Illusion - Wem kannst du noch trauen

von Kin-Chan
MitmachgeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16
03.03.2014
12.01.2017
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Lilia Kylee (18):

Links. Rechts. Ducken. Schlag.
Immer die selben Abläufe. Es langweilt mich. Dieser Trainer hat mir nichts entgegenzusetzen. Er weicht nur aus, scheint den Kampf in die Länge ziehen zu wollen. Ein gezielter Schlag von mir in den Bauch und er befindet sich auf dem Boden, meinen Speer an seiner Kehle.
„Nicht schlecht“, lobt er mich.
Mein abfälliger Blick ruht auf ihm, bevor ich den Speer in den Körper einer Puppe werfe. Mit einem 'Tock' bleibt er darin stecken.
„Du solltest aufpassen, was du sagst!“ ,zische ich ihm entgegen. „Sonst ist es nicht die Puppe, die mein Speer trifft!“ Ich beobachte seinen erschrockenen Gesichtsausdruck mit Genugtuung und gehe   zur Tür. Für heute habe ich genug trainiert. Und mit diesem Trainer kann ich das sowieso vergessen.  
„Hey, Mädchen!“
Fragend drehe ich mich um. Ein Junge mit längeren dunkelbraunen Haaren und einem roten Auge sieht mir grimmig entgegen. Sein anderes Auge ist von einer Augenklappe verdeckt. Azuris Legete.
„Du hast meine Puppe umgebracht.“ Ich folge seiner Hand, die zu der Puppe zeigt, in der mein Speer steckt.
„Du warst wohl zu langsam“, grinse ich ihm entgegen und verlasse die Trainingshalle. Ich werde meine wertvolle Zeit nicht verschwenden, um mit ihm zu plaudern.
Draußen scheint mir die Sonne entgegen und eine schwüle Hitze hat sich über den Distrikt gelegt. Am liebsten würde ich jetzt kalt duschen gehen, die verschwitzten Klamotten von meinem Körper loswerden. Aber ich muss noch etwas wichtiges erledigen.
Im Schatten einer großen Fabrik bleibe ich stehen, lehne mich an die kühle Wand. Er müsste jetzt Schluss haben.
In dem Moment erscheint ein großer dunkler Schatten vor mir und weiche Lippen legen sich auf meine. Ich grinse in den Kuss hinein.
„Du warst beim Training?“ Jamie zupft an meinem durchnässten Klamotten. Ich nicke.
„Ausgerechnet am Tag der Ernte musst du trainieren“, seufzt er.
„Ich wollte nochmal trainieren, damit ich im Kapitol auch fit bin.“
Ich spüre, wie sein Blick auf mir ruht. Als ich ihm in die Augen sehe, ist seine Enttäuschung nicht zu übersehen.
„Du willst dich freiwillig melden.“
Wieder nicke ich. „Ich habe das schon lange geplant, das weißt du.“
„Ich hatte gehofft, dass du dich doch anders entscheiden würdest. Du weißt, was ich von diesen Spielen halte. Und ich bin ihnen nur knapp entkommen.“
„Mein Entschluss steht fest, Jamie!“ Selbst er wird mich nicht davon abhalten können, an den Hungerspielen teilzunehmen.
Unsere Blicke treffen sich und sein Ausdruck wird weich. Seine Arme schließen sich um mich, ich spüre seine Lippen auf meinen Haaren. „Ich will dich einfach nicht verlieren.“
„Das wirst du nicht“, flüstere ich ebenfalls und küsse ihn.

