledem entsprach der Wahrheit. Das merkte ich spätestens dann, als ich versuchte, mich aufzurappeln. Mein Kopf fühlte sich an wie ein mit Watte gefüllter Luftballon, der paradoxerweise schwer wie ein Betonklotz wog. Selbst an der Kante, die sich als Ende eines Bettes herausstellte, konnte ich mich nicht zufriedenstellend hochziehen. Immer wieder sackte ich in mich zusammen und schimpfte mich selbst einen alten Opa. Wer sonst außer einem vertrottelten, alten Greis brachte es schon fertig, mehrfach wie ein Maikäfer auf den Rücken zu fallen und dann stöhnend über den Boden zu kugeln. Dabei war ich doch noch gar nicht reif für das Rentenalter. Im Grunde würde ich auch nie Rente beziehen können, weil die für coole Rockstars schlichtweg nicht erhältlich war. Sogar im Rollstuhl müsste ich noch auf der Bühne umherrollen, damit ich was zu beißen bekommen würde. Okay, ich würde dann wahrscheinlich keinen einzigen Zahn mehr in der Fresse haben, aber der Inhalt einer Schnabeltasse wollte auch bezahlt sein.
Doch was überlegte ich mir das alles überhaupt. Mir ging es dermaßen dreckig, zumal ich auch ganz allein war. Keiner meiner Bandkollegen schien mich zu vermissen. Sie hatten mich bestimmt einfach liegen gelassen, in dieser klebrigen Pfütze, die streng nach Bier roch. Vielleicht wollten sie mich in jener gar ertränken. Tja, aber das hatten sie nicht geschafft. Ich war wach, ich hatte meine Maikäferstellung irgendwann sogar tatsächlich auf das Bett verlegen können und ruhte mich erst einmal aus. Was machte ich hier in diesem Zimmer? Wieso hatte ich mich so zulaufen lassen? Was war gestern passiert? Hangover vom Feinsten. Und Schuld daran trug nur der verdammte Geist Alkohol. Wenn ich den in die Finger kriege, sinnierte ich in meiner hilflosen Lage. Dann -

Aus den Augenwinkeln bemerkte ich, wie sich eine der auf dem Boden stehenden Flaschen plötzlich leicht zu bewegen begann. Doch ich schob dies auf meinen wirren Schädel, der ohnehin keine Standbilder mehr produzierte. Deswegen blieb ich ganz ruhig liegen, etwas anderes war mir sowieso nicht mehr möglich. Auch als dicke Nebelschwaden aus der Flasche aufstiegen, gab ich einen Scheiß auf das unbekannte Phänomen. Alkohol war doch eh eine vermaledeite Zauberflüssigkeit, die sich in deinem Körper festsetzte und dir die Birne vernebelte - wieso sollte der Nebel nicht auch einmal ein Zimmer besiedeln anstatt immer nur einen wehrlosen Leib?
Kurz schloss ich meine Augen, um sie Sekunden später erschrocken aufzureißen und in das Gesicht eines komplett grünen Mannes zu blicken. Heidewitzka, gestern Nacht war allen Anscheins nach nicht nur feucht, sondern auch ziemlich schneereich. Und ich war mit der Nase bestimmt mittenrein in das weiße Gestöber gefallen. Anders konnte ich mir die Situation, in der ich mich gerade befand, nicht erklären.
Mein Schreck hielt allerdings nicht lange an. Schnell hatte ich mich an das grüne Antlitz des zauberhaften Mannes zwischen all den zauberhaften, ebenfalls grünen Bierflaschen gewöhnt und kniff leidend meine Augen zusammen.
"Lass das, Skinny, das ist nicht witzig. Nicht jetzt", murrte ich, mir die Hand zusätzlich auf die geschlossenen Lider legend, damit ich dem Ganzen wenigstens für eine Weile entkommen konnte. Man kannte Skinny ja und traute ihm diverse Spielereien zu. Doch einen betrunkenen Whiplasher oder einen Whiplasher mit Kater - nicht zu verwechseln mit Cat, den hatte ich leider nicht zwangsläufig nach übermäßigem Alkoholkonsum - foppte man nicht. Denn das würde meinem Peiniger teuer zu stehen kommen, wenn ich wieder nüchtern war.
Doch jetzt war es nicht so weit. Der grüne Skinny thronte noch immer über mir, wie ich feststellen musste, als ich ganz kurz nur durch den Spalt zwischen meinen Fingern blinzelte. Ja, es schien fast so, als würde er schweben, aber selbst Helium im Arsch konnte keinen Menschen dazu bewegen, sich einem Vogel gleich in die Lüfte zu schwingen. Wir waren alles nur plumpe Dronten, die hilflos mit ihren Flügeln flattern konnten, aber trotzdem auf dem Boden der Tatsachen blieben. Scheiße aber auch. Denn manche Tatsachen, die einem als solche erschienen, konnte man nur dem Alkohol zuschreiben. Ein grüner Skinny, der sich anscheinend auch noch einer Gesichts-OP unterzogen hatte, war wirklich nicht das, was man für realitätsnah hielt. Der Gute sah komplett anders aus als der Böse, der jeden Abend mit uns Todessternen die Menge rockte. Und er sprach zudem auch so seltsam. Wie ein Echo hallte seine Stimme in meinen Ohren wider und erneut verfluchte ich Geist Alkohol, der mir diese Misere eingebrockt hatte.

