Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Hast du zehn Minuten, dann zeige ich dir die Welt

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16 / Gen
03.03.2014
30.08.2014
9
7.155
1
Alle Kapitel
11 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
03.03.2014 773
 
"Hey, Lilith. Das Übliche?" - "Ja, danke Dwayn."
Sie schenkte ihm ein warmes, freundliches Lächeln, bevor sie sich auf einen der Hocker an der Bar sinken ließ und erschöpft seufzte. Was für ein Tag! Sie wollte einfach nur schnell einen Drink nehmen und dann ab nach Hause, ein entspannendes Bad nehmen und sich in ihr weiches, kuscheliges Bett fallen lassen. Vielleicht noch einen guten Film gucken, aber keine dieser dämlichen Liebesschnulzen, davon hatte sie echt die Schnauze voll. Happy End, ja von wegen.
"War es ein anstrengender Tag?", fragte Dwayn, während er ihren Drink vorsichtig vor ihr abstellt und sie aufmunternd ansah.
"Du hast ja keine Ahnung! Erst hatte der Bus Verspätung, dann musste ich Überstunden schieben, weil plötzlich alle krank waren und dann hat auch noch irgendeiner mein Mittagessen gegessen. Ich hungere seit heute Morgen!"
Sie nahm einen tiefen Schluck aus dem Glas und entspannte sich ein wenig, während der kühle Drink langsam ihre Kehle herunter rann.
"Ich bringe dir eine Portion Fritten, dann hast du wenigstens etwas im Magen." - "Ich...Also ich...Ich hab..." - "Ich weiß. Geht auf's Haus. Der Drink auch."
Erleichtert und dankbar grinste sie ihn an. Auf Dwayn konnte sie sich immer verlassen. Sie kannten sich jetzt schon seit fast 2 Jahren und sie war fast jeden Abend hier, um sich nach der Arbeit etwas zu entspannen und sich auszusprechen,  er hatte immer ein offenes Ohr für sie und, was für sie am wichtigstens war, immer Verständnis, wenn sie mal wieder keine Kohle hatte (was ziemlich häufig passierte, da ihr Job zwar anstrengend, aber entsprechend schlecht bezahlt war). Er war weit mehr als nur irgendein Barmann, er war eine art Verwandter, ein Freund, dem sie vertrauen und mit dem sie über alles reden konnte. Das ein oder andere Mal waren sie sich auch noch näher gekommen, aber es war nie etwas daraus geworden, und sie waren beide froh darüber.
Etwas ruhiger nahm sie einen weiteren Schluck und sah sich in dem Lokal um. Die roten Wände waren behangen mit Bildern von alten Promis oder herrlichen Landschaften, den dunkele Holzboden bedeckte ein alter, etwas schmutziger, aber auch äußerst geschmackvoller Teppich. Es herrschte eine entspannte, gemütliche Atmosphäre und Lilith liebte dieses Gefühl, auch wenn es nicht mehr lange bleiben würde. Noch war es früh und außer ihr waren nur zwei Gäste anwesend, es war Still bis auf die leise Musik im Hintergrund, noch lag kein stinkender Zigarettenrauch in der Luft und kein betrunkender Vollidiot machte Randale. Es war einfach perfekt.
"Ich wünschte, es wäre immer so ruhig hier. Dann würde ich hier wahrscheinlich gar nicht mehr weg gehen." - "Dann würde ich aber auch nichts verdienen und der Laden wäre schneller geschlossen, als du gucken kannst.", lachte er, während er eine Schale mit Fritten vor ihr abstellte, über die sie sich gierig hermacht.
"Du bist der Beste, Dwayn!" - "Ach, das ist doch kein Problem. Gib mir einfach was wieder, wenn du mal im Lotto gewinnst."
Laut lachte sie auf, es war ein schönes, helles Lachen, das schon einigen Männern das Herz gekostet hatte.
"Vielleicht finde ich ja auch einen netten, süßen Millionär, der mich mit in seine Villa nimmt und mich mit Diamanten und Gold überschüttet. Da ist es doch wahrscheinlicher, das du mir bis an mein Lebensende jeden Tag einen Drink ausgeben kannst." - "Und vielleicht betritt dein Millionär gerade die Bar."
Er nickte zum Eingang und Lilith wandte sich um. Ein Junge betrat das Lokal, etwa in ihrem Alter, mit blonden, struppeligen Haaren und in einem dunkelen Anzug, an seinem Arm blitzte eine goldene Uhr. Er war attraktiv, ein selbstbewusstes Grinsen zierte sein Gesicht und er ging mit sicherem Schritt auf sie zu.
"Viel Spaß, ich lass euch mal allein." Mit einem leisen Lachen begab sich Dwayn in die Küche. Fies! Was sollte sie denn jetzt mit so einem Typen? Okay, er sah ganz gut aus und hatte scheinbar auch Geld, aber sie hatte gerade überhaupt keine Lust, sich von irgendeinem Kerl anflirten zu lassen, der sich scheinbar sonst was auf sein Kontostand einbildete. Bitte, geh einfach wieder und lass mir meine Ruhe, bitte sprich mich nicht an. Jetzt komm doch nicht näher!
"Hey, Kleine. Ich bin Drake. Und du?" - "Lilith." //Und überhaupt nicht interssiert!//, fügte sie in Gedanken hinzu.
Bitte merk doch, dass ich gerade keine Lust auf Konversation habe. Langsam lehnte er sich zu ihr herüber und flüsterte ihr leise zu: "Hast du zehn Minuten, dann zeige ich dir die Welt."
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast