The Watcher in the Wall

von baronesse
GeschichteDrama, Familie / P16
Shae Tyrion Lannister Tywin Lannister
04.03.2014
04.03.2014
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Die Luft war feucht und stickig und drückte auf seine Brust, so dass er gezwungen war, flach zu atmen. Wohlmöglich lag es auch an den Wänden, die sich eng um ihn schmiegten. Es war zu dunkel, um wegen mangelndem Platz, den man nicht sah, Beklemmung zu verspüren.

Man nannte ihn gemeinhin den Gnom. Tyrion Lannister fragte sich, ob diese Gänge für Zwerge wie ihn geschaffen worden waren und wie es jemandem ergehen musste, der größer war. Er passte gerade so durch die engen Öffnungen und stieß sich ständig den Kopf an.

Trotzdem waren die engen Gänge sein Glück. Tyrions Leben hatte einige unerfreuliche Wendungen genommen – die Hochzeit mit einem jungen Mädchen, das ihn abstoßend fand, das Verbot, weiterhin mit Huren zu verkehren und zu guter Letzt die Anklage und das verlorene Tribunal, so dass er vor Göttern und Menschen schuldig am Tod seines Neffen war. Gut, das war das Positive, dass dieser Mistkerl Joffrey tot war, aber es ärgerte Tyrion, dass er die Lorbeeren nicht verdient hatte. Hätte er gewusst, wie alles kommen würde, hätte er die Genugtuung, für Joffreys Ableben verantwortlich zu sein, wenigstens für sich selbst beanspruchen wollen.

Er wusste nicht einmal, wem er dieses letzte zu verdanken hatte. An der Hochzeit und dem Riegel vor seinem Sexleben war sein Vater Schuld, aber Tyrion konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass Tywin Lannister den Tod seines eigenen Enkels beordern sollte.
‚Wirklich? Nachdem er dich in den Kerker werfen ließ und zusieht, wie sie dich zum Tode verurteilen, unterstellst du ihm so viel Sinn für Familie?’ Er konnte nicht sicher sein. Tywin Lannister war ein harter Mann, der alles für das Wohl der Familie tat, aber man konnte nie wissen, wo er die Grenzen zog. Wann er fand, dass der Name Lannister wichtiger geworden war als die einzelne Person. Tyrion war immer klar gewesen, dass er nicht der liebste Sohn seines Vaters war, aber bis jetzt hatte er sich immer sicher sein können, dass seine Geburt ihn schützte.

Der Gang mündete in einem senkrechten Tunnel, den er abwärts oder hinauf klettern konnte. Hinab, hatte Varys ihm geraten, immer weiter hinab, bis es keine Stufen mehr gab und er den nächsten Gang erreichte, einen, der ihn bis zum Hafen bringen würde, wo er ein Schiff besteigen und in die rettende Ferne segeln konnte. Doch Tyrion sah hoch, wo irgendwo die Kammer der Hand auf ihn wartete. Einer Eingebung folgend kletterte er hinauf. Es war mühsam, sein Gewicht nach oben zu ziehen, wo er in den Kerkern so viel Kraft und Gewicht verloren hatte. Hier merkte er seine fehlende Größe.

Es war paradox, mal war er zu klein, dann wieder zu groß. Der nächste Gang, durch den er kroch, war wie gemacht für seine geringe Größe, als hätte der Erbauer gewusst, dass eines Tages der Gnom durch die Gänge gekrochen kam um seinen Vater ein letztes Mal zu sehen. Gewiss waren seine Gründe keine noblen. Tyrion wusste nicht, was er sich davon versprach. Was hatte er jemals aus Konfrontationen mit seinem Vater erhalten? Konnte er sicher sein, dass sein Vater nicht die Wachen rufen und ihn zurück in den Kerker schaffen würde, diesmal ohne Hoffnung auf Rettung durch Jaime und Varys? War es so wichtig zu erfahren, ob sein Vater wirklich Joffrey auf dem Gewissen hatte? Bei dem kleinen Biest wäre es nicht weiter verwunderlich, wenn das halbe Königreich nach seinem Tod trachtete.