„Diese Frau hat es einfach nicht drauf!“
Mackenzies abfälliger Blick ist auf die Betreuerin unseres Distriktes gerichtet. Sie trägt dieses Jahr ein goldenes Kleid, das im Sonnenlicht wild funkelt. Ihre violetten Haare passen absurderweise zu ihrem Outfit. Es ist eben der Stil des Kapitols. Eigenartig und doch irgendwie faszinierend.
„Willkommen Distrikt 1, willkommen zu den 81. alljährlichen Hungerspielen!“, begrüßt sie uns lächelnd und nimmt es mir ab, Mackenzie zu antworten.
„Es freut mich auch dieses Jahr wieder zwei mutige Tribute durch die Hungerspiele zu begleiten und einen von ihnen vielleicht bald zum Sieg gratulieren zu dürfen! Sie warten sicher schon gespannt auf diesen denkwürdigen Augenblick und ich möchte sie nicht länger warten lassen. Wie immer beginnen wir mit den Mädchen.“
Ich beobachte jeden ihrer Schritte, als sie zu dem Behälter mit den Zetteln der Mädchen geht und ihre dünne Hand einen weißen Zettel in die Finger nimmt. Jamies Worte gehen mir immer wieder durch den Kopf. Er will mich nicht verlieren. Doch das wird er nicht. Ich werde diese Spiele gewinnen. Aber was wird er machen, während ich im Kapitol bin?
„Unser weiblicher Tribut ist Aventaly Pride.“
Ein erschrockenes Kreischen, das mir so bekannt ist. Linnea. Der Name, der auf dem Zettel steht ist der ihrer besten Freundin.
„Ich melde mich freiwillig!“, rufe ich, damit mich jeder hören kann. Alle Blicke sind auf mich gerichtet.
„Dann rauf mit dir, Mädchen!“, winkt mich Asya hinauf zur Bühne. Meine Beine setzen sich in Bewegung, tragen mich die kleine Treppe hinauf. Sofort werde ich von ihr in die Mitte gezogen.
„Wie heißt du?“
„Lilia Kylee.“
„Dann willkommen bei den Hungerspielen, Lilia!“

Azuris Legete (18):

Ich beobachte das Mädchen, das sich soeben freiwillig gemeldet hat. Es ist das Mädchen, das heute Vormittag ihren Speer in meine Puppe gerammt hat. Noch einmal würde sie mich nicht so bloß stellten.
„Unser männlicher Tribut ist...“
„Ich melde mich freiwillig!“ Verdutzt schaue ich auf den Jungen vor mir. Es ist nicht meine Stimme, die über den Platz hallt. Er war schneller als ich, hat Anspruch auf den Platz. Ich habe nur eine Möglichkeit. Freiwillig wird er mich nicht gehen lassen. Er will selbst in die Hungerspiele und wird niemand anderen seinen Platz einnehmen lassen.
Vorsichtig bücke ich mich, ziehe das Messer aus meinem Stiefel, das ich vorhin sorgfältig darin versteckt habe. Man weiß nie, wofür man es brauchen kann. Und gerade jetzt ist es mir sehr nützlich.
„Kleiner, du wirst nicht gehen.“ Der Junge drehte sich verwirrt um, sieht mir erschrocken in die Augen, als er das Messer in meiner Hand entdeckt. Doch bevor irgendjemand etwas unternehmen kann, ramme ich es ihm auch schon in den Körper. Ich höre die Menge erschrocken aufschreien, sehe zu wie mein Gegenüber blutend zusammenbricht.
„Da wir nun keinen Freiwilligen mehr haben werde ich gehen!“ Diesmal ist es meine Stimme, die über den Platz hallt. Es ist still, als ich die Bühne hinauf gehe und unsere Betreuerin angrinse. Sie sieht mich ebenfalls kurz erschrocken an, fängt sich jedoch schnell wieder und bringt mich neben Lilia. Dort angekommen wird mir von ein paar Friedenswächtern das Messer abgenommen. Aber niemand scheint sich zu beschweren, dass ich mir meinem Platz erkämpft habe.
„Wie ist dein Name?“, fragt Asya mich.
„Azuris Legete.“
„Willkommen im Team, Azuris.“ Dann richtet sie sich zum Publikum. „Ich bitte um einen herzlichen Applaus für unsere zwei mutigen Tribute, die Distrikt 1 in den 81. alljährlichen Hungerspielen vertreten werden. Möge das Glück stets mit euch sein.“

Man hat mich in einem Raum warten lassen.
Als die Tür aufgeht, schaue ich in die Augen meiner Familie. Smaragd steht vorne und lächelt mich leicht an. „Das nenn' ich mal einen Auftritt.“ „Irgendwie musste ich ihm ja deutlich machen, dass ich der Tribut bin!“
„Das hast du sehr gut gemacht, Azuris!“, unterbricht meine Mutter unser Gespräch und lächelt mich an. „Der Distrikt wird stolz auf dich, stolz auf unsere Familie sein. Und alle Leute im Kapitol werden dich respektieren. Ich weiß, dass du mich nicht enttäuschen wirst!“ Sie schließt mich für einen kurzen Moment in ihre Arme. „Ich werde dich nicht enttäuschen!“
Als sie mich loslässt, legt sich eine Hand auf meine Schulter. „Mein Sohn, du hast jahrelanges Training genossen und bist zu einem ansehnlichen Kämpfer geworden. Enttäusche uns nicht.“ Mein Vater sieht mich an, rührt sich kein bisschen.
„Azuris bitte pass' auf dich auf.“ maragds Arme schließen sich um mich. Ich drücke sie für einen kurzen Moment.
„Das mache ich!“, flüstere ich ihr ins Ohr.
Als ich Onyx in die Augen sehe, laufen kleine Tränen seine Wangen hinunter. Ich knie mich vor ihm hin, wische die Tränen weg. „Keine Sorge, ich werde gewinnen. Und dann kannst du stolz auf deinen großen Bruder sein.“
„Ich bin auch so stolz auf dich“, schnieft er. „Ich will nicht, dass du dein Leben aufs Spiel setzt.“
„Aber du weißt, dass es meine Pflicht ist. Ich muss das fortführen, was Rubin nicht beenden konnte.“
Ich nehme ihn in die Arme, drücke ihn fest an mich. „Ich werde gewinnen, Onyx!“
Noch einmal schnieft er, ringt sich ein Lächeln ab.
Dann verlassen sie den Raum.

Als die Tür erneut aufgeht, schaue ich in enttäuschte blaue Augen.
„Du hast es also wirklich durchgezogen.“
„Wie du siehst habe ich das.“
Ein verzweifeltes Seufzen kommt von Handmade. „Azuris, nur weil deine Eltern sagen, dass du zu den Hungerspielen musst, hättest du dich noch lange nicht freiwillig melden müssen. Du kannst dein Leben selbst bestimmen!“
Müde schüttele ich den Kopf. „Du weißt, was damals passiert ist. Willst du, dass ich ende, wie mein Bruder? Willst du für meinen Tod verantwortlich sein?“
Stille.
„Es ist ohnehin schon zu spät meine Entscheidung zu ändern. Ich werde zu den Hungerspielen gehen“, füge ich noch hinzu.
„Ich weiß. Ich hoffe nur, dass dir noch klar wird, was deine Eltern dir und deinen Geschwistern angetan haben.“
„Du hast nicht das recht, schlecht über meine Eltern zu reden“, entgegne ich ihr kalt.
Wieder seufzt sie. „Ich will mich nicht mit dir streiten, Azuris.“
„Weshalb bist du dann her gekommen?“
Handmade kramt in ihrer Tasche herum und hält mir etwas vors Gesicht. Es ist ein kleines Medaillon. „Ich möchte, dass du das mitnimmst, als Andenken. Deine Familie hat dir bestimmt keines gegeben.“
„Danke, aber ich habe bereits ein Andenken.“
Verwirrt sieht sie mich an. „Es ist eine Brosche von Rubin.“
„Ich will trotzdem, dass du es mitnimmst, bitte!“
„Nein“,entgegne ich ihr bestimmt. „Das einzige Andenken, das ich mitnehmen werde, ist das meines Bruders.“ Damit ist die Sache für mich geklärt.
Handmade sieht traurig zu Boden, umklammert das Medaillon in ihrer Hand. Als sie wieder aufsieht lächelt sie mich an. „Versprich mir, dass du auf dich aufpasst!“ Ihre Arme schließen sich um mich und auch ich lege meine kurz um ihren Körper. „Das verspreche ich.“
Lächelnd verlässt sie den Raum, bleibt jedoch in der Tür stehen und dreht sich zu mir um. „Wenn du keine Hoffnung mehr siehst und nicht weiter weißt, dann öffne es!“
Dann fiel die Tür ins Schloss.
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So ihr Lieben,
das war die erste Ernte! Ich hoffe es hat euch gefallen und vorallem natürlich Y-Ape Ponk und Herania, die die beiden Tribute erstellt haben.
Ich hoffe, es ist alles zu eurer Zufriedenheit :D
Es geht weiter, sobald ich den fehlenden Steckbrief für 2 habe :)
Hoffentlich melden sich noch weitere Teilnehmer, ich würde mch freuen!

LG Kin ^^
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