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Nicht ohne dich.

von lovely13
KurzgeschichteAngst, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Harry Möller Henning Schultz
06.03.2014
06.03.2014
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Nicht ohne dich.

Sie saß da. Einfach nur da. Ohne jede Regung. Er war einfach so gegangen. Ohne auch nur ein Wort zu sagen. Die letzten drei Tage hatte er frei und nun war er weg. Jeder wusste es. Nur sie nicht. Alle hatten es verheimlicht. Ihre Kollegen. Einfach alle. Lothar, Anna, Nicky, Hauke, Katja, Ben und vor allem Dirk. Von ihm hätte sie es am wenigsten erwartet. Henning war einfach gegangen. Ohne jede Verabschiedung von ihr. Eine einfache SMS erreichte sie vor einer Stunde. >>Ich bin dann mal weg.<< Das waren seine letzten Worte an sie. Nun saß sie einfach stumm da.
Um sich abzulenken, bearbeitete sie etliche Akten. Bis zum Abend. Bis sie Feierabend hatte. Sie nahm ihre Handtasche und ohne sich zu verabschieden, ging sie nach Hause. Auf ihre Kollegen hatte sie keine Lust. Warum hatten alle keine Andeutung gemacht. Warum. Sie konnte es nicht verstehen. Beide hatten mehr als 15Jahre Dienst zusammen gehabt. Kannten sich besser als alles Andere auf dieser Welt. Waren für den Anderen immer da. Und nun war er gegangen.
Hatte es etwas mit dem Streit zu tun? Sie hatte ihm alles gesagt. Obwohl er verheiratet ist. Doch seine Ehe war schon lange kaputt. Und das wusste sie. Sie musste es ihm sagen. Aber das er gleich gehen würde, verstand sie nicht.
Zuhause angekommen ließ sie sich weinend in ihren Sessel fallen. Sie konnte es einfach nicht verstehen. Mehr als 15 gemeinsame Jahre und dann ging er einfach ohne ein Wort. Sie verstanden sich von Anfang an und dann das.
Selbst als er zum Mobilen Einsatzkommando gehen wollte und sie eigentlich zehnjähriges Streifenjubiläum hatten und Henning das vergessen hatte, verzieh sie ihm. Er hatte für sie auf diese Stelle verzichtet. Er konnte sie damals nicht alleine lassen.
Nie hatten sie sich die Gefühle für den Anderen eingestanden und dann heiratete er, aber nicht sie, sondern Eva. Die Frau, mit der sie sich nie verstanden hatte.
Irgendwann schlief sie ein.
Als sie am nächsten Morgen wach wurde, konnte sie nicht zur Arbeit. Sie meldete sich krank. Legte sich wieder ins Bett.

Anna und Katja waren schon längst auf Arbeit, als der Anruf von Harry kam, dass sie krank sein. Beide saßen in der Küche der Dienststelle, als Nicky zur Tür herein kam und meinte Harry sei krank.
,,Soweit haben wir es also gebracht. Mit uns redet sie nicht und nun ist sie krank. Wir sind auch echt tolle Freundinnen’, meinte Anna, die Harry schon am längsten kannte.
,,Ob sie uns das alles verzeihen wird. Ich meine, dass wir ihr das mit Henning verheimlicht haben’’, sagte Katja die nachdenkend mit den Löffel in ihrer Tasse Kaffee rührte.
Nicky wusste nicht so recht was sie sagen sollte, denn sie hatte auch geschwiegen, aber eines wusste sie, dass alle ziemlich Mist gebaut hatten.

Dirk, Lothar, Ben und Hauke saßen derweil in Dirks Büro und hatten auch Schuldgefühle. Dirk vor allem. Er kannte Harry seit ihrem Beginn hier auf dem 14.Revier und er  musste sie belügen. Ausgerechnet sie, die nach dem Tod von Ellen für ihn am meisten da war. Sie hatte ihm neue Hoffnung gegeben und verhindert, dass er ganz aufhören würde. Immerhin war Polizist sein Traumberuf. Genauso wie ihrer. Er schnappte seine Jacke und fuhr zu ihr. Ohne zu wissen was ihn erwarten würde.

An ihrer Wohnung angekommen, bemerkte Dirk, das ihre Wohnungstür offen stand. Er rief nach ihr, doch eine Antwort bekam er nicht. Mit gezogener Waffe ging er von Zimmer zu Zimmer, bis er in ihrem Schlafzimmer bemerkte, dass alles so aussah, als hätte ein Kampf stattgefunden. Er rief auf dem Revier an, um Verstärkung anzufordern. Katja, Ben und Anna kamen so schnell wie möglich. Die Spurensicherung kam auch und wurde recht schnell fündig. Verwischtes Blut.

Auf dem Revier zurück überlegten sie wo Harry sein könnte. Wer ihr etwas angetan haben könnte. Bis der Eilbericht von der Spurensicherung kam. Es wurden DNA-Spuren gefunden, die sogar zugeordnet werden konnten. Ein gewisser Rolf Müller. Wohnort unbekannt. Eine weitere DNA wurde gefunden, aber konnte nicht zugeordnet werden.
Alle begannen fieberhaft herauszufinden, wo Harry sein könnte. So fieberhaft, dass sie nicht bemerkten, dass Henning in der Tür stand. Er ging ohne ein Wort zu Dirk ins Büro. Keiner hatte ihn bemerkt.
,,Henning, was machst du hier?’’ Dirk schaute seinen Kumpel und ehemaligen Kollegen an.
Dieser antwortete nur: ,,Ich konnte nicht gehen. Ich konnte Harry nicht alleine lassen. Wo ist sie? Ich muss mit ihr reden. Ihr alles erklären.’’
,,Das wird wohl nichts.’’
,,Wieso was ist hier los? Draußen sind alle so hektisch und in unserem Büro ist sie auch nicht.’’
,,Harry ist verschwunden. Wir haben in ihrer Wohnung weggewischtes Blut gefunden und DNA von einem Rolf Müller und einer unbekannten Person.’’
,,Den Typen kenne ich. Den haben Harry und ich vor zehn Jahren ins Gefängnis gebracht wegen Drogen. Du müsstest dich auch noch daran erinnern, Harry hat damals undercover ermittelt.’’
,,Ja stimmt jetzt wo du es sagst. Man warum bin ich da nicht früher darauf gekommen. Und laut Urteil müsste er jetzt wieder draußen sein aus dem Gefängnis.’’ Dirk konnte es nicht glauben, dass ihm das nicht früher eingefallen war.
,,Und er hat Rache geschworen. Wenn er Harry was antut, bring ich ihn um.’’
Nicky kam einfach ohne anzuklopfen ins Büro und als sie Hennings sah, war sie total glücklich, aber auch angespannt, da sie nicht wusste, ob er das mit Harry wusste. Henning erinnerte sich, dass es damals eine Lagerhalle gab, in der sich Müller versteckt hatte. Und nun machten sie sich auf den Weg. Sie wollten Harry finden. Und Henning hoffte, dass sie Harry schnell finden würden. Alles andere würde er sich nie verzeihen.

Derweil wachte sie auf. Ihr Kopf dröhnte. Sie schaute sich um und bemerkte, dass sie gefesselt war. Sie probierte sich zu befreien, aber es klappte nicht. Dann bemerkte sie, dass jemand in den Raum kam. Und sie erkannte ihn sofort. Rolf Müller. ,,So Prinzesschen du fragst dich jetzt sicher was ich will. Ich will Rache und du wirst zuerst daran glauben. Du und dein Kollege habt mich in den Knast gebracht.’’ Er schlug sie. Mehrmals. Und dann richtete er die Waffe auf sie. ,,Erst wollte ich dich leiden lassen, aber dein Geheule nervt.’’
Und genau in diesen Moment kam Henning mit Dirk in den Raum: ,,Hände hoch oder ich schieße’’, rief Henning. Und ein Schuss fiel. Harry sackte zusammen. Dirk überwältigte den Kerl und Henning lief zu Harry. Er rief einen Krankenwagen und entfesselte sie. Der Notarzt kam so schnell wie möglich und brachte Harry ins Krankenhaus. Sie wurde notoperiert. Henning fuhr mit ins Krankenhaus und Dirk unterrichtete derweil die Kollegen über den Vorfall.

Harry lag ganze 10 Tage im Komma und Henning war jeden Tag bei ihr. Er hatte wieder auf dem 14.Revier angefangen und zu seinem Glück fehlte seine Harry.
,,Bitte Harry wach auf. Ich liebe dich doch. Ich brauche dich doch.’’ Er nahm ihre Hand und bemerkte wie ihre Augen sich öffneten. Er rief sofort einen Arzt und dieser untersuchte Harry gründlich. Dann ließ er Henning mit Harry wieder allein und er erzählte ihr alles was passiert war. Irgendwann schlief sie ein und er fuhr zum Revier um den Anderen zu sagen, dass sie wieder wach ist.
In den nächsten fünf Tagen war er jeden Tag bei ihr. Und heute nahm er seinen Mut zusammen.
,,Wie geht es dir?’’
,,Naja muss ja.’’
,,Ich muss dir da was sagen. Es tut mir leid dass ich gegangen bin, aber ich musste mir einiges Bewusst machen. Ich habe die Scheidung eingereicht von Eva, weil ich dich liebe. Kannst du mir verzeihen.’’
,,Du hast was?’’
,,Ich lasse mich scheiden. Ich will frei sein für dich.’’
,,Ich liebe dich doch auch. Klar verzeihe ich dir. Auch wenn dich das etwas kosten wird.’’ Sie lächelte.
,,Und ich weiß auch schon was.’’ Er küsste sie. Lange und zärtlich.
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