Die Kammer der Hand war nicht mehr, wie er sie in Erinnerung hatte, aber vielleicht lag es an seiner neuen Perspektive. Tyrion wollte erst sehen, was ihn erwartete, bevor er aus den geheimen Gängen krabbelte und nachher direkt auf seinem Vater landete. Der geheimnisvolle Erbauer hatte vorgesorgt und zwei Gucklöcher zum Spionieren angebracht. Für ihn waren sie weit oben und er musste sich auf Zehenspitzen stellen. Halb erwartete er, dass ihn auf der anderen Seite der Wand Dunkelheit erwartete, es war mitten in der Nacht und sein Vater war ein vielbeschäftigter Mann, der seinen Schlaf sicher brauchte. Er hätte sich nicht mehr täuschen können.

„Was haben wir denn da?“ Eine weibliche Stimme, der Akzent schwer, der Ton rauchig. Tyrion hörte ein Lachen, das er erst im zweiten Moment als das seines Vaters erkannte. Er hatte ihn nie in einem derart unbeschwerten Ton gehört. Er verlagerte sein Gewicht und dann sah er Tywin.

Die Kammer war von mehreren Fackeln erhellt, nicht taghell, aber doch hell genug, dass die Lichter keine Schatten auf die nackten Leiber warfen. Es waren drei an der Zahl und so gerne Tyrion gesagt hätte, dass er niemanden von ihnen erkannte, waren ihm zwei nur allzu vertraut. Er hatte Tywin nie nackt gesehen und verspürte eine leichte Übelkeit bei der Vorstellung, doch das hier war kein Produkt der Phantasie. Das hier war absurd. Da lag Tywin Lannister, der gefürchtete Tywin Lannister, nackt auf seinem Bett im Turm der Hand und neben ihm räkelten sich zwei Huren. Sie konnten nichts anderes sein, denn eine von ihnen war Shae.

„Wenn du groß bist, wirst du gegessen“, flüsterte Tyrions ehemalige Geliebte gerade und beugte sich über Tywins Schritt. (Tyrion in der Wand fiel bei diesen Worten rücklings zurück und musste sich für den Moment auf sein Gehör verlassen.)
„Du bist wohl wirklich verhungert bei meinem Sohn?“
„Er war… ein Zwerg, Mylord.“ Shae lachte. Schmatzen und Schnurren. Ein Klatschen auf nackter Haut. Dann die Stimme der zweiten Hure. „Nicht für alles Gold der Welt würde ich mit ihm schlafen wollen. Es braucht einen richtigen Mann, um mich glücklich zu machen.“ Perlendes Lachen. Ein männliches Stöhnen.

Tyrion in der Wand rieb sich über die Nase. Die Wunde der Schlacht war längst verheilt, aber er würde nie wieder ansehnlich aussehen, falls er das je getan hatte. Hatte er wirklich geglaubt, Huren würden seines Goldes wegen darüber hinwegsehen? Und war es überhaupt je sein Gold gewesen? Alles, was er besaß, stammte von dem Namen Lannister und sein Vater war das Oberhaupt der Familie. War es da nicht naheliegend, dass Shae sich Tywin an den Hals geworfen hatte, kaum dass Tyrion im Kerker gelandet war?

Aber was er nicht verstand war, wie Tywin Lannister mit zwei Huren in seinem Bett liegen konnte. Der Mann, von dem man in den gesamten Sieben Königreichen erzählte, wie er die ehemalige Geliebte seines Vaters davon gejagt hatte. Der Mann, der Tyrion stets Vorhaltungen wegen seiner Hurerei gemacht hatte. Der Tysha von sämtlichen seiner Männer hatte nehmen lassen, nur um seinen jüngsten Sohn für dessen Narrheit zu bestrafen. War das wirklich Tywin dort drinnen, nicht nur ein Schatten, der geschickt sein Aussehen angenommen hatte um die Sieben Königreiche zu infiltrieren? Tyrion konnte nicht anders. Er musste weiter zuschauen.

