Morgen

von Schafi95
KurzgeschichteAllgemein / P12
12.03.2014
12.03.2014
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Disclaimer: Ich besitze keinerlei Rechte an Star Trek und veröffentliche diesen Text ohne die Absicht, damit einen Gewinn zu erwirtschaften.




Syvak sog die kalte Nachtluft genüsslich ein. Das Gras unter seinen Stiefeln war feucht vor Tau, in wenigen Stunden würde sich das Zentralgestirn dieses Planeten über den Horizont erhaben. Er liebte diese Zeit. Ideal für Überraschungsangriffe.
„Sir, wir sind soweit“, ertönte neben ihm eine tiefe Stimme. Vrikruk, einer von Syvaks treuesten Gefährten und seines Zeichens Remaner, war neben den Romulaner getreten.
„Dann sollten wir mit dem Angriff beginnen. Admiral Suran hat mein Wort, dass dieser Planet noch in dieser Nacht fällt.“
„So sei es“, antwortete der großgewachsene Remaner und nickte seinem Adjutanten zu, der den Einsatzbefehl an die rund um diese einzige Siedlung des Planeten positionierten Truppen.
Wieder einmal würden sie dem Romulanischen Sternenimperium Ruhm und Ehre einbringen – auch wenn Syvak nicht wusste, was der Praetor mit einem weiteren Erdklumpen weitab von … allem wollte. Es war ihm aber auch egal. Der Prätor befahl, er folgte.
„Das ist doch deutlich besser, als für die Sternenflotte Nebel-Anomalien karographieren zu müssen“, stellte Vrikruk mit fragendem Unterton in der Stimme fest, als von der Siedlung erste Schreie herüberdrangen.
„Ist es das?“, antwortete Syvak mit einer Gegenfrage. „Ist es wirklich so viel besser, für den Ruhm des Imperiums wehrlose Kolonisten abzuschlachten, damit der Praetor diesen Planeten, für den sich eh niemand interessiert, da wir die einzigen wirklichen Interessenten gerade abschlachten, für den Ruhm des Imperiums im Zuge eines drittrangigen Vertrags mit den Gorn oder den Narn oder wem auch immer direkt wieder weggeben kann?“ Ein bitterer Zug legte sich auf Syvaks Gesicht.
„Uns steht es nicht zu, den Praetor zu hinterfragen. Wir haben ihm Treue geschworen und müssen ihm deshalb gehorchen. Das wissen Sie genauso gut wie ich, Sir. Ich weiß nicht, wie sie es halten, aber ich lebe – und sterbe – für den Praetor. Genau aus diesem Grund stehe ich hier.“
Syvak hatte bereits mit einer Solchen Antwort des Remaners gerechnet. Sein Volk war von den Romulanern zu einer Sklavenrasse umgeformt worden. Und Syvak beneidete ihn darum. Vrikruks Leben war damit wenigstens irgendeine Art von Sinn und Daseinsberechtigung gegeben worden. Aber was war mit ihm selbst?
„Ich stehe hier, weil ich nichts besseres zu tun habe. Ich könnte auch genauso gut auf einer grünen Wiese auf Sol III stehen und dem Gras beim Wachsen zusehen. Oder auf einem Marktplatz auf Qo'nos und Tribbles verkaufen. Aber aus mir unerfindlichen Gründen hat mich mein Schicksal hierher treiben lassen, direkt neben Sie, um mitten in der Nacht einigen schießwütigen Remanern dabei zuzusehen, wie sie Zivilisten töten. Ich bin hier, weil dieser Ort nicht mehr oder weniger Wahrscheinlich ist als alle anderen dieser Galaxis.“
Syvak spürte förmlich, wie sich die bittere Erkenntnis in seine Eingeweide fraß. Er war hier, nicht, weil er, wie die Kolonisten oder Vrikruk, einer Hoffnung oder einer Lebenseinstellung gefolgt war, sondern weil sein Leben eben keinem Sinn, keinem Daseinszweck folgte. Er hatte nichts, für das er leben oder sterben konnte. Sein Leben war nicht mehr als sinnlos und vergeudet.
„Ich lebe, nicht für etwas, sondern weil ich schlicht und ergreifend noch nicht tot bin“, fügte er dann noch seinen Ausführungen hinzu. „Übernehmen Sie hier“. Syvak wandte sich zum Gehen. Er wollte allein sein, so wie er es immer gewesen war und immer sein würde. Daran bestand keinerlei Zweifel.
Den anbrechenden Morgen sah er nicht, genauso wenig wie das taufeuchte Gras unter seinen Stiefeln und das Sterben der Kolonisten. Denn alles, absolut alles, war sinnlos und nur aus reinem Zufall so, wie es war.




AN: Ich weiß, alles etwas sehr deprimierend und möglicherweise auch etwas wenig Trek-Bezug. Steinigt mich dafür, oder bewerft mich mit Keksen.
Im übrigen ist dieser One-Shot Telai gewidmet. Weil Baum. Oder auch nicht ;-)