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Die Flaschenpost

von Lord Snow
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12
04.03.2014
05.06.2014
4
3.654
 
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04.03.2014 684
 
Es war letzten Sonntagmorgen, sehr früh am Morgen, denn ich pflegte zeitlich aufzustehen, ich war gerade unten am Meer ein bisschen Angeln - Ohne Köder natürlich, ein Fang hätte die Ruhe nur zunichte gemacht -, als ich etwas blinkendes im Wasser schwimmen sah. Es schien mir wie eine Miniatur der versinkenden Abendsonne, die dort im ruhigen Wasser des Meeres langsam auf mich zutrieb. Doch je näher dieses seltsame Schauspiel auch kam, so wurde es nicht größer. Es war eine Flaschenpost, und sie trieb direkt vor meinem Angelplatz an die Küste. Selbstverständlich fischte ich sie erst einmal aus dem Wasser und war überrascht, dass die Flasche völlig matt wirkte, als wäre sie uralt, aber dennoch in den Orangetönen leuchtete, die auch das Meer trug. Sie war nicht mit einem Stöpsel aus Kork verschlossen, sondern mit Papier. Und sie war auch nicht kalt wie das Meer, sondern wohlig warm, genau wie ein Kaminfeuer im Winter. Alles in allem war es also keineswegs eine normale Flaschenpost und ich beschloss, sie dementsprechend zu würdigen.
Ich nahm also dieses seltsame Geschenk des Meeres mit nach Hause, wo ich es erst einmal in mein Wohnzimmer stellte. Ich dachte mir, man bräuchte doch wohl die richtige Atmosphäre, um so etwas Besonderes zu öffnen, also entschied ich mich, ein Feuer im Kamin zu entfachen. Doch als es im Kamin fröhlich knisterte und ich die Flasche bereits in den Händen hielt, um sie zu öffnen, befiel mich eine Müdigkeit, der nicht nachzugeben war. Mein Mittagsschläfchen wollte offensichtlich nicht ausgelassen werden. Ich erwachte erst Stunden später, als das Feuer bereits heruntergebrannt war und nur noch die Glut lustig auf den verkohlten Scheiten herumtanzte. Nun war ich aber erst richtig neugierig auf den Inhalt dieser Flaschenpost. Vorsichtig nahm ich den Verschluß aus Papier ab und legte ihn auf den Tisch. Dann plötzlich stieg mir ein starker Geruch in die Nase. Es roch nach Feuer, aber nicht nach dem direkt vor mir. Nein, es war der Geruch von Feuern, die in der Ferne brennen, mit einem Hauch von Zimt darin. Und dieser Duft kam direkt aus der Flasche. Nun war ich erst recht neugierig, ich faßte in die Flasche und holte den Inhalt heraus. Es war Papier. Fünf sorgfältig ineinandergelegte Blätter Papier, die diesen besonderen Duft ausstrahlten. Sie waren - trotz ihrer langen Reise über das Meer und obwohl ihnen nur weiteres Papier Schutz vor der Nässe geboten hatte - staubtrocken und knisterten zwischen meinen Fingern, so dass ich fürchtete, sie würden mir in den Händen zerbröseln. Doch sie taten es nicht. Es schien ein wohliger Schimmer von ihnen auszugehen, als würden sie sich freuen, endlich gelesen zu werden. Ich faltete die Papiere auf, wollte endlich sehen, was wohl auf diesen fünf Blättern einer ominösen Flaschenpost Interessantes stehen würde. Doch ich konnte es nicht lesen. Auf jeder der Seiten waren drei große, fremdartig anmutende Zeichen gemalt, die ich beim besten Willen nicht entziffern konnte. Schwer enttäuscht wollte ich die Zettel schon wieder beiseite legen, ein Scherzbold hatte vermutlich mit der Flasche und den Zetteln herumgespielt, als ein kleines Wunder geschah. Ein Funken, der letzte aus meinem Kamin, und ich weiß bis heute nicht, wo er herkam, schwebte leicht wie eine Schneeflocke durch den Raum und setzte sich auf die Nachricht. Ich reagierte nicht schnell genug, sofort brannte die Botschaft aus dem Meer lichterloh - und hörte genau so schnell wieder damit auf. Die Blätter waren nicht verbrannt, sie lagen nun nur angeschwärzt vor mir. Kurz tippte ich sie an; sie waren nicht heiß, aber auch nicht kälter als zuvor. Ich nahm sie noch einmal in die Hand und als hätte das Feuer die Farbe weggebrannt, konnte ich unter einer dünnen Schicht Asche Buchstaben erkennen. Sehr, sehr kleine Buchstaben, so winzig, dass man eine Lesebrille und eine Lupe gebraucht hätte, um sie zu lesen. Doch vor meinen Augen waren sie plötzlich groß wie in einem der unzähligen Bücher, die sich in meinen Regalen stapelten.Erstaunt wischte ich die Asche beiseite und besah mir alles genauer. Kein Zweifel, auf diesen fünf einseitig geschreibenen Blättern war ein ganzer Roman geschrieben. Das Manuskript in meinen Händen knackte herausfordernd. Und ich fing an zu lesen.
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