Shaes dunkler Haarschopf war weiterhin über Tywins Schoß gebeugt. Die zweite Hure, mit blonden, glänzenden Locken sah schon eher aus, wie Tyrion sich den Geschmack seines Vaters vorgestellt hätte. Er hatte seine Mutter nie kennengelernt (sie war bei seiner Geburt gestorben), aber es hieß, dass Tywin mit jenem Tag aufgehört hatte zu lächeln. Er musste sie sehr geliebt haben. Und es hieß, dass Cersei ihr ähnlich sehe. ‚Cersei hat in der Tat Ähnlichkeit mit dieser Hure… mit jeder Hure’, schoss es Tyrion durch den Kopf. Warum hatte er bei allem, was er über seine Familie wusste, überhaupt jemals seinen Vater ausgeschlossen? Warum hatte er angenommen, dass ausgerechnet Tywin über dem stehen würde, wo er doch das Oberhaupt der Familie war? Er lachte innerlich. Es war schon fast wieder passend, dass der große Tywin Lannister mit zwei Huren in seinem Bett lag, während sein ältester Sohn sich grämte, dass seine Zwillingsschwester nicht nur mit ihm, sondern auch anderen Männern ins Bett ging. War er eigentlich der einzig normale in dieser Familie? Ja, er hatte mit Shae geschlafen, aber nur mit Shae. Auf seine eigene, verdrehte Gnomenart war er der Hure treu geblieben. Jetzt sah er ja, was er davon hatte. Er sank langsam an der Wand hinab und vergrub den Kopf in den Händen.

„Ihr seid ein wahrer Löwe, Mylord“, erklang Shaes Stimme erneut. ‚Mein Löwe’, so hatte sie Tyrion immer genannt. Und er war solch ein Narr, dass er ihr geglaubt hatte. Hatte wieder einmal Gier mit Zuneigung verwechselt, obwohl jeder Narr wissen sollte, dass Huren nur eines von einem Mann wollten. Shae hatte nie geleugnet was sie war; es war nicht ihre Schuld, dass Tyrion sein Herz an sie verloren hatte. Aber musste sie ausgerechnet seinen Vater als nächsten auswählen? Er hörte ihr Stöhnen, hörte Gelächter, Tywins leise Stimme, als er mit den beiden Frauen sprach, mit denen er sich gerade vergnügte. Er hätte es nicht schmerzhafter inszenieren können, wenn er gewusst hätte, dass sich sein Sohn in eben diesem Moment in der Wand aufhielt und jedes Geräusch hörte, selbst wenn er seine Augen lieber verschlossen hielt

War es wirklich noch wichtig, dass er blieb? Seine Welt war nicht das, was er immer geglaubt hatte. ‚Ein kleiner Mann, der einen großen Schatten wirft’, hatte Varys einmal über ihn gesagt, aber Tyrion glaubte es nicht mehr. Er hatte sich zum Narren gemacht, er hatte sich wichtig geglaubt, während die Welt da draußen ihn verschlungen und ausgelacht hatte. Allen voran sein Vater. Der nichts getan, als man Tyrion zum Tode verurteilt hatte; der in der Nacht vor dem Tod seines Sohnes zwei Huren geholt hatte, darunter Tyrions ehemalige Geliebte.
Etwas in ihm zerbrach und er fühlte, dass er über den Punkt hinaus war, an dem er sich über Logik Gedanken machte.

Er krabbelte aus seinem Versteck heraus und rechnete mit schrillen Schreien, doch für eine direkte Unterbrechung war er zu spät gekommen. Die Schlafkammer lag verwaist da. Er hörte Planschen und leises Lachen aus dem Nebenraum. Tyrion griff nach der Armbrust, die sein Vater von Joffrey genommen haben musste, denn er erinnerte sich, seinen Neffen einmal damit gesehen zu haben. Für ihn lastete sie schwer wie das Gewicht der ganzen Welt auf seinen Armen, aber er hoffte, nicht lange warten zu müssen, als er sie auf die Tür richtete. Tywin würde bald zurückkommen. Aber was, wenn es Shae war? Oder die blonde Hure, die zuerst durch die Tür trat?

Tyrion ließ die Waffe sinken und dachte kurz darüber nach, dann schlich er auf die zweite Tür zu, die direkt zum Abort führte. Er wollte sich nur vergewissern, dass ihn niemand von dort überraschte, bevor er ins Nebenzimmer schlich und den badenden Nymphen ihren Löwen nahm. Womit er nicht gerechnet hatte, war, dass Tywin Lannister sich nicht den beiden Huren angeschlossen hatte, sondern auf dem Abort saß, nicht länger nackt, sondern mit einem einfachen Hemd bekleidet und einer leinenen Hose, die zu seinen Füßen hing.
„Ich habe doch gesagt, ich komm -“, er sah auf und da war er wieder. Der bohrende Blick, die Strenge, die Abwesenheit von jeglichem Lächeln.