"Ihr habt mich gerufen, Meister. Euer Wunsch?"
Oh, selbstverständlich genoss ich es in vollen Zügen, mit dem ehrfürchtigen Wort 'Meister' angeredet zu werden, und selbst in diesem Zustand stahl sich ein überlegenes Grinsen auf mein Gesicht. Ich fragte mich gar nicht erst, seit wann ich Skinnys Meister war, aber in einer durchzechten Nacht wie dieser konnte es schließlich zu ganz neuen, außergewöhnlichen Abmachungen und Begebenheiten gekommen sein. Ja, ich konnte mich daran gewöhnen. Skinnys Herr und Meister. Ach ja, ich sollte ja noch einen Wunsch äußern. Schön. Nur konnte ich mich gerade nicht mir selbst auf einen einigen.
"Dürfen es auch zwei sein?"
"Zunächst nur einer, Meister."
Meister. Wie dieses Wort in meinen Ohren klingelte. Die pure Wonne. Es klang besser noch als das ganze Night Electric Night Album von vorne bis hinten. Und ich scherzte nicht, wenn ich das sagte.
"Also, Skinny, mein Untergebener", begann ich und musste glucksen. Es hörte sich bescheuert und zugleich befriedigend an. Aber nicht so befriedigend, wie der Wunsch, den ich nun äußerte. "Blas mir einen."
Doch Skinny machte keine Anstalten, sich über mein Gemächt zu beugen. Grün wie eh und je schwebte er über mir und betrachtete mich skeptisch. Wollte mir mein neuer Sklave etwa nicht gehorchen?
"Seid Ihr euch sicher, dass es solch ein ... primitiver Wunsch sein soll? Ich möchte Euch nichts suggerieren, aber theoretisch hättet Ihr gerade die Chance, euch die ganze Menschheit zu Untergebenen zu machen. Aber wenn ein Blowjob eurer ganzes Glück sein soll, dann -"
"Halt mal", warf ich ein. Wollte der mich verarschen? Wie um Herrgotts Willen wollte Skinny es anstellen, alle Menschen in die Sklaverei zu treiben? War das nicht seit Jahrhunderten verboten, jedenfalls, wenn es gegen den Willen der zu versklavenden Person war? "Du spinnst doch bisschen. Oder ich spinne. Scheiß Geist Alkohol."
"Also, wenn Ihr mich noch einmal so beleidigt, muss ich leider gehen."
Ich zog eine Augenbraue in die Höhe.
"Wie, beleidigen?"
Skinny aber zuckte gar nicht, seine Blicke durchdrangen mich wie spitze Nadeln, während er die Arme wie ein Bollwerk vor seiner grünen und ungewohnt muskulösen Brust verschränkt hielt. Aua.
"Falls Ihr es noch nicht bemerkt habt: Ich bin Geist Alkohol. Erschienen aus der heiligen Bierflasche, um Euch drei Wünsche zu erfüllen."
Da wurde doch der Hund in der Pfanne verrückt. Ich wusste doch, dass speziell deutsches Bier ein Zaubermittel war. Herb in der Kehle, aber trotzdem sehr aromatisch. Ein Gebräu, welches die Lebensgeister weckte. Und den Geist Alkohol. Ich gluckste doof. Natürlich glaubte ich diesem Skinny alias Geist Alkohol kein Wort. Ich war zwar besoffen, aber nicht komplett bescheuert.
Skinny sollte spüren, dass ich ihn mit keiner Silbe ernstnahm.
"Gut, dann mach die Deathstars zu der größten und erfolgreichsten Band, die es je gab, oh, heiliger Flaschenbiergeist-Skinny."
"Ohne Hohn, bitte."
Für einen Sklaven war das Bürschchen aber ganz schön frech. Mh. Da mir mein geäußerter Wunsch allerdings immer besser gefiel, besser noch als der Blowjob, formulierte ich das Ganze ein wenig netter. Ungern, aber was tat man nicht alles, um an sein Ziel zu kommen.
"Mach die Deathstars berühmt. Lass sie Stadien füllen. Lass die Frauen in Scharen auf uns fliegen. Mach uns zur besten und einflussreichsten Band auf Erden."
"Euer Wunsch sei mir Befehl", versprach mir Skinny, dann verschwand er ganz plötzlich ins Nirgendwo. Sollte er doch.

Müde war ich geworden, noch müder, als ich es vorhin schon war. Meine schweren Lider schlossen sich ganz ohne mein Zutun. Und dann war ich auch schon weg. Nur um in einer Welt wieder aufzutauchen, von der ich nie geahnt hätte, dass sie existierte.
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