Nackt

von Schafi95
KurzgeschichteAllgemein / P16
06.03.2014
06.03.2014
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Disclaimer: Ich besitze keinerlei Rechte an Star Trek und veröffentliche diesen Text ohne die Absicht, damit einen Gewinn zu erwirtschaften.






Tim Watters, Captain der ISS Valiant und Offizier dessen, was einstmals das Terranische Imperium war und es auch irgendwann wieder sein würde, drohte einmal mehr, in seinen trüben Gedanken zu ertrinken. Vor zwei Jahren hatte er sich der Sache eines charismatischen Halbvulkaniers verschrieben – und war innerhalb kürzester Zeit vom Kadetten zum Captain aufgestiegen.
Zweifellos hatte ihm dies nicht wenige Vorteile eingebracht: Die Mannschaftsbaracke hatte er gegen ein Quartier eingetauscht, das bei doppelter Größe nur von einer Person bewohnt wurde: Ihm selbst. Nicht zu vernachlässigen war natürlich sein direkter Zugang zum Admiral, das Kommando über eines der besten Schiffe der Restaurationsbewegung und nicht zuletzt auch, die Möglichkeit zu einer zumindest geduldeten Beziehung zur nicht unattraktiven Tochter des Admirals.
Aber was hatte er dafür in kauf nehmen müssen? Die Ketten des Kommandos – immer die richtigen Entscheidungen zur richtigen Zeit treffen, Befehle geben, anstatt sie einfach nur in Empfang zu nehmen und dann kommentarlos auszuführen... Und das Risiko, jederzeit von einem machtgeilen Emporkömmling, wie er auch einer gewesen war, vergiftet, hinterrücks erstochen, erschossen oder sonst wie um die Funktion seiner Synapsen gebracht zu werden.
Ein kurzer Blick zu seinem Nachttisch versicherte ihm, dass sein klingonischer Disruptor, den er in einem seiner ersten Gefechte an sich genommen hatte, noch an Ort und Stelle lag, genauso wie der Phaser unter seinem Kopfkissen. Unbewaffnet fühlte er sich einfach so … nackt.
Sogar noch nackter, als T'Liss, die sich schon fast Schutz suchend an ihn klammerte und die wenigstens noch mit Boxershorts bekleidet war. Glaubte er zumindest. Vorsichtig glitt seine noch freie Hand – der andere Arm war von T'Liss in Beschlag genommen worden, den schmalen Körper der Romulanerin hinab.
Die Boxershorts waren tatsächlich schnell gefunden – nur dass er aufgrund eines Phasers an seinem Kopf nicht dazu kam, das Ergebnis seiner Suche adäquat wahrzunehmen und zu verarbeiten. Watters erstarrte, ließ dann aber seinen Blick die Hand, die den Phaser hielt, wandern, den Arm hinauf – und fand T'Liss' funkelnde grüne Augen wenige Zentimeter von seinem Gesicht entfernt vor.
„Ich habe dich schon mehr als ein Mal darum gebeten, dass Ding hier nicht unter dem Kopfkissen aufzubewahren, weil es in einer … ungünstigen Situation von alleine losgehen könnte“, erläuterte die Romulanerin in freundlichem, aber bestimmenden Tonfall.
Watters setzte ein herausforderndes Grinsen auf. „Ich glaube, du musst mir noch mal anschaulich erklären, welche ungünstige Situation du meinst“, forderte er.
T'Liss erwiderte sein Grinsen wissend und beförderte den Phaser in eine Ecke des Raums. „Nur zu gerne“, antwortete sie knapp, während sie schon zu ihren Erklärungen überging.

Auch wenn er doch noch einige Stunden Schlaf gefunden hatte, fühlte sich Watters ganz eindeutig übernächtigt. Andererseits machten ihm einige Dinge einfach zu viel Spaß, als dass er darauf verzichten wollte.
Mit einem nicht zu unterdrückenden Gähnen stellte er seine leere Kaffee-Tasse in den Replikator, der das leere Geschirrstück sofort dematerialisierte. Ein letzter Blick in den Spiegel, um zu sehen, ob die Frisur saß und die Uniform auch wirklich sauber war, dann wandte er sich zum Gehen. Sein Leben konnte er immer noch nach Dienstschluss überdenken.
Doch kaum hatte er die Tür seines Quartiers verlassen, blickte er auch schon in das ungünstige Ende eines Phasers. Der Name des Sicherheitsoffiziers, der den Phaser in der Hand hielt, war Watters entfallen, da es sich wahrscheinlich um einen Offizier handelte, der noch nicht allzu lange unter ihm diente, doch das war in diesem Moment auch unwichtig. Denn Sloan, der auch einen Phaser feuerbereit auf Watters gerichtet hatte, war neben den namenlosen Sicherheitsoffizier getreten.
„Wie kann ich Ihnen helfen, Sloan?“, fragte Watters mit dem Rest an Ironie, zu dem er in einer solchen Situation noch in der Lage war.
„Ganz einfach, Captain. Sie werden mir jetzt, ohne Widerstand zu leisten, folgen. Der Admiral möchte Sie sprechen. Und er ist in äußerst schlechter Stimmung.“ Ohne ein weiteres Wort stapfte Sloan voran. Aber Watters verstand auch ohne weitere Erklärungen, warum Admiral Syvak schlechter Laune war – und was er selbst damit zu tun hatte.
Dann würde dies hier wohl oder übel früher oder später auf sein Ende hinauslaufen. Doch, was ihn selbst überraschte: Trotz des Wissens um sein baldiges und sehr schmerzhaftes Ableben blieb er ungewohnt ruhig. Denn der Gedanke, nicht durch die Hand seines potentiellen Nachfolgers, sondern durch die seines direkten Vorgesetzten zu sterben, hatte etwas ungewohnt … tröstendes. Watters schmunzelte. Ja, es war durchaus tröstlich, so und nicht anders zu sterben. Denn es machte gar nichts, dass er doch tatsächlich seinen Phaser in seinem Quartier hatte liegen lassen. Er würde sterben – aber nicht durch seine Nachlässigkeit, sondern durch eine bewusste Entscheidung für T'Liss und gegen das Ego eines Romulaners.






AN: Ja, ich weiß, mich hat mal wieder der pubertäre Wahnsinn geritten ;-)