„Tut mir Leid, ich muss die Feier beenden“, presste Tyrion hervor. Es war lächerlich, wie sein Vater auf dem Abort thronte und er wünschte sich, die Sieben Königreiche könnten die Hand jetzt sehen.
Wie immer versuchte Tywin die Oberhand zu behalten. „Tyrion. Leg die Waffe weg. Du versuchst zu fliehen, gut, ich werde dich nicht aufhalten.“ Aber dir sämtliche Ritter und Schwerter Westeros hinterherschicken um deinen Kopf zurückzubringen, schien das dunkle Starren zu sagen.

Tyrion dachte nicht daran.
„Warst du es?“, verlangte er zu wissen. „Hast du Joffrey umgebracht?“
„Meinen eigenen Enkel?“ Ungläubig sah Tywin ihn an. Da er saß, überragte er ihn dieses eine Mal nicht. Tyrion nahm jeden Vorteil, den er kriegen konnte. „Ich bin dein Sohn und bei mir hattest du keine Hemmungen, mich so schnell verurteilen zu lassen.“

„Geht es darum? Du hattest deine Anhörung. Die Götter haben dich schuldig gesprochen.“ Tywin sagte nicht, dass er an die Schuld seines Sohnes glaubte. Das machte Tyrion nur noch wütender. Sein Vater glaubte nicht einmal daran, dass er es gewesen war, der Joffrey getötet hatte, aber er opferte ihn, opferte ihn einfach so… Tyrion zielte von Kopf auf Brust, unsicher, wohin er schießen wollte, aber eine Frage gab es noch. „Shae… warum Shae?“

Die schmalen Lippen seines Vaters pressten sich aufeinander und zuckten an den Enden kaum merklich in die Höhe, so dass die Falten um seine Augen stärker heraus stachen. „Es war immer schon Shae. Ich habe sie deinem Mann Bronn in die Arme geschubst, damit er dir die Richtige zuführt. Ich wusste, dass du nie auf mich hören würdest und musste einen anderen Weg finden, deine zügellose Hurerei zu kontrollieren. Sie hat ihre Sache gut gemacht.“
‚Zu gut.’ Sie war nicht nur die einzige Hure gewesen, mit der Tyrion seit ihrer ersten Begegnung geschlafen hatte, sie hatte sich auch in sein Herz geschlichen. Jetzt wusste er, dass sie es von Anfang an darauf angelegt hatte und jeden seiner Schritte an seinen Vater verraten hatte.

„War denn überhaupt irgendetwas wahr?“, fragte er sich gereizt und rieb sich mit der linken Hand über den Nasenstumpf, aber die Armbrust war zu schwer um sie mit einer Hand zu halten. Rasch nahm er wieder beide zur Hilfe und richtete sie neu aus.
„Du bist mein Sohn“, erwiderte Tywin kurzangebunden. „Auch wenn ich es nie mochte, du bist wahrhaft mein Sohn.“ Es war das erste Mal, dass er anerkannte, dass sie mehr als eine Blutlinie teilten.

„Vielen Dank Vater, aber darauf kann ich verzichten.“
Hatte er wirklich vorgehabt, zu schießen? Hatte er von Anfang an, als er Tywin mit den Huren gesehen hatte, geplant, endlich eine Tat zu begehen, derer er wirklich schuldig war? Man hatte ihn als Königs- und Sippenmörder geschmäht und während er das eine nicht verdient hatte, so bewahrheitete sich nun das andere. Der Bolzen schlug mitten durch Tywins Eingeweide, als dieser gerade im Begriff war, sich zu erheben. Er sank zurück auf den Abort, die Augen ungläubig geweitet, eine Hand an seine Mitte geführt.

Das Bild erinnerte Tyrion daran, wie er Shae kurz vorher noch gesehen hatte. Es war keine Zeit, die Armbrust neu zu laden, so schleuderte er sie davon, als er ins Schlafzimmer zurückkehrte. Shae stand in der Tür, splitterfasernackt, nur eine goldene Kette um den Hals. Sie schien nicht einmal erstaunt, dass er da war, und ging in die Knie. „Tyrion…“, bittend streckte sie die Hand aus.

‚Oh, die unstete Zuneigung einer Hure… könnte mein Herz dir doch glauben’, aber er konnte es nicht mehr. Die Tränen auf ihren Wangen waren sicher gespielt, genau wie die plötzliche Sanftheit. Sie tat es in dem Wissen, dass sie von Tywin Lannister nicht länger etwas zu erwarten hatte. Er tat ihr den Gefallen, trat näher und ließ sich von ihr in ihre Arme ziehen. Sie roch nach seinem Vater, immer noch, obwohl sie frisch gebadet war. Es war so einfach, die Kette enger zu ziehen und zuzusehen, wie ihr schönes Gesicht sich verfärbte. „Tyrion“, krächzte sie, „mein Löwe, bitte“, aber er würde nie mehr vergessen, wie sie sich über seinen Vater gebeugt hatte. Jene Bilder hatten alles ausgelöscht, was er je mit ihr geteilt hatte, und er ließ nicht locker, bis sie erschlafft zu Boden sank.

Erst dann verließ er die Schlafkammer und sah nach der zweiten Hure. Sie hatte nicht mitbekommen, dass etwas vor sich ging, weil sie das Lied der Mutter summte. Beinahe andächtig fuhr sie mit dem Schwamm über ihre Arme und endlos langen Beine.
Er wollte das Bild nicht zerstören, er wollte nicht auch ihr Blut vergießen. Auch sie trug eine Kette um den Hals, der siebenzackige Stern des Glaubens baumelte zwischen ihren vollen Brüsten. Als sie ihn erblickte, fuhr ihre Hand unwillkürlich zu diesem Talisman und umklammerte ihn. Als könnten die Sieben sie jetzt noch retten. Die Götter kümmerten sich nicht um Huren und Gnome, hätte er ihr erklären können. Wo waren sie gewesen, als das Urteil über ihn gesprochen worden war? Wo waren sie? Sie hatten seinen Vater im Stich gelassen, der immerhin die Hand des Königs gewesen war, sie würden sich nicht um eine kleine Hure mit goldenem Haar kümmern.

Andererseits, warum musste er sie umbringen, überlegte er, als er auf die Wanne zuwankte. Warum sollte er solche Schönheit verschwenden, wo alles, was sie getan hatte, der Satz gewesen war, dass sie nicht für alles Gold der Welt mit ihm geschlafen hätte? Ehrlichkeit war selten. Er hatte genug Lügen für heute Nacht gehört.
„Glaubst du, deine Götter werden dich beschützen?“ Tyrion grinste schief und sie wich in der Wanne zurück, die Knie angewinkelt, das Amulett umklammert.

„Ich… ich bitte Euch Lord…“
„Hast du Angst vor mir?“
Die Hure nickte.
„Dann geh.“ Sie ließ es sich nicht zweimal sagen und er sah ihr hinterher, wie sie nackt aus den Gemächern der Hand floh. Es würde nicht lange dauern, bis sie auf die ersten Wachen traf. Sie würden kommen und seinen Vater und Shae finden und bald würde man einen Grund haben ihn Sippenmörder zu nennen. Vatermörder. Tyrion wartete nicht ab, bis das passierte. Er hatte weiterhin vor, den Tag seiner Hinrichtung zu verpassen und seinen Tod so lange wie möglich hinauszuzögern. Er kehrte durch die Geheimtür zurück in die Gänge und machte sich an den langen Abstieg in die Freiheit.


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Dies war mein Beitrag zur dritten Runde des Fandomturniers!
Vorgaben waren diesmal:
- nicht mehr als 4000 Wörter
- eine absurde Situation und ihre Auflösung (ich hoffe, das ist auch rausgekommen)
- 2 der rhetorischen Figuren müssen mind. 3x verwendet werden, ich habe Alliteration und Hyperbel gewählt [demnach durften etymologische Figur und Diminutiv nicht vorkommen]
- der Satz "Wenn du groß bist, wirst du gegessen" muss eingebaut werden
- ein Talisman muss erwähnt werden, der für eine der Personen eine wichtige Rolle spielt

Ein Wort noch zum Titel: Dies ist natürlich eine Anspielung auf den Eid der Nachtwache ("I'm the Watcher on the Wall..."), denn auf seine eigene Weise ist auch Tyrion diesen Männern sehr ähnlich, auch wenn es sein Vater ist, der ihm diese Restriktionen auferlegt und kein freiwilliger Eid